Begegnung mit den Göttern   Teil II
Einer der umstrittensten Fragen für alle an der Craft Interessierten ist wohl die nach Göttern: Nach Göttern...?!

Dies Eine ist Drei - oder kann Drei sein!
Es wird kompliziert ... eine Göttin ist auch drei Göttinnen. Oder besser: Die Göttin hat dreifache Gestalt, nicht immer, aber sehr viele Göttinnen sind Triaden, die in vereinfachter Form Jungfrau, Mutter und Alte genannt werden können. Maiden, Mother, Crone. Doch Vorsicht, so handelt es sich dabei um ein abstraktes Konzept, das einfacher erscheinen mag als es ist – ihr werdet sehen.
Was die „Jungfrau“ anlangt, so differenziert das Englische besser als das Deutsche. „Maiden“ ist keine „Virgen“, sondern die junge erhitzte Jägerin, die Unabhängige, am Übertritt von Mädchen zur Frau. Sie verkörpert den Frühling, den Neubeginn, die Spontaneität und den Osten. Ihre Farben sind hell und weich, weiß, hellgelb, hellgrün und rosa. Beispiele der Maiden sind die römische Diana, die walisische Blodeuwedd und die griechische Artemis. Als Beispiele genannt und nicht so klar und scharf getrennt, wie es sich hier anhören mag!
Die Mutter ist die Nährende, Beschützende, die das Leben gibt und den Herd hütet. Sie ist Herrscherin und die Mächtige des Südens, am Zenit der Lebenskraft. Ihre Farben sind rot, grün, kupfern und strahlendes blau. Beispiele der Mutter sind die keltische Dana und die griechischen Göttinnen Demeter und Hera.
Die Alte, die Crone, ist die alte Weise. Sie ist die große Beraterin, die im Westen an den Toren der Unterwelt und über diese selbst wacht und herrscht. Sie weist den Westweg Richtung Norden, in die Stille, die Ruhe und den Tod. Die Alte hat, zu ihrem weisen ruhigen, ja logischen Aspekt auch einen furchtbaren, todbringenden, verzehrenden. Beispiele des dritten Aspekts der Göttin sind die walisische Cerridwen, die griechische Hekate, die Kali oder die keltische Morrighan.

Doch wenn es nur so einfach wäre! Viele Göttinnen haben in sich alle drei Aspekte vereint, je nach Mondphase und Jahreszeit treten sie in ihren unterschiedlichen Qualitäten auf.
Die keltische Brighid zum Beispiel ist die Beschützerin und Hebamme des neuen Lebens, auf der anderen Seite aber auch eine mächtige Kriegergöttin, die mit ihrem flammenden Speer auftritt und außerdem noch viele andere Facetten dazwischen hat! Blodeuwedd hat ebenfalls einen dunklen Aspekt und ist wahrlich kein Blumenmädchen, wie sie gerne in diversen flachen Büchern dargestellt wird!
Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei o.g. Dreiheit um ein Konzept, in das sich allerdings kaum oder gar keine Göttin wirklich reinpressen lässt.
So weit, so verwirrend.


Und Einer sind Zwei
Auch der Gott ist nicht so einschichtig wie geglaubt. Der Gott wandelt sich durch das Jahr hindurch, in seinen Qualitäten, so wie das Lebensalter eines Menschen. Er wird zu Yule, zur Sommersonnenwende als Lichtfunke geboren, bis er zu Lammas (August) als Opfer an das Land stirbt. Er segelt nach Westen, steigt hinab in die Unterwelt, um zur nächsten Wintersonnenwende wieder geboren zu werden.

Soweit ein Modell, was Götter so treiben können.


Aus dem Zwei wurden Mehrere
Mittlerweile können wir Gott- und Göttinnenenergie auseinander halten. Gottheiten der verschiedenen Pantheons fokussieren unsere Konzentration auf noch speziellere Aspekte des Lebens. Aufgrund ihrer Eigenheiten können sie wesentlich leichter visualisiert und in unterschiedlichen Formen wie Invokation, Evokation, Einladung, Beschwörung etc. Gerufen werden. Man kann auch einfach nach ihnen schreien, oder ihnen flüstern. Auf die Intention kommt es an! Womit sich ja wieder mal beinahe alles, was ich in diesem Absatz schrieb, ad absurdum führen würde.

Im Laufe der Zeit stellen sich natürlich gewisse Vorlieben ein und es gibt ganz bestimmte Gottheiten, zu denen man einen stärkeren Kontakt aufbaut als zu anderen. Gründe mag dies viele haben. Bei Menschen ist es ja auch so. Mit dem einem versteht man sich besser, hat mehr Kontakt als mit der anderen, die man nur ein Mal im Jahr zu Weihnachten trifft. Bei regelmäßigem Kontakt bilden sich tiefe und innige Verbindungen. Ich bin der Liebling zweier Götter und sie sind die meinen.
Diese engen Bündnisse sind bei der Vielfältigkeit und Unzahl auch durchaus gut so. Bei konstanter Arbeit stellt sich eine Verbindung ein, die, in technischen Worten gesprochen, bei Bedarf nur mehr angesteckt werden muss, sofern sie nicht ständig im Standby-Modus steht. Etwas, das in wichtigen und dringenden Situation durchaus behilflich sein kann.


Wähle aus den Mehreren
Bis dahin gilt: Schenke denjenigen Gottheiten deine Aufmerksamkeit, die dich ansprechen, mit Rücksicht auf deine persönliche Lebenssituation, Jahreszeit, Interesse etc. Gottheiten schleichen sich oft ganz unvermutet in ein Leben und offenbaren erst Jahre später ihre wahre Wichtigkeit für den Betroffenen. Wie oft erging es mir so!
Gottheiten weltweit gliedern sich in Pantheons – kulturspezifische Göttergruppen, die dazu dienen, das All-Eine für eine bestimmte Kultur auf einem fassbareren Level greifbar und beschreibbar zu machen. Trotz aller Abstraktionen weiter oben – jeder Gott und jede Göttin ist eine völlig eigenständige Entität, mit einem Charakter, eigenem Kopf und eigener Geschichte!
Welches Pantheon könnte dich ansprechen? Das griechische, römische, keltische, nordische, ägyptische, aztekische ... etc.?
Nimm’ dir Zeit und lies’ verschiedene Mythologien aus fundierten Quellen, soweit für dich beurteilbar, und suche dir anschließend eines aus. Benutze dazu vielleicht zuerst mal uninterpretierte Mythensammlungen, ohne psychologische oder esoterisch angehauchte Passagen. Einfach mal Mythologie pur, ohne „das Gänseblümchen steht für…“, „der Kessel meint…“ und „das bedeutet…“. Finde es selbst heraus!

Ich bin der Ansicht, dass während dieses Lernprozesses bei einem Pantheon geblieben werden soll, weil es das Verstehen der Zusammenhänge erleichtert. Auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Pantheons stößt du wahrscheinlich ganz von selbst.
Vergiss nicht, dass Götter niemals einfach so aus ihrem Umfeld, ihrem Pantheon und Kultur herausgelöst werden können. Hestia ist nicht einfach eine Göttin, die überm Herdfeuer wacht, ja das Herdfeuer ist. Na ja, natürlich das auch – aber eben in ihrem antiken Kontext. Dazu sollte man berücksichtigen, was das Herdfeuer für eine Bedeutung hatte, wie im antiken Griechenland damit umgegangen wurde, welche Bräuche und Sitten daran gebunden waren. Sonst wird es für meinen Geschmack ein bisschen flach und undifferenziert – ja artet vielleicht in etwas aus, was ich gerne und kritisch als „Pantheon-Tourismus“ bezeichne und vor dem mir ganz persönlich etwas graut.
Ich war aus diesem Grunde nie eine große Freundin von diversen Quer-durch-die-Welt-Göttinnen-Orakel Karten und dergleichen, obwohl ich sie teilweise sehr schön finde und meine Bibliothek einige Decks beherbergt. Dennoch: Mit zwei Absätzen oder einer einzigen Affirmation ist es meiner Ansicht nicht getan um das Wesen von Göttern zu erfassen.


Ende Teil II


Brighid


Kemetismus - ist das was für mich? 29.10.2016
Schreingrundlagen in der kemetischen Praxis 09.07.2016
Es war nur eine Phase?! - Teil II 20.02.2016
Es war nur eine Phase?! - Teil I 13.02.2016
Du bist ein Teil von mir! - Teil III 26.09.2015
Du bist ein Teil von mir! - Teil II 20.06.2015
Du bist ein Teil von mir! - Teil I 21.02.2015
Hast´an Schatten??!! 18.10.2014
Ich will das, dafür kriegst´auch was 28.06.2014
... und jetzt?! 22.02.2014
Ich hab´ grad´ keine Zeit … - Teil III 05.10.2013
Ich hab´ grad´ keine Zeit … - Teil II 14.07.2013
Ich hab´ grad´ keine Zeit … - Teil I 23.03.2013
Ich fühle also bin ich… 15.12.2012
Spirituell mit Android Apps 15.09.2012
Verantwortung 12.05.2012
Erdung ja, doch warum? 21.01.2012
Kleines 1x1 der Ritualgegenstände 08.10.2011
Konzentration und Bewusstheit 27.08.2011
Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper 12.03.2011
Elders, Großeltern und andere alten Weisen 04.12.2010
Lehrer lehren lernen - Teil II 25.09.2010
Lehrer lehren lernen - Teil I 03.07.2010
Das Ritual des Nichtstuns 17.04.2010
Auf die Reise gehen - Teil III 30.01.2010
Auf die Reise gehen - Teil II 23.01.2010
Auf die Reise gehen - Teil I 08.11.2009
Heiden feiern Feste?!? 29.08.2009
Ist da jemand? Oder von heidnischer Vernetzung… - Teil III 13.06.2009
Ist da jemand? Oder von heidnischer Vernetzung… - Teil II 30.05.2009
Ist da jemand? Oder von heidnischer Vernetzung… - Teil I 24.05.2009
Was brauche ich wirklich?!? 14.03.2009
Atem – Grundstein des Lebens 06.12.2008
Reinigung - Teil III 02.08.2008
Reinigung - Teil II 03.05.2008
Reinigung - Teil I 19.04.2008
Geschichte: Umgang und Umgehen… 15.12.2007
Schnittiges Schnitterfest - Teil II 16.09.2007
Schnittiges Schnitterfest - Teil I 08.09.2007
ZusammenGesammeltes 26.05.2007
Begegnung mit den Göttern - Teil III 09.12.2006
Begegnung mit den Göttern - Teil II 02.12.2006
Begegnung mit den Göttern - Teil I 25.11.2006
Der Jahreskreis - Teil II 05.08.2006
Der Jahreskreis - Teil I 29.07.2006
Über das Warum in der Magie 11.04.2006
Maiden, was nun? 31.12.2005
Ein kleiner Einstieg in die Meditation 16.07.2005
Beltane für Anfänger 30.04.2005
Bücher, Bücher, Bücher 25.12.2004
Begegnung mit dem Element Wasser 18.09.2004
Begegnung mit dem Element Feuer 19.06.2004
Begegnung mit dem Element Luft 15.11.2003
Begegnung mit dem Element Erde 06.09.2003
Der magische Kreis 05.07.2003
Erdmeditation 19.04.2003
Die Elemente: Anrufung 01.02.2003
Die Elemente - Teil II 11.01.2003
Die Elemente - Teil I 23.11.2002
Kräuter und Magie 03.08.2002
Schutztechnik für den Anfang 29.06.2002
Zugang zu deinen Inneren Welten 13.12.2001
Erdungsübung 10.09.2001





              
                   
              



    

© WurzelWerk · 2001-2017