Wolf-Dieter Storl:
Kräuterkunde

Erstauflage: 1996/Aurum Verlag/ISBN: 3-591-08372-0/247 Seiten
Neuauflage: 2011/Aurum Verlag/ISBN: 978-3-89901-372-6/247 Seiten

 

Über den Autor

Dr. Wolf-Dieter Storl ist ein über Deutschland hinaus anerkannter Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Geboren am 1.10.1942 in Crimmitschau, Sachsen, wanderte er als 11-jähriger mit seinen Eltern 1954 nach Ohio, USA aus. Er begann zunächst ein Botanikstudium, wechselte dann aber zur Anthropologie (Völkerkunde).  Nach dessen Abschluss wurde er Vollzeitdozent und lehrte über 20 Jahre an verschiedenen Universitäten in Amerika und Europa. In Bern, Schweiz, promovierte er 1974 zum Doktor der Ethnologie. Auf seinen zahlreichen Reisen betrieb er Feldforschung und lernte von Bauern, Medizinmännern und Sadhus. Seit 1988 lebt er mit seiner Familie auf einem abgelegenen Bauernhof im Allgäu, schreibt Bücher und gibt zum Thema Heilkräuter Seminare und Vorträge. Bei der traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde, wie die der Kelten, Germanen und Slawen, sowie des frühchristlichen Mittelalters, liegt zur Zeit sein Hauptinteresse. Nicht nur zu diesen Themen hat er zahlreiche Bücher geschrieben, sowie Hörbuch-CDs und eine DVD veröffentlicht.


Über das Buch

Auf den ersten Blick ist die „Kräuterkunde“ nichts Besonderes. „Wieder ein Kräuterbuch von Wolf-Dieter Storl? Hat er nicht schon genug über Kräuter geschrieben“, sind die ersten Gedanken, die der Rezensentin durch den Kopf schießen. Doch es ist der kleine, feine Unterschied, der’s ausmacht.

Das vorliegende Buch ist die Neuauflage des 1996 erschienenen Werkes. Schon damals hat es zahlreiche Amazon-Rezensenten begeistert. „Eine Ausnahmeerscheinung“, schreibt eine, „Der Autor hat eine Meister-Leistung vollbracht“, ein anderer, oder „eine Liebeserklärung von Herrn Storl an die Natur und ihre Pflanzen und Kräuter!“, eine dritte.

Was diese Leser begeistert hat, ist mit Sicherheit nicht in den Abbildungen des Buches zu finden. Denn hier kommt die „Kräuterkunde“ recht spartanisch daher – soll heißen, es gibt keine. Viel mehr oder auch einmal mehr vermittelt Storl mit diesem Buch etwas, das in keinem anderen Buch zu finden ist: Die Kräuterkunde auf eine andere Art, eben eine Storl-charakteristische Art. „Gebt den Ärzten den Ärzten ihre Kräuterheilkunde zurück!“ fordert er etwa in der Überschrift des ersten Kapitels, wenn er erklärt, warum die Medizin heute lieber zu chemisch entwickelten Stoffen greift, als sich auf die Heilkraft der Kräuter zu verlassen. Dabei stellt Storl fest:

„Die großen Pharmakonzerne sind inzwischen schon viel weiter als der durchschnittliche Mediziner. In Anbetracht der schwindenden Effektivität antibiotischer Wunderwaffen, der Risiken und Nebenwirkungen vieler Synthetika und der immens hohen Kosten für die Entwicklung neuer synthetischer Arzneimittel (nur etwa jede zehntausendeste untersuchte chemische Verbindung hat eine Chance, am Ende zu einem Medikament entwickelt zu werden), interessieren sich die Konzerne zunehmend wieder für die Heilpflanzen.“ (S. 15)

Doch der Ethnobotaniker belässt es nicht nur bei einem Appell – er will seinen Lesern zeigen, wofür sie eigentlich gut sind, diese fast vergessenen Heilkräuter. Im Kapitel „Eine differenzierte Kräuterbetrachtung“ listet er die wichtigsten Kräuter nach dem „Pen Ts’au“ des Shen Nung, dem ältesten chinesischen Kräuterbuch, und nach der indischen „Wissenschaft vom Leben“ auf. Demnach gibt es zum Beispiel Kräuter mit „himmlischen Eigenschaften“, wie Ginseng, Jujube oder Süßholz, die auf den menschlichen Körper stärkend wirken. Oder Heilpflanzen mit sattwischen Eigenschaften – dazu zählen die Zitronenmelisse oder das Wassernabelkraut, die unter anderem harmonisierend und bewusstseinsfördernd wirken.

Kräuterheilkunde, schreibt Storl, ist tausende von Jahren alt.

„Der Verdacht liegt nahe, daß unsere steinzeitlichen Vorfahren, von den Australopithecinen bis zu den Neandertalern, ebenfalls die Fähigkeiten hatten, heilende Kräuter instinktiv zu erkennen.“ (S. 35)

Mit der Christianisierung geriet die Kräuterheilkunde mehr und mehr ins Abseits, da die Schamanen und Heilpriester eine Konkurrenz der Missionare auf dem Weg zur Bekehrung darstellten. Später wurden die meisten Heilkräuter in den Klostergärten von Kirchen angebaut. Erst in der heutigen Zeit – also im Jahr 1992, einige Jahre, bevor die Kräuterkunde auf den Markt kam – sei ein Umdenken zu verspüren, registriert Storl.

„Pflanzen sind Vermittler“, betont er, wenn er die Verbindung der Pflanzen zu den Gottheiten beschreibt. Anhand des Jahresrades, dem Reigen der Pflanzengöttin, verdeutlicht er das Werden und Vergehen der Natur, der Tier- und Pflanzenwelt und den Einfluss auf den Menschen. Der Ethnobotaniker geht noch tiefer, erklärt, wie ein Schamane die Krankheit bei seinem Patienten aufspürt, sie quasi mit seinen Hilfsgeistern „erschnüffelt“, sich mit Hilfe psychoaktiver Pflanzen in Trance versetzt, um sie schließlich zu beseitigen und Heilung zu erwirken.

Auch der menschliche Körper hat laut Storl so genannte Erste Hilfe-Maßnahmen, die ihn gegen Krankheiten schützen. Angefangen bei der Haut, die sich durch Ausschlag, Husten, Niesen oder Blinzeln gegen Krankheitskeime wehrt, über Magen und Darm, der sich mit Erbrechen und Durchfall äußert, wenn er von Erregern befallen wird, bis hin zum Nervensystem gibt der Autor Tipps, wie Krankheitskeime mit Pflanzen aus der Natur unschädlich gemacht werden können.

Storl beendet sein Buch mit Kapiteln über die Kräuterkunde und Kräuterkundige der Neuzeit und der Vergangenheit. So beschreibt er, wie ein Mensch kräuterkundig wird, wie er Kontakt zum Geist Pflanze aufnimmt, die ihm den Weg zu ihren Heilkräften eröffnet, erwähnt Kräuterkundige der letzten Jahrhunderte – zum Beispiel Sebastian Kneipp, Maria Treben oder Edward Bach - die alle in ihrem Leben ein einschneidendes Erlebnis hatten, eine Art Einweihung, die sie an den Rand des Todes brachte und die sich letztendlich mithilfe der Kräuter selbst heilen konnten und beschreibt die magischen Regeln des Kräutersammelns.


Fazit

Mit der Kräuterkunde bekommt der Leser genau das, was man von Wolf-Dieter Storl durch seine vielen, vielen Bücher über die Pflanzenwelt gewohnt ist: Ein bisschen Wissenschaft, ein bisschen eigene Erfahrungswerte, ein bisschen Schamanismus, ein bisschen Mystisches und Legenden, ein bisschen Götterwelt und ein bisschen Esoterisches – das alles verpackt in einen feinen, Storl-typischen Erzählstil: Spannend, phantasiereich und vor allem niemals langweilig. All diese Attribute machen die Kräuterkunde zu einer echten Bereicherung für jeden Bücherschrank!


Isis


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