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Es war nur eine Phase?!    Teil II

Gerade im Neuheidentum fällt mir das rasch wechselnde Publikum (und der eigentlich sehr kleine Kreis an konstant Praktizierenden) immer wieder auf. Diesmal beleuchte ich – wie immer aus meinem Blickwinkel - ein wenig das „Warum“.

Hinderliche Glaubenssätze

Ich muss schön brav und angepasst sein … Wer Fragen stellt ist dumm und kennt sich nicht aus … Ich bin nicht so intelligent … Ich musste mich schon immer viel bewegen, sonst werd ich unaushaltbar …

Es gibt in jedem von uns zig Glaubenssätze, die uns und unsere Weltsicht gestalten. Dazu gehören die selfulfilling prophecies (wenn ich davon überzeugt bin bei Glatteis wenig Chance zu haben unbeschadet aus dem Haus zu kommen, dann ist es wesentlich wahrscheinlicher auszurutschen als wenn ich locker und gemütlich meines Weges gehe) ebenso wie die, mittels derer ich mir, wie z. B. „Erst die Arbeit, dann das Spiel“ das Leben erleichtern kann.
Trotzdem hat jeder Glaubenssatz, so viele Vorteile er auch bringen mag, seine Nachteile. Wichtig ist das deshalb, weil eben genau diese Glaubenssätze auch unser tägliches Handeln beeinflussen. Sie verschaffen uns vielleicht kurzfristig Erleichterung aber sie schränken uns auch ein. Wenn ich – egal unter welchen Umständen – zuerst meine Arbeit erledige und dann erst vergnügt sein darf, dann wird mich das auf die Dauer einschränken. Einfach deshalb, weil es durchaus Situationen geben wird, bei denen das Feiern wesentlich sinnvoller wäre, als eine angefangene Arbeit zu erledigen.
Wenn Spiritualität im Leben eine Rolle spielen soll, dann entsteht dadurch meist auch ein gewisser Änderungsdruck, weil sich die Persönlichkeit mitverändert, respektive mitverändern sollte. Wenn aber unbewusste Glaubenssätze im Weg stehen, dann fruchten die größten Anstrengungen auf Dauer nichts und man bleibt wo und wer man ist und war.

Die Lösung für dieses Dilemma ist, sich selber gut zuzuhören. Jeder Spruch, den wir öfters benutzen, jeder „Sager“ der für uns typisch ist, jede Floskel ist es wert hinterfragt zu werden. Es sagt etwas aus! Warum wir gerade DAS in unserem Repertoir haben, sagt etwas über die eigene Weltsicht. Dasselbe gilt für „kluge Sprüche“, die uns ansprechen. Es lohnt sich, nach dem Warum zu fragen … Ein Abklopfen ist nötig, auf die Vor- und Nachteile, die diese oder jene Einstellung mit sich bringt.

Auch hier ist es sinnvoll sich der Dinge, die mensch so von sich gibt bewusst zu sein und auch der eigenen Motivationen dazu. Sich die ganze Zeit zu kontrollieren oder gar Floskeln „einzustudieren“, die dem gewünschten Selbstbild entsprechen, ist sicher nicht flächendeckend sinnvoll.


Gewohnheiten

Gewohnheiten haben ungefähr dieselbe Auswirkung wie Glaubenssätze. Auch sie können unser Leben genauso gut erleichtern, wie in bestimmten Situationen, erschweren. Wenn Gewohnheiten also mit der Suchen nach Spiritualität oder noch viel öfter, dem Praktizieren eben dieser, quer laufen, dann gewinnen meist die Gewohnheiten, sobald die Faszination des Neuen nachlässt.
Auch wenn die Energie schwach ist, einem einmal alles zuviel wird oder sich schlichtweg eine Krankeit eingeschlichen hat, wird dann das an Tun überbleiben, das wirklich etabliert ist und für einen selber unabdingbar nötig erscheint. Alles Unnötige, so sinnvoll es auch wäre, wird dann wegfallen. Deshalb macht manch einer Ingwerfußbäder bei Migräne und ein anderer schluckt Tabletten. Das hat nicht unbedingt mit Intelligenz oder Einstellung zu tun sondern sehr oft viel mehr mit Gewohnheit in Verbindung mit Schmerzen (also Stress).

Die Lösung dafür wäre, jetzt nicht ganz neu, sich dieser Gewohnheiten erstens bewusst zu werden und zweitens sie danach zu untersuchen ob und wie sie sinnvoll eingesetzt werden können. Wenn ich immer zur selben Zeit meditiere, wird eben auch das mit der Zeit Gewohnheit. Auch hier liegt der praktikabelste Weg für mich in der Mitte. Einige (sinnvolle) Gewohnheiten erleichtern das Leben ungemein. Ein absolutes Gewohnheitstier zu sein ist eher hinderlich, weil das Leben Unwegsamkeiten mit sich bringt und dann ein Bruch der alten Gewohnheiten eine zusätzliche Belastung darstellt.

Zum Etablieren von Gewohnheiten lege ich noch Augenmerk auf Belohnung. Im Idealfall ist das Ergebnis dessen, was ich tue schon die Belohnung. Wenn ich schlecht einschlafen kann, dann hilft mir ein kleines Einschlafritual dabei, schneller und entspannter einschlafen zu können. Die Belohnng ist das Einschlafen selbst. Bei Dingen wie Konditionstraining z. B. ist die Sache dann ein wenig langfristiger. Da brauchts dann oft noch eine Ecke mehr an Bewusstsein, was ich da tue und was ich als handfeste Belohnung dafür kriege. Wer aufhören will zu rauchen, wird sich einen Kampf mit seinen Gewohheiten liefern müssen. Wer sich das nicht vorstellen kann, der nimmt das Beispiel „Abnehmen“ oder „Laufen“ ...


Schwaches Durchhaltevermögen

Wir investieren täglich Massen an Energie, Zeit und Anstrengung um unseren beruflichen, privaten und sozialen Verpflichtungen nachzukommen. Eine Lebensänderung anzustreben - und nichts anderes ist gelebte Spiritualität für mich – erfordert zusätzlichen Aufwand. Wer das nicht von Anfang an mit einkalkuliert, der wird erschöpft auf dem Weg liegen bleiben und nirgendwo ankommen.
Mit einem Kleinkind die eigene Spiritualität zu leben geht durchaus, wenn ich das vor der Schwangerschaft auch schon getan habe. Dann habe ich schon vorher mein Leben darauf abgestimmt, meine Lebenseinstellung gefunden und meine Lebenssicht gefestigt. Die Zeit einer Schwangerschaft reicht dafür, in meinen Augen, einfach nicht aus. Die Schwangerschaft selbst bringt schon unendlich viele Veränderungen mit sich, dann selbst auch noch an sich rumzuschrauben ist eine Herkulesaufgabe. Natürlich ist alles möglich, empfehlen würde ich es trotzdem nicht. In der Kleinkindphase damit anzufangen halte ich für völlig illusorisch. Wenn ich gerne Spanisch können möchte, dann macht es auch eher wenig Sinn, im Stillzimmer der Geburtsklinik damit anzufangen … und da handelt es sich „nur“ um lernen (also lesen, schreiben und zuhören) und nicht auch noch um gelebte Praxis.

Damit ist das schwache Durchhaltevermögen eigentlich auch ein Teil der unrealistischen Vorstellungen aber nicht nur. Es gibt ja durchaus auch Lebenssituationen, die so viel an Energie verschlingen, dass für eine Neuorientierung kein Platz mehr bleibt. Wie gesagt, alles ist möglich und es hat schon Schwerstkranke gegeben, die noch den Priesterweg eingeschlagen und erfolgreich begangen haben – bis zu ihrem Tod. Wenn ich es mir aussuchen kann, dann würde ich es mir allerdings anders wünschen.


Persönliche Bugs

Ein Thema, das naturgemäß ein breites Feld bieten kann, persönliche Eigenheiten und Charakterprobleme. Deshalb will ich das hier nur kurz erwähnen, weil es meinem Geschmack nach, viel zu sehr in den Mittelpunkt gestellt wird. Encoutergruppen haben durchaus ihren Sinn, aber gerade im Bereich der Spiritualität sollte das Praktizieren genau dieser, der Spiritualität, im Mittelpunkt stehen und alles andere untergeordnet sein oder werden.
Wenn ein Raucher in einer Nichtrauchertrommelgruppe schamanisieren will, dann wird entweder die Gruppe entscheiden müssen, ihm im gemeinsamen Kontext das Rauchen zu verbieten, der Raucher wird eventuell auch von allein das Rauchen im gemeinsamen Kontext bleiben lassen oder alle werden mit dem Rauch leben müssen. Genauso sehe ich das mit Charakterproblemen auch. Wenn ich ständig eine Extrawurst gebrachten brauche, um mir meiner eigenenWichtigkeit bewusst zu sein oder ununterbrochen (bewusst oder unbewusst) in Wettstreit trete (ich kann aber länger meditieren, habe buntere/gefährlichere/echtere/folgenreichere Geistreisen, etc pp) um mich selber bestätigt zu fühlen, oder oder oder. Das alles sollte als Bug durchaus wahrgenommen werden dürfen und dann ist es an jedem selber zu entscheiden, worum es ihm denn wirklich geht.

Facebook-Fundstück

Die Lösung dafür ist genauso vielfältig, wie es die Bugs sind. Was auf jeden Fall nicht schaden kann ist Wahrnehmung, Reflexion und vor allem Ehrlichkeit - sich selber und anderen gegenüber.


Anufa


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