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Im Kaptitel „Concerning Initiation“ (Seite 74 – 76 im Original) schreibt Cunningham schließlich über das, was in der deutschen Wicca-Szene heftig diskutiert wird. Auf der Seite 75 im Original steht
„Many wish to formalize their life within Wicca with a self-initiation ceremony. I’ve included one in Section II for those who feel the need for it.”
Damit verweist Cunningham auf das Selbstweihe-Ritual auf der Seite 90 mit der Überschrift „Self Dedication“. Cunningham behauptet also keineswegs, dass man sich selbst in Wicca initiieren kann. Meiner Ansicht nach handelt es sich viel mehr um einen unvorsichtig gewählten Ausdruck des Autors.
Darüber hinaus hält er fest, dass eine Initiation nicht durch einen Menschen, sondern letztendlich durch Gott und Göttin gegeben wird – selbst wenn der Hohepriester oder die Hohepriesterin beim Ritual mit den Göttern in Verbindung steht. Und dass ein Mensch, der Ritualgegenstände besitzt, die Jahreskreisfeste feiert, aber niemals eine Initiation in einem Coven erhalten hat, sich trotzdem Wicca nennen kann.
Ich persönlich gebe diesbezüglich Cunningham Recht. Wenn jemand die Religion lebt, die Jahreskreisfeste feiert, sich mit Wicca beschäftigt, warum sollte sich Derjenige nicht auch Wicca nennen dürfen? Mir ist jemand, der die Religion lebt, sich mit ihr beschäftigt, aber nicht initiiert ist, viel lieber als jemand, der sich initiierte/r Wicca nennt, aber nicht weiß, was er tut. Es gibt einige Wiccas, die die Initiation als Statussymbol betrachten und keine Ahnung über die Aufgaben eines Hohepriesters oder einer Hohepriesterin haben. Initiation ist kein Markenzeichen oder Statussymbol, sondern lediglich eine Abkürzung in der Verbindung zu den Göttern. Durch die Initiation wird das Leben auch nicht unbedingt einfacher, sondern es kommen eine Fülle neuer Aufgaben hinzu, die man bewältigen muss.
Jemand, der nicht initiiert ist, hat genau so die Möglichkeit, den Kontakt zu den Göttern herzustellen wie ein Initiierter – er braucht vielleicht länger dafür, aber der Weg dorthin steht auch ihm offen. Nicht nur initiierte Wiccas sind echte Wiccas – darin kann ich Scott Cunningham nur voll beipflichten.
Die Fehler in der deutschen Übersetzung
Wie schon angekündigt, möchte ich mich hier mit einigen „Schmankerl“ in der deutschen Übersetzung befassen. Alle kann ich leider nicht aufzählen, da das den Rahmen der Rezension sprengen würde. Aber ich finde es einfach an der Zeit, dass die Leser, die ein deutsches Exemplar dieses Buches gekauft haben, erfahren, was sie da eigentlich im Bücherregal stehen haben.
„Rituale und ihre Vorbereitung“ - Seite 74 deutsche Übersetzung:
Möchten sie die alten Götter des Wicca Kultes allein oder in Gesellschaft verehren?
Vielleicht haben Sie sympathische Freunde, die Sie gern dazu einladen würden. Wenn nicht, dann macht das auch nichts.
Original Seiten 53:
Do you wish to worship the Old Gods of Wicca privately, or with others? If you have interested (also interessierte, nicht sympathische) friends you may want to invite them to join you. If not, no problem.
Seite 74 deutsche Übersetzung:
„Solo Rituale sind im Wicca Kult gang und gäbe. Die Anwesenheit Gleichgesinnter ist eine wunderbare Sache, kann aber auch störend sein.“
Original Seiten 53:
“Solo ritual is fine when starting out on the Wiccan way. The presence of like-minded people is wonderful, but can be inhibiting as well.”
Also übersetzt heißt dies: "Ein Ritual alleine durchzuführen ist schön (ausgezeichnet), wenn man neu in der Religion Wicca ist." „Gang und gebe“ steht hier nicht. Die Anwesenheit gleichgesinnter Leute ist wunderbar, kann aber behindernd (hemmend) wirken (störend ist wiederum falsch übersetzt)
Zum Abschluss möchte ich die „Initiation“, behandeln.
Auf der Seite 73 (Übersetzung Seite 96) schreibt Cunningham,
dass die meisten initiierten Wiccas in dem Punkt übereinstimmen,
dass sich nur derjenige Wicca nennen kann und darf, der initiiert
ist. Der Satz „This brings up an interesting question: Who
initiated the first Wiccan?“ wurde vom Übersetzer
schon einmal weg gelassen.
Den Satz „Sometimes ‚power is passed’ between the initiator and neophyte as well“ übersetzt er mit “Manchmal wird dem neuen Mitglied auch magische Macht verliehen”. Richtig wäre: „Manchmal wird zwischen dem Initianten und dem Neophyten auch Energie übertragen.“
Seite 73/74 Original:
Surley anyone entering such a group should undergo an initiation, part of which consists of swearing of never to reveal their secrets. This makes sense, and is a part of many coven initiations. But it isn’t the essence of initiation.
Übersetzt wird dies so (S. 97):
Jeder, der einer solchen Gruppe beitreten möchten wird einer strengen Initiation unterzogen, die ihn zu absoluter Geheimhaltung verpflichtet. Das ist in diesem Falle durchaus sinnvoll, aber nicht das Entscheidende.
Cunningham will damit ausdrücken, dass der „Oath“ oder Eid nicht der eigentliche Zweck der Initiation ist – vom Übersetzer wird das einfach unter den Tisch gekehrt. Und von „strenger“ Initiation schreibt Cunningham auch nichts.
Das Selbstweihe-Ritual (Seite 91 ff. Original)
Cunningham bemerkt, dass man die Sätze für dieses Ritual
entweder auswendig lernen soll, aber auch improvisieren kann. Der
Hinweis auf die Improvisation scheint dem Übersetzer nicht gefallen
zu haben, deshalb hat er das einfach weg gelassen (Seite 115 ff Übersetzung).
Der Beginn des Rituals
“O Mother Goddess,
O Father God,
Answers to all the mysteries and yet mysteries unanswered”
wurde so übersetzt:
„Oh Mutter Göttin,
Oh Vater Gott,
ihr Antworten auf alle Mysterien und selbst doch der Mysterien größte“
Richtig wäre: „Ihr Antworten auf alle Mysterien und auf die noch unbeantworteten Mysterien ..“
Für „I breathe your energies into my body” verwendet der Übersetzer den Ausdruck “saugen” statt “atmen”.
Noch interessanter wird seine Übersetzung für Cunninghams Erklärung, wie man sich nach dem Ritual fühlt. Cunningham schreibt: „You may feel bursting with power and energy, or calm and at peace. Your mind might be in a whirl. The Earth beaneath you may throb and undulate with energy. …”
Also übersetzt: „Es kann sein, dass du vor Energie platzt
oder nur ruhig und im Einklang mit dir selbst bist. Es kann sein,
dass dein Geist wie ein Wirbelwind ist. Die Erde unter dir könnte
pochen und wogen vor Energie.“
Der Übersetzer hat folgenden Vorschlag:„Es könnte
sein, dass Sie nach dem Ritual voller Kraft und Energie sind oder
auch ganz ruhig und friedlich. Ihr Geist ist danach möglicherweise
wie ein Wirbelwind und die Erde unter Ihnen ein aufgewühltes
Energiemeer.“
Wie schon erwähnt, könnte ich hier noch Dutzend anderer
dieser Übersetzungsfehler anfügen. Aber da dies den Rahmen
der Rezension sprengen würde, belasse ich es bei den schon
Aufgezählten. Mein Fazit: „Wicca – A Guide For
The Solitary Practitioner“ ist ein erstklassiges Buch, das
einen hervorragenden Überblick über die Religion bietet.
Aber Hände weg von der deutschen Übersetzung!
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