Betreut von Anufa
DrachenSabber
Wicca, Lifestyle-Zeitschriften und Markenschutz   Teil II
Gibt es in unserer Fun-Gesellschaft eigentlich noch etwas, das ernst genommen werden kann? Wenn dem so ist, dann betrifft es wohl die grundlegendsten Dinge, wie den Tod, und damit eng verbunden, das Thema Religion. Sonst gäbe es wohl in der Welt nicht auch heute noch allerorten Glaubenskriege.

Nachdem letztendlich so gut wie keiner der selbsternannten Beschützer des Wicca fähig war, einen sinnvollen Vorschlag zur Lösung des Problems zu machen und der Intitiator der Causa selbst es leid war, ständig einen krummen Hund geschimpft zu werden, legte er schließlich die Rechte an der Marke einfach zurück um sich leidlich frustriert ins Privatleben zurückzuziehen, ich kann es ihm nicht verdenken. Wen würde es jetzt noch wundern, dass die Markenrechte, die deutsche Wicca-Szene war ja inzwischen alarmiert, wenn nicht vollends in Aufruhr, sogleich einen neuen Besitzer gefunden hatten, und dass dieser neue Besitzer so gar kein finanzielles Interesse an diesen Rechten hatte.

Geifer floss viel in diesen Wochen, selbst für meine gewohnten Verhältnisse als alten Sabberdrachen. Das Belustigendste daran war allerdings, dass kein Schwein sich mehr für den Untergriff des Verlages mit dieser Missgeburt an Esoterik-Magazin interessierte. Im Nachhinein betrachtet war es ja nach einem Sturm im Wasserglas, garniert mit unter anderem recht deftigen Schimpfworten, im Outcome das beschämendste Ergebnis, das überhaupt möglich gewesen war: Man hatte den Boten niedergeknüppelt statt das heranziehende Heer des spirituellen Niedergangs sehen zu wollen. Im Nachhinein waren die sich so ereifernden Wicca anscheinend heilfroh, dass sich der Sturm gelegt hatte, alle lehnten sich als alte Individualisten, die miteinander eigentlich gar nicht so viel zu tun haben wollen, genüsslich wieder in ihre Lehnstühle zurück und und nur noch die betont naiv gehauchte Frage beherrschte den Raum: „Ach geh, jetzt hat die Rechte am Label 'Wicca’ erst recht einer, der damit Kohle macht? Na so was – na und? ... Das wird der Sache schon nicht schaden.“

Mich hat damals einigermaßen gewundert, dass eine einzelne Privatperson dem gegenüber anscheinend eine derart schicksalhafte Bedrohung dargestellt hatte, dass sogar angestrengt versucht wurde, gerichtlich gegen den Betreffenden vorzugehen, sich allerdings letztendlich niemand gefunden hatte, den dafür nötigen Rechtsanwalt zu bezahlen.
So war also alles wieder beim Besten, Frieden war wieder eingekehrt und die Welt konnte ungestört weiter ihrem kulturellen Niedergang entgegenblicken. Warum sollte die Gemeinde der religiösen Bewegung des Wicca da auch eine Ausnahme darstellen. Aber wohl ist Gemeinde nicht der rechte Begriff, haben die Proponenten doch bewiesen, dass sie außer dem Label selbst nicht viel gemeinsam haben. Außer einer gewissen funktionalen, möglicherweise bewusst aufgesetzten Naivität vielleicht.
Mehr Wissenswertes rund um Wicca in Deutschland bringt sicherlich das soeben erschienene Buch eines 'Insiders', unseren Forumslesern ebenfalls wohlbekannt, der seinerseits ungern ein Blatt vor den Mund nimmt, man kann also gespannt sein, so sich allein der Titel schon recht kritisch liest: Zur Konstruktion von Wirklichkeit im Wicca-Kult.


Spezialist für Mehrwertdienste
Ungestört verbreitet seitdem in der nunmehr dritten Spezialausgabe das also somit so gar nicht für Aufsehen erregende Magazin seine anspruchsvollen Inhalte, und zeigt auch weiterhin, so sei euch nicht vorenthalten, nicht wirklich so ganz zufällig eine Schwäche für 0190er-Inserate. Noch mal ein Zitat, diesmal der andere Google-Fund, nämlich der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen:

Die Popularisierung und Vermarktung des Hexen-Themas nimmt weiter zu. Jüngstes Beispiel: Seit Anfang des Jahres setzt die seit 2003 erscheinende Zeitschrift "Sternenwelt" verstärkt auf diese Modewelle. Der im brandenburgischen Eberswalde ansässige Astrostarverlag hat sich dazu entschlossen, den Titel seiner Zeitschrift "Sternenwelt" nunmehr gegen "wicca" einzutauschen.
[...]
Ein weiteres marktstrategisches Kalkül gibt sich im Zeitschriftenimpressum zu erkennen: "wicca" ist - wie oben angemerkt - ein Produkt des Astrostarverlags, der wiederum eng verbunden ist mit der TVM-Kommunikation, einer Firma, die sich als "Spezialist für Mehrwertdienste & Kommunikation" im Internet präsentiert und entsprechende Service-Telefonnummern, sog. 0190-Nummern vermietet.

Na, da schließt sich der Kreis des Mammons doch glatt wieder und auch für mich ist der Begriff Esoterik nicht erst jetzt zum Schimpfwort verkommen, ich denke, spätestens hier wird offensichtlich, warum. Fast der gesamte Inhalt des Heftes ist neben Schönheit, Schlemmen und Rätselspaß unter der Rubrik Esoterik zusammengefasst.
Im ersten Heft fanden sich neben dem neuen Make-up-Look, jeder Menge Kreuzworträtseln und Kochrezepten ein Jahres-Horoskop, gleich noch ein Drei-Monats-Horoskop, heimische Kräuter, die Heilkraft der Edelsteine – so weit, so platt – aber es kam auch noch ein bisserl dicker mit: Die Welt der Erzengel, Der große Kartenlegekurs und natüüürlich, wie dürfte es in der ersten Ausgabe eines Eso-Heftes heutzutage fehlen:


Das große Liebesritual
der Großmeisterin der Magie, Susanne »Die Seherin«®. Ihr abgebildetes Portrait ist gleich versehen mit den obligatorischen Telefonnummern und die Zutatenliste für das Ritual liest sich unter anderem so: Rein pflanzliche Taubenbluttinte ... 1 Beutel Räucherwerk »Die Seherin Spezial« oder »Die Seherin Liebeszauber« nebst einem Fläschchen »Come to me Oil«. Die Ritualanleitung schließt mit dem Hinweis:

Eine wunderschöne Musik eigens für dieses Liebesritual von den bekannten Mystic Media Productions komponiert und Texte, von der Seherin mit der Ritualanleitung gesprochen, inklusive allem Zubehör, welches Sie für dieses Ritual benötigen, können sie als riesiges Ritualpaket bestellen unter: www.die-seherin.de.

Das zu 129,95 € im obligatorischen Onlineshop erhältliche Ritualpaket vereinfacht sicherlich das Problem, wo denn rein pflanzliche magische Taubenbluttinte herzubekommen sei und beruhigt mich jetzt vollends, kann doch mit der vorgesprochenen Anleitung auf CD gar nichts mehr schief gehen, denn wie schreibt »Die Seherin«® auf ihrer Homepage: „Ein Realist ist, wer an Wunder glaubt!“


Gwynnin


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