Ich will das, dafür kriegst´auch was

Opfer spielen bei vielen heidnischen Ritualen oder Handlungen eine mehr oder minder wichtige Rolle. Mein Zugang dazu ist, wie bei vielem anderen, ein eher bodenständiger.

Andersrum wird auch ein Schuh draus?

Hier ein kleiner Auszug aus Charles G. Lelands „Aradia, Gospel of the Witches“

Great Diana! thou
Who art the queen of heaven and of earth,
And of the infernal lands--yea, thou who art
Protectress of all men unfortunate,
Of thieves and murderers, and of women too
Who lead an evil life, and yet hast known
That their nature was not evil, thou, Diana,
Hast still conferred on them some joy in life.

Or I may truly at another time
So conjure thee that thou shalt have no peace
Or happiness, for thou shalt ever be
In suffering until thou grantest that
Which I require in strictest faith from thee!

Das beschreibt die Umkehrung des „do ut des“ - eine Hand wäscht die andere - der Opferpraxis. Es wird hier der Göttin gedroht. Das ist aus schamanischen Traditionen durchaus bekannt, die Götter zu bedrohen um Dinge zu erreichen.
Leland selber beschreibt in oben zitiertem Buch ein Ereignis im Katholizismus, bei dem ein Heiliger bedroht wurde, weil es keinen Regen gab. Seine Statue wurde beim Fluss, Kopf voran, in den Schlamm gesteckt – bis es regnete. Dann erhielt er seinen Platz in der Kirche wieder zurück. Also funktioniert das nicht nur im schamanischen Kontext und es wurde auch zu Lelands Zeiten noch so gemacht …


Aber jetzt von Anfang an

Als ich anfing mich mit Göttern, Wesenheiten und Spiritualität zu befassen, war es für mich völlig selbstverständlich und natürlich einen kleinen Platz vorzubereiten, mit einer oder mehreren Kerzen, einer Räucherung und, wenn es möglich war, einer Blume oder einem kleinen Blumenstrauß. Dort setzte ich mich dann entweder zur Meditation hin, las Bücher über Gottheiten oder schrieb an und in meinem „Buch der Schatten“.
Ab den Zeitpunkt an dem ich mich mit der Craft beschäftigt habe, gab es auch immer etwas Milch, Alkohol oder auch nur Wasser und ein wenig Brot, Kuchen oder auch nur einen Keks, den ich mit „wer auch immer gerade da war“ teilte. Natürlich wurden diese Dinge nicht weniger, sondern ich brachte sie dann, sobald ich Zeit fand, hinaus in den Garten.

Apropos Natur! Wenn ich in freier Natur etwas besorgte, ganz egal ob es sich um Kräuter handelte, Steine aus dem Bachbett oder um einen Ast, ich hatte auch damals immer etwas als Gegengabe mitgebracht.
Genauso ist es auch heute noch. Wenn ich am Freitag meinen Wocheneinkauf erledige, dann bekommen meine „Oberen“ Blumen für den Hausaltar. Wenn ich anfange zu kochen, dann zünde ich beim Kamidana (Hausaltar Nummer zwei und vielleicht ein anderer Artikel) ein Licht an, weil einer der Wesenheiten, die dort „wohnen“ nichts lieber mag, als beim Kochen dabei zu sein und dabei ein Stamperl aus der Hausbar zu genießen, das dann neben der Kerze steht. Wenn ich im Garten Hollerblüten hole, dann bringe ich ein wenig Teesatz oder Kompost mit.


Warum mache ich das?

Das ist eine Frage, die jetzt wahrscheinlich im Raum steht. In dem Sinne will ich ja nichts von denen mit denen ich da Kontakt habe – ganz im Gegenteil. Ich bin ihnen mehr als dankbar, dass ich das Leben führen kann, das ich führe und sie mich dabei unterstützen. Ich zahle nicht für den Stein, den mir der Bach vor die Füsse legt, weil da kein Preisschild dran ist. Was ich tue ist, aus meinem Gefühl heraus für ehrlichen Ausgleich zu sorgen, weil es mir ein Bedürfnis ist, nicht weil es jemand oder etwas verlangen würde.
Auch bin ich eher nicht der Typ, der Dinge aus Benimmregeln heraus macht, wenn das was zu tun ist, nicht an und für sich schon Sinn macht.
Als Anschauungsbeispiel könnte dienen, einem guten Freund zwei Konzertkarten „einfach so“ zu schenken. Einfach nur, weil er ein guter Freund ist und sich selber die Karten nicht besorgen würde, aber schon immer gerne hingegangen wäre, ganz besonders mit seiner Partnerin. Einfach nur, weil er sich drüber freut! Genau dieses Gefühl habe ich dann: ich freue mich, dass sich die beiden freuen (auch wenn ich seine Partnerin nicht großartig näher kenne).
Das ist die eine Art Opferpraxis, die in meinem Alltag Platz gefunden hat. Mit zunehmender Praxis und Weiterbildung auf dem Gebiet Magie und Religion, besonders durch den Kontakt mit „Natives“, kam dann die wohl bekanntere Seite des „Opfergeschenks“ noch dazu.

Fühl Dich wie zu Hause!

Zu meiner großen Freude hatte ich ein paarmal die Chance bei einem Ifa Ritual zu gegen sein zu dürfen. Was mich dabei besonders fasziniert hat, war, dass die Priester so lange orakelten um herauszufinden, was die Götter denn bei diesem oder jenem Ritual dabei haben (alles an Nahrung und Getränk, was mensch sich so vorstellen kann … von Cola bis Bananen) aber auch nicht dabeihaben wollten (unter Umständen akzeptieren sie den einen oder anderen Teilnehmer nicht), bis das Orakel rundum positiv ausfiel.
Das kam mir wie die Vorgehensweise eines Gastgebers, der darum bemüht ist, dass es seinen Gästen in seinem Haus so gemütlich als irgend möglich gemacht wird, vor.
Damit sehe ich das als die zweite „Opferart“ an, das Erfüllen der Wünsche der Gäste, bevor diese überhaupt erst Platz genommen haben.

Dabei ist es mir aber sehr wichtig das von der dritten Art zu unterscheiden!

Leckerlis

Respektlos könnte mensch sagen, diese dritte Kategorie ist für mich das, was für meine Katzen ein „Leckerli“ bedeutet, und damit ist es das grundlegende „Do und des“ (ich gebe, damit Du gibst). In diesem Falle ziehe ich persönlich es vor, das was gegeben werden soll ebenfalls mit Orakeln zu erfragen oder gegebenenfalls zumindest zu bestätigen.
Das mache ich aus gutem Grund so. Ich war schon bei Opferungen anwesend, die eher Desaster zur Folge hatten als Wohlgefallen. Natürlich kann mensch „Ritualpannen“, die bei Opferungen passieren auch als blöden Zufall abtun, aber meine Erfahrung sagt, dass das eher kontraproduktiv wäre. Damit folge ich meinem Gefühl in der Frage „Was darf´s denn sein?“ und bestätige, widerlege oder ergänze das durch meine Karten. Natürlich hat da jeder seine eigenen Vorlieben oder traditionstypische Orakelmethoden.

Wozu also diese Leckerlis? Mit der Antwort kann ich einen schöne Verbindung zum Anfangsgebet an Diana herstellen. Anstatt meinen Wesenheiten zu drohen, was ihnen angedeihen würde, wenn sie mir nicht zu Hilfe eilten, besteche ich sie lieber mit Opfern … Das mag eher unspirituell klingen, aber wenn dieser Fall gefragt ist, dann ist es genau das!

Genauso wie meine Katze ein Leckerli bekommt, sofern sie die gerade heimgebrachte Blindschleiche an mich abtritt (und ich das arme Teil in den Garten retten kann), so bekommen meine Wesenheiten zusätzliche Energie von mir. Die Form, die dieser Energiefluss hat, kann sehr unterschiedlich sein. Bei Naturwesen kann es sein, dass irgendwo etwas gepflanzt werden soll oder etwas besonders gepflegt. Götter wollen schon mal was Persönliches verschenkt, verbrannt oder vergraben sehen oder sogar Blut- oder Haaropfer …

Die Frage, wie weit mensch dabei geht, ist aber eine, die sich durchaus stellt und auch stellen sollte.


Na, Moment mal!

„Geh, und grabe unter der Türschwelle eine Ziege ein!“ Solche Träume (auch wenn klar geträumt!) oder Orakelergebnisse sind durchaus möglich – aber niemand sagt, dass die nicht verhandelbar wären! Meiner Erfahrung nach gerät mensch manchmal an Entitäten, die schon lange keinen Kontakt mehr zu lebenden Menschen hatten. Manchmal an den einen oder anderen Trickster, der es mag, ein bisschen am Charakter und Selbstvertändnis seines Gegenübers zu rütteln. Manchmal … es kann viele, sehr viele Gründe geben, wie so etwas zustande kommen kann.

Wichtig ist aber, was damit passiert. Einfach ignorieren und sich seinen Teil zu denken wäre meine letzte Wahl. Machbar ist es, eine Verhandlung zu starten – je nachdem, wer genau was genau von mir möchte.
In unserem Ziegenbeispiel kann es unter Unständen reichen auf unsere Zeit zu verweisen oder klar zu machen, dass solche Opfer bei uns nicht mehr üblich und auch kaum mehr legal durchführbar sind. Abgesehen davon, das unsere Häuser meist mit betonierter Schwelle ausgerüstet sind und da etwas zu vergraben eher illusorisch wäre. Wenn Geldnot am Menschen ist, dann kann auf Dienste, die gerne geleistet werden können, verwiesen werden.

Ich hoffe, das Prinzip um das es mir geht ist klar, denn es ist das Ergebnis der Verhandlungen im Auge zu behalten. Schließlich muss das dann auch erfüllt werden, was versprochen wurde! Wenn nicht, bleibt das seltenst folgenlos ...

Ein Opfer ist in meinen Augen wie ein Geschenk. Es sollte nicht so teuer sein, dass mir selber nicht genügend zum Leben bleibt. Es sollte nicht gegen meine eigenen Lebensgrundsätze verstoßen (auch nicht gegen den gesunden Hausverstand). Es sollte möglichst wenig Schaden anrichten und möglichst große Zufriedenheit beim Empfänger hervorrufen.

Damit habe ich hoffentlich ein wenig Licht auf das Thema werfen können. Solltet Ihr von Euren Erlebnissen berichten wollen, dann könnt Ihr das gerne tun. Falls Ihr Fragen habt, könnt Ihr natürlich genauso entweder kommentieren oder mailen. Wir freuen uns darauf!


Anufa


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