Betreut von Isis



Wolf-Dieter Storl:

Wanderung zur Quelle

Wolf-Dieter Storl

Wanderung zur Quelle – Geschichten von Shiva und Parvati

2013 / Koha Verlag / EUR 12,95 / ISBN: 3867282145 / 352 Seiten

Über den Autor

Dr. Wolf-Dieter Storl ist ein über Deutschland hinaus anerkannter Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Geboren am 1.10.1942 in Crimmitschau, Sachsen, wanderte er als Elfjähriger mit seinen Eltern 1954 nach Ohio, USA aus. Er begann zunächst ein Botanikstudium, wechselte dann aber zur Anthropologie (Völkerkunde).  Nach dessen Abschluss wurde er Vollzeitdozent und lehrte über 20 Jahre an verschiedenen Universitäten in Amerika und Europa. In Bern, Schweiz, promovierte er 1974 zum Doktor der Ethnologie. Auf seinen zahlreichen Reisen betrieb er Feldforschung und lernte von Bauern, Medizinmännern und Sadhus. Seit 1988 lebt er mit seiner Familie auf einem abgelegenen Bauernhof im Allgäu, schreibt Bücher und gibt zum Thema Heilkräuter Seminare und Vorträge. Bei der traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde, wie die der Kelten, Germanen und Slawen, sowie des frühchristlichen Mittelalters, liegt zur Zeit sein Hauptinteresse. Nicht nur zu diesen Themen hat er zahlreiche Bücher geschrieben, sowie Hörbuch-CDs und eine DVD veröffentlicht.


Über das Buch

Indien ist anders – ein Land der Götter, Tempel, ein Schmelztigel unterschiedlichster Religionen. Und Indien ist auch so – dreckig, laut, heiß, für den zivilisierten Europäer abstoßend.

Wolf-Dieter Storl beschreibt diese krassen Gegensätze in seinem Buch: Da sind John und Cindy, der Universitätsprofessor und seine Lebensgefährtin, die im Jahr 1963 für ein Jahr das heimatliche, vertraute San Francisco verlassen und nach Indien fliegen – ihre Erlebnisse erzählen die Geschichte, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Dazwischen hat der Kulturantropologe Göttermythen eingestreut – Legenden von Shiva und seiner Gattin Parvati, Vishnu, Krishna, Ganesha, Brahma, Dämonen wie Bhasmaka oder den Ganas, den Geistwesen Shivas.

Der erste Schock ihrer Reise erwartet John und Cindy bei der Ankunft: Die Hitze beim Verlassen des Flugzeugs. Das zweite Aufeinandertreffen zweier sich fremder Kulturen im Hotel: Das Zimmer schmutzig mit ratternder Klimaanlage, die beiden von der Reise zu müde, um darüber länger nachzudenken: Aber als in der Nacht eine riesige Ratte über die Bettdecke huscht, wird das Grauen greifbar.

„Eigentlich hätten sie es als gutes Zeichen deuten sollen, denn die Ratte ist das Reittier Ganeshas, des elefantenköpfigen Sohn Shivas und Schirmherr aller dickschaligen Scholaten und Bücherschreiber.“ (S. 44)

Das Paar zieht zunächst nach Jaipur, weil Cindy dort Verwandte hat. Während sich die Gastgeberfamilie zu Beginn noch auf die europäische Kultur einstellt, ändert sich das bald. „’Wir sind das Sitzen auf Stühlen und die blöden Messer und Gabeln nicht gewöhnt. Ich kann das Theater nicht länger aushalten!’, erklärte die Hausherrin. Von nun an aßen auch John und Cindy nach indischem Brauch auf dem Tischbett.“ (S.46)

Langsam werden die beiden von der indischen Kultur aufgesogen – ohne, dass es ihnen zuerst bewusst ist, verliert dieses Land mehr und mehr von seinem Schrecken. Die indische Lebensweise, der indische Gedanke wird zu ihrer Philosophie.

„Wer bin ich? Diese Frage, die den typischen, chronisch entwurzelten Kalifornier von Ort zu Ort, von Ehe zu Ehe, von Job zu Job und von Sekte zu Sekte treibt, kann sich der traditionelle Inder eigentlich gar nicht stellen. Er ist in eine Kaste, in seinen Beruf, in seine Lebensumstände hineingeboren. Sein Dharma ist vorgezeichnet.“ (S.53)

Die Vorlesungen an der Uni, das europäische Leben, auf das die beiden so viel Wert legten – das alles tritt in den Hintergrund, verliert an Bedeutung. An dessen Stelle tritt etwas Neues – die Welt der Götter, die Hingabe zu Shiva. Cindy und John reisen nach Benares, „the holy city of Lord Shiva“ (S.92) – und erleben dort ihren nächsten Kulturschock: Die Leichenverbrennungen.

„Ihre Spaziergänge führten sie selbstverständlich auch an den beiden berüchtigten Verbrennungs-Ghats vorbei, wo Tag und Nacht die Toten – oft mit flüssiger Butter übergossen – verbrannt werden. Noch ehe sie wussten, wo sie waren, drang der Geruch des schmorenden Fleisches in ihre Nasen – nanu, die Hinuds sind doch keine Fleischesser? […] Dann sahen sie, um was es handelte. [...] John wandte den Blick beiseite, irgendwie empfand er es unanständig, zu gaffen. Der Tod ist schließlich eine private Familienangelegenheit, dachte er und hob somit im geübten Schwung seine verdrängte Beklommenheit auf den Sockel moralischer Überlegenheit. Im selben Augenblick krächzte ihn ein zahnloser, weißhaariger Brahmane in kaum verständlichem Hindu-Englisch an: ‚Schauen Sie getrost hin! Cremation is education. Der Tod ist ein natürlicher Vorgang, die körperlichen Hüllen zerfallen wieder in ihre Bestandteile, gehen zur Mutter Erde zurück. Man soll darüber meditieren. Burning is learning!’“ (S. 113/114)

Durch solche persönlichen Erlebnisse werden John und Cindy langsam von einer für sie anfangs unbegreiflichen, abstoßenden Kultur vereinnahmt – sie werden zu europäischen Indern. Die Geschichte endet mit der Rückkehr in die Heimat – eine Heimat, in der sie zu Fremden geworden sind, sie sich selbst fremd fühlen. Aus dem Gastjahr sind zweieinhalb Jahre geworden und die Assistenzprofessur am College in Indiana hat längst ein anderer bekommen. Eine Teilzeit Professur wird ihm angeboten. Allerdings erklärt ihm der Dekan, sollte sich John an die Kleidungsvorschriften halten.

„’Längere Haare und einen gepflegten Bart sind ja in Ordnung, aber das Filzgestrüpp und der Rauschebart … wirklich John, das geht nicht!’ John hörte kaum mehr zu. Wie sollte er Dekan Hanson auch klarmachen, dass er, nachdem er von seiner schweren Krankheit in der Hütte am Ganges-Ufer genesen war, dem Gott der Götter, Mahadeva, versprochen hatte, ihm zu Ehren nie wieder das Haar zu schneiden oder den Bart zu stutzen?“ (S.304/305)


Fazit

Geschickt hat es Wolf-Dieter Storl mit diesem Buch geschafft, eine Brücke zwischen der europäischen und der indischen Kultur zu schlagen. Indien wird erlebbar, greifbar, die Gegensätzlichkeiten zwischen Grauen und Faszination auch für den Leser dieses 300 Seiten starken Buches real.

Ungewohnt sind die Wechsel zwischen den Sagen und Mythen und der eigentlichen Handlung, doch der Autor hat hier die Aufmachung der Texte geändert und teilweise auch Grau hinterlegt.

Ergänzt wird das Buch durch Bildmotive und der indischen Götterwelt und durch ein Glossar, in der die wichtigsten Begriffe erklärt werden.

Insgesamt ein sehr gelungenes Buch und ein informatives Nachschlagewerk über die indische Götterwelt.


Isis


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