Israel Finkelstein, Neil A. Silberman        
David und Salomo – Archäologen entschlüsseln einen Mythos
Israel Finkelstein, Neil A. Silberman
David und Salomo
Archäologen entschlüsseln einen Mythos

2006/Beck Verlag/298 Seiten
ISBN-10: 3406546765, ISBN-13: 978-3406546761
Cover

Über die Autoren

Israel Finkelstein wurde 1949 in Petach Tikwa geboren. Er ist Direktor des Archäologischen Instituts an der Universität von Tel Aviv. Durch Gastprofessuren in Chicago, Harvard und an der Sorbonne hat er sich auch im Ausland einen Namen gemacht und zählt heute zu den führenden Archäologen Israels.
Gemeinsam mit Neil A. Silberman hat er die beiden Bücher „Keine Posaunen vor Jericho. Die archäologische Wahrheit über die Bibel“ (2002) und „David und Salomo – Archäologen entschlüsseln einen Mythos“ (2006) heraus gebracht.

 

Neil Asher Silberman wurde 1950 in Boston geboren. Der Archäologe arbeitet in den USA am "Ename Center for Public Archaeology and Heritage Presentation". Daneben ist er Mitherausgeber des „Archaelogy Magazine“.


Über das Buch

Es war einmal ...
... eine karge, trockene Berglandschaft im nahen Osten. Bevölkert von kleinen Clans aus Bauern, Hirten und Halbnomaden. Rund um ihr wenig einladendes Gebiet fanden sich fruchtbare Ebenen, große Städte und große Königreiche - ja sogar Imperien - mit höfischer Kultur und Handelsbeziehungen zu anderen großen Reichen.
Das fanden diese bronzezeitlichen Stämme sehr beeindruckend und wollten auch so etwas haben.

So oder ähnlich könnte es gewesen sein - im 10. Jahrhundert v. Chr. - im so genannten "Heiligen Land". Die Autoren Israel Finkelstein und Neil A. Silberman gehen dem Mythos von David und König Salomo nach. Haben diese "Könige" tatsächlich existiert und wenn ja - wie lässt sich das archäologisch nachweisen?
Die beiden Wissenschaftler finden tatsächlich die Person namens David (sowie seinen Gönner Saul), der aber alles andere als ein edler Recke gewesen sein dürfte, sonder eher ein sehr erfolgreicher, opportunistischer Räuber, Bandit und Söldnerhauptmann. Sein Reich dürfte eher klein gewesen sein. Erst nachfolgende Generationen von Hof- und Geschichtsschreibern haben die Figur des David verklärt und den König eines großen Reiches aus ihm gemacht.
Stück für Stück werden archäologische Realität und Nachdichtung bzw. Geschichtsschöpfung auseinander dividiert und in eine Form gebracht, die den tatsächlichen politischen und religiösen Gegebenheiten im 10. Jahrhundert v. Chr. entsprochen haben dürften. Dabei stützen sich die Autoren auf aktuelle (teilweise eigene) Forschungsergebnisse und verzichten weitgehend auf Spekulationen. Zwar wird auch interpoliert, spekuliert und angenommen, was in der Wissenschaft gang und gebe ist, aber diese Absätze werden von den Autoren auch klar als solche gekennzeichnet.

Schwieriger wird die Suche nach dem König Salomo (Salomon, Süleyman), dem angeblichen Sohn von König David. An Hand der Königslisten in der Bibel und der Geschichten über Salomon scheint dieser ausreichend belegt. Sogar ernsthafte Bibelforscher sehen seine Existenz als bewiesen an und es wurden ellenlange Elaborate über seine staatsmännischen Großtaten erstellt. Die Archäologen Finkelstein und Silberman entlarven diese, auf reiner Bibelforschung basierenden Annahmen, als reine Fiktion.
König Salomo hat es so, wie in der Bibel beschrieben, nie gegeben. Statt dessen wurde ein künstliches, idealisiertes Bild geschaffen, um das vereinte Königreich Israel und Juda als Großreich darzustellen, das Einfluss auf andere Großmächte, wie die Ägypter, Griechen und Hetiter hatte. Hofschreiber haben diese Legende im 5. Jahrhundert v. Chr. aufgesetzt, um eine religiöse und staatliche Einigkeit sowie Unabhängigkeit zu suggerieren, die historisch/archäologisch gesehen nie existiert hat. Israel und Juda waren über die Jahrhunderte fast immer in Abhängigkeit von anderen, weit größeren und mächtigeren Reichen. Es waren tributpflichtige Königreiche, abhängig von Gnaden echter Großmächte.
Dennoch finden die Autoren einen König, der etliche der Eigenschaften von Salomo erkennen lässt: den König Manasse, Herrscher über Juda. Ein sehr engagierter und erfolgreicher König, der sich mit den Assyrern gut stellte und als ergebener, tributpflichtiger Vasall viele Freiheiten hatte. Manasse kommt in der Bibel nicht gut weg (vor allem wegen "religiöser Verfehlungen"), aber historisch gesehen gibt es viele erhaltene Briefe an Assur und Ägypten, die im Alten Testament dem imaginären König Salomo zugeschrieben werden.

Die jüdischen Schreiber müssen Manasse sehr gut gekannt haben, denn sie berichten haarklein aus seinem persönlichen Umfeld und aus der politischen Weltsicht dieser Zeit. Im Alten Testament wurde dann aus Manasse der viele Generationen vorher lebende König Salomo heraus stilisiert, der heute noch (ähnlich wie David) eine religiöse, moralische und staatsmännische Instanz bildet, auf die sich viele Politiker stützen.

Das Buch "David und Salomo" selbst ist in großen Teilen sehr lesbar und spannend geschrieben. Die Herkunft der Autoren aus dem streng archäologisch-wissenschaftlichen Bereich ist allerdings nicht zu leugnen, da immer wieder ausgesprochen trockene Kapitel über archäologische Funde, wahre und fiktive historische Begebenheiten zu finden sind. Das tut dem Lesefluss zwar nicht gut, zeigt aber, dass hier seriöse Wissenschaftler am Werk sind, die ihre Arbeit ernst nehmen und vor allzu populärwissenschaftlichen Ansätzen und Pauschalisierungen zurückschrecken.
Sehr schön beschrieben und zu erleben ist auch immer wieder ihr fachübergreifender Ansatz, der viele unterschiedliche Quellen berücksichtigt und durchaus nicht unkritisiert oder unüberprüft übernimmt. Dazwischen finden sich auch kleine, erheiternde Seitenhiebe auf Kollegen und Forschungsrichtungen, die wohl zu Recht als einseitig angesehen werden.


Fazit

Ein sehr erhellendes, teilweise sehr spannendes Buch, das einem die religiösen und politischen Gegebenheiten im nahen Osten zur ausgehenden Bronze- und beginnenden Eisenzeit näher bringt und sehr viel verständlicher macht.


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