Betreut von Isis
Druiden, Wilde Frauen, Andersweltfürsten
Endlich ein Buch, das die keltischen Ursprünge der Sagen aus Österreich betrachtet, denn leider kennt man zwar viele Deutungen irischer und walisischer Sagen, aber kaum was Sinnvolles aus unserer Gegend - jedoch die Kelten bewohnten ja ganz Europa ("Ganz?" - "Ganz!" - zumindest diesseits des Weisswurstäquators).

Georg Rohrecker:
Druiden, Wilde Frauen, Andersweltfürsten

Gebundene Ausgabe - Pichler Verlag
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3854312733

Es tut gut, einmal ein Buch zu finden, das die heidnischen Ursprünge, befreit von der christlichen Ummantelung, des alten Volksguts betrachtet: woher stammen z.B. Orts- oder Flussnamen? Welche Götter wurden in Österreich verehrt? usw. Ich finde auch den leicht sarkastischen Ton reizvoll, denn auch diese Art von Humor ist "keltisch".

Man sollte es nicht glauben, wie viele keltische Wurzeln in unseren heimischen Sagen zu finden sind - der Salzburger Georg Rohrecker beleuchtet unseren Sagenschatz einmal anders - nämlich aus der Sicht unserer Urahnen - und so findet er die Fehler der so genannten Historiker und Stadtchronisten früherer Zeiten, die, natürlich christlich (oder später nationalsozialistisch) geprägt, vieles falsch zu verstehen beliebten.

In dem Buch begegnet man der Grossen Göttin und ihrem Sohn/Gatten in vielerlei Gestalten. So erfährt man, dass die Inschrift K+M+B nichts mit den heiligen drei Königen (die biblisch sowieso weder von der Zahl her, geschweige denn namentlich als Kaspar, Melchior und Balthasar erwähnt wurden) zu tun hat, sondern die drei Gestalten der Mutter bezeichnet: die "drei Bethen" Wilbeth, die Jungfrau, Ambeth, die Mutter und Borbeth, die Alte, die dann gezwungener Maßen zu den "heiligen drei Madln" umgetauft wurden: Katharina, Margaretha und Barbara.
Diese Trias wird immer wieder erwähnt, je nachdem, in welcher Sage welcher Aspekt in den Vordergrund tritt. So erfährt man auch quasi im Vorbeigehen, dass die Attribute, die die ersten Heiligen (meist Märtyrer) in den bildlichen Darstellungen mit sich herum schleppen, eigentlich die Attribute ihrer heidnischen Entsprechungen sind und nicht die Marterinstrumente, die sie zu Tode befördert haben (klar, denn diese superchristlichen Stories sind ja eh frei erfunden) - z.B. Barbara, die Schutzheilige der Bergleute, hat eine Krone auf dem Kopf und einen Turm in der Hand (zu besichtigen in der vindobonesischen U-Bahnstation Hütteldorfer Strasse) - und ist in Wirklichkeit Borbeth und der Turm ist der Schutz und die Ruhe der gereiften Göttin.

Riesen und Zwerge? Natürlich kommen auch diese vor - die Riesen sind nichts anderes als Verkörperungen des Gottes (klar eigentlich: Götter sind groß, Riesen auch - und man erwartet von männlichen Gottheiten sowie riesengroße Kräfte), Zwerge treten hauptsächlich als Diener von Königen (hoppla: König bedeutet wieder mal den Gehörnten) in Erscheinung (ich erinnere hier an die antiken ägyptischen Darstellungen, in welchen die normalen Menschen ungleich kleiner als die Pharaonen abgebildet werden).
Kennt ihr die Statue des Gehörnten Gottes in Salzburg? Es ist der sogenannte Fischbrunnen, den die Bürgerschaft als Ausgleich für eine kriegsbedingte Steuererhöhung im 17. Jahrhundert von ihrem Erzbischof geschenkt bekam - sie zeigt keinen Wassermann mit Schuppen, sondern Dagda mit seiner Keule und seinem Blättergewand, und (man lese und staune) der Brunnen ist der bekannte Kessel des Dagda. In diesem Zusammenhang würde mich ja interessieren, wie die alten Salzburger zu Dagda gesagt haben, denn die gälische Aussprache wird sich ja hierzulande anders angehört haben, denk ich mal.
Wenn wir schon dabei sind: wir erfahren auch, dass Danu die Namensgeberin für die Donau ist (was ja nicht weiter verwundert), dass Caillech hierzulande Göll ausgesprochen wurde, und dass Abfalter mit Apollo/Apfel/Avalon sprachlich verwandt ist. Gut, hier kann heid sich ja allerlei zusammenreimen, wenn man an die verschiedenen Umgestaltungen der indoeuropäischen Sprachen denkt. Aber es scheint klar, dass sich Namen, die sich auf Gewässer oder Berge beziehen (das Weibliche also) auch mit weiblichen Aspekten zusammenpassen. Naja, männliche geografische Gebilde gibt's nicht wirklich viele, denn Blitze oder Stürme sind ja nicht eben dauerhaft, daher muss man eben Könige bzw. Riesen bemühen, um das männliche Element auszudrücken - oder bedeutet es etwa, dass die Große Mutter eigentlich doch immer als wichtiger angesehen wurde als ihr Sohn/Gatte? Diese Überlegung wird untermauert durch die Feststellung, dass es ja in den Sagen ab und zu geschieht, dass die männlichen Protagonisten den weiblichen ihre Attribute (z.B. Steine) "stehlen", jedoch nur, um dem (eingeweihten) Leser die Tatsache zu vermitteln, dass alles letztendlich von der Göttin stammt, und es der Mann nur "erben" kann, als Sohngeliebter der Göttin.

Doch zurück zum Buch: neben Bergen und Gewässern ist auch die Anderswelt ein Thema. Der Kelte hat ja keine Angst vor dem Tod, sieht er ihn ja nur als Tor zum nächsten Leben. Die paradiesischen Zustände im "Wellnesspark" Anderswelt werden als Übergangsphase akzeptiert, und so schreckt sich auch keiner wirklich, wenn er vom Wassermann mit einem Vorgeschmack der Anderswelt konfrontiert wird, in dem er vom Nix (Nöck) in sein Reich gezerrt wird, wo die Seelen in Gurkenglasln auf ihre Rückkehr warten. Es kann auch ein Donauweibchen sein, mit dem der Sterbliche konfrontiert wird - klar, Wasser ist eigentlich eine weibliche Domäne, und Wasser ist Wiedergeburt...

Und auch die walisische Geschichte von Finn, der durch den Verzehr eines Lachses die größte Weisheit erlangte, taucht in Österreich wieder auf: in der Gestalt des Dieners von Paracelsus, der verbotenerweise von einem Haselwurm kostete (was immer das sein mag) und daraufhin die Sprache der Tiere verstand. Auch sprechende Tiere begegnen uns, denn am Weihnachtstag können die Tiere reden - hoppla, natürlich ist nicht der christlicherseits als Geburtstag ihres Sohngottes festgesetzte Tag gemeint, sondern eigentlich jener Tag, an dem das keltische Neujahr gefeiert wird - jener Tag, an dem die Grenzen zur anderen Welt offen sind: Samhain.

Ein weiteres Thema ist der christliche Versuch, die Freizügigkeit aller Natur verbundenen Religionen zu unterdrücken - leichtlebige Frauen werden als Hexen enttarnt, die Göttin selbst (in der Verkleidung als Teufels Grossmutter!) verbannt, usw. Doch das Imperium schlägt zurück: die Frau Waberl (na klar: Barbara = Borbeth) versenkt eine lebenslustige burgenländische "Frauenstadt" unter die Erde (also die Pforte zur Anderswelt) und rettet sie quasi, "bis dereinst..." Nur noch eine Natter mit Krönlein streift dort herum (Schlange als Zeichen der Wiedergeburt).
Noch schlechter ergeht es den Christen, die in Salzburg alle Schlangen (Heiden) ausrotten wollen und zu diesem Zweck einen Schlangenfänger engagieren, der zwar eine Menge Schlangen fängt, aber ihrer Königin - einer riesigen Natter mit Krone - ist er nicht gewachsen - und so bleibt der Alte Glaube trotz Christianisierung lebendig.

Ganz Österreich ist christlich! - Ganz? - Na ja, doch wohl nicht ganz...


Aku


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