Ich hab´ grad´ keine Zeit …   Teil I

Gerade in unserer Zeit haben viele Menschen einen viel zu vollen Terminkalender, gefüllt mit mannigfaltigen Aufgabenstellungen. Berufliche Zwänge, freiwillige Verpflichtungen, private Erfordernisse, eigene Interessen und, sofern noch wahrgenommen, tiefe eigene Bedürfnisse raufen sich um einen freien Platz.

Ich bin sooo im Stress und brauch ein Wellnesstool

Egal ob mensch sich als spirituell definiert oder nicht, Stress ist wohl für jeden von uns ein Begriff. Das Gefühl getrieben zu sein, von einem Termin  zum anderen zu hetzen, keine Zeit zu haben für … ja wofür eigentlich genau? Ach, keine Zeit sich darüber auch noch Gedanken zu machen!
Auf der anderen Seite gibt es eine Flut von Angeboten für Entspannung und Wellness. Lernen sie meditieren in zweieinhalb Tagen – als Retreat in den Alpen. Entspannen sie ein Wochenende im Spa in „Möglichstweitweg“. Übungen, die in nur 10 Minuten täglich den Stresslevel signifikant senken, die DVD Box um nur 99,99 übers Internet.

Durch Freizeitoptimierung den täglichen Stress ausgeglichen zu bekommen ist meiner Ansicht nach eine viel zu mechanistische Ansicht. In diese Richtung weisen auch die steigenden Zahlen von Burn-out Fällen, psychischen Erkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen, und, und, und …

Tief durchatmen und ein wenig innehalten ist vielleicht einmal ein Anfang. Auswählen statt Optimierung wäre vielleicht eine erste Idee.
Was will ich wirklich? Das ist eine Frage, die für mich am Beginn der Neuorganisation steht. Wir haben in unserer Gesellschaft unendlich viele Möglichkeiten und nur sehr endliche Zeit zur Verfügung. Deshalb ist ein „ganz böses Wort“ die Selbstbeschränkung. Wobei ich ja der Ansicht bin, dass ich mich lieber selber beschränke, als vom Leben irgendwann (meist leider eher früher als später) beschränkt zu werden, aber wie so vieles ist auch das Geschmackssache. Wenn der Terminkalender etwas weniger gefüllt ist, dann sollte der Stress besser zu handhaben sein. Es ist meistens schmerzhaft Dinge oder Menschen gehen zu lassen, oder das Gefühl zu haben, „nicht dabei“ zu sein – aber Faktum ist, die Zeit ist begrenzt und der Tag hat 24 Stunden. So seltsam es in mancher Ohren klingen mag, es hat schon einen Grund, warum Ordensleute (egal welcher Konfession) gewisse Regeln einhalten, bestimmte Strukturen aufrecht erhalten müssen und warum ihnen bestimmte Aktivitäten schlicht verboten sind.
Allein die Terminreduktion wird meiner Erfahrung nach aber nur in seltenen Fällen eine merkbare und vor allem bleibende Erleichterung bringen.
Eine zweite Idee wäre immer wieder Pausen im Jetzt einzulegen.  Die oben angesprochenen Ordensregeln sind aber so meine Sache nicht und deshalb bin ich vor vielen Jahren auf Grundprinzipien im Buddhismus gestoßen, die mir in dieser Beziehung richtungsweisend waren.


Gewahrsein

Stress entsteht für mich wesentlich aus dem Gefühl heraus, dass ich noch soo viel zu tun habe, die Zeit knapp ist und das alles einfach zu viel WIRD. Gewahrsein ist ein Zustand, der mich in die Gegenwart bringt. Gemeint ist damit ein Wahrnehmen dessen, was gerade ist. Ein bewusstes Aufnehmen jedes Sinneseindrucks und wertfreies, analysefreies Annehmen davon.  Das bringt ins Jetzt und wo es kein „Nachher“ gibt, da gibt es auch keinen Druck dorthin zu kommen …

In dieser – nennen wir es für unseren Fall hier – Übung ist wichtig sein Bewusstsein auf die Sinne zu fokussieren. Wie genau das gehen kann, beschreibe ich dann im zweiten Teil des Artikels ausführlicher.
Wenn ich mich in diesem Zustand befinde, dann empfinde ich keinen Stress mehr und mein Körper ist tatsächlich in der Lage sich zu erholen. Der Druck sinkt. Natürlich kann ich das Zukunftsdenken auch mit anderen Mitteln ausschalten, nur sind die dann meistens für den Körper eher schädlich oder belastend als zielführend. Auch ein Vollrausch hindert mich am Denken, am Planen und bringt mich auf eine gewisse Weise ins Jetzt – aber die Folgen davon sind um einiges unangenehmer als von Gewahrseinsübungen. Allerdings ist der Vollrausch anfänglich einfacher arrangierbar, weshalb auch Alkoholkonsum eine beliebte Form des Eskapismus ist … aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.


Körperliches Tun

Vielleicht kennt der Eine oder Andere das Gefühl nach einem Film gar nicht glauben zu können, dass 90 Minuten vergangen sind, eine ganze Nacht lang in ein Buch gefallen zu sein oder mit einer Freundin/einem Freund beim Kaffee völlig die Zeit vergessen zu haben.  Das ist genau die Fokussierung auf ein Etwas, das mich entstresst. Aber nicht nur intellektuelles Tun kann mich ins Jetzt bringen.
Es gibt Sportler, die genau deshalb ihren Sport betreiben. Das habe ich mir von Kletterern erzählen lassen, die ob des Bezwingens einer Wand genauso die Zeit vergessen wie manch Läufer nur läuft um seinen Gedanken zu entkommen. Dem einen oder anderen Mountainbiker oder Motorradfahrer scheint es ähnlich zu gehen. Die Aufmerksamkeit liegt immer auf dem nächsten Griff, Tritt, der nächsten Kurve oder Wegbiegung.
Genauso gut geht das für viele mit heftigen Beats und Stroboskopbeleuchtung ...

Deshalb ist es auch nicht unüblich, dass Sport genauso zur Sucht werden kann wie Alkohol oder andere Drogen. Kurz und gut bin ich persönlich der Ansicht, dass so gut wie alles, das tiefe persönliche Bedürfnisse befriedigt Suchtpotential in sich trägt.  Ein gesunder Umgang damit ist deshalb (logischer Weise) ratsam, wobei ich persönlich eher generell zur Suche nach dem Mittelweg als zum Leben im Exzess neige. Obwohl ich mich als bewegungsfaul bezeichne, lege ich großen Wert auf die Balance zwischen geistiger, seelischer und körperlicher Anstrengungen und Entspannung. Wobei ich danach trachte auf all diesen Gebieten so „natürliche“ Wege wie möglich zu beschreiten.


Rechts und links der Mitte

Noch eine kurze Anmerkung zur Mitte: ohne das eine oder andere Extrem ist die Mitte schwerlich zu verorten. Deshalb ist es völlig normal hie und da einmal am (Ich bitte die Begriffe abseits von Politik zu verstehen!!) rechten oder am linken Randstein entlang zu rumpeln. Sobald es aber rumpelt ist Selbstreflektion bitter nötig um nicht die Karre in den Graben zu setzen und eventuell bleibende Schäden zu verursachen - um beim Beispiel zu bleiben. Es wäre vielleicht auch ganz sinnvoll, sich ein Netzwerk zu schaffen das, bei Bedarf, die Selbstreflexion noch ein wenig abklopfen kann.


Ende Teil I


Anufa


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