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Nein, Moment: Da wär´ noch was, du brauchst bloß noch
mal ein Ritual auszuprobieren. Aber das ist ganz einfach: Du machst
einfach, wonach dir ist - vorausgesetzt du zündest vorher ein
Räucherstäbchen und ein bis zwei Kerzen an. Ach ja, ein
Schutzkreis fehlt da noch, das machen Hexen doch immer so... das
schützt vor... - na egal, es schützt halt einfach - soweit,
so gut.
E
voilá!
Also, und wenn nicht grad die Eltern oder sonstwer reinplatzt, du
dich fragst, was du da eigentlich tust, oder sonst irgendeine Katastrophe
passiert, ja dann hast du dir´s ja selbst bewiesen: Du bist
jetzt eine Hexe - tja, so einfach ist das! Sonst brauchst du ja
nichts zu tun, oder? Doch! Du musst (na eigentlich ja auch
wieder nicht, aber es gehört zum guten Ton) dir eine Göttin
aussuchen. Du kannst Sie aber vorerst auch einfach Große
Göttin nennen - und Ihn halt den Gehörnten (das
passt auf Männer sowieso meistens - ok, Scherz beiseite, bleiben
wir ernst).
Kommen wir zur Ausrüstung: Sie muss ja nicht sein, aber irgendein
Ritualwerkzeug sollte ja schon sein. Am beliebtesten ist hier der
Dolch, Athame genannt. Du kannst für diesen Zweck meistens
kein Küchenmesser entfremden, denn es muss ein zweischneidiges
welches sein (oje, das erste Dogma, wir alle hassen sie). Also wanderst
du ab zum nächsten Eisenwaren- oder Waffengeschäft.
Waffengeschäft? Ok, deine Athame soll ja auch irgendwo
eine Waffe sein. Zumindest gegen das Böse in der Welt oder
um dich vor magischen Angriffen zu schützen. Magische Angriffe?
Nein, lassen wir das mit den Waffen lieber und gehen in den Hexenladen
in der Dingsdastraße, die dort angebotenen, extra für
diese Zwecke angefertigten und vorgeweihten Ritualdolche sehen auch
viel cooler aus, der Preis ist allerdings weniger cool.
Altmodische nehmen sich eine Klinge und fertigen sich den Rest
wie den Griff selbst an, sie meinen, damit sei schon viel Persönliches
von ihnen mit eingeflossen. Aber einen Griff muss man sich erst
mal schnitzen oder so und, wär doch blöd, wenn man sich
schneidet, grad wenn man sich einen magischen Dolch anfertigen will.
Noch dazu einen, mit dem man ja schließlich auch herumfuchteln
will. Aber wenn du dann blutest, dann hat das den Vorteil, dass
du den Griff gleich mit deinem Blut weihen kannst, ist ja auch nicht
ohne, oder? Hat auf jeden Fall was!
Aber das mit dem Selbermachen ist ja out, wir sind doch im 21. Jahrhundert
und die Suppe macht man sich ja auch nicht selber, die ersteht man
im Packerl.
Solltest du ein generelles Problem mit Messern haben, entweder
weil du so ungeschickt bist oder weil du in deinem letzten Leben
erdolcht worden bist, dann ist das gar kein Problem, es muss ja
nicht sein. Du nennst dich einfach "freifliegende" Hexe,
das heisst ungefähr soviel wie "ich mach alles so, wie´s
mir passt und lass mir überhaupt nichts dreinreden oder gar
vorschreiben". Also kein Messer, bingo!
Und
nur nix dreinreden lassen!
Schließlich macht das ja eine Hexe fast schon aus, eben dass
man sich von niemand mehr was dreinreden läßt, und schon
gar nicht von den Moralaposteln. Ach ja, in dem Zusammenhang wird
deine Umwelt irgendwann erwarten, dass du ihnen sagst, dass du
aber schon eh eine "Weisse Hexe" bist, gell? Und mach
dich gefasst darauf, dass dich dein Freund oder deine Freundin irgendwann
fragt, ob er/sie wirklich freiwillig zu dir zurückgekommen
ist oder ob du nicht vielleicht da dran gefummelt hast. Du sagst
dann am besten: "Hey, ich bin eine Weisse Hexe, wie könnte
ich dann in den freien Willen eines anderen Menschen eingreifen,
oder?" Damit ist dann meistens Ruhe.
Ich mein, was glauben die eigentlich, wozu man Hexe geworden ist?
Dass man sich weiterhin alles gefallen läßt? Man will
ja schließlich auch mal zurückschl..., ich meine natürlich
bloß, einfach mal ein wenig "an den Dingen drehen",
und wenn´s nur für Greenpeace ist oder weil der Scheiss-Typ
fremdgeht. Oder wie heisst´s so schön: "Dem Schicksal
ein Schnippchen schlagen, die Sache mal in die eigene Hand nehmen.
Wird ja auch Zeit, oder? Wir alle waren viel zu lang ohnmächtig,
wir brauchen uns nicht alles gefallen zu lassen!
Was? Alles was wir tun, kommt auf uns zurück? Ist das
schon wieder so ein Dogma? Soll einem wohl den Spaß verderben
oder zumindest ein bisserl die rituelle Kreativität einschränken.
Was soll denn das heißen? Vielleicht dass ich mich hüten
soll, z.B. "auch an ihn gebunden zu sein, wenn er an mich gebunden
ist" oder sowas? Dann mach ich einfach einen Trennungszauber,
oder? Seit er zurückgekrochen kam, interessiert er mich eh
viel weniger...
Kompliziert?
Wird die Sache kompliziert? Nein, gar nicht! Hexe sein ist im Grunde
ganz einfach: "Tue, was du willst" heisst es doch,
also! Bloss, wenn man nur immer wüsste, was man will. Was will
man wirklich? Also ist die Sache doch kompliziert? Was ich jetzt
will, weiss ich schon, aber... macht das auf lange Sicht auch Sinn?
Oje, der Sinn! Das führt ja noch zu Betrachtungen, wie: "Wenn
ich als Hexe in den 'natürlichen Ablauf der Dinge' eingreife,
wo macht´s für mich wirklich Sinn?" Aber was ist
das nun schon wieder für eine Frage? Ok, stimmt, viel zu philosophisch.
Und ausserdem haben wir das ja schließlich nur vor uns selbst
zu verantworten. Ätschbätsch!
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