DrachenSabber
Bilsenkraut und Krötenschleim - Hexen im TV
Jüngst begab es sich, dass wieder mal eine kleine Schar illusterer Hexen ins Fernsehen eingeladen war. Aus aktuellem Anlass ließ ich es mir nicht entgehen, mir das Spektakel live zu gönnen, wenn ich schon keinen Eintritt zu bezahlen brauchte...

Jenen, die das österr. Staatsfernsehen nicht empfangen können, ein paar erklärende Worte vorweg: Auch bei uns in Österland haben sich die Talkshows inzwischen gnadenlos durchgesetzt. Wir haben zwar keine Vera am Mittag, aber dafür eine Barbara Karlich am Nachmittag. Nachdem sich die WurzelWerker Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit ganz oben auf ihr Banner geschrieben haben, stehen wir Anfragen solcher Art erst mal offen gegenüber, wenn wieder mal das Fernsehen anklopft. Das war beileibe nicht das erste Mal, bisher allerdings brach der Kontakt recht schnell ab, wenn Anufa, die Redaktionschefin durchblicken ließ, dass ganz sicher niemand von uns über Liebeszauber dozieren würde.


Diesmal aber ...

Diesmal aber hieß es, das werde eine ganz andere Sendung, es ginge viel mehr darum, was Hexen so ausmacht und was sie tun. Also schien das mal interessanter zu werden, als die zahlreichen bisher da gewesenen Dokus und Talkshows mit und über Hexen. Ich wundere mich die langen Jahre, seit spätestens mit Harry Potter die belächelte Randgruppe der Hexen Richtung Zentrum des medialen Interesses vorrückte, wie viele Sendungen über Liebeszauber und Ähnliches es braucht, bis das Thema zum Gähnen bringt. Also sonnte sich der SabberDrache in dem Hochgefühl, dass ja mal auch anders an das Thema Hexen heran gegangen werden könnte.
Ein Punkt in diesem Zusammenhang erklärt sich von selbst. Nämlich warum man immer wieder bloß sogenannte Kommerzhexen im TV zu Gesicht bekommt. Wen verwundert´s, Gratiswerbung ist meistens willkommen, so auch für die hauseigene Liebeszauberfabrik. Hexen, die keine finanziellen Interessen hegen, werden sich verständlicherweise meistens hüten, vor laufenden Fernsehkameras belächelt zu werden.


Die Vorgeschichte

Anufa, die also über die Vermittlung von Sassa 'Morrighan' eingeladen war vor dem allseits bekannten Aquarium zu sitzen, versuchte gefinkelt das Niveau der restlichen Studiogäste zu erhöhen indem sie vorschlug, auch Merlin und Morgane, zwei immer fleißiger wurzelwerkende und langjährige Freunde und Mithexen meinerseits, einzuladen. Warum letztendlich sie, Anufa, eben nicht dort saß, ist fast eine eigene Geschichte... Nun gut, dadurch bereits etwas beruhigt, war ich um so gespannter auf die anderen Studiogäste. Der endgültige Sendungstitel "Bilsenkraut und Krötenschleim - Hexen bei Barbara" ließ mich zwar kurz zusammenzucken, aber 'mal sehen' dachte ich.


Die Sendung - absolut kein einziges Wort über Liebeszauber

Als erstes beklatschten wir Ingrid, eine Hexe aus Kärnten. Sie erzählte uns mit ihrer liebevollen Art sogleich ausführlich, dass sie vornehmlich Liebeszauber verkauft (...) und wie dieses von Statten geht. Sie klärte uns darüber auf, dass wer verliebt sei sowieso wie verzaubert wäre, "verzaubert sein" also sozusagen ein natürlicher Zustand sei. Mein absoluter Favorit namens Kurt an diesem Abend betrat als nächster die Studiobühne, Praktischer Arzt und somit – wohl nicht schwer zu erraten – trat er als der obligatorische „Zweifler“ auf. Er ließ uns sogleich wissen, dass er aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen mit der Psychiatrie entdeckt hatte, dass all diese Leute, die meinen, Hellseher, Geistheiler oder Hexe zu sein, eine – wenn auch noch nicht als solche erkannte – Psychose hätten und sich möglichst schnell in psychiatrische Behandlung begeben sollten. (Zu unserem Glück erwähnte er das noch viele Male im Verlauf der Sendung.)

Danach gesellten sich Morgane und Merlin dazu, Merlin erklärte ausführlich... wie er durch einen Liebeszauber Morgane seinerzeit erobern konnte - schien ja auch irgendwie zur Thematik zu passen. Ein Bisserl Panik erfasste mich ehrlich gesagt schon, vielleicht würd ich mich auf der Bühne sitzend auch über Liebeszauber plaudernd wieder finden? - Vielleicht ist es eine Art geheimnisvolles energetisches Gesetz, dass Hexen im Fernsehen zwangsläufig über Liebeszauber reden? Oder müssen? Denn:
Die ergötzlichste Szene war wohl, als Morgane klar machte, dass es für sie in erster Linie um einen Glauben, eine Religion namens Wicca ginge und um das wieder Einbetten des Einzelnen in die Rhythmen der Natur und erst in zweiter Linie um Rituale und Liebeszauber. Dabei wurde sie mehrere Male von Barbara Karlich mit einem ziemlich entnervten Unterton unterbrochen und eher rüde darauf hingewiesen, dass es aber hier und heute definitiv NICHT um Religion ginge. (Das wurde naturgemäß vor der Ausstrahlung noch rausgeschnitten. Es reichte aber aus, dass hinter der Bühne die Kunde die Runde machte, die Sendung würde vollkommen aus dem Ruder laufen.)
Mit den erfolglosen Versuchen unseres die ganze Sendung hindurch hinreißend arrogant und zynisch agierenden Arztes den beiden finanzielles Interesse zu unterstellen endete soweit die Wortmeldung unserer Märchenerzähler, denn als nächstes trat Maran auf, laut Insert Liebesmagier und Hexer - natürlich wie Ingrid stilecht in schwarz gekleidet - und erzählte uns darüber wie und warum er Liebeszauber anbietet...

Der nächste in der Runde war ein Bauunternehmer Mitte Vierzig, der sich mehr oder weniger eigentlich nur darüber verwundert zeigte, dass die hier anwesenden Hexen nicht mit dem Besen angereist waren. Letzter Gast bei Karlich war Petra, eine junge Frau die sich definitiv nicht als Hexe bezeichnet aber Anhängerin des Zwiebelrituals ist (Insert-Text!) und uns unter anderem genau erklärte, wie sie mittels einer Zwiebel und Nadeln einen Liebeszauber wirkt.

Aber auch MitWurzelWerkerin Morrighan kam zu Wort und konnte mit dem Hinweis auf ihr absolviertes Pharmaziestudium verhindern auch unter die Spinnerten eingereiht zu werden. Sie wies wie vereinbart auf das von ihr veranstaltete im Juli stattfindende Hexen- und Zaubercamp hin und erntete immerhin die Anerkennung von kompetenter Seite, dass ja zumindest sie wissen wird was sie tut, wenn sie Kräuterwissen anwendet. Einer Akademikerin kann man halt... äh, nicht so leicht ans Bein pissen. Erstaunlicherweise war sie die einzige Hexe die zu Wort kam und NICHT über Liebeszauber redete. Auch Anufa (links) hätte zu Wort kommen sollen um kurz das WurzelWerk vorzustellen, doch das scheiterte anscheinend an Barbara Karlichs Stimmung, die sie mit den Worten "Dich kenn ich ja nicht mal..." zum Ausdruck brachte.

Zwischendurch und abschließend wurde von Seiten des hauseigenen Psychologen, aber natürlich auch von unserem Onkel Doktor auf der Bühne, mehrfach eindringlich erwähnt, dass man sich vor Sekten und sektenähnlichen Gruppierungen wie den Wiccamagiern sehr, sehr hüten sollte und dass die Eltern auf ihre Kinder aufpassen sollten.


Endlich klüger
Endlich weiß ich wieder ein Bisschen mehr über Liebeszauber und Hexen, dass ich einer Sekte angehöre - und vor allem, dass es Wiccamagier gibt. Eines frag ich mich allerdings bis heute: Warum ich nicht zu Haus geblieben bin. Meinen Dank an Merlin und Morgane, die sich so wacker gehalten und mit ihrer Teilnahme für mich sehr großen Mut bewiesen haben, im Namen unserer Sache.

Und natürlich freue ich mich schon auf die nächsten Fernseh-Sendungen über Hexen und deren vielfältige Arten von Liebeszauber. Denn eines kann man den Medien wirklich nicht vorwerfen: dass sie das Bild der Hexen einseitig zeichnen, oder?



P.s.: Die andere Geschichte

Ach ja, ich bin euch noch eine Ergänzung schuldig. Die verantwortliche Redakteurin trat einige Tage vor der Aufzeichnung der Sendung an Anufa heran mit der Eröffnung, dass das ja wirklich ein interessantes Thema wäre und eine eigene Sendung über "Hexen und Religion" wert. Deswegen wäre es schade, Anufa schon für diese Sendung zu verbraten sondern es wäre viel besser sie stattdessen als Studiogast in die nächste Sendung, eben zum Thema "Hexen und Religion" einzuladen, die dann in etwa im April stattfinden würde. Wer glaubt´s noch? Was hätte das dann bloß für einen Titel, "Damianawein und Austernschleim - Liebeszauber als Religion" vielleicht.


Gwynnin


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