Frederic Lamond:
50 Jahre Wicca
  Teil I

Frederic Lamond
50 Jahre Wicca
2004 / Heiden Verlag
ISBN 3937674160


Über den Autor
Frederic Lamond, geboren 1931, hatte sein erstes spirituelles Erlebnis mit 23 in den Armen seiner ersten Verlobten. Im Februar 1957 wurde er in Gardnerian Wicca initiiert, kurz davor hatte er Gerald B. Gardner persönlich kennen gelernt und war Mitglied im Bricket Wood Coven. Fred Lamond ist auch Mitglied der „Fellowship of Isis“ und der „Church of All Worlds“. Andere Bücher des Autors: „Naturpantheismus, Religion ohne Dogmen“, „The Divine Struggle“.


Über das Buch
Im November vor 50 Jahren veröffentlichte Gerald B. Gardner sein Buch „Witchcraft Today“, zu Deutsch „Ursprung und Wirklichkeit der Hexen“. Für Frederic Lamond, der Grund, einen „kritischen, persönlichen Rückblick“, wie er im Klappentext schreibt, zu ziehen. Um diese Retrospektive soll es sich in der nachfolgenden Besprechung drehen:
Ich persönlich hatte mir von diesem Buch etwas Anderes erwartet oder erhofft, als das, was ich letztendlich zu lesen bekam: In drei Kapiteln auf rund 200 Seiten beschreibt Frederic Lamond seine persönlichen Erfahrungen, angefangen von den Treffen und Erlebnissen mit Gerald Gardner und Alex Sanders, über eigene spirituelle Einsichten bis hin zu Ratschlägen und Tipps, wie sich seiner Meinung nach die Anhänger der Religion Wicca zu verhalten hätten.
Mit etlichen der im Buch angeführten Aufzeichnungen habe ich nicht nur als Rezensentin, sondern auch als Gardnerian HighPriestress meine Bedenken, auf die ich hier näher eingehen möchte.

Die ersten 40 Seiten sind Gerald B. Gardner gewidmet: Frederic Lamond beschreibt ihn einerseits als „liebenswürdiger, alter Herr mit einem ausgeprägten Sinn für Humor“ (S. 18), nachfolgend jedoch als „theologischen Analphabeten“ (S. 20), „zu alt für vollständigen Sex, aber er liebte es gestreichelt und liebkost zu werden“ (S. 21), „alter Betrüger“ (S. 23) oder als Anhänger des Sadomasochismus (S. 21). Dies sind nur einige seiner Aussagen über Gerald Gardner, die selten positiv ausfallen.
Der Leser – demnach auch ich – ist hier auf die alleinige Sichtweise und die Erfahrungsberichte des Frederic Lamond angewiesen, die Gardner als freundlichen Mann, aber auch als hinterlistigen, störrischen, alten Lustmolch zeichnen – ohne Möglichkeit auf Rehabilitation.
Ähnlich äußert sich der Autor auch über Aidan Kelly (Autor von „Crafting the Art of Magic“), von dem er schreibt „1977 erkannte Aidan, dass er Alkoholiker war und trat den Alcoholics Anonymous (AA) bei“ (S. 101) oder „Ich dachte damals, dass, obwohl Aidan wusste, wie man einen Schutzkreis zieht, er keine Ahnung hatte, wie man einen Kraftkegel aufbaut und wie man zaubert“ (S. 103).
Auch hier drückt Lamond dem Leser seine Ansicht auf und rückt somit den heute noch lebenden Autor – beabsichtigt oder unbeabsichtigt, bleibt dahin gestellt – in ein schlechtes Licht.

Kopfzerbrechen bereitete mir eine Textstelle auf Seite 20, als der Autor über seine Initiation schreibt, als ihm das Schwert mit den Worten gezeigt wurde: „Mit diesem in deinen Händen kannst du Engel und Dämonen beherrschen.“ Und weiter: „Engel und Dämonen, dachte ich: Was tun diese in einer nicht dualistischen, pantheistischen Religion?“
Meiner Auffassung nach ist die Religion Wicca selbstverständlich dualistisch, ist es doch beispielsweise die Aufgabe des Initiierten, sich im 1. Grad mit seiner hellen Seite, also mit seinem Charakter an sich, auseinander zu setzen, im 2. Grad mit der dunklen Seite, also dem Unterbewusstsein, die dann im 3. Grad zusammen gefügt werden und somit ein Ganzes ergeben.
Auch die Wiedergeburt (einer der zentralen Punkte in Wicca) ist dualistisch (als Gegensatz zum Sterben).
Darüber hinaus sind Engel und Dämonen keine Erfindung des Christentums, sondern weitaus älter – demnach tue ich mir schwer, die Einwände des Autors dagegen nachzuvollziehen.
Auch dass er Binding und Scourging (S. 35) mit Binden und Schlagen übersetzt, drückt schon alleine vom Wortgebrauch her eine absolute Negativität aus und rückt meiner Meinung nach die Religion in den Bereich des Sadomasochismus.
Aber immerhin kann Frederic Lamond seinem Glauben auch etwas Gutes abgewinnen: „Das Hexentum wirkt für dich! Das Initiationsritual hat dir eine ständige Beziehung zur großen Göttin gegeben, .... Hat es denn eine Bedeutung, ob die Rituale, die das bewirken drei oder dreitausend Jahre alt sind?“ (S. 23).
Weiters behauptet der Autor auch, es wäre Alex Sanders gewesen, der die jüdische Kabbalah schließlich in seine Wicca-Tradition (Alexandrian) einfügte (S. 66). Meines Wissens nach war dies schon viel früher unter Gerald Gardner der Fall. Hier genügt alleine ein Blick in ein BoS vor Doreen Valiente.

Für diskussionswürdig halte ich auch seine Vorschläge zur Umweltverbesserung: So ist seine Ansicht „auf der positiven Seite können wir feststellen, dass wenige Wiccas und andere Heiden die Umwelt aktiv verschmutzen“ (S. 123) für mich zweifelhaft, denn ich sehe nicht, wie Frederic Lamond diese von ihm angenommene Tatsache hätte überprüfen können.
Des Weiteren meint er „Bei manchen heidnischen Stammtischen kann ein Nichtraucher so viel Tabakrauch an einem Abend einatmen wie sonst in einem ganzen Jahr [ ...] Ich habe zu viele solcher in Wicca getroffen, manche sogar, die in einem geweihten Kreis rauchen. [...] Bei dem Merrymeet-Treffen der Covenant of the Goddess-Mitglieder im September 1993 waren ein Viertel der Mitglieder – alle Wicca – so dick, dass man ein Shuttleauto organisieren musste, um sie zu einem Ritualplatz zu befördern, der nur 200 Meter entfernt war“ (S. 125).
Es ist für mich nicht nachvollziehbar, was die körperliche Befindlichkeit des Einzelnen speziell mit dem Ausüben der Religion Wicca zu tun hat. Dass Jeder für seinen Körper selbst verantwortlich ist und auch die Konsequenzen daraus ziehen muss, wenn er ungesund lebt, ist eine Sache - die andere sehe ich darin, dass diese Dinge wiederum nichts mit der Religion zu tun haben. Anders als der buddhistische oder der christliche Glauben oder der Islam, schreibt Wicca seinen Anhängern nicht vor, was sie zu tun oder zu lassen haben.
Ähnlich sehe ich es mit seinem angesprochenen Punkt der Umweltverschmutzung. Auch hier zählt dies nicht zu den Aufgaben, die der Glaube Wiccas auferlegt – im Gegenteil: Sie ist eine Religion der Liebe und der Freude.

So betont der Autor im Anschluss selbst „So will ich sofort klar stellen, dass ich mich keineswegs als eine Autorität darstellen will, die Heiden und Wiccas vorschreibt, was und wie viel sie essen, trinken und rauchen dürfen. Ich will nur daran erinnern, dass wir alle Teil der Natur und nicht äußere Beobachter sind ... Und wenn wir unsere Handlungsfreiheit zugunsten einer oder mehrerer Süchte aufgeben, wie können wir dann noch würdige Kanäle für unsere Göttinnen und Götter sein“ (S. 126/127).
Na ja, vielleicht huldigen alle nicht des Verfassers Norm entsprechenden Wiccas dem Gott Bacchus und der Göttin Inanna?
Auch meint Fred Lamont „Die Hauptaufgabe des Erstgradlehrlings sollte sein, seine eigene körperliche und geistige Energie völlig zu beherrschen. Dazu gehört meiner Meinung nach sich von allen Süchten zu befreien, seien es chemische Süchte wie Alkoholismus, Kettenrauchen oder irgendeine andere Drogensucht, oder geistige Zwänge wie die Fresssucht, das Dauersurfen im Internet oder zuviel Lesen, wenn diese benützt werden, um sich von der alltäglichen Wirklichkeit und von menschlichen Beziehungen abzuschirmen.“ (S. 187/188)

So idealistisch diese Vorschläge auch erscheinen mögen – ich als Rezensentin sehe dies wiederum anders. Als Aufgabe eines Erstgrades erachte ich – ähnlich wie Fred Lamond– die Beherrschung der körperlichen und geistigen Energie. Die Frage stellt sich mir allerdings, was die Befreiung von Süchten mit Wicca als Religion zu tun hat. Wer in dieser Religion sein Zuhause gefunden hat, wird zwangsläufig, durch das Arbeiten im Coven und mit dem Coven, sein Verhalten ändern und auch seine Energien beherrschen lernen.
Wenn dabei auch die von Fred Lamont angeprangerten Süchte verschwinden, mag dies aus der Sicht des Einzelnen positiv sein – doch ein Muss, um die Religion zu leben, ist es nicht!


Isis


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