Doreen Valiente:
Where Witchcraft Lives

Doreen Valiente
Where Witchcraft Lives
Erstausgabe: 1962 / Aquarian Press / 112 Seiten / Hardcover
Weitere Wiederauflagen: 2010 / Whyte Tracks / ISBN: 978-8792632098 / 127 Seiten
2014 / Centre for Pagan Studies / ISBN: 978-0992843014 / 127 Seiten

Die Rezension bezieht sich auf eine Ausgabe aus dem Jahr 2010


Über die Autorin

Doreen Edith Dominy wurde am 4. Januar 1922 in Mitcham geboren. In ihrer Jugend kam sie zum ersten Mal in Kontakt mit Magie. 1941 heiratete Doreen Joanis Vlachopoulos, der allerdings im Zweiten Weltkrieg spurlos verschwand. Ihr zweiter Mann war Casimiro Valiente – die Hochzeit fand 1944 statt. 1952 kam sie in Kontakt mit Dafo, die Gerald Gardner 1939 initiiert hatte. Dafo stellte den Kontakt zu Gardner her und dieser gab ihr 1953 den 1. Grad. Nachdem er 1964 gestorben war, wurde Doreen von Robert Cochrane in eine Hexen-Familientradition initiiert. 1972 starb ihr Ehemann. Doreen konzentrierte sich darauf hin auf das Schreiben von Büchern und veröffentlichte „ABC of Witchcraft“ (1973) und „Natural Magic“ (1975). Es folgten „Witchcraft for Tomorrow“, „Witchcraft A Tradition Renewed“, “The Rebirth of Witchcraft” und “Charge of the Goddess”. Am 1. September 1999 starb Doreen Valiente in einem Pflegeheim.


Über das Buch

Um es gleich einmal vorweg zu nehmen: Das ist kein Buch über die Geschichte von Wicca, kein Buch über die Geschichte der Hexerei, wie es der Titel vielleicht vermuten lassen könnte. Doch das macht die Wiederauflage des ersten Buchs von Doreen Valiente, das ursprünglich im Jahr 1961 veröffentlicht wurde, nicht weniger interessant. Längst ist die Erstauflage nicht mehr erhältlich, weshalb es jetzt wiederaufgelegt wurde.
John und Julie Belham-Payne haben es in einer limitierten Auflage wieder auf den Markt gebracht, wobei alle Einnahmen aus dem Verkauf in den „Doreen Valiente Trust“ fließen.
Doreen Valiente hat in diesem Buch größtenteils über Sussex geschrieben. Diese Grafschaft in Südengland war zugleich ihre Heimat. Warum sie sich dazu entschieden hat, schreibt sie in ihrem Vorwort:
„This is partly because I wish to write of things I know personally, and partly because Sussex could be taken as a sample of the way in which the strange tapestry of witchcraft has been woven through the centuries.“ (S. XIX)
Tatsächlich geht es in diesem Buch nicht nur um Sussex, sondern um Sympathiemagie und Folklore, um Hexenprozesse und Coven. „Witchcraft survives all over Western Europe, and was taken by emigrants to the colonies of America and Australia”, schreibt sie im Vorwort. Und es ist stimmt: Wicca hat überlebt – bis heute!

Auf den ersten Seiten schreibt sie über den Gehörnten Gott und die Entwicklung des Teufels: „The traditional appearance of the Devil, with horns, hoofs and tail is precisly that of the Great God Pan as depicted in ancient sculptures.“ (S. 8). Trotz der Verbote, die mit der Einführung des Christentums erlassen wurden, lebte die Folklore weiter, Rituale und Festivitäten fanden ihren Platz im Leben der ländlichen Bevölkerung. In Sussex lebte der Gehörnte in der Figur des „Puck of Pook’s Hill“ weiter, der immer mit einem Besen in der einen und einer Kerze in der anderen Hand portraitiert wurde.
Natürlich gab es in Sussex auch Hexenverfolgung und Hexenprozesse. Und nicht immer wurden die, die als Hexen bezeichnet wurden, gefürchtet. Doreen Valiente zitiert aus einer Aufzeichnung aus dem Jahr 1570, als sich der Vikar von St. Dunstan in der Nähe von Canterbury, beschwerte, dass einer inhaftierten Hexe zu viele Freiheiten gelassen wurden. In Sussex selbst wurden zwischen 1558 und 1736 15 Einwohner der Hexerei bezichtigt, vier verurteilt und nur eine im Jahr 1575 hingerichtet.

Doreen Valiente zählt die Anklagepunkte für Hexerei im Einzelnen auf – Behexung von Tieren, Verhexung von Menschen, Verhexung mit Todesfolge.
Eine Geschichte aus dem Jahr 1607 fand sie so kurios, dass sie die in ein eigenes Kapitel gepackt hat. Susanna Swapper wurde von vier Geistern heimgesucht, die ihr erzählten, dass im Garten des Hauses das Familienerbe ihrer Freundin, Ann Taylor, vergraben war. Die beiden Frauen buddelten nach dem Schatz, aber eine von ihnen musste aufgeben und so suchten sie nicht weiter. Vom damaligen Bürgermeister von Sussex wurden sie wegen Hexerei und Kommunikation mit Geistern zum Tode verurteilt. (S. 23ff)

Zu Hexenverfolgung und Hexenprozessen gehören selbstverständlich auch noch einige abergläubische Ansichten über Hexen: Wie die, dass sich Hexen in Hasen verwandeln können. An dieser Stelle erzählt sie die Geschichte über einen alten Mann, der einst in Sussex lebte. Dieser behauptet, er sei in einer Nacht rausgegangen, um Hilfe für eine kranke Person zu holen. Da habe er die Silhouette einer Frau gesehen, die er sofort erkannt hatte. Als er sie mit Namen ansprach, habe sich die Frau in Luft aufgelöst und stattdessen habe er einen Hasen erkannt, der vor ihm davongelaufen sei.
Warum sich Hexen gerade in Hasen verwandeln, begründet Doreen Valiente so, dass Hasen in der Mythologie der Mondgöttin dienen und der Hase demnach auch eng mit den Hexen verbunden ist.

Die magischen Fähigkeiten einer Hexe

Selbstverständlich reiten Hexen in der Nacht auf ihren Besen. Und sie können sich in Hasen verwandeln. Darüber hinaus besitzen sie noch die Fähigkeit der Astralprojektion, das heißt, sie können ihren feinstofflichen Körper vom materiellen Körper trennen. Tatsächlich ist es der Astralkörper einer Hexe, der sich in den Hasen verwandelt. Dafür gibt es auch einige Erzählungen aus der Folklore. Wie die, dass sich italienische Stregas um Mitternacht treffen, nackt ausziehen, Körper mit allerlei Hexensalben einreiben und anschließend ihre Astralkörper auf die Reise schicken.
Dann gibt es auch noch die fantastischen Geschichten von Autoren, die gegen Hexerei schreiben: Wie etwa die, dass Hexen Gräber schänden und Kinder ermorden würden. Oder die Erzählungen von Leuten, die in Tiere verwandelt, durch den Blick einer Hexe verletzt oder gar getötet wurden. Erzählungen, die meistens vor Gericht bei einem Hexenprozess wiedergegeben wurden. Dies alles sei gegen Hexen gerichtete Propaganda, schreibt Valiente.
Gegen die Verwünschungen gab es allerlei Gegenzauber. Doreen Valiente schreibt vom Fall einer Mutter um 1593 in Sussex, deren Kind verhext worden war. Ein zauberkundiger Mann gab ihr den Rat, die entsprechende Hexe mit einem Messer in den Hintern zu stechen. Stattdessen stach sie sie mit einer Nadel in die Hand. Dieses Mittel wirkte, das Kind wurde wieder gesund.
Um herauszufinden, ob eine Person tatsächlich eine Hexe war, hatten die Inquisitoren verschiedene Anhaltspunkte. Ein sicheres Anzeichen war das sogenannte Teufelsmal, wie eine zusätzliche Brustwarze. Wenn man in diese Stelle stach, tat dies der betreffenden Person nicht weh. Oder kleine Tiere, die eine Hexe besaß und die ihr dienten. Für ihre geleisteten Dienste wurden sie mit Blutstropfen gefüttert.
Viele dieser Geschichten aus Sussex und Umgebung hat Doreen Valiente ausgegraben und in ihrem Buch festgehalten: Wie etwa die einer Hexe, die ihre Dienstbotin mit einem Zauber belegte, wenn sie ihr nicht gehorchte. Sie machte sich dann von daheim auf den Weg zum Haus der Hexe, verlief sich aber immer wieder. Wenn sie dann Stunden später dort ankam, verspottete sie die Hexe für ihre Unpünktlichkeit.
Oder die Geschichte eines Fischers, von dem die Leute glaubten, er sei mit dem Teufel im Bunde. Man erzählte sich von ihm, er könne durch ein Schlüsselloch kriechen und habe sogar seine Tochter in das Handwerk der Hexerei initiiert.
Auch ihre eigene Ansicht über die damaligen modernen Hexen, die es offenbar als schick oder In empfanden, sich als solche zu outen, lässt Doreen Valiente mit einfließen:
„Since the last of the Witchcraft Acts were repealed in 1951, it has become something of a popular gimmick to proclaim oneself a witch. […] My experience is that the louder and more frequently such claims are made, the less likely they are to be genuine. Real witchcraft, which certainly still exists, is a secret thing. The very last thing a possessor of real secrets does is to seek cheap publicity.” (S. 83)


Fazit

“Where Witchcraft lives” ist vom Erscheinungsjahr her ein älteres Buch. Und trotzdem modern. Wie Hexen damals gesehen wurden, welche folkloristischen Mythen es über sie gab, warum sie angeklagt und auch wieder frei gelassen wurden – Doreen Valiente hat über all das geschrieben. Hauptsächlich auf die Ereignisse in Sussex bezogen, das ist richtig. Und trotzdem haben all diese Ereignisse nicht nur in Sussex stattgefunden, sondern überall in Europa.
Eine nette und durchaus sinnvolle Ergänzung für die magische Ecke im Bücherschrank!


Isis


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