Ellen Cannon Reed:
The Heart of Wicca - Wise Words from a Crone on the Path Teil II

Warum sie so hohe Anforderungen an ihre Studenten stellt, erklärt sie auf Seite 19:

„Priester anderer Religionen müssen jahrelang studieren bevor sie als Priester arbeiten können. Warum sollte das in Wicca anders sein? Warum sollten wir weniger zu tun haben? Tradition deutet auch auf Wurzeln hin, egal ob die Geschichte der Tradition kurz oder lang ist. Sie deutet auf Verbindungen hin, Kontinuität, sowohl auf der physischen als auch auf der spirituellen Ebene. Es ist Geschichte.“

Den Coven selbst bezeichnet sie als

„magische Arbeitsgruppe. Er ist eine Familie. Es ist ein Ort, an dem man Training, Anleitungen und Rückhalt erhält. Er ist, und das ist sehr wichtig, eine Mysterien-Schule. Er ist eine religiöse Organisation, keine gesellschaftliche und keine politische Organisation. Er kann dich sehr wohl unterstützen, mit Informationen versorgen, dir Behaglichkeit geben, dich pflegen, lehren – aber all das ist nicht der vorrangige Zweck eines Covens. Der Sinn und Zweck des Covens ist, die Götter und Göttinnen zu ehren.“ S. 26

Ein Mitglied ihres Covens Sothistar hat verschiedene Aufgaben: Die erste ist das Lernen. Jeder kann sein eigenes Tempo bestimmen, es gibt keine Begrenzungen, was die Zeit anbelangt, erklärt Reed. Aber „du musst voran kommen“. (S. 29)
Die zweite Aufgabe ist, dass der Student an seinem spirituellen als auch an seinem persönlichen Wachstum arbeitet. Die dritte Aufgabe ist, eine Beziehung zu den anderen Coven-Mitgliedern aufzubauen. Und mit den Mitgliedern des Covens sind natürlich auch der High Priest und die High Priestess gemeint.
Die letzte Aufgabe betrifft die Bezahlung für Unterrichtsmaterialien.

Ellen Cannon Reed schreibt in ihrem Buch von zwei Coven – ihren eigenen und dem Coven Ashesh Hekat, der einer anderen Tradition angehört. Die High Priestess des Covens ist Sandy Kopf, ihre Freundin, die Ellen Cannon Reed in dem Buch oft zitiert. Sandy hat einen Artikel darüber geschrieben, was ein Neuling von seinem Lehrer erwarten kann (S. 36).
Sie erwähnt darin auch, wie man den geeigneten Lehrer findet: So spielt die Sympathie eine sehr große Rolle. Das Gefühl, das jemand, den man zum ersten Mal getroffen hat, ein sehr guter Freund werden kann. Man sollte sich wohl bei dieser Person fühlen. Trifft all dies zu, sollte der Wicca Interessierte versuchen, so viel wie möglich über die Lehrmethoden, spirituellen Hintergrund des Lehrers heraus zu finden und versuchen, etwas über die anderen Coven-Mitglieder heraus zu finden. Wichtig ist es auch zu wissen, ob ein finanzieller Beitrag verlangt wird, der über die Kopien für Arbeitsmaterialien hinaus geht.
Sie schreibt in ihrem Artikel auch über die Anforderungen, die an die Coven-Mitglieder gestellt werden und was sich der Einzelne von seinem High Priest und seiner High Priestess erwarten kann. Sandy Kopf ist im Jahr 2000 gestorben.

In dem Kapitel über Initiation plädiert Ellen Cannon Reed für Initiations-Standards. Sie verdeutlicht das an einem Beispiel (S. 57): Ein High Priest meinte, dass eine seiner Schülerinnen noch nicht reif für den ersten Grad sei. Darauf hin verließ diese den Coven, ging zu einem anderen High Priest und erhielt dort den ersten Grad und ein Jahr darauf den zweiten Grad. Ellen Cannon Reed schreibt: „Wenn ich ihr Verhalten gegenüber ihrem ersten High Priest betrachte, habe ich absolut kein Vertrauen, dass sie irgendwie gearbeitet hat, um den zweiten Grad zu erhalten. Und doch nennt sie sich nun High Priestess.“
Initiations-Standards hält sie deshalb für wichtig, weil dann die Initiation etwas bedeutet. Immerhin ist die Initiation „eine Stufe zu einem höheren spirituellen Wachstum. Es gibt viele solcher Stufen. Initiationen werden nicht von der High Priestess oder dem High Priest gegeben. Sie werden von den Göttern und Göttinnen verliehen. Ein Initiations-Ritual ist eine Anerkennung vom Leiter eines Covens, dass der Initiant in der Meinung dieses Leiters, eine gewisse Stufe in seinem spirituellen Wachstum erreicht hat.“ (S. 49)

Ellen Cannon Reed klärt auch über die von einigen Wiccas offenbar missverstandene Beziehung zu den Göttern auf: So schreibt sie in dem Kapitel „Deities“ (S. 69) von einer jungen Frau, die nichts mehr mit den Göttern zu tun haben wollte, weil diese ihr ihre Wünsche nicht erfüllt hätten. Und sie erzählt über einige Wiccas, die nur daran interessiert sind, was der einzelne Gott oder die Göttin für sie tun könne. Sie schreibt auch von einzelnen Wicca Gruppen, die Gott und Göttin nur in den Kreis einladen und weiter nichts mit ihnen machen. „Wir sind hier, um für die Götter und Göttinnen etwas zu tun und nicht umgekehrt“ (S. 69)
Ein Mitglied des Sothistar Covens muss auch wissen, wofür die einzelnen Götter stehen. „Denn nicht alle Göttinnen sind Mondgöttinnen und nicht alle Götter Sonnengötter“ (S. 70) ... „Auch wenn sie auf ihre eigene Art ruhmvoll sein mag, ist die Morrigan keine süße und liebevolle Göttin. Und doch habe ich sie so beschrieben gesehen.“ (S. 71).

Die Autorin erinnert in dem Kapitel auch noch einmal an den Zweck eines Covens, den Göttern zu dienen. „Es gibt sicherlich solche, die sich an dem Wort Diener stören. 'Wir sind keine Diener’, sagen sie. Gut, ich bin einer. Ich bin die Dienerin des Gottes und der Göttin, denen ich mich geweiht habe und ich denke, es gibt keine größere Ehre in meinem Leben, keine größere Aufgabe, die ich in meinem Leben haben könnte. Mich den Göttern zu weihen, ist für mich das Fundament von Wicca. [...] Ohne das ist Wicca bedeutungslos.“ (S. 70)

In diesem Kapitel schreibt sie auch über die Mythen, die ihr Coven Sothistar und der Coven Ashesh Hekat verfolgen. Jeder der Coven hat seinen eigenen Mythos, in dem die Feste des Jahresrades gefeiert werden.

Zum Schluss schreibt sie über die Magie und die ethischen Grundsätze:

"Kein Zauberspruch sollte leichtfertig angewendet werden, ohne sorgfältige Überlegung bevor du irgendwas tust. Ist er notwendig? Kannst du deine Ziele nicht auch auf der physischen Ebene erreichen? Die Götter werden dich nur dabei unterstützen, wenn du etwas nicht alleine erreichen kannst. [...] Ist das wirklich, was du möchtest? Soll dein Vermieter wirklich in ein Loch fallen? [...] Schadest du jemanden? [...] Wirst du die Verantwortung für die Ergebnisse übernehmen? [..] Wenn deine Ziele auch ohne Zauberspruch auf der physischen Ebene erreicht werden könnten, wären sie dann vertretbar? Wenn der Zauberspruch auf Grund dieser Fragen ungerechtfertigt wäre, dann sollte er nicht durchgeführt werden.“ (S. 105/106/107)

Wer sich meine Rezension bis hier her durchgelesen hat, dem ist sicher aufgefallen, dass ich sehr viel zitiert habe. Am liebsten hätte ich das ganze Buch ins Deutsche übersetzt.
Es ist für den Leser fühlbar, dass Ellen Cannon Reed sehr viel Energie in dieses Buch gesteckt hat. Dabei verpackt sie ihr Wissen mit vielen interessanten, humorvollen Erlebnissen. Ihre Ratschläge erteilt sie ohne erhobenen Zeigefinger – sie möchte die Leser einfach zum Nachdenken anregen.

Ellen Cannon Reed beschreibt in „The Heart of Wicca“ genau das, was ich als „mein Wicca“ verstehe und lebe. Es ist ein Buch, das mich zutiefst berührt hat und das ich nur jedem wärmstens empfehlen möchte, der sich für diesen Weg interessiert oder ihn bereits lebt.

Zum Abschluss möchte ich noch ein Zitat aus dem Nachwort anfügen:

“In choosing a path of deliberate spiritual growth, a path of service to our Gods and Goddesses, you have already chosen a path that ist far from easy. As a Preserver, it’s even harder. Our society lauds the quick fix, even in spirituality, and there are too many seekers out there that believe quick fixes are possible. Sadly, even some books published about Wicca also encourage that attitude.” […] Because your view of the path we follow is not the same as the majority one, you’ll be accused of being elitist, snobbish and old fashioned. […] We can’t let this deter us. Our path, while not right for others, is right for us, the traditions and standard we live by are important to us, even if they are not to others. We believe that ours is the best way for us to serve our Gods. (S. 126)

„Wenn du diesen Weg des bewussten spirituellem Wachstums gewählt hast, ein Weg des Dienstes an unseren Göttern und Göttinnen, hast du schon einen Weg gewählt, der nicht alles andere als einfach ist. Als ein Bewahrer ist es noch härter. In unserer Gesellschaft wird die schnelle Reparatur gelobt, auch wenn es die Spiritualität betrifft, und es gibt so viele Suchende da draußen, die denken, dass diese „schnellen Reparaturen“ möglich seien. Es ist traurig, dass auch einige Bücher über Wicca veröffentlicht werden, die sie in dieser Meinung bestärken. Weil deine Sichtweise des Weges, den du verfolgst, nicht derselbe ist wie die der Mehrheit, wirst du beschuldigt werden, elitär, snobistisch und altmodisch zu sein. [...] Wir können uns nicht davon abschrecken lassen. Unser Weg, auch wenn er für andere nicht der richtige sein mag, ist richtig für uns, die Traditionen und Standards, nach denen wir leben, sind wichtig für uns, auch wenn sie für andere nicht richtig sein mögen. Wir glauben daran, dass unser Weg der Beste ist, um unseren Göttern zu dienen.“


Isis


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