Lehrer lehren lernen   Teil I

Auf der Suche nach dem eigene magischen Weg, wünscht man sich oft jemanden, der einen auf dieser Reise begleitet und in dessen Hände man seine Weiterbildung legen kann... einen Lehrer.

Haben wir uns nicht schon alle einmal gewünscht jemanden zu haben, der uns leitet und führt, so wie damals in der Schule? Dass es einen Lehrplan gibt, nach dem man sich eine magische Ausbildung zurechtlegen kann – der zwar Variationen zulässt aber im Grunde einen Baukasten darstellt, aus dem man sich die gewünschten Bauklötze aussuchen und nach belieben zusammenfügen kann?

So wunderbar diese Vorstellung auch klingen mag, vor allem in den Phasen der Stagnation, an denen man einfach nicht mehr weiter weiß – so schwer ist sie aber auch umzusetzen. Der magische Weg, oder der Weg zu einem heidnischen Glauben oder einem Coven zu finden, kann nur teilweise mit einer Schulbildung verglichen werden.

vor lauter Bäumen
Es gibt kein Schema X

Das ist die traurige Wahrheit: Es gibt kein Schema X. Es gibt keinen Standard, an dem man eine Hexe oder einen Magier messen kann. Vielleicht kennst du den vielzitierten Satz: „Zeige mir zwei Hexen und ich wette mit dir, dass sie zwei Unterschiedliche Weltanschauungen und zwei unterschiedliche Erfahrungswege haben“. Da es niemanden gibt, der definiert, was eine Hexe ist, definiert auch niemand, wie man zu einer Hexe werden kann. Auch wenn dies für viele Anfänger eine große Last bedeutet, da man aus unzähligen Quellen schöpfen kann, wie man möchte – birgt dies eine oft unterschätzt Freiheit. Nämlich die Freiheit wirklich das zu tun, was man tun möchte. Sich seinen eigenen Lehrplan zu gestalten. Und somit muss sich niemand durch eine Englischstunde quälen, der dies nicht möchte. Immerhin gibt es genug andere Möglichkeiten.

 

Sich ziehen lassen

Diese Fülle an Möglichkeiten wirkt dem entgegen, was sicherlich jeder aus seiner eigenen Schulzeit kennt. Man mag ein bestimmtes Fach nicht, findet es langweilig, oder hat vielleicht sogar einen Lehrer, den man nicht mag und bemüht sich dementsprechend auch nicht so richtig. Man lässt sich quasi mitziehen an der Hand, nur um eine positive Note zu erreichen, die die Weiterbildung möglich macht. Wer frei ist sich seinen Weg selbst zu gestalten und die Lektionen anzunehmen, die damit einhergehen, hat also auch die Freiheit sich nicht mitziehen zu lassen, sondern ein Thema, mit dem man nicht so viel anfangen kann fürs erste mal aufs Eis zu legen. Vielleicht wird dieses Thema mich irgendwann doch interessieren. Wenn nicht, kann ich mich aber auch dafür entscheiden, dass ich dies nicht zu lernen brauche und mich anderen Dingen widmen. Das mag vielleicht banal klingen, erlaubt mir aber selbst die Verantwortung für mein Weiterkommen zu übernehmen. Wenn ich etwas Wichtiges nicht gelernt habe, ist das so, weil ich es nicht wollte. Ich habe mich bewusst dafür entschieden dies nicht zu tun und trage auch selbst die Konsequenzen dafür.

Das heißt dann auch, dass ich nicht irgendwann sagen kann - „Mein englisch ist so schlecht, weil mein Englischlehrer keine Freude am unterrichten hatte oder in mir keine Begeisterung für das Fach wecken konnte.“ Ich kann die Verantwortung somit also auch nicht an jemand anderen abgeben. Sich selbst weiterzubilden bedeutet auch erwachsen zu werden und abschätzen zu können, was einmal wichtig sein könnte, in meinem späteren Leben.

Passagier sein

Erwachsen werden ist nicht immer einfach

Da wir die Schule nun mal auf einen besondere Art und Weise erlebt haben und gewisse Erinnerungen daran haben, sind natürlich auch alle weiteren Bildungswege, die wir in unserem Leben einschlagen davon geprägt. Auch eine magische Bildung ist davon nicht ausgenommen. Daher kommen viele annahmen, wie man zu einer Hexe oder einem Magier werden könne, die so aber nicht der Realität entsprechen.

Es entspricht nun einmal nicht der Wahrheit, dass eine magische Ausbildung genauso ist, wie der Schulunterricht. Ein Hexenmeister, wollen wir es einmal so nennen, hat keine Antworten auf das Leben parat, die er seinen Schülern auf einem Silbertablett anbietet, nach dem Motto: Iss es oder bleib sitzen. In der Schule gibt es immer eine richtige und eine oder mehrere falsche Antworten. X=A, to talk bedeutet zu sprechen, wer etwas sagen will, muss aufzeigen. Es gibt aber keine solchen Antworten darauf, wie eine Hexe ist, welche Kräuter sie kennen muss, wie man sich fühlt, wenn man eine Gottheit invoziert oder ein Element in den Kreis ruft. All diese Dinge basieren auf persönlicher Erfahrung. Ein Hexenmeister kann und zwar von seinen Erlebnissen berichten, auf die er oder sie seine Weltsicht aufbaut – das bedeutet aber nicht, dass das für den Schüler eine gangbare Variante darstellt. Der Schüler macht wiederum eigene Erfahrungen, die ganz anders aussehen können. Wer auch immer dich also zur Hexe ausbildet, er oder sie wird dir nicht sagen können, wie deine Welt oder Ausbildung zu sein hat. Es gibt keine finalen Antworten auf das Leben, es gibt nur sich wandelnde Annahmen, die sich natürlich auch immer weiter entwickeln.

erWACHSENEs gibt keine absolute Wahrheit in der Benutzung von Werkzeugen oder der Leitung von Energie. Es gibt nur verschiedene Ansätze und hier hat jeder Ausübende seine eigene Überzeugung. Ein Coven oder eine Tradition lehrt eine gewisse Technik, die eben in dieser Tradition als die richtige angesehen wird. Es gibt aber noch zig andere und diese sind eben in anderen Traditionen gebräuchlich. Es kann sehr spannend sein zuzusehen, wie eine Traditionen etwas anders macht als die eigene – das bedeutet aber nicht, dass die eine es besser mache als die andere, denn jede hat ihre eigene Erklärung warum das gerade so gehört und nicht anders.

Sich einem Lehrer oder einer Tradition unterzuordnen heißt also nicht die Allwahrheit auf dem Teller serviert zu bekommen, sondern eine von vielen Möglichkeiten erklärt zu bekommen, so dass man sie für sich selbst nutzen kann. Den Umgang damit muss man sich wiederum alleine erarbeiten. Wer sich also an solch ein System bindet, der nimmt eine bestimmte Sichtweise an, und erklärt sich bereit diesen Weg als den seinen anzunehmen. Wenn man es nicht schafft, dies zu verinnerlichen ist das nicht die Schuld des Systems, denn es gibt andere die bereits erfolgreich mit dem System arbeiten. Es ist die eigene Verantwortung zu fragen: „Ist es das richtige für mich oder nicht?“ Es steht niemand dahinter, der einem die Löffel langzieht, wenn man sich zu wenig kümmert, obwohl das sehr wohl einen Ausschluss aus einer Gruppe bedeuten kann, wenn es denn ein wichtiger Faktor für die Zusammenarbeit ist.


Ende Teil I


Shina Edea


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