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Verantwortung

Verantwortung – dieses Wort ist zu einem negativen Ausdruck geworden. Mit schwingt eine Art Schwere, die auch noch dazu führt, dass man mit Verantwortung oftmals einen Druck assoziiert. Man spürt sie auf den eigenen Schultern lasten und von manchem Menschen, der viel Verantwortung mit sich trägt, kennt man den Stress, den eine solche Verpflichtung bringen kann. Selten hört man etwas Gutes über diverse Verantwortlichkeiten.

Mit der Macht wächst auch die Verantwortung

Wie schön es ist, wenn man das Ruder selbst herumreißen kann.“ „Wie ergreifend es ist, wenn man eine verantwortliche Aufgabe erfolgreich zu Ende bringen konnte.“ „Wie viel Freude es macht, wenn man sieht, wie Menschen, für die man Verantwortlich ist, glücklich sind“ – und manchmal auch dankbar dafür, dass man die Verantwortung für sie „trägt“.


Kleckern, aber nicht klotzen

Ich finde es immer wieder spannend, dass sich in unserer Gesellschaft immer klarer das Kleckerbild durchsetzt. Vielleicht ist es eine Nebenerscheinung des Informationszeitalters, in dem jeder ständig mit Informationen bombardiert wird, worauf man sich dann halbherzig ein paar Rosinen herauspickt, viele saftige Trauben dabei aber auf der Strecke bleiben. Informiert zu sein und zu bleiben wird immer anstrengender. Auch im Heidentum hat die Flut an Büchern und Informationsmaterial nach einem zaghaften Start in den letzten Jahrzehnten, sich zu einem reißenden Fluss entwickelt, bei dem es nicht einfach ist, den Überblick zu behalten. Während manche Bücher wahre Schätze an Ideen und Techniken anbieten, taugen andere nicht mal mehr als Klopapier. Natürlich wird überall versucht Geld zu verdienen, deshalb werden auch im spirituellen Bereich die Marketingmaschinen immer besser, um auch Müll an die spirituell arbeitende Person zu bringen.

Jeder kann aber für seinen eigenen Werdegang Verantwortung übernehmen und sich bewusst dafür entscheiden, nicht jeden Mist zu fressen, der einem vorgesetzt wird. Verantwortung in der spirituellen Arbeit bedeutet einerseits die bewusste Suche nach Materialien, die persönlich wertvoll ein können. Aktiv zu werden, anstatt sich passiv berieseln zu lassen. Austausch mit anderen spirituellen Menschen zu suchen, egal ob im Internet oder real, kann ein erster Schritt in diese Richtung sein. Den Mut zu beweisen, Fragen zu stellen und direkt nach Quellen zu suchen, bedeutet zwar einen Mehraufwand, der aber in jedem Falle ein Ergebnis bringt, aus dem wertvolle Erfahrungen geschöpft werden können.

Bloß nicht im Fahrwasser schwimmen

Eine sehr beliebte Möglichkeit des Verantwortung-abgebens, wenn es um spirituelles oder heidnisches Weiterkommen geht, ist sich nach dem ersten Hinein-schnuppern in ein Thema nach einem Mentor umzusehen. Ein Mentor/Lehrer/Hohepriester –In wird immer noch fälschlicherweise als eine Person verstanden, die einem das Wissen mit dem Löffel füttert. Bis zu einem gewissen Grad kann das auch funktionieren, doch irgendwann ist man selbst dazu angehalten dieses Wissen auch zu verdauen, Fragen zu stellen und selbst Erfahrungen zu sammeln. Wenn man sich an die eigene Schulzeit erinnert, denkt man vielleicht an die schönen Nachmittage, an denen man während der Stunde ein wenig weg-gedöst ist oder mit dem Banknachbarn unter dem Tisch Zettel getauscht hat. Dass aber auch die Schule allein nicht so romantisch ist, zeigte sich dann später bei Prüfungen und Schularbeiten. Gut, manches Mal hat man es dort vielleicht auch nicht so schlimm genommen, wenn man einmal eine schlechte Note hatte – spätestens aber, wenn man sich vor den Eltern dafür rechtfertigen – oder die Verantwortung übernehmen musste – war es nicht mehr ganz so angenehm.

So und ähnlich wird es auch in jedem Lernverhältnis sein, dass man sich im spirituellen Sinne auferlegt. Ein Lehrer kann einen nur bis zu einem gewissen Punkt bringen. Danach ist man dazu angehalten selbst zu lernen und Prüfungen zu meistern – sich selbst Rede und Antwort zu stehen und auch vor den spirituellen Eltern sowie Lehrern. Natürlich fällt es auf, wenn jemand stagniert und sich nicht weiter bewegt und natürlich hat dies auch Konsequenzen. Ein jeder Mensch ist für sein eigenes Fortkommen verantwortlich, aber nicht jeder Lehrer kann und wird sich auf Dauer mit einem Drückeberger abfinden. Natürlich kann es auch bei einer spirituellen Ausbildung dazu kommen, dass sich Wege wieder trennen, man „die Schule wechseln muss“ oder ein Lehrer seine Aufgabe niederlegt. In einem Lernverhältnis übernehmen beide Seiten eine Verantwortung – der Lernende, die sich weiter zu bilden, und der Lehrende sich um den Lernenden zu kümmern. Wenn diese Verantwortung nicht auf beiden Seiten funktioniert, wird das Verhältnis natürlich auf Dauer angeschlagen. Kein Lehrer will Leute „zur Weisheit treten müssen“ und kein Lernender will „im Stich gelassen werden“.


Choose your path

Das wunderschöne Gedankenbild von gemeinsamen Kräuterwanderungen, oder Covenversammlungen im Sonnenuntergang wird meistens beim ersten Real-Meeting schon Zunichte gemacht – wenn es denn heißt: „Wonach suchst du? Und sind wir da die richtige Adresse?“ Einen Lernweg einzuschlagen bedeutet auch, dass man die Verantwortung übernehmen sollte, für den Weg den man einschlägt. Das heißt: Was will ich und was muss ich tun, um dorthin zu kommen? Wer kann mir helfen, wen kann ich fragen? Eine Ausbildung zu machen, nur um irgendwohin zu kommen, ist in den meisten Fällen kontraproduktiv. Ein Meditationskurs wird mir persönlich nur dann etwas bringen, wenn ich Meditation als gangbare Möglichkeit ansehe, um dorthin zu kommen, wo ich hin will. Natürlich kann ich auch, wenn ich ein anderes Ziel habe, ein bis zwei wertvolle Dinge mitnehmen. Die Frage, die man sich dazu jedoch stellen sollte ist, ob sich das lohnt oder ob man nicht lieber etwas anderes lernen möchte, das einem dem eigentlichen Ziel näher bringt. Genau deshalb gibt es bei einer spirituellen Ausbildung meist sehr viele Gespräche – zu Beginn einer Ausbildung und auch währenddessen.


Heiligenscheine färben nicht ab

Man kann sehr viel lernen, wenn man eine Person beobachtet, die mit ihrer Spiritualität in Einklang lebt. Die Entscheidungen, die diese Person trifft und der Grund dafür, können Aufschluss über eine Einstellung geben, die zum Erreichen der eigenen Spiritualität hilfreich sein kann. Allerdings ist es kein Allheilmittel. Durch bloßes Zusammensein mit einer Person kann man zwar deren Einstellung erahnen, um dadurch aber auch persönlich voranzukommen, muss man das gelernte zuerst eigenverantwortlich umsetzen. Dabei sollte man außerdem auch darauf achten, dass man eine Person nicht Idealisiert. Jede Hohepriesterin hat auch einen Haushalt zu führen, einer Arbeit nachzugehen, eventuell auch Kinder zu wickeln etc.

Und nicht jeder Mensch ist natürlich immer in Einklang mit sich selbst und seinen Göttern. Das soll aber auch so sein – denn wenn man den Weg der Götter nicht ab und an verlassen würde – wie sollte man sonst lernen ihn zu erkennen und schätzen zu wissen? Je weiter man manchmal vom eigenen Weg abkommt, desto eher merkt man irgendwann, wie man wieder dorthin zurück findet oder wie man ihn überhaupt finden kann. Ein spirituelles Leben bedeutet meiner Ansicht nach, dass man sich auch ab und an außerhalb des Flusses befindet, nicht eins mit allem ist und sich dabei auch manchmal sehr gut fühlen kann, oder auch mal richtig elend. So wie Eltern manches Mal von ihren schreienden Kindern genervt sein können, und sich dann umso mehr freuen, wenn das Kind sich wieder beruhigt und zu einem kommt – so denke ich geht es auch den Göttern.


Tu was du willst, solange es keinem schadet

Wer ein verantwortliches Leben führt und selbst nach seinem Weg sucht, der wird auch diverse Konsequenzen für sein Handeln erleben. Noch so ein erdrückendes Wort. Dabei ist eine Konsequenz einer Handlung gar nicht so furchtbar, wenn man sich vollends hinter das eigene Handeln stellen kann. Konsequenzen sind dann furchteinflößend, wenn sie auf eine Handlung folgen, die man nicht aus eigenem Ermessen getan hat – zu der man sich vielleicht überreden ließ, von der man nicht vollends überzeugt war. Genau so sehe ich auch die Weisung, die das magische Gesetz „Tu was du willst,…“ vermitteln soll. Du darfst tun, was du willst. Überlege dir aber vorher, welche Konsequenzen es haben könnte. Wenn du dann noch immer handeln kannst, ohne dich vor den Folgen zur fürchten – dann übernimmst du die Verantwortung für dein Tun und niemand kann es dir zu Lasten legen. Vielleicht werden manche es trotzdem versuchen, aber aus deiner Sicherheit kannst du Kraft schöpfen. Wie ein anderes magisches Gesetz sagt: Magie ist Einfluss unter Willen. Wenn dein Wille stark ist, dann ist er Energie, die einem Zweck folgt und niemand kann diese brechen. Solange deine Energie sich auf deine Stärke und Verantwortung fokussiert und nicht auf die eigenen Zweifel, oder Zweifel an deiner Entscheidung.


Es gibt keine „verantwortungsfreien“ Abkürzungen

Verantwortung ist in meinen Augen eine Kraft, ohne die es auf dem spirituellen Weg nicht geht. Interaktion mit Göttern, Erlernen von Techniken, Ausüben von Magie - das alles sind Dinge, bei denen es ohne Verantwortung nicht geht. Anfangs braucht es sicherlich ein wenig Bestätigung, bis man sich weit genug fühlt, um eigenverantwortlich gehen zu lernen. Irgendwann muss man jedoch Verantwortung übernehmen, für sich selbst, für die eigenen Handlungen, oder auch für andere – und das ist dann wahrscheinlich der Punkt, an dem es so richtig Kabumm macht und man mit einem Schnall nach vorne katapultiert wird. Wer bereit ist sein Herz in seine Taten zu legen und hinter diesen zu stehen, den kann nichts mehr aufhalten. Und das ist eine weitere Bedeutung des weisen Satzes: „Je größer die Macht, desto größer die Verantwortung“. Denn „Macht“ bekommt nur, wer bereit ist sich etwas aufzulasten, Verantwortung für etwas zu übernehmen.


Shina Edea


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