Wolf-Dieter Storl:

Der Bär: Krafttier der Schamanen und Heiler
Wolf-Dieter Storl
Der Bär: Krafttier der Schamanen und Heiler
2005 / AT Verlag / EUR 22,90 / ISBN: 3-03800-245-3 / 278 Seiten 
Neuauflage von "Berserker und Kuschelbär"
1991 / Aurum Verlag / ISBN: 3-591-08337-2 / 221 Seiten

Über den Autor

Wolf-Dieter

Dr. Wolf-Dieter Storl ist ein über Deutschland hinaus anerkannter Kulturanthropologe und Ethnobotaniker. Geboren am 1.10.1942 in Crimmitschau, Sachsen, wanderte er als 11-jähriger mit seinen Eltern 1954 nach Ohio, USA aus. Er begann zunächst ein Botanikstudium, wechselte dann aber zur Anthropologie (Völkerkunde).  Nach dessen Abschluss wurde er Vollzeitdozent und lehrte über 20 Jahre an verschiedenen Universitäten in Amerika und Europa. In Bern, Schweiz, promovierte er 1974 zum Doktor der Ethnologie. Auf seinen zahlreichen Reisen betrieb er Feldforschung und lernte von Bauern, Medizinmännern und Sadhus. Seit 1988 lebt er mit seiner Familie auf einem abgelegenen Bauernhof im Allgäu, schreibt Bücher und gibt zum Thema Heilkräuter Seminare und Vorträge. Bei der traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde, wie die der Kelten, Germanen und Slawen, sowie des frühchristlichen Mittelalters, liegt zur Zeit sein Hauptinteresse. Nicht nur zu diesen Themen hat er zahlreiche Bücher geschrieben, sowie Hörbuch-CDs und eine DVD veröffentlicht.

BuchEr ist eines der schönsten, faszinierernsten, aber auch unberechenbarsten Tiere – der Bär. Von vielen Menschen gefürchtet, von anderen verehrt. Die Schamanen schätzen ihn unter anderem als Symbol der Kraft, in unseren Breiten hat er eine Wandlung vom schrecklichen Gesellen hin zum lieben, Honig naschenden Comic-Helden und kuscheligen Kinderspielzeug gemacht. Am Bären kommt einfach keiner vorbei: In Wolf-Dieter Storls „Der Bär“ dreht sich nun alles um Meister Petz. Warum gerade um dieses Tier, erklärt er gleich in der Einführung:

„Etwa fünf Jahre lang lebte ich in „bear country“ in den Rocky Mountains und an der pazifischen Küste Nordamerikas, wo Bären, vor allem Schwarzbären, noch recht präsent sind. Sechs Monate verbrachte ich in der Wildnis von Yellowstone, wo einem Meister Petz nahezu täglich begegnete: Die Düfte der Küche lockten ihn, neugierig schnüffelte er an Türritzen und Abfallbehältern. Man begegnete ihm auf abgelegenen Holzwegen und Wanderpfaden und blieb – eine respektvolle Distanz haltend – bewundernd stehen.“
Allein an diesen Worten kann der Leser ein wenig nachvollziehen, welche Liebe, welchen Respekt der Autor dem „König der Wälder“ entgegen bringt. Dieser Respekt zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, das in 21 Kapitel unterteilt ist. 
In „Bärenschamanen und Pflanzenheiler“ erläutert Storl das Wesen der Tiere, erklärt, wie die Schamanen durch das Einhüllen in die Haut eines Tieres – zum Beispiel in die eines Büffels – mit seinem Wesen in Verbindung treten. Unter all den Medizinleuten hat jedoch der Bärenschamane eine besondere Stellung inne, weil der Bär als besonderes Tier gilt. 

„[...] er ist schon fast wie ein Mensch. Ein Halb-Mensch“, Ukuku nennen ihn etwa die Quechua sprechenden Indianer in den Anden. [...] Für sie (Naturvölker) ist der Bär kein bloßes Tier; unter seinem Fell verbirgt sich ein göttliches Wesen“ (S. 19). 
Im darauf folgenden Abschnitt macht Storl in seiner Exkursion einen Schritt zurück, in die Zeit der Neandertaler. Auch hier spielte der Bär eine nicht unbedeutende Rolle. Es waren die Höhlen, die als Gebärmutter der Erdgöttin gesehen wurden. So wurde der Bär als Gesandter der Erdgöttin gesehen, da er sich im Winter in seine Höhle zum Schlafen zurück zog, um im Sommer wieder „aufzuerstehen“. Deshalb wird Meister Petz auch mit der Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. 
Vom steinzeitlichen Bären geht die Reise weiter zu den Bärenahnen. Hier sticht eine Erzählung besonders ins Auge – die Legende über die Entstehung der Tungusen. Es war nämlich ein Bär, der sich opferte und so die Erschaffung und auch das Überleben dieses sibirischen Volkes sicherte. 
In „Waldjungfrauen und wilde Bergmenschen“ dreht sich schließlich alles um das Sozialverhalten der Bären: Um die Essenbeschaffung, die Mutterliebe und die Schlafgewohnheiten der Tiere. 

Seine eigenen Erlebnisse mit Meister Petz führt Wolf-Dieter Storl in „Begegnung mit Maheonhovan“ weiter aus:

„[...] Als ich die Wölbung des Hügels erreichte, standen plötzlich drei Grizzlybären unmittelbar vor mir – so nahe, dass ich sie hätte berühren können. Hoch aufgerichtet standen sie da, mit erhobenen Tatzen. Ich war übermannt. Sämtliche Gedanken und Gefühle waren plötzlich wie weggewischt. Ich weiß nur noch, dass ich dem am nächsten stehenden Bären in die Augen blickte und mir war, als schaute ich unmittelbar in die Sonne. Helles Licht flutete mir aus diesen Augen entgegen, und ich erlebte etwas, das man nur als einen Moment der Ewigkeit bezeichnen kann. Plötzlich macht der Bär ‚wuff’, als sage er: ‚So!’, ließ sich auf alle viere nieder und trottete gemächlich an mir vorbei. Die anderen beiden folgten. Wahrscheinlich war es ein Muttertier mit zwei fast ausgewachsenen Jungen“ (S. 69). 

Nicht weniger spannend als diese bärigen Abenteuer des Autors sind die indianischen Erzählungen in „Großmuttergeschichten“. Zum Beispiel die von einer jungen Frau, die von einem Bären in seine Höhle verschleppt wird, um das Bärenjunge groß zu ziehen. Den Indianer Legenden schließen sich Bären-Sagen aus europäischen Breiten an, gefolgt von Volksmythen im Kapitel „Der Vegetationsdämon“.
Natürlich dürfen in diesem vielseitigen Buch auch die Gestirne nicht fehlen. Auf den himmlischen Wegweiser des Bären geht Storl in „Die Spur des Großen Himmelsbären“ genauer ein. Weniger himmlisch, dafür eher blutrünstig, dreht sich „Der kämpfende Bär“ um die Bärenhäuter oder Berserker der germanischen Stämme und das Bärenhäutertum. Welche Rolle der Bär im Heidentum und später in der Kirche spielte, dass die Bärengöttin Artemis im christlichen Nonnengewand als Jungfrau Maria Einzug ins Christentum hielt, erklärt der Autor im Abschnitt „Bärenheilige und Teufel“. 
Selbstverständlich listet der Ethnobotaniker auch die diversen Bärenpflanzen, wie den Bärenklau, den Bärlauch oder den Bärlapp auf. Und Storl wäre nicht Storl, wäre an dieser Stelle nicht der eine oder andere Tipp, wie die Pflanzen zur echten Bärenmedizin werden. Wie die Innereien des Bären – die Galle, das Fett, die Nieren und die Hoden – nicht nur medizinisch, sondern darüber hinaus als Potenzmittel angewendet wurden - lernt der Leser in „Des Bären Fett, des Bären Galle“. 
Die letzten Kapitel erzählen über Orte der Bärenkraft. Zum Beispiel die lebendigen Teddybären des Yellowstone-Nationalparks, den Lachsfischer am McNeil-Fluss oder die Bären, die zum Beispiel in Thailand als Kettentiere gehalten werden. Komplettiert wird durch die Wandlung des Bären hin zum Positiven, die das Tier im Laufe der Zeit gemacht hat – den Comic-Helden Winnie der Puh und den Teddybären, benannt nach dem amerikanischen Präsidenten Teddy Roosevelt. Zum Abschluss folgt eine Auflistung berühmter Bären: Wie wäre es mit Balu, dem Bären aus dem Dschungelbuch, oder mit Käpt'n Blaubär? Oder mit dem Berliner Bären? Oder mit dem kuschelig-knuffigen Fozzie Bären? Und nicht zu vergessen: die leckeren Gummibärchen. 


Fazit

Das Werk ist eine Hommage an diesen zotteligen, gutmütigen, aber auch wilden Gesellen. Wolf-Dieter Storl hat sich alle Mühe gegeben, seinen Lesern den Bären in all seinen Aspekten darzustellen. Es ist eine Reise durch die Jahrhunderte, durch die Sagen, die Mythen die Legenden bis hin zu neuzeitlichen Inhalten: Packende Geschichten, spannende Abenteuer, faszinierende Mythen und natürlich auch wissenschaftliche Erkenntnisse, die allerdings niemals trocken wirken. Der Autor versteht es, selbst auf den ersten Blick langweilige Inhalte mit unterhaltsamen Anekdoten aufzulockern. Ansprechend und augenfreundlich sind darüber hinaus die vielen schwarz-weißen Abbildungen und die einzelnen Legenden und Mythen, die mit grauen Kästen hinterlegt sind und dadurch leichter auffindbar werden. Mit einem Wort: Ein Bären-starkes Buch!


Isis


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