Der magische Kreis
Das Ziehen eines magischen Kreises gehört zur unumgänglichen Grundausbildung eines jeden Lehrlings, der die Kunst der Craft erlernen möchte. Viel wurde über die (Un-)Sinnigkeit dieser Technik geschrieben - in diesem Artikel meine Sicht und meine Erfahrung dazu.

Der magische Kreis - Paranoia oder doch praktischer Hausverstand?
Immer wieder und wieder werde ich gefragt, für was denn nun ein magischer Kreis wirklich gut sei und ob er denn wirklich notwendig sei. Nun, meine Antwort auf diese beiden Fragen lautet: Das Ziehen des Kreises ist aus unterschiedlichen Gründen von Nutzen, ich verwende ihn aber vornehmlich als Energiegefäß.
Und ja: er ist für mich notwendig!

Gerne vergleiche ich dieses Frage-/Antwortspiel mit einem Backofen: Für das Gelingen eines Kuchens ist es schließlich auch notwendig, dass ich das Backrohr schließe und nicht offen lasse. So entkommt mir keine Hitze und der Kuchen kann drinnen, unter konstanter Temperatur und geschützten Verhältnissen (es kommt kein Luftzug dazu, kein Staub, kein umgeschüttetes Glas Wasser kann dem Kuchen etwas anhaben...) gut aufgehen. Das hat also, wie mit praktischem Hausverstand zu erkennen ist, nichts mit Paranoia zu tun, sondern mit ganz normalen und einfachen Gegebenheiten. So verhält es sich auch mit einem magischen Kreis.

Ich ziehe, egal für welche Arbeit, einen magischen Kreis, um drinnen ungestört, unter gleichbleibenden Verhältnissen arbeiten zu können. Durch den Kreis ist es mir möglich, störende Faktoren von außen abzuschirmen. Die angesammelte Energie im Kreis entspricht der Hitze im Backofen und ist notwendig für die Durchführung jeder magischen Arbeit. Ein magischer Kreis hat also in erster Linie die Funktion eines geschützten Raumes, in dem ich alleine oder mit einer Gruppe, arbeiten kann. Erst in zweiter Linie kommt dem Kreis die Bedeutung als Schutz gegen negative Fremdenergien zu. Ich bin keine große Freundin der weitverbreiteten Paranoia, dass ein Kreis böse Geister und Dämonen fernhalten sollte - zumindest ist dies nicht seine vorrangige Bedeutung, auch wenn sie nicht außer Acht gelassen werden sollte. Ein Kreis ist sehr wohl auch als Schutz gegen negative Energien gedacht, sollte aber nicht mit dieser Intention gezogen werden! Um wieder zum Beispiel des Backofens zurückzukehren: Ich schiebe den Kuchen ja auch in den Backofen, damit er mir gut gelingt und schön aufgeht und nicht, um ihn gegen den Luftzug in der Küche zu schützen. So sollte auch die Intention eines Kreises verstanden werden.


Die Quadratur des Kreises ?!?!?!
Das Wort "Kreis" birgt ein großes Missverständnis in sich. Denn eigentlich sollten wir von einem "Magischen Ei" sprechen - ein magischer Kreis sollte nämlich nicht nur als Linie am Boden gezogen werden, sondern auch den Raum oberhalb und unterhalb des Bodens mit einschließen und ergibt daher ein Ei, ein seifenblasenartiges Gebilde, dass die Ritualteilnehmer in eine besondere Raum-/Zeitebene mitnimmt. Die in Hexenkreisen vielbenutzte Phrase "so above as below" oder "wie oben, so auch unten", entspricht genau dieser Struktur.


Wann wird der Kreis gezogen?
Der Kreis sollte grundsätzlich zu Beginn eines Rituals gezogen werden. Dies beinhaltet auch die Möglichkeit, dass der Kreis gezogen wird, bevor alle Teilnehmer eintreten. So kann beispielsweise die Hohepriesterin, der Hohepriester oder ein anderer Beauftragter den Kreis ziehen und dann nach und nach die Teilnehmer mit Reinigung und Segnung in den Kreis lassen. Im Zweifelsfalle, oder auch wenn man nicht alle Ritualteilnehmer wirklich gut kennt (wobei ich unter dieser Voraussetzung schon an der Stimmigkeit des Rituals zweifeln würde!!!) sollte man die Teilnehmer erst gereinigt einlassen.
In manchen Kreisen kann es sein, dass dir immer noch ein Athame unter die Nase gehalten wird, als Zeichen und Warnung davor, dass nichts, aber auch gar nichts, was in diesem Kreis passiert, in die Außenwelt vorzudringen hat. Was früher vielleicht den Tod zur Folge hatte, verletzt heute die Intimsphäre der Beteiligten. Und darüber hinaus verliert die Arbeit an Kraft und Energie.
Je nachdem, wo du den Kreis errichtest, kann eventuell ein Reinigen und Segnen des Platzes notwendig sein. Arbeitest du an einem Platz, den du kennst und um seine saubere Energie weißt, dann ist das nicht notwendig, in deinem eigenen Tempel schon gar nicht. Solltest du an einem Platz arbeiten, den du nicht kennst, solltest du dich zuerst an seine Energie annähern, um überhaupt den Entschluss zu fassen, dort ein Ritual zu machen. Auch hier gilt im Zweifelsfalle als Anfänger - Finger davon lassen und einen anderen Platz suchen!

Kreise an sich müssen nicht gereinigt werden. Werden sie aus sauberer Intention heraus gezogen, führt das jegliche Reinigung ad absurdum - zumindest meiner persönlichen Erfahrung nach. Die Reinigung eines Kreises darf allerdings nicht mit der Reinigung des Platzes, so wie vorhin beschrieben, verwechselt werden!!! Nun gut, wir haben also einen Platz gefunden, an dem ein Kreis, ein geheiligter Raum gebaut werden kann.


Wie wird der Kreis gezogen?
Ein Kreis ist ein geheiligter Raum, jenseits der uns geläufigen Zeit und jenseits des uns geläufigen Raumes. Gezogen wird er nicht mit unserer eigenen Energie, sondern stets mit universaler Energie, die wir, zu Beginn zumindest, aus der Erde ziehen können. Als Kanal und Leitung dient uns unser Körper und als Ventil benutzen wir in der Regel die Hand, ein Athame oder einen Stab. Eine mögliche Anleitung:

Stelle dich mit beiden Beinen fest hin, leichte Grätschhaltung, Knie leicht abgewinkelt (durch starre Beine kann schlecht Energie fließen!).
Spüre die Erde unter dir und lass dich mit deinem Bewusstsein in die Erde absinken. Mit tiefer Bauchatmung ziehe die Energie langsam nach oben...mach das so lange, bis du wirklich spürst, dass du die Energie nach außen bringen kannst und den Kreis aufbauen kannst! Wenn du an diesem Punkt angekommen bist, projiziere die Energie durch deine Finger, dein Athame, deinen Stab nach außen und visualisiere den Kreis - auch nach oben und nach unten, bis du wirklich einen RAUM kreiert hast!

Für gewöhnlich (es gibt aber eine Reihe von Ausnahmen!!!) wird der Kreis im Uhrzeigersinn gelegt. Je nach Gutdünken und Notwendigkeit kannst du 1-3 Umdrehungen vollziehen. Sprich dabei einige Worte aus, die dein Verständnis und deine Intention verkörpern.
Beispielsweise:

Ich baue einen Kreis, einen Tempel zwischen den Welten.
Ein Ort wo sich Menschen und Götter treffen...

Oder

Mit dem Wohlwollen der Götter errichte ich den heiligen Raum,
möge er ein Ort sein, an dem Liebe, Vertrauen und Friede herrschen...

Diese Worte sollten immer der Intention des Kreises entsprechen!
Bedenke auch: Wenn ein Kreis dicht ist, ist er wirklich dicht. Das heißt, daß nichts hinaus, aber auch nichts hinein kommt. Wenn du jemandem Energie schicken willst oder Götter invozieren willst, dann muß dies in deiner Weise, den Kreis zu ziehen, berücksichtig sein! Ansonsten ist eventuell mit energetischen Ungereimtheiten zu rechnen.
Neben den passenden Worten solltest du auch genau auf das Visualisieren des Kreises achten! Baust du einen Kreis aus hellem Licht, aus lodernden Flammen, aus dicken Mauern oder plätscherndem Wasser? Auch das hat Auswirkungen auf die Energetik im Kreis!


Zur Arbeit im Kreis
Türen
Ist ein Kreis einmal gezogen, sollte er von niemanden mehr betreten und verlassen werden. Sollte es aber dennoch einmal zu dieser Situation kommen, nimm wieder dein Athamen, Stab oder deine Hand, je nachdem, mit welchem Werkzeug du den Kreis gezogen hast, und "schneide" eine Türe in den Kreis. Setze dabei rechts an und visualisiere, wie du ein Tor in den Kreis schneidest (Geöffnet wird natürlich entgegen die Richtung in der du den Kreis gezogen hast - in meinem Beispiel wurde der Kreis also im Uhrzeigersinn aufgebaut.)
Schließe den Kreis nach Verlassen oder Eintritt der Person sofort wieder, indem du links ansetzt und die Türe im Uhrzeigersinn wieder schließt. Unterstützte diese Aktion durch den Einsatz deines Atems. Beim Öffnen atme ein, beim Schließen atme bewusst aus.
Elemente
Die Elemente sollten grundsätzlich erst nach dem Errichten des Kreises gerufen werden. Solltest du aber an einem von dir viel frequentierten Platz arbeiten an dem der Kreis nur mehr "aufgefrischt" werden muss, dann kannst du die Elemente auch vorher rufen. Die Elemente, Wachtürme, Totemtiere etc. helfen mit, den Kreis zu stärken.
Halbdurchlässige Kreise
Bei besonderen Anlässen oder Arbeiten kann der Kreis so angelegt werden, dass ganz bestimmte Wesenheiten in den Kreis eintreten dürfen. Wichtig dabei ist die klare Intention, sonst hat man möglicherweise ungebetene Gäste!
Das Schließen des Kreises
Der Kreis wird ganz am Schluss eines Rituals wieder aufgelöst. Nimm erneut dein Werkzeug zur Hand, bedanke dich und visualisiere, wie du die Energie durch dein Werkzeug in dich aufsaugst und dann diese in die Erde zurück leitest. Führe diese Aktion in der Regel gegen den Uhrzeigersinn durch! Sprich dabei abschließende segnende Worte. Hier wohl die bekanntesten:

The circle is open, but unbroken,
may the peace of the goddess be forever in our heart.
Merry meet, merry part and merry meet again!

In diesem Sinne viel Freude beim Üben und "merry meet, merry part und merry meet again"!


Brighid


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