DrachenSabber
Der heilige Maulwurf und sein tragischer Tod   Teil I

Es war dieses Tipilager, vor einigen Jahren, gut organisiert, mit 16 Tipis. Im Halbkreis aufgestellt, nach Osten ausgerichtet, auf diesem wunderschönen Hügel im Elsass. Wenn die Sicht klar war konnte man die noch verschneiten Alpen sehen. Es war Frühjahr, wie  immer nass und kalt, das vierzehntägige Pfingstlager.

Die meisten Arbeiten waren schon getan. In den Tipis brannten schon die Feuer, die Tipialtäre schön dekoriert, warm und gemütlich. Die vielen Bodenhaltungskinder tobten schon um die Zelte, quietschverknügt und vor Dreck starrend. Mit roten Pausbacken und laufender Nase, mit gelben Gummistiefelchen, warm und wasserdicht eingepackt. Noch wurde gemeinsam im angrenzenden Wald Holz gesammelt und zu einem grossen Holzhaufen aufgeschichtet,  neben dem Heiligen Feuer, im Zentrum des Lagers.
Von nun wird das Feuer Tag und Nacht brennen. Es ist ein heiliges Feuer.

Es ist traditionell der Platz der einer kleinen Gruppe des Tipilagers reserviert ist, den „Stoischen“. So sitzen sie um das Feuer, in farbigen Decken gehüllt, die Arme vor der Brust verschränkt, ohne eine Mine zu verziehen, den Blick meistens verklärt oder starr ins Feuer oder dessen Glut gerichtet.
Der Eine von ihnen sass immer im Westen, so blickte er zur aufgehenden Sonne, natürlich nach Osten. Dies sei für ihn der Platz der ihm von den Geistern zugewiesen wurde, um seine persönliche spirituelle Entwicklung zu vollenden. Der geneigte Leser muss wissen, dass der Westen der Ort der Donnervögel ist, sie haben keine Augen, keine Ohren und keinen Mund, Heilige wissende und mythische Wesen. Er berichtete auch immer wieder, dass die aufgehende Sonne ihm viele Erfahrungen und Bestätigungen bringe. Dies führte dazu dass einige, meistens junge Frauen, der Ansicht waren, dass er auf dem Weg zur Erleuchtung sei, wenn nicht schon erleuchtet.
Die „Stoischen“ waren bei jungen Esoterikerinnen die zuhauf das Lager bevölkerten, sehr beliebt. Vermutlich weil sie sehr geduldige Zuhörer waren, und weil sie meistens nur ein zustimmendes „Aho“, oder vielleicht ein hinterfragendes „Hmmh“, auch ein begeistertes“ HoHo“, von sich gaben. So galten sie als aufmerksame Zuhörer, was bei den Frauen sehr gut ankam.  Auch gingen sie sehr sparsam mit Ratschlägen um. Sehr beliebt war, „Übergebe deine Sorgen und Ängste dem Wind. Er wird sie davon tragen und dir irgendwann auch die Antwort bringen.“ auch „ Ich werde mein Krafttier befragen, komm in mein Tipi, ich schenke dir eine Feder.“ Oder „Das heilige Feuer wird deine Ängste und Hemmungen transformieren. Schreibe sie auf einen Zettel und übergebe den Zettel dem Heiligen Feuer.“
Dies führte dazu, dass manchmal das Schreibpapier im Lager knapp wurde und auf Klopapier zurück gegriffen wurde, was natürlich eine grosse Entrüstung im Lager hervorbrachte, oder auf einem Spaziergang man eine junge Frau auf einem Felsen sitzend antraf,  die befreiend lachend oder leise schluchzend dem Wind ihre Sorgen oder Ängste anvertraute. Manchmal sass auch ein junger Mann auf dem Felsen, aber dies ist eine andere Geschichte.

Die „Stoischen“ hatten natürlich nicht nur Freunde. Wie denn auch, man kann es ja nicht jedem Recht machen. Besonders unbeliebt waren sie bei den Holzsammlern/Innen, die tageweise im Wald herumkrochen um das Lager mit Brennholz zu versorgen. Oder die Frauen oder Männer, die immer wieder ein fremdes, vergessenes Bodenhaltungskind  weinend in einer Wasserpfütze sitzend, mit vollgelaufenen Stiefelchen, auflasen und zum Trocknen und Trösten an die Tipifeuer brachten.
Ihnen besonders feindlich eingestellt, war die Küchenmannschaft, dort war man einhellig der Meinung, dass die „Stoischen“ nichts taugten, aber auch gar nichts. Weil sie sich nie um das Wohlergehen der Lagerbewohner kümmerten, sondern immer nur wichtig um das Heilige Feuer sassen und nichts tun. Obwohl es auch im Küchenzelt auch sehr esoterisch zugehen kann. Dort wurde die wichtige Frage zu ergründen versucht, „Warum sind es immer die Gleichen die das Geschirr abwaschen, den Müll entsorgen und aufräumen?“
Jemand war der Meinung es sei das Helfersyndrom. „Nein, meinte eine andere, irgend jemand muss ja die Verantwortung übernehmen, ansonsten verkommt das Lager zu einem Saustall.“ „Ich ziehe immer die Arschkarte,“ war auch eine Meinung, Der andere hing dort herum, weil er scharf war auf die mit der Arschkarte. Einigen konnten sie sich auf dieses, „Es muss wohl karmisch sein. Ja, da kann man ja nichts machen, so muss es wohl sein.“
Vermutlich wird es eines der letzten und für immer und ewig unergründbaren esoterischen Geheimnisse bleiben.

Nun liebe Leser/Innen, die dem Schreibenden hoffentlich noch zugeneigt sind, könnt ihr euch gut vorstellen, dass dieses den „Stoischen“ total am Hintern vorbei ging. Oder gar nicht bemerkten, dass etwas fehl laufen könnte, hatten sie doch eine genaue Vorstellung ihrer Vision und  ihrer Aufgabe.
Die letzte Nacht hatten sie, bis auf eine Ausnahme, gemeinsam am Feuer verbracht. Während die Küchenmannschaft noch lärmend aufräumte, legten sie schon Holz nach, denn das Heilige Feuer muss unterhalten werden.„Ich spüre eine sehr friedliche Schwingung, die durch das Lager zieht“, meinte der „der immer im Westen sitzt“.„Aho…..“ war der die gemeinsame Zustimmung der anderen. „Ja, das Heiligefeuer und seine Wächter halten die Energie, auch ich spüre diesen Frieden. Die Spirits und auch unsere Ahnen sind uns gut gesinnt, ich spüre ihre Anwesenheit sehr stark.“ Dies waren die Worte von dem „der immer im Nord-Osten sitzt und niemand weiss genau warum.“
„Oh ja, ich fühle Licht und Liebe, viel Liebe“ sprach es aus dem Westen.
„Darf ich mich zu euch setzten, die Küchenmanschaftsparty ist vorbei, sie sind alle schlafen gegangen und ich bin noch nicht müde.“
Das war die weiche Stimme dieses reizenden weiblichen Wesens, das die gestrige Abendschwitzhütte in einen Hormontornado verwandelt hatte.

Und das geschah in etwa so.
So wie sie dort stand, am Feuer das das männliche Prinzip symbolisiert, also die Sonne, wo die Schwitzhüttensteine erhitzt wurden, nur mit einem langen T-Shirt bekleidet, das grosse Handtuch um die Schultern gelegt, das hübsche ovale Gesicht, eingerahmt von halblangen braunen Haaren,  mit ihren leuchtenden Augen und dem lächelnden, versprechenden Mund. Und als sie wegen der Kälte begann auf und ab zu wippen, und ihre kleinen festen Brüste begannen ihrem Takt zu folgen. Als sie sich auch noch umdrehte, um ihren Rücken zu wärmen und sich dieser runde, kleine Apfelhintern unter dem T-Shirt abzeichnete, war es um die fast gesamte anwesende  Männerwelt geschehen.
Die Emanation des unergründlichen Grossen Mysteriums begann die arme männliche Weltenseele zu füllen. Die Manifestation der weibliche Seite Gottes, der Göttin oder Mutter-Erde in ihren jungen Jahren. Einige behaupten heute noch sie hätten Gott gesehen. So stand sie dort, in ihrer unbefangenen Natürlichkeit. Ein Traum!


Ende Teil I


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