Wolf-Dieter Storl:
Götterpflanze Bilsenkraut
Wolf-Dieter Storl
Götterpflanze Bilsenkraut

2000 / Nachtschatten Verlag / EUR 15,80
ISBN-10: 3907080637/ 148 Seiten
Neuauflage von "Götterpflanze Bilsenkraut"
2004 / Nachtschatten Verlag
ISBN-13: 978-3907080634/ 148 Seiten
  Buchcover

Wolf-Dieter Storl

Über den Autor

Dr. Wolf-Dieter Storl ist ein über Deutschland hinaus anerkannter Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Geboren am 1. Oktober 1942 in Crimmitschau, Sachsen, wanderte er als Elfjähriger mit seinen Eltern 1954 nach Ohio, USA aus. Er begann zunächst ein Botanikstudium, wechselte dann aber zur Anthropologie (Völkerkunde).  Nach dessen Abschluss wurde er Vollzeitdozent und lehrte über 20 Jahre an verschiedenen Universitäten in Amerika und Europa. In Bern, Schweiz, promovierte er 1974 zum Doktor der Ethnologie. Auf seinen zahlreichen Reisen betrieb er Feldforschung und lernte von Bauern, Medizinmännern und Sadhus. Seit 1988 lebt er mit seiner Familie auf einem abgelegenen Bauernhof im Allgäu, schreibt Bücher und gibt zum Thema Heilkräuter Seminare und Vorträge. Bei der traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde, wie die der Kelten, Germanen und Slawen, sowie des frühchristlichen Mittelalters, liegt zur Zeit sein Hauptinteresse. Nicht nur zu diesen Themen hat er zahlreiche Bücher geschrieben, sowie Hörbuch-CDs und eine DVD veröffentlicht.


Über das Buch

„Diese Pflanzen sind Lehrer – unverhohlen und gnadenlos. Sie können aphrodisische Wonnen in den Genießer zaubern oder höllische Schrecken in Drogenkonsumenten herauf beschwören.“ (S. 8)

Gleich ein ganzes Buch hat Wolf-Dieter Storl über die „Götterpflanze Bilsenkraut“ verfasst. Auf 148 Seiten wimmelt es nur so von Göttern, Dämonen, Aberglauben und folkloristischen Geschichten.
Bei seiner Reise durch die Jahrhunderte beginnt Storl beim Allgemeinen, also der Botanik und der Signatur der Pflanze, schreibt weiter über die Mythologie, um bei der Verwendung der Pflanze bei den Indianern und Urvölkern zu enden.

So erfährt der Leser zum Beispiel die mittelalterlichen Namen der Pflanze, von denen es haufenweise gibt. Wie die Saubohne, weil die Zauberin Kirke einen Trank braute, mit denen sie die Männer des Odysseus in Schweine verwandelte. Oder das Altsitzerkraut, weil ein Gerücht besagt, dass früher die jungen Leute ihre alt gewordenen Familienmitglieder mit Bilsenkraut frühzeitig unter die Erde brachten. Und nicht zuletzt das Zahnwehkraut, weil die Pflanze einst genau dagegen eingesetzt wurde.

Mit viel Witz und Ironie berichtet der Autor über mittelalterliche Bräuche, wie jenes der Regenmädchen. Bei langen Trockenperioden versammelten sich die jungen, unschuldigen Mädchen und wählten eine aus, die dann das Regenmädchen sein durfte. Sie zogen sie nackt aus und brachten sie zu einer Stelle mit Bilsenkraut.

„Sie musste dann die Pflanze, samt Wurzel, mit dem kleinen Finger der rechten Hand ausreißen, an die Zehe seines rechten Fußes binden und es beim Gehen nachschleppen. (Die rechte Seite galt als die Lebensseite, die linke als die Todesseite). Die anderen Mädchen trugen Ruten in den Händen. Sie führten das Regenmädchen dann an den nächsten Fluß, besprengten des mit Hilfe der Ruten mit Wasser und sangen Zaubergesänge (Incantationes) dazu. Endlich führten sie die nackte Jungfrau ins Dorf zurück. Sie musste dabei rückwärts, ‚die Füße nach Art des Krebses aufsetzend und bewegend’ gehen.“ (S. 77)

Bei seinen Erzählungen pendelt Storl zwischen den Jahrhunderten hin und her, berichtet packend über das Begräbnis eines mittelalterlichen Wikingerhäuptlings. Der Sklavin, die ihn ins Jenseits begleitete, gab man einen Bilsenkraut-Trunk, damit sie zuvor einen Blick in die Totenwelt werfen könne.

Selbstverständlich widmet sich der Autor auch der wohl bekanntesten Verwendung des Bilsenkrauts – in den Flugsalben der Hexen. Um diese Anwendung so umfassend wie möglich darzustellen, hat Storl in alten Hexenprozess-Akten gestöbert, beziehungsweise Autoren gefunden, die es vor ihm schon getan haben.

„In dem Bericht über die Hausdurchsuchung bei Lady Alice Kyteler im Jahre 1324 lesen wir zum Beispiel vom Auffinden des Corpus delicti: ‚Nach Aufbrechen des Wandschrankes fanden sie ein Faß mit jener Salbe, mit der sie ihren Stab einzuschmieren pflegte und auf dem sie im Trab und im Gallop über Stock und Stein ritt, wann und wie es ihr beliebte.’“ (S. 98)

„Aber nicht nur Teufelsanbeter und allein stehende Frauen flogen mit dem Flugkraut. Auch Nonnen und Äbtissinnen salbten sich heimlich. Als eine der letzten ‚Hexen’ wurde die Subpriorin des Praemonstratenser Klosters Unterzell, Maria Renata Sängerin, im Jahre 1749 in Würzburg geköpft. Sie habe das Kloster mit zahlreichen Spuk- und Besessenheitserscheinungen in Angst und Schrecken versetzt. Geschrei und unheimlicher Lärm wurden gehört, die Nonnen wurden in ihren Betten gezwickt und gewürgt. Als eine derselben um sich gehauen und den Plagegeist schwer getroffen hatte, sah man am nächsten Morgen über den Auge Renatas ein blutiges Mal. Nun galt sie als enttarnte Hexe und ihre Zelle wurde untersucht. Es heißt im behördlichen Bericht: ‚Da man sofort ihre Zelle untersuchte, fand man ihren Schmierhafen, Zauberkräuter undsoweiter, sodann auch einen gelben Rock, in welchem sie zu ihrem gewöhnlichen Hexentanz und nächtlichen Zusammenkünften auszufahren pflegte.’“ (S. 99/100)

Bilder sind Mangelware, was aber nicht weiter stört, denn das Buch ist letztendlich auch nicht als „Bildband“ angelegt. Einige Illustrationen stammen vom Ethnobotaniker Christian Rätsch. Er hat auch das Vorwort und den Anhang verfasst.


Fazit

In „Götterpflanze Bilsenkraut“ steckt viel Wissen auf wenigen Seiten, spannend erzählt von einem Autor, der es gekonnt versteht, seine Leser in den Bann zu ziehen. Humorvoll mit einem Schuss Ironie bringt Wolf-Dieter Storl sein Wissen rüber. Langweilig werden die Ausführungen über ein an sich trockenes Thema nie. Wer ein Kräuterbuch mit endlosen Auflistungen über Standorte, Pflanzennamen und medizinischen Gebrauch erwartet, der ist mit diesem Buch sicher falsch beraten. Denn hier wird auf andere Art und Weise gelehrt, hier ist Fantasie gefragt. Wer sich auf eine abenteuerliche Reise in die Welt einer besonderen Pflanze begeben möchte, der ist beim Bilsenkraut-Versteher Wolf-Dieter Storl an der absolut richtigen Adresse!


Isis


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