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Der Jahreskreis   Teil II
... ein Begriff, der in einer oder anderen Form und Abwandlung von Neuheiden verwendet wird – damit gemeint sind acht Feste, die ungefähr alle sechs bis sieben Wochen zu einem Stelldichein mit Natur, Göttern, Freunden, Feier und gutem Essen und Trinken einladen!

Das nächste Fest ist Beltane (1. – 6. Mai), die bewusste Vereinigung von Gott und Göttin wird gefeiert – und zwar was das Zeug hält. Der lange, kalte Winter ist vergessen und zwar nicht nur in Form von Wissen („es wird ja eh wieder wärmer werden“) sondern auch von tieferem erlebten Verständnis („die Sonne wärmt Haut und Land...“).
Was zu Imbolc gewählt und zu Ostara gesät wurde, beginnt nach oben zu dringen, steigt ins Bewußte auf.

Sechs Wochen später erreicht das Jahr zu Litha, der Sommersonnenwende, seinen Höhepunkt und wir feiern die kürzeste Nacht und den längsten Tag des Jahres! Die Sonne steht im Zenit, Gott und Göttin am Höhepunkt ihrer Stärke und Kraft. Es ist eine Zeit der Reife - der Gott übernimmt die Verantwortung nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere, seine Göttin und das Land. Er ist bereit, die daraus resultierenden Konsequenzen zu tragen.
Diese trage ich so auch in mein Leben. Ich übernehme für das, was ich gesät und großgezogen habe, die Verantwortung, und zwar bis zur letzten Konsequenz. Doch schon beginnen die Tage wieder kürzer zu werden und so birgt bereits Litha einen Wehmutstropfen in sich – die Schatten werden länger und länger… und die Kräfte in der Unterwelt beginnen sich langsam aber unabänderlich zu regen und die Tage werden kürzer, wenn auch zuerst nur unmerklich.

Anfang August wird Lammas oder Lughnasadh, das Schnitterfest gefeiert (1. – 6. August). Wir befinden uns zwar noch im vollen Hochsommer, aber wir wenden uns bereits gegen Winter und der dem Land geopferte Gott hat seinen Weg nach Westen, in Richtung Unterwelt angetreten. Lammas ist das erste Erntefest im Jahr. Das Licht regiert zwar noch die Welt, aber die Dunkelheit nimmt weiter zu und drängt das Licht stetig zurück. Das Korn wird geschnitten – Zeichen für das Ende des Wachstumszyklus.
Wir haben gesät, nun ernten wir (hoffentlich) mit Freude. Zu Lammas kann zur Not noch etwas gekappt werden, was vielleicht doch nicht so gut in den Erntekorb passt. Lammas ist die Erfüllung der Vision des Lichts, der Saat, zur Frühlingstagundnachtgleiche.

Die Herbsttagundnachtgleiche, Mabon, wird um den 21. – 23. September gefeiert. Wieder sind Tag und Nacht gleich lang, doch dieses Mal gewinnt die Dunkelheit. Noch einmal wird alles in die Waagschale gelegt, bevor die Fähre in Richtung Unterwelt betreten wird. Leben und Tod sind die beiden Seiten einer Münze, der Münze, die wir zur Herbstagundnachtgleiche an der Schwelle weiterreichen sollten. Mabon ist das zweite Erntefest im Jahr, der Gott auf dem Weg in die Unterwelt und die Göttin altern mit dem Land, die Kraft und Schönheit wendet sich mehr und mehr nach Innen.
Mabon ist ein Fest, an dem man sich gewahr werden könnte, dass das Land, Gott und Göttin und die Menschen Eins sind. Sie sind immer alles: Hell und Dunkel. Schatten und Licht. Der Gott und sein Gegenspieler erkennen das Mysterium des Eins Sein und verbinden sich in Liebe. Der Konflikt von Hell und Dunkel wird beigelegt und das Mysterium zieht sich hinter diese Welt zurück. Die Göttin hat auf ihrer Wanderung ebenfalls Leben und Tod, Hell und Dunkel gesehen und durchlebt und weiß um deren Einheit. Mit dieser Einsicht wird aus der Mutter die Alte.

Und dann ... schließt sich der Kreis mit einem neuerlichen Samhain und die Spirale geht weiter!
Gott und Göttin vereinen sich in der Unterwelt. Zusammen reisen sie in die Tiefen des Mysteriums des Todes. Sie sind dort in Liebe vereint - bis sie ihn wieder neu gebiehrt.


Immer dasselbe oder nur das Gleiche
Die Qualitäten der Jahresfeste beginnen sich in der Regel durch das kontinuierliche Feiern zu zeigen. Nach zwei oder drei Festen ist dies vielleicht bereits das erste Mal feststellbar, nach einem Umlauf werden bei guter Arbeit vielleicht schon die ersten großen Zusammenhänge sichtbar, die von da an jedes Jahr detaillierter und reichhaltiger werden! Und langweilig wird es einem nie! Zum einen weil das Jahresrad unerschöpfliche Details, Feinheiten und Nuancen in sich birgt und zum anderen da man selbst jedes Jahr aufs Neue in einer anderen Situation vor die Götter tritt! Im Laufe mehrerer Jahre kontinuierlichen Lebens damit ist auch feststellbar, wie tief die Arbeit mit dem Jahreskreis tatsächlich gehen kann. Stets offenbaren sich neue Aspekte und Details und ich könnte nicht behaupten, dass sich jemals Langeweile oder Wiederholung gezeigt hätten.
Im Netz wimmelt es von mehr oder minder brauchbaren Darstellungen über das Jahresrad. Die beste davon ist meines Erachtens nach die sehr ausführliche und umfangreiche Darstellung von Mike Nichols, die für ein tieferes Verständnis von Mythologie und Rolle von Gott und Göttin im Jahreskreis von Interesse sein können.

Wenn ich und du, liebe Leserin, lieber Leser, nun immer noch derselben Meinung sind, nämlich dass der Jahreskreis ein Prozess im Innen und Außen ist, dann wird es Zeit, sich in die Praxis zu stürzen!
Im Folgenden einige Ideen, wie eine erste Annährung an das Jahresrad erfolgen kann:


Raus aus dem Haus!
Die Natur ist. Der Jahreskreis ist damit kein Konstrukt, sondern wenn man aus dem Haus geht, direkt erfahrbar. Alles was man tun muss, ist raus gehen und sich auf das, was da ist einschwingen. Die Natur erfährt sich am besten in der Natur… und nicht im Shoppingcenter oder vor dem Fernseher und … auch nicht bei stundenlangen Meditationen oder beim Brüten über mehr oder minder schlauen Büchern. So weit es dir möglich ist, nütze die Zeit und geh raus!
Suche unterschiedliche Landschaften auf, treib dich in den Bergen rum, geh durch grüne, schlammige, verschneite oder verregnete Wälder und wandere über Feldränder (falls es nicht deine eigenen sind!), spring in Flüsse und Seen (auch wenn sie vielleicht keine Badezimmertemperatur haben!)…
Zieh die Schuhe mal aus, spür die Blätter, die Erde, den Schlamm, die Steine, das Wasser, den Schnee und Wiesen…Greif hin! Die Natur beißt (meistens) nicht! Setz oder leg dich hin, grab’ dich in einem Blätterhaufen ein, schlaf’ in Höhlen oder auf einer Bergspitze, spür den Wind, die Kälte und die Hitze…
Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.


Dann die Gretchenfrage…
Was hat das alles mit mir zu tun? Was macht Kälte mit mir? Wie geht’s mir in einer Höhle? Was passiert, wenn ich ins kalte Wasser springe? Welche körperlichen Empfindungen habe ich, wenn ich mich im Schlamm wälze und die Sonne anschließend meine zweite Haut trocknet….? Wie spürt sich ein Feld im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter an?
Als praktisch erweist es sich immer, all die Erfahrungen und Gedanken aufzuschreiben.
Und dann…


Wieder raus!
Und zwar regelmäßig. Beobachte, wie sich die Natur im Laufe der Jahreszeiten verändert. Die Vegetation, welche Tiere sind anzutreffen…etc. Welche Nahrungsmittel uns die Natur in den einzelnen Jahreszeiten schenkt.

Und wieder eine Gretchenfrage…
… Was hat das mit mir zu tun? Welche Tiere stehen für was? Welche Pflanzen haben welche magische Bedeutung und welche Eigenschaften? Wie ändert sich ein und dieselbe Landschaft im Laufe des Jahres? Welche Nahrung schenkt die Natur in welcher Jahreszeit? Was macht diese frische Nahrung mit meinem Körper?


Und dann… ab zu den Büchern
Zugegebenermaßen ist das Wissen um Mythologie im Jahreskreis keine Grundvoraussetzung, um den Jahreskreis erfassen zu können, stellt aber meines Erachtens nach eine wichtige Facette dar und bereichert den Komplex des Jahresrades ungemein!
Eine reichhaltige Sammlung an mythologischen Texten (Mabinogion, Antike etc.) findet sich im Internet Sacred Text Archive


Und eine letzte Gretchenfrage
… (ich weiß, ich nerve)!! Was hat das alles mit mir zu tun…? Wo finde ich mich und meine verschiedenen Entwicklungsschritte im Leben, durch das Jahr wieder und warum und inwiefern?

Das mag jetzt alles furchtbar marginal klingen. Jeder weiß, dass im Frühling und im Sommer Pflanzen blühen und grün sind, im Herbst die Blätter fallen und im Winter in unseren Breitenkreisen so gut wie nichts grünt und die Natur kaum Nahrung gibt. Wichtig ist wirklich hinzuschauen und reinzuspüren, was es mit dir macht. Welche Empfindungen es auf allen nur erdenklichen Ebenen bei dir auslöst, wie sich die Jahreszeiten in deinem Leben im Inneren reflektieren.
Aus diesem Grunde habe ich diesen Artikel auch sehr offen gelassen und kein Fest in die üblichen Konzepte gepresst. Wenn du hinschaust und in dich reinspürst, kommst du wahrscheinlich zum selben Ergebnis, das du anschliessend immer noch vergleichen kannst.
Für mich stellt der Jahreskreis einen sehr praktischen und nützlichen dar, durch das Jahr, ja die Jahre zu gehen. Durch den Wandel im Außen wird der Wandel im Inneren angeregt, je durchlässiger und offener man ihm folgt, desto mehr offenbart sich seine Schönheit und seine Tiefe.
Wenn du dich zuvor schon mit den Mondphasen und den Elementen befasst hast, schnapp dir ein DIN A3 großes Papier und versuche Jahreskreisfeste, Transformation von Gott und Göttin, Mondphasen und Elemente darin einzuzeichnen. Wenn Platz ist, kannst du auch noch Tiere, Pflanzen, Gottheiten, Saat-und Erntezyklen, Innere Mysterien etc. darauf vermerken! Je dichter die Informationen und dein persönlicher Bezug zu den Jahreskreisfesten sind, desto effektiver wird sich dein Prozess mit ihnen und durch sie gestalten! Lass eventuell auch Platz für spätere Kommentare, deine eigenen Erfahrungen und eventuelle Ergänzungen.
Na ja, nimm’ vielleicht doch einen großen Packpapierbogen... und hab´ viel Spaß auf der Reise durchs Jahr!


Brighid


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