Betreut von Anufa
DrachenSabber
Die Mächte der Finsternis
Normalerweise beschäftige ich mich nicht mit dem Christentum und seinen Gepflogenheiten: Monopolisten machen sich ihre eigenen Regeln, das ist überall so und das braucht uns auch nicht zu wundern. Was mich aber letztens verwunderte: Am 10. März, beim Sonntagvormittag-Bildungsfernsehen ereilte mich eine christliche Botschaft, die ich euch nicht vorenthalten will.

Die unausweichliche Gegenreaktion auf Harry Potter
Interviewpartner der Redaktion waren der Pfarrer und Sektenexperte Thomas Gandow und ein junger Mann, der sich erfolgreich aus den Fängen der dunklen Mächte befreit hatte. Wow! Er erzählte uns, dass er sich als 15- oder 16-jähriger intensiv mit "okkulten Praktiken" beschäftigt hat und mit der Zeit auch erstaunliche Ergebnisse erreicht hatte, bis hin zu der Fähigkeit, Gegenstände mental zu bewegen und divinatorischen Trefferquoten von bis zu achtzig Prozent. Doch hätte er im Laufe der Zeit immer größere Angstzustände bis hin zu Selbstmordgedanken bekommen, aber schlussendlich sei er "Gott-sei-Dank" auf den rechten Weg zurückgekehrt und habe die schützende Hand von Jesus Christus erfahren.

Denn er wisse jetzt, dass die Fähigkeiten die er besaß, ja doch nicht seine eigenen waren, sondern geborgt und untergeschoben von den "Mächten der Finsternis". Grusel! Was mich aber weit mehr erstaunte war die beipflichtende Erklärung des christlichen Sprachrohrs, es stünde ausser Zweifel, dass Magie funktioniert (aha?), aber sämtliche okkulten Praktiken würden uns in die Fänge eben dieser "dunklen Mächte" treiben von denen in Wirklichkeit sämtliche übersinnlichen Fähigkeiten eigentlich stammen und uns nur untergejubelt werden, damit wir "in Versuchung" geraten.
Das allein wäre ja nicht neu, eher moraltheologische Steinzeit.

Ich bin aber überaus beruhigt, dass wir auf Nachfrage des Redakteurs, wie wir unsere Jugend also schützen könnten, gleich die adäquateste Gegenmaßnahme präsentiert bekamen. Die Eltern sollten ihre Kinder anhalten, gleich beim ersten Auftreten von übersinnlichen Fähigkeiten ein Vater-Unser oder den Psalm 22 zu beten, eben damit man gefeit sei gegen die Werbemaßnahmen dieser "dunklen Mächte".

Jetzt graut mir auch schon!

Seelsorger Heino Welscher, dessen Spezialgebiet Okkultismus ist: "Wer sich solchen Praktiken bewusst aussetzt, öffnet sich für fremde Mächte, letztendlich für den Teufel und seine Dämonen... Das sind Kräfte, die nicht von Gott kommen. Wer sich also auf solche okkulten Praktiken einlässt - aus welchen Gründen auch immer - öffnet sich bewusst oder unbewusst mehr oder weniger dem Einfluss des Teufels.

 

Liturgie als Heilung
Auf der anderen (christlichen) Seite staunte ich eine Woche später nicht schlecht über einen Bericht über die Angehörigen der "Kirche der Elisabethen" in Basel, die sich nach der Tradition der englischen HeilerInnen handelnd verstehen. Nicht nur abseits des Altars treffen sich HeilerInnen und Heilungsbedürftige innerhalb der Kirche, sogar während des Gottesdienstes legt der Geistliche selbst die Hände auf!

Vielleicht noch ein paar erklärende Worte zu den Zuständen auf den Britischen Inseln: Dort ist es eben seit vielen Jahren üblich, dass Heiler und Heilerinnen in den Krankenhäusern ihre Heilkunst ausüben und Hand in Hand mit den Ärzten bestrebt sind, den Menschen zu helfen. Die Briten finden das ziemlich normal und sonderbarerweise in keiner Hinsicht diabolisch.

 

Das Himmel und Hölle-Spiel
Interessanterweise ist auf der Homepage des Evangeliums-Rundfunk e.V. allerdings ein ganz anderer Beitrag angeführt als der, den ich gesehen habe. Aber da bin ich wahrscheinlich wieder grundlos argwöhnisch, wenn ich mir dazu mein Teil denke... Stattdessen aber ist im Online-Archiv des Senders ein (mir nicht in die Augen geflimmerter) Beitrag angeführt, der es einem wahrlich schmackhaft macht, ein guter Christ sein zu wollen:

Wenn es einen Himmel und eine Hölle gibt, dann wollen natürlich alle in den Himmel kommen! Auch Martin Buchwitz aus Baden-Württemberg wollte das schon immer - bloß wie? Wie viele andere Menschen auch, stellte er sich lange ängstlich die Frage: Was muss ich tun, damit ich sicher in den Himmel komme? Wie kann ich vor Gottes allgegenwärtigen Augen bestehen? Die Angst, etwas falsch zu machen, trieb ihn in tiefe Depressionen...


Nun, da schließt sich für mich der (Teufels-) Kreis in dem schmunzelnden Sinne, dass es egal zu sein scheint, wovor man sich fürchtet!


Gwynnin


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