Hast´an Schatten??!!

In einem der wenigen Foren, in denen es noch hie und da fachliche Diskussionen gibt, kam kürzlich wieder einmal die Frage nach „Schattenarbeit“ auf. Ein Thema, das in meinen Anfangsjahren (den 80ern) ein oftmals aufgeworfenes war. Deshalb möchte ich meine Herangehensweise gerne ein bisschen beleuchten …

Gleich zu Anfang schicke ich voraus, dass Schatten für mich neutral zu betrachten wäre!


Mein Schatten ist immer bei mir

Wo immer ich auch hingehe, sobald ich mich im Licht befinde, folgt mir mein Schatten – sonst tut er das zwar auch, aber es fällt mir nicht oder kaum auf. Das ist für mich ein wunderschönes Bild für Schattenarbeit. Wenn ich genau hinschaue und das Bild zerlege, dann wird auch schnell klar, warum ich das so sehe:
Wo Licht hinfällt, definiert sich der Schatten umso schärfer und erscheint auch wesentlich dunkler. Wenn ich versuche besonders „gut“ oder „positiv“ zu sein oder rüber zu kommen, dann sagt die Erfahrung, dass diejenigen Eigenschaften, die nicht in diese Rubriken fallen, besonders auffällig werden. Den Umgang mit dem „Abnehmen“ oder eine persönliche Sucht bleiben zu lassen, kennen wohl die meisten. Sobald ich abnehmen will, habe ich schon Hunger oder Gusto, ganz egal ob ich gerade gegessen habe oder nicht … Sobald ich nur daran denke, meine (Computer-) Fernsehzeit einzuschränken, sind die Sendungen plötzlich besonders interessant … Den Entschluss zu fassen, endlich regelmässig ins Fitness-Studio zu gehen ist eine Sache, aber die ganzen Verabredungen abzusagen, die auf einmal (so völllllig unerwartet!!) aus dem Gebüsch springen, ist eine ganz andere …

Für mich schaut das so aus, als ob das Leben abfragt, ob es mir mit meinem Entschluss auch wirklich Ernst ist. Zusätzlich erscheint mir der Schatten eben immer dunkler, je heller die Lichtquelle rundherum leuchtet.

Schatten im Sommer ist etwas durchaus Angenehmes. Wenn es sowieso schon kalt ist, dann macht Schatten das nicht besser …
Schatten, als solche, sind in meinen Augen weder positiv noch negativ – einfach eine Tatsache, die ich, je nach Situation bewerten kann, aber nicht unabdingbar bewerten muss. So ein Schatten ist etwas, das ich bloß nicht wahrnehme und das trotzdem immer da ist. Eine Eigenschaft, die ich unter Umständen an mir selber noch nicht einmal wahrgenommen habe. Manchmal nehmen andere diese Eigenschaften durchaus wahr und bewerten sie auch, aber dazu später ...


… wo ist er jetzt genau?

Um meinen Schatten überhaupt sehen/erkennen zu können, benötige ich die nötigen Ressourcen und den Willen ihn überhaupt suchen und finden zu wollen. Andere können da eine große Hilfe sein, auch oder gerade wenn deren Kommentare unangenehm oder sogar schmerzhaft sind.

Was mir immer geholfen hat ist, meine Gedanken schriftlich zu ordnen. Für den Anfang tut es eine Liste. Eine Spalte mit „positiv“, eine mit „negativ“ und eine mit „weiß nicht“. Darauf kommen die Eigenschaften, die mir von mir selber schon bekannt sind.
Sobald ein paar Punkte zusammengekommen sind - das kann schon einige Wochen dauern und es kann auch nötig sein, die Liste ein paarmal umzustellen - dann nehme ich mir ein leeres Blatt und mache dieselbe Liste für „mein ideales Ich“, die sich wahrscheinlich dann auf eine Spalte beschränken wird: die mit den positiven Eigenschaften.

Der nächste Schritt ist, der „Ideal-Liste“ eine zweite Spalte hinzu zu fügen. Jede Eigenschaft und sei sie noch so positiv, kann sich auch negativ auswirken. Als Beispiel … bin ich willensstark, dann kann das auch stur sein; bin ich flexibel, dann kann das auch wankelmütig sein. In diese zweite Spalte schreibe ich zu jeder Positiveigenschaft, die negative Ausprägung.
Es werden sich dann (hoffentlich) auf dieser Ideal-Liste Eingeschaften finden – zuerst mal die Positiven – die auch auf meiner „realen Liste“ stehen. Jetzt kann ich davon ausgehen, dass es (wie in meinen Beispielen oben) zu diesen schönen, die dunklen Seiten auch gibt. Ein Schritt ins Unbekannte, diesmal ins eher Unangenehme. Wenn ich also friedliebend bin und auch sein möchte, dann wäre die Idee, nach Vorkommnissen zu suchen in denen ich um des guten Friedens Wilen über meine eigenen Bedürfnisse hinweggegangen bin, mich selber vernachlässigt und verbogen habe. Das wäre dann harmoniesüchtig als einer der Brüder von friedliebend.

Es ist ein ganz schönes Stück Arbeit, die Liste diesbezüglich durchzugehen. Mein Tipp ist, sich nicht zuviel auf einmal vorzunehmen. Es geht nicht darum eine Denksportaufgabe zu lösen, sondern darum, sich selber besser kennen zu lernen. Das erfordert auch Zeit, Ruhe und Geduld!


Der Schatten ist nicht böse – aber gut ist er auch nicht

Mittlerweile ist diese Tatsache vielleicht schon ausreichend klar geworden. Jeder hat seinen Schatten (außer die Erleuchtung hat schon Einzug gehalten, dann könnte mensch sich eventuell schon durch und durch kennen).

Unser Schatten setzt sich aus Dingen zusammen, die wir nicht wahrnehmen können oder wollen. Deshalb ergibt sich logisch nun auch der nächste Schritt, nämlich sich die „negativ“ Spalte der persönlichen Liste anzusehen. Jede meiner, von mir als schlecht angesehenen, Eigenschaften hat ebenfalls einen Bruder. Bin ich verschwurbelt (ungeerdet/chaotisch) dann bin ich gleichzeitig auch kreativ. Bin ich ein Kleinkrämer, dann bin ich auch genau.
Diese Aufgabe ist für viele von uns viel schwieriger zu bewerkstelligen als die vorhergehende. Noch vielmehr, da es ja darum geht, nicht ausschließlich intellektuell zu erfassen, was denn der andere Pol meiner ungeliebten Eigenschaft sein könnte, sondern das auch durch Lebenssituationen bestätigt zu finden!


Hilfe, ich finde nix mehr!

Nach einigen, meist Monaten, kommt dann der Punkt, an dem einem nichts mehr ein- und auffällt. Keine Panik, das ist absolut normal, so ist das mit den Schatten. Wenn die helle Beleuchtung wegfällt, dann fallen sie kaum bis nicht mehr auf ...
Was jetzt angesagt wäre, ist auf die Umwelt mehr zu achten. Was sagen denn „die anderen“ über mich und zu mir? „Meine Güte, musst Du immer so hektisch sein?! Das kann der Ausgangspunkt dafür sein, dass ein weiterer Punkt auf meiner Liste Einzug hält. Ich komme hektisch rüber (oder demjenigen fällt meine Hektik eben auf) und deshalb bin ich gleichzeitg schnell/fix.

Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil dieser Schattenarbeit. Durch die Beschäftigung damit hatte ich die Gelegenheit zu lernen,

  • dass jede positive Eigenschaft einen negativen Partner hat
  • dass jede negative Eigenschaft einen positiven Partner hat
  • dass ich eine Grundeigenschaft habe und die als solche sowohl als auch ist
  • dass es auf den Blickwinkel ankommt, aus dem heraus ich werte
  • dass der Blickwinkel am persönlichen Wertesystem hängt

Folglich kann ich wesentlich besser mit Kritik (egal ob es die neuerdings geforderte, politisch korrekte, konstruktive Kritik ist oder nicht) umgehen, weil ich ja weiß, dass mir der andere nur einen Teil der Geschichte erzählt, eben dort wo er sein Augenmerk hat oder wo er es bewusst hinlegt.
Ich kann mich selbst viel besser einschätzen, sofern ich mit „Neuigkeiten“ konfrontiert werde (weil die Grundeigenschaften mir ja schon bekannt sein sollten) und werde weniger überrascht, geschockt oder geschmeichelt sein. Um nur zwei Anwendungen und Benefits zu erwähnen.

Das waren die Grundlagen für meine Art der Schattenarbeit – die natürlich mit der Zeit verfeinert werden kann, der noch zusätzliche Aspekte hinzugefügt werden können und die mich seitdem ich sie selber kennen gelernt habe nicht mehr ad acta gelegt habe.


Anufa


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