Ein kleiner Einstieg in die Meditation
Ich will hier eine kleine Anleitung geben wie man – vielleicht nur für ein paar Sekunden – den ewigen Gedankenstrom im eigenen Kopf etwas Einhalt gebieten kann, sich zu einem Punkt der Ruhe zurückziehen kann, wenn einem Gefühle den Tag verderben, etwas entspannter und damit auch gesünder sein kann und vielleicht sich und die anderen Menschen auch einmal nicht so schrecklich wichtig nehmen muss.

Das Werkzeug dazu heißt Meditation
Meditation ist ein Sich-gehen-lassen im wahrsten Sinne des Wortes. Ich lasse mich gehen. All diese kleinen Gedanken: Wie wirke ich auf andere, wie fühle ich mich, habe ich etwas Wichtiges vergessen, dies und das muss ich erledigen, ich bin müde, krank, traurig, unzufrieden… Einfach einmal loslassen von dem, was uns den ganzen Tag treibt und für ein paar Momente einfach nur sein.


Also los
Meditation ist etwas, was man lernt, so wie alles, was man tut. Nur, dass man eben Nicht-Tun lernt. Klar? Je häufiger man Nicht-Tut, desto besser kann man es auch. Ich persönlich habe die besten Resultate, wenn ich jeden zweiten Tag nicht übe, aber wahrscheinlich hat jeder Mensch seinen eigenen Rhythmus. Probier´s einfach aus und finde heraus, was am besten für dich klappt. Am besten stellt man sich einen Wecker, so lange man meditieren möchte und hört dann einfach auf, wenn man das Läuten hört, vielleicht zehn Minuten am Anfang und dann immer mehr.

Als erstes versuche eine Position zu finden, die bequem für dich ist. Im Bett liegen hat da eindeutige Vorteile, nur kann es da leider ein Problem sein einzuschlafen oder zumindest in einen wirren Halbschlaf abzugleiten, der nichts mit Meditation zu tun hat und einen nur erschöpfter zurücklässt. Wenn das also nicht funktioniert, geht Sitzen genauso, am besten in einem bequemen Stuhl, wo man sich auch anlehnen kann.
Dann schließt man die Augen und atmet einige Male tief ein und aus. Leider können das viele Menschen heutzutage auch nicht mehr wirklich. Also, beim Einatmen geht der Bauch langsam hinaus und beim Ausatmen wieder zurück und die Brust mischt sich nicht ein. Atme langsam und tief, es geht immer noch ein bisschen Luft hinein und verbrauchte Luft vor allem hinaus.
Meistens fällt einem dann auf, wenn man so langsam zu Ruhe kommt, dass die gewählte Position doch nicht so bequem ist. Ein paar Muskeln beschweren sich, eine Hand will anders liegen, also tu das. Das sollte aber das letzte Mal sein, dass du dich bewegst, bis die Meditation beendet ist. Kein Muskel sollte mehr angespannt sein, denn je ruhiger man wirkt, desto lauter werden auch die kleinen Dinge, die man sonst nicht einmal wahrnimmt.
An dieser Stelle ist es oft gut ein kleines entspannendes Ritual durchzuführen. Da weiß der Körper dann mit der Zeit schon was von ihm erwartet wird und auch wenn man im Alltag Stress hat und sich beruhigen möchte, kann man es schnell durchführen.
Eine Möglichkeit ist zum Beispiel sich zu sagen:

„Ich bin jetzt im Wach-Bewusstseins-Stockwerk, das ist der hunderste Stock und ich steige in den Aufzug ein. Und wenn ich jetzt ins Erdgeschoß fahre, werde ich mit jedem Stockwerk, das ich passiere ruhiger und entspannter. Und im Erdgeschoß bin ich dann in tiefer Meditation.“

Und dann stellt man sich vor, wie man in den Aufzug einsteigt und hinunterfährt, jedes Stockwerk an einem vorbeizieht, bis man unten ist, wo man aussteigt.
Eine andere Möglichkeit wäre sich langsam vorzusagen:

Mein rechter Arm wird warm.
Mein linker Arm wird warm.
Mein rechtes Bein wird warm.
Mein linkes Bein wird warm.
Mein Bauch wird warm.
Meine Brust wird warm.
Mein Kopf ist leicht und angenehm.

Und dasselbe noch einmal mit „schwer“ statt „warm“.
Natürlich funktionieren auch ganz andere Dinge, das sind nur Beispiele, die meiner Erfahrung nach helfen. Es kann auch leicht sein, dass man am Anfang überhaupt keine Wirkung bemerkt, aber je öfter man es macht, desto leichter wird es einem fallen.

Nachdem man so seinen Körper beruhigt hat, kommen wir jetzt zum eigentlichen Versuch der Meditation. Leider sind wir die ganze Zeit damit beschäftigt an irgendwas zu denken. Aber wenn jetzt wieder so ein Gedanke Aufmerksamkeit will, sich vordrängeln möchte, sollte man keinesfalls versuchen ihn zu ignorieren. Noch sollte man sich ihm voll hingeben. Das Beste ist es ihn einfach so zu betrachten, ohne Interesse, etwas amüsiert vielleicht, wie ein Bild das an einem vorbeizieht, aber nichts mit einem zu tun hat. Lass dich nicht auf ihn ein, dann wird er verschwinden. Und wenn dich ein Gedanke doch einfängt und du es bemerkst, dann sei nicht frustriert, es ist egal, nick ihm zu und mach weiter, wo du aufgehört hast.
Wenn das ein Zwang wird, ist es aber auch schon wieder um einen geschehen. Du musst nicht von den Gedanken losgelöst sein, du willst es nur und auch wenn das nicht klappt, ist es auch egal. Man darf in der Meditation sich nicht denken: „Ich muss jetzt etwas erreichen.“ Hört sich vielleicht einfach an, aber das Nächste, was ein Mensch dann denkt, ist im Endeffekt: „Ich muss jetzt erreichen, dass ich nichts erreichen will.“ Und das ist leider genau dasselbe. Es gibt einfach kein Ziel in der Meditation, denn die Meditation ist eben ein Nicht-Tun, wir lernen etwas zu tun ohne etwas damit erreichen zu wollen. Lass dich einfach nicht auf den Gedanken ein, dass dir irgendwas gelingen muss. Das ist am Anfang sehr schwierig, aber es kommt einfach mit der Zeit von selbst, wenn man es nur probiert.
Wenn man dann hoffentlich die Gedanken etwas hinter sich gelassen hat, erlebt man vielleicht andere Dinge. Vielleicht erscheint man riesengroß oder nur ein Pünktchen klein. Vielleicht wird man unsagbar traurig oder von unendlichem Glück durchströmt. Man hört vielleicht Stimmen oder hat Visionen. Aber um all das geht es nicht. Anerkenne diese Dinge, genieß sie vielleicht für ein paar Sekunden (etwas Spaß muss sein), aber sei nicht traurig, wenn sie verschwinden und nicht mehr wiederkehren. Sie sind nicht das Ziel, betrachte sie, ohne dass sie dir etwas bedeuten. Ich fühle mich da etwas an diverse Koans erinnert, wo der Zen-Schüler zum Meister kommt und stolz mitteilt: „Meister, ich wurde in der Meditation von goldenem Licht durchströmt und der Buddha ist mir erschienen und unterrichtete mich!“ Und der Meister antwortet: „Keine Sorge, konzentriere dich nur auf deinen Atem, dann verschwindet er wieder.“
Und solange man diesen Ratschlag beherzigt, auf seinen Atem hört und die Dinge, die einem durch den Geist ziehen, nur betrachtet ohne sie ernst zu nehmen, wird man in der Meditation Erfolg haben. Und apropos: man muss nicht im Lotussitz in totaler Dunkelheit und Abgeschiedenheit meditieren. Alles, worum es geht, ist einfach zu handeln und zu denken aufzuhören und einfach nur zu sein. Und das kann man in einem arabischen Basar genauso wie in einem Erdloch. Im Erdloch ist es halt einfach nur leichter. Viel Erfolg wünscht euer PCP!


PCP


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