Betreut von Anufa
DrachenSabber
Ist Gott überall?

Eine beunruhigende Geschichte ...

Doch, doch, doch, ich hatte Gott im Supermarkt angetroffen und zwar gestern um halb f ünf, als ich vor dem Regal mit den Schokoriegeln stand und nicht wusste welcher mir heute am besten munden würde.
Da hat sich doch einer dieser Schokoriegel  gemeldet und behauptet er sei Gott.
„Ich bin Gott“, behauptete er wichtig, „denn Gott wirkt auch durch mich. Ich bin eine Manifestation Gottes.“
Mann war ich verwirrt ... so stand ich da und wunderte mich.

Im Regal gegenüber, eigentlich schräg gegenüber, behauptete ein Waschmittel ebenfalls eine Manifestation Gottes zu sein.
„Ich bin Gott und tue auch Wunder. Ich verwandle deine schmutzige Wäsche in saubere. Auch wasche ich weißer als weiss, was wiederum ein Beweis meiner Wundertätigkeit ist.“ - So habe ich dieses liebenswürdige Waschmittel in den Einkaufswagen getan, sachte und ehrfuchsvoll. Den Schokoriegel habe ich im Regal gelassen, weil ich mich nicht getraute Gott einfach so zu essen.
Den Kaffee habe ich ebenfalls eingepackt, weil auch er behauptete Gott zu sein und zusätzlich noch von einer von den Inkas abstammenden heilige Pflanze sei, die sehr heilsam wäre. Dies hatte mich dann doch überzeugt.
Heilig ist gut!
Da der Tee auch behauptete heilig zu sein, habe ich diesen auch gleich mit eingepackt, auch wenn er nicht auf meinem Einkaufzettel stand.
Heilig ist heilig.

Beim Fleisch hatte ich dann so meine Probleme... Das Hackfleisch, das ich gerne für meinen Spaghetti  Bolognese kaufen wollte, sagte traurig zu mir, „Ich bin auch Gott. Ich war mal ein wunderschönes Rind, das leider in einer Fleischfabrik sein Leben lassen musste und dies sind nun die traurigen Überreste der göttlichen Manifestation." So wurde ich kurz vor fünf zum Vegetarier.

Die Zucchini, Tomaten und auch der Salat waren überaus erfreut mich zu sehen und riefen begeistert im Chor, „Auch wir sind Gottes Kinder, es ist OK wenn du uns essen möchtest, wir freuen uns.“ Nur die Kartoffeln murrten etwas von Pestiziden und schienen mit Gottes Plan gar nicht zufrieden zu sein.

Dies machte damit mein Unterfangen mich zu ernähren wesentlich leichter, so dass ich nun auch zufrieden mit meinen verschiedensten Göttern und/oder deren Manifestationen im Einkaufswagen, zur Kasse gehen konnte.

Dort sah ich Gott!

Ein göttliches Wesen sass an der Kasse, blond und üppig. Auch wenn sie eine etwas niedrige Stirn hatte, die Augen etwas zu eng standen und ihre schwarzen Augenbrauen einen ungewollten Kontrast zu ihrem blonden Haar bildeten. Eine göttliche Üppigkeit.
So stand ich nun da und schaute verzückt Gott. Bis Gott zu mir sagte, "Mann, was starrst du auf meine Titten, bezahl endlich oder ich hole den Filialleiter.“
Verwirrt und etwas beschämt bezahlte ich die 22 Euros an Gott und verliess Gottes Supermarkt.
So lernte ich, dass man Gott nicht anstarren darf.

Draussen fuhr ein Autobus vorbei und auch er behauptete er sei - samt seiner Insassen - Gott. Die stinkige Abgaswolke, die dem Autobus folgte, selbst diese argumentierte sie sei Gott, auch wenn sie stinke. Nun, der geneigte Leser, wenn er nicht schon längst in Empörung ausgebrochen ist, kann sich leicht vorstellen wie es mir gestern kurz nach f ünf zumute war.

Um ein wenig Ruhe in meine Gedanken zu erhalten, ging ich in den nahegelegen Park, dort hoffte ich doch etwas Luft, Besinnung und Ruhe zu finden. Weit gefehlt! Da ging es erst recht los.
Wie ich dort mit meinen Einkaufstüten auf dem Rasen stand und schaute, wie die goldgelben Blätter vom Wind von den Bäumen geweht wurden, hörte ich den Wind sagen, „ich bin der göttliche Bote und trage die Botschaften über den ganzen Planeten.“
Die Blätter riefen, „Wieder endet ein Kreis, freudig haben wir unsere Pflicht getan die Luft zu erneuern und den Menschen, den Tieren, der Erde und den Pflanzen Schatten zu spenden. Nun kommt die Zeit wo unser Dasein sich wandelt und wir uns in Humus transformieren.“
Das Gras, alle Grashalme gemeinsam, riefen, „Oh, ihr heiligen Blätter, willkommen! Ihr, die ihr doch unsere Nahrung seid. Freudig empfangen wir euch.“
Einige Blätter hörte ich jedoch  murren, „Jetzt geht die selbe Leier wieder los... Es ist doch jedes Jahr immer dasselbe, immer die alte Leier.“
Einige Gräser hörte ich aber auch leidvoll ächzen, „Menschenkind göttliches, jeden Schritt den du tust, tue ihn sachte“. Das war begreiflich mit meinen 82 Kilo und dazu noch die Tragtaschen, oder auch, „Mann kannst du nicht lesen, was da auf dem Schild steht??!!" Mein Bick fiel auf ein „ Rasen betreten verboten.“ Jetzt weiss ich warum diese Schilder immer dort stehen.
Nur die Bäume waren still, vermutlich, weil sie schon längst ihren wohlverdienten Winterschlaf abhielten.

So lieber Leser, der es bis zu Ende ausgehalten hat und immer noch nicht in Empörung und Wiederspruch ausgebrochen ist, dies ist die kleine Geschichte, geschrieben durch die gestrige Erfahrung, heute Nachmittag am warmen Ofen sitzend und noch immer sehr beunruhigend.
Ist Gott wirklich überall??


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