Betreut von Anufa
DrachenSabber
Der heilige Maulwurf und sein tragischer Tod   Teil II

Es war dieses Tipilager, vor einigen Jahren, gut organisiert, mit 16 Tipis. Im Halbkreis aufgestellt, nach Osten ausgerichtet, auf diesem wunderschönen Hügel im Elsass. Wenn die Sicht klar war konnte man die noch verschneiten Alpen sehen. Es war Frühjahr, wie  immer nass und kalt, das vierzehntägige Pfingstlager.

Die Männer sassen endlich im Halbkreis in der fast dunklen Hütte, die ersten sechs Steine glühten schon in der Grube und es duftete süss nach Sweetgras und Sage und die Frauen begannen auf allen Vieren, in die Hütte zu kriechen. Als das Geschenk Gottes mit einem fröhlichen „Ho mitakuye oyasin“ in die Hütte kroch war es als ob sich die „Vier Winde“, zu einem Wirbelwind vereinigen würden.
Der arme Schwitzhüttenleiter, brachte diesen Tornado erst in der dritten Runde unter Kontrolle, mit acht extragrossen zusätzlichen Steinen und einem zusätzlichen Eimer Wasser. So lagen 26 Steine in der flachen Grube und die Hitze des Dampfes war so stark, dass man das Gefühl hatte die Zehennägel würden schmelzen. Selbst der erfahrene Schwitzhüttenleiter lag flach und klammerte sich heimlich an den kühlen Wassereimer.
Um zu unseren Feuerhütern zurück zu kommen, so setzte sich genau diese junge Frau zu ihnen, links von dem „der immer im Westen sitzt“. „Oh, ist das schön hier, was für eine friedliche Stimmung.“ schwärmte sie, „mir ist nur ein wenig kalt am Rücken“. Eine Sekunde später war sie warm in die extra grosse flauschige Wolldecke von „der immer im Westen sitzt“ eingewickelt. So sassen die Zwei, glücklich kichernd und sich so richtig schön einkuschelnd, unter der extralargen warmen Decke. Den anderen fiel es wie Schuppen von den Augen, warum ihr Freund immer diese monströse Decke herumschleppte. Seit dieser Nacht ist es üblich, dass Feuerhüter immer mit extralargen Decken am Feuer sitzen. Es war ein schwieriger Moment, weil die so genannten Energie sich gewandelt hatte. Keiner wusste mehr wirklich was er sagen oder tun sollte.
Ausser den Zwei unter der Decke. Nur die Köpfe schauten noch aus der Decke hervor, kichernd und lustig sassen sie dort. Bald zogen sie die Decke über ihre Köpfe und eine wilde Fummelei begann.

Empört verzogen sich die restlichen Feuerhüter nach Osten. Nein, nicht so wie ihr denkt, aus Frust oder Neid, oder  sonstigen Gemeinheiten. Nein, es ist ein heiliges Feuer und Rumfummeln schickt sich natürlich nicht. So sassen sie nun im Osten, ausser dem „der immer im Nord-Osten sitzt“ nicht.  Die zwei Turteltauben verzogen sich bald stolpernd und kichernd in die Nacht um, ihr Tipi zu finden. Niemand weiss was dort wirklich geschah, aber in dieser Nacht konnte man aus manchen Tipis wohliges Seufzen oder Stöhnen hören.

Es war eben dieser eine herrliche Morgen, weil ausnahmsweise mal die Sonne schien. Die Holzsammler waren schon längst aktiv, aus dem Küchentipi hörte man das lustige Klappern der Töpfe und Pfannen und die Küchenmannschaft sang ein altes Sklavenlied dazu. Die Feuerhüter hatten eine wunderschöne Sonnengruss- Zeremonie organisiert. Sie hatten sich in der Nacht noch über die wichtige Frage, ob es wichtig sei die christliche Taufe schamanisch zu entsiegeln, unterhalten, auch waren sie einhellig zur Ansicht gekommen, dass der „der immer im Westen sitzt“ noch nicht auf dem Wege zur Erleuchtung sei. Bevor sie total paranoid wurden hatten sie sich im Osten, in ihren zu kleinen Wolldecken am Feuerkreis zusammengerollt und sind erst im Morgengrauen wieder aufgewacht.
Als diesem besagten Morgen „das Geschenk Gottes“ aus dem Tipi kroch, eingewickelt in die extralarge Wolldecke und sich wohlig in der wärmenden Sonne räkelte, seufzte einer der älteren Holzsammler, „kuck darüber, dort steht Gott.“ Der Andere meinte „es ist Aphrodite, schau wie sie leuchtet.“, der ewige Miesepeter dagegen meinte schlecht gelaunt, „es ist Eris, mit ihrem goldenen Apfel.“
So stand sie dort, leuchtend wie eine energetisch aufgetankte Göttin, oder war es das zusätzliche Testosteron? Hinter ihr streckte „der immer im Westen sitzt“ seinen verwuschelten Kopf aus dem Tipi. Er sah aus, als hätte er die ganze Nacht das gesamte Kamasutra rauf und runter gebetet. Wie dem auch immer sei, der Miesepeter sollte recht behalten, denn das Unheil begann seine Kreise über das Lager zu ziehen.

So „das Geschenk Gottes“ dort stand und in die schon hochstehende Morgensonne blinzelte, begann sie aufgeregt in den Himmel zu zeigen und rief freudig," Ein Zeichen, es ist ein Zeichen.“ Da sowieso die gesamte Aufmerksamkeit des Lagers auf sie gerichtet war, schauten alle hoch. Und tatsächlich, dort hoch oben im klaren Licht der Sonne kreiste einsam, ein Bussard!

Ein leiser spiritueller Schauer durchrieselte das Lager. „ Es ist der Bote des Grossen Geistes, die Spirits schicken den Boten Gottes.“ stöhnte „der der immer im Nord-Osten sitzt,„Der Bote Gottes segnet uns.“ „Er kreist genau über dem Heiligen Feuer, ein starkes Zeichen.“
die Meinung der Feuerhüter. Der erfahrene Schwitzhüttenleiter sagte erregt, „Wir sind dem Gossen Geheimnis nahe. Heute Abend werden wir den Boten des Grossen Geistes in die Schwitzhütte einladen. Wir werden mit dem Grossen Geist verbunden sein.“ „Oh, hoffentlich lässt er eine Feder fallen.“ schluchzte eine der jungen Frauen ergriffen.
„Was für ein Schmarren.“ meinte der übliche Miesepeter. Doch niemand achtete seiner Worte, so dass aus einem leisen Schauer, ein ausgewachsene Euphorie wurde. Eine heilige Ergriffenheit füllte das ganze Lager.

So, nun ein paar klärende Worte an die Leser/Innen gerichtet, an die wenigen die dem Schreiber hoffentlich noch Wohlgesinnt sind, aber auch an den vermutlich grösseren Teil, der schon längst in eine grosse Empörung ausgebrochen ist. Der Schreiber dieser Geschichte  weiss natürlich genau, dass nicht der Bussard der Bote des Grossen Geistes ist, sondern der Adler. Wie ja allgemein bekannt ist. Nun, es hatte sich aber allgemein eingebürgert, dass mangels Adler, die ja leider schon seit über 150 Jahren in dieser Gegend ausgerottet sind, der Bussard diese Funktion übernehmen musste. Manchmal musste auch ein Milan herhalten, weil, einige von den noch unerfahrenen Camp-Bewohner/Innen den Unterschied zwischen Bussard und Milan nicht kannten.
Das ganze Lager hatte sich den wohligen Schauern ihrer Ergriffenheit ergeben, als „der immer im Westen sitzt“ ganz aus dem Tipi gekrochen kam, und sofort seine Wolldecke samt Inhalt in Beschlag nahm. So starrten sie gemeinsam, „Gottes Geschenk“ und der glückliche Besitzer der grössten Wolldecke des Lagers, verklärt in die Luft.„Oh ja, ein starkes Zeichen. Der männliche Anteil, das Ying.“  verkündete er stolz und wichtig und wuchs dabei um ca. 10 Zentimeter in die Höhe. „Gottes Geschenk“ kniff ihm unter der Wolldecke begeistert in seinen niedlichen Hintern. „Ach du Scheisse“ dachte der übliche Miesepeter, „jetzt haben wir den Salat. Das hätte er nicht sagen dürfen“, er wusste genau, dass dieses eben unbedarft daher gesagte  „Die mit der grossen Frauen-Trommel“ auf den Plan rufen würde. Und so kam es auch. „Die mit der grossen Frauen-Trommel“ klemmte empört ihre Trommel untern den linken Arm und rauschte mit ihrem Gefolge vom Platz.

Vom Wuchs her war sie eher klein und rund, mit kurzen und stämmigen Beinen, fest verankert in Mutter-Erde. Sie trug immer weite farbige Röcke, vermutlich um ihre üppigen Rundungen zu verbergen. Ihr treues Gefolge, drei Frauen in ihrem Alter, auch etwas sehr rund und stämmig, folgte ihr auf Schritt und Tritt. Sie war geehrt oder meistens auch gefürchtet, ob ihres tiefen schamanischen Wissens. Sie wusste über alles und jedes Bescheid. Alle waren sich einig, dass sie eine der wenigen war die sich wirklich voll und ganz dem sogenannten Schamanismus verschrieben hatte. Selbst der Erfahrene Schwitzhüttenleiter näherte sich ihr ausschliesslich sehr respektvoll. Sie hatte sich voll und ganz der weiblichen Seite des Schamanismus verschrieben. Heimlich war sie davon überzeugt, dass bald das Matriarchat die bestehende Gesellschaftsordnung ablösen wird und so tiefer Frieden und Heilung für die Erde und alle ihrer Bewohner kommen würde.


Ende Teil II


Troubleshooter


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