DrachenSabber
Fritzi Möhrensaugers, vulgo Ruamzuzler, Abenteuer im „ländlichen Raum“

Die Nachrichten in der Millionenstadt überschlugen sich. Nach den Hiobsbotschaften über Rinder BSE wurde auch bei Hühnern und Schweinen dieselbe Gefahr befürchtet. Eindringlich wurde von dem Verzehr natürlicher Lebensmittel gewarnt die sowieso nur über dunkle Kanäle auf den Markt kamen.

„Warnung des Wirtschaftsministers! Natürliche Lebensmittel können Ihre Gesundheit gefährden.“

Dies ist eine Belanglossendung der Chemieindustrie. Die Berichte erzählten auch folgendes:
Kaum 100 km entfernt lebt in einem Reservat eine Gruppe von Menschen die sich trotz aller Gefahren von natürlichen Lebensmitteln ernährt und nach den alten überlieferten Traditionen lebt. Vor langer, langer Zeit wurde diese Art zu leben von einer Rasse vollzogen die sich Bauern nannte. Nach der Überlieferung, so hieß es, sollten auch sie sich von dem ernährt haben, was sie selbst angebaut hatten. Dazu kam noch das sie mit diesen Lebensmitteln die Stadtbevölkerung versorgt haben sollen, so berichtet zumindest die Sage. Angeblich waren diese Leutchen noch vom Wetter abhängig und konnten auch nur zu bestimmten Zeiten ihre Produkte anbauen und ernten. Interessanterweise sollen sie sich auch noch darüber gefreut haben, wenn die Zeit gekommen war und Salat, Getreide, Erdäpfel oder auch Obst „Saison“ hatten. Diese armen Menschen kannten den Genuss von Erdbeeren zu Weihnachten nicht.

Fritzchen Möhrensauger, ein gottlob zivilisiertes Kind unserer Heimat, war überrascht über diese Berichte. Er hatte zwar vor langer Zeit schon von seinem Großvater einiges über die gute alte Zeit gehört, nur konnte er sich nicht vorstellen, was daran gut sein sollte, sich solchen Gefahren auszusetzen. Großvater gehörte ja auch einer aussterbenden Spezies an. Er hatte sich zu Lebzeiten für so seltsame Dinge wie, Mondphasen, Brauchtum, Biologie, Ökologie und andere Philosophische Richtungen interessiert. Er hatte schon immer als Spinner in der Familie gegolten. Fritzchen wusste der Großvater eine veraltete Videosammlung über diese Zeit hatte, durfte sie aber auf Geheiß seiner aufgeklärten Eltern nie sehen. Doch heute übertrat er dieses Gebot und ...


Fernes Sehen

Klein Fritzchen saß gerade vor dem Telekommunikationsübertragungsgerät und wurde von Werbung in der Art „Bei meiner Ehr“, „Ja, Natürlich“ und Berichten über in Dirndl bekleidete, krachledernhosene Bäuerinnen und Bauern berieselt, die mit „jo guat“, ihre natürlich biologischen Lebensmittel anpriesen, als seine Mutter den Raum betrat.
„Kind, wie oft habe ich dir gesagt, dass du dir diese Horrorsendungen nicht ansehen sollst! Du weißt doch, wie gefährlich natürliche Nah-rungsmittel sind. Und nach neuesten wissenschaftlichen Forschungen könnte es sogar durch morphogenetische Felder eine Übertragung der Bazillen und Viren über unser TEKÜG (s.o.) geben. Alles strahlt!!! Wir sind ja glücklicherweise nicht mehr abhängig von natürlichen Lebensmitteln.“

Mit diesen Worten ging sie zum Replikator und drückte einige Knöpfe, um das Mittagessen zu erzeugen. Auf dem bereitgestellten Teller erschienen in den herrlichsten Farben, die doch so frisch und gesund aussahen, die „leckersten“ Gemüsesorten. Ein kleiner Zettel flatterte zu Boden, und Fritzchen hob ihn auf. „Achtung!“ stand darauf, „nicht dem Sonnenlicht aussetzen!“ Auf der Rückseite stand eine lange Rubrik von Zusatzstoffen und Geschmacksverstärkern und der Zusatz „enthält garantiert keine natürliche Nahrung!“
„Sag mal, Mama, wieso wurden damals immer Berichte über Bauern gebracht, die natürliche Lebensmittel produzieren, wenn wir aber heute doch nur synthetisch erzeugte künstliche Nahrungsmittel essen?“ „Ach du Dummerchen, das sind doch Berichte über eine ausgestorbene Art, die nur mehr vereinzelt vorkommt. Einige dieser Bauern, die übrigens heute Landschaftspfleger heißen, leben noch im Waldviertel, das ist diese hinterwäldlerische Gegend, die nur sehr schwer zu erreichen ist. Sie leben allerdings in totaler Isolation, ohne die Errungenschaften der modernen Technik.“

Fritzchen murmelte etwas von: „Na ich weiß nicht, die haben es doch viel schöner als wir, wenn ich mir diese Berichte anschaue. Wiesen und Wälder und die vielen Blumen und Tiere“. Dabei begann er sich am ganzen Körper zu kratzen. „Ach Herrjemine, beginnt schon wieder deine Allergie? Du hast wohl wieder das Fenster aufgemacht. Ich muss Papa endlich dazu bringen, dass er sie verriegelt. Wir sind die einzigen, die noch keinen Virenfilter in unserer Klimaanlage haben“.
„Du Mama, ich möcht mir nur allzu gerne diese Landschaftspfleger einmal anschauen. Ich möchte wissen wie sie leben und was sie essen“. „Na das kommt doch überhaupt nicht in Frage. Du weißt doch wie gefährlich es da draußen ist. Ungeschützt der Sonne und der Luft ausgesetzt! Selbst die heroischen Wissenschaftler können nur unter größten Vorsichtsmaßnahmen ihre Expeditionen ins Waldviertel unternehmen.“

Damit war die Diskussion beendet. Doch einige Zeit später wurde ein Bericht über eine dieser erwähnten Expeditionen gebracht. Mutter Möhrensauger konnte trotz heftigen Widerstands nicht verhindern, dass Fritzchen sich diese Sendung ansah. Gezeigt wurde ein Landgut, auf dem mehrere Familien lebten, die ihre Nahrung selbst anbauten.
Seltsame Lebewesen, die als Ziegen, Schafe, Schweine, Hühner und Gänse bezeichnet wurden, lebten gemeinsam mit diesen Menschen auf dem Gut. Diese Tiere weideten verbotenerweise auf den Hof umgebenden Wiesen und Feldern. Überraschenderweise wirkten die Menschen glücklich und zufrieden, und noch dazu waren sie allem Anschein nach gesund. Die Forscher und der Berichterstatter, alle in Schutzanzüge gehüllt, betonten die große Gefahr, in der sich diese Menschen befanden, bewunderten aber zugleich ihren Mut. Es stellte sich heraus, dass diese Gruppe von Einsiedlern sich „Lebensinsel“ nannte. Welch eine Unverfrorenheit, da sie doch alle dem Tod geweiht waren. Der Sprecher der Gruppe, ein Mann in den Fünfzigern (dass der noch lebte war schon ein Wunder) mit Vollbart, Stirnglatze und einem Haarschwänzchen im Nacken (ah, ja, eh klar, von diesen Typen hat man ja schon einiges gehört) erzählte von den Vorteilen einer natürlichen Lebensweise und dem Erhalt von altem Saatgut, Kreislaufwirtschaft und ökologischen Zusammenhängen, von Lebensqualität und anderen seltsamen Dingen.

Fritzchen bekam große Augen und dachte sich insgeheim: „Das können doch nicht alles Lügen sein, dort muss ich hin!!!“

Fortsetzung folgt... In der nächsten Folge trifft Fritzchen Möhrensauger den Weisen vom Berg und der erzählt ihm das „Märchen“ vom biologischen Landbau.


Merlin


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