In memoriam Madame Mim::
Pflanzen, Magie, Intuition und menschenfressende Tiger

Rhys Chisnall hat uns seine Gedanken zum Wesen der Pflanzen, den Charakteren oder Wesenheiten zur Verfügung gestellt und Anufa hat sie für euch übersetzt. Wie immer freuen wir uns natürlich über eure Kommentare zum Thema, die ihr hier im Blog gerne hinterlassen könnt!

Indem wir Pflanzen kennen lernen, erweitern wir unsere Sicht der Welt, unseren Mythos und bereichern so unsere Wahrnehmung der Welt. Anstatt einfach eine Hecke zu sehen, sehen wir Weißdorn, Feldahorn, Eiche, Esche, Beifuss, wilde Malve, Mohnblumen, Wiesenkerbel, und, und, und. Wir lernen, dass wann bestimmte Pflanzen blühen, wann Bäume Blätter treiben oder die Früchte reifen und damit lernen wir über die Rhythmen und Zyklen der Natur. Wir erfahren diese Dinge einfach so sondern wir erleben sie als bedeutungsvoll. Wir erleben, dass Beifuß vom Mond und Johanniskraut von der Sonne regiert wird, Rosen ein Symbol für die Liebe sind und Mohnblumen für Opfer stehen. Sie bereichern unser Bedeutungswelt und transformieren unsere gewaltige Wirklichkeit.

Planetare Zuordnungen der Pflanzen sind natürlich nicht wörtlich (oder durch physische Eigenschaften) sondern machen einen Teil des Charakters der Pflanzenart aus. In anderen Worten, wie wir sie wahrnehmen. Die grazile Rose wird oft mit dem Plaeten Venus in Verbindung gebracht, der die Liebe symbolisiert. Wir schenken unseren Liebsten Rosen als Zeichen unserer Hingabe, daher die Verbindung. Diese Charaktere exisiteren in der nichtsprachlichen Welt der Bedeutungen, der semantischen Landschaft, der Lebenswelt innerer Ebenen der Hexe oder des Naturmagiers.
Diese Charaktere können in Spruchmagie genutzt werden, weil sie den Sprüchen Kompetenz verleihen. Autorität ist eine der Ingredienzien, die Magie wirksam machen, weil sie die Erwartungen erschafft, die verändert , wie wir die Phänomene der Welt wahrnehmen. Das Gesetz der Autorität ist, meiner Ansicht nach, obwohl selten genann, für die Magie grundlegend.

Die Charaktere der Pflanzen agieren als Symbol und Metapher; die symbolische Verbindung der Pflanzen umgehen das rationale Bewusstsein und gelangen so ins Unterbewusstsein, wo die Transformation der Bedeutung stattfinden kann. Leute wie Freud und Jung argumentierten, dass das Unterbewusstsein durch Symbole arbeiten und kommunizieren würde. Wen wir also einen Zauberspruch erstellen um jemanden fern zu halten, dann könnten wir eine Puppe machen und diese mit Brennnesseln ausstopfen, die schützende und aggressive Assoziationen hat. Um einen geliebten Menschen anzuziehen könnte eine Puppe mit Rosenblättern gefüllt gemacht werden. Solche Sachen sprechen zu den tiefen Schichten des Bewusstseins und diese Assozitationen zu kennen, verleiht Autorität. Sie manipulieren die Bedeutung, transformieren wie wir (und andere) die stoffliche Realität wahrnehmen, die unsere Ergebnisse umfassender macht. Wie wir persönlich wahrnehmen, hat genauso objektive Auswirkungen, wie die subjektive Bedeutungen durch den Menschen gegeben, objektiven Impakt auf die Welt hat.

Wenn ich von Pflanzengeistern spreche, dann spreche ich vom Charakter einer Pflanze. Sie haben rudimentäres Bewusstsein ihrer Umwelt. Beispielsweise sind sie sich der Sonne bewusst und richten sich nach dem Sonnenstand, was sich Heliotropismus nennt. Genauso benutzen einige Pflanzen chemische Signale um die Anwesenheit von Schädlingen und Fraßfeinden zu kommunizieren, von denen sie heimgesucht werden. Diese Möglichkeiten der Kommunikation, die Steigerung des Tanningehaltes der Blätter von Nachbarpflanzen, machen sie weniger appetitlich. Wie dem auch immer so, so deuten diese Tatsachen nicht auf eine zusätzliche „Wesenheit“ innerhalb der Pflanze hin, sondern eher auf physikalische Eigenschaften und Vorgänge. Für mich ist der Geist der Pflanze wie wir subjektiv ihren Charakter erfassen.

Viele Heiden sagen, dass bevor eine Pflanze gepflückt wird, diese um Erlaubnis gefragt werden müsse. Wenn man das wörtlich nimmt, dann ist es Unsinn, denn schlussendlich sind Pflanzen nicht in der Lage zu antworten und wären sie es, dann bin ich mir sicher, dass sie ihrer eigenen Verstümmlung nicht zustimmen würden. Was wir damit eher tun ist, mit ihrem Charakter Kontakt aufzunehmen und sie so grundlegend mit Respekt zu behandeln. Wir bekommen dadurch vielleicht eine Ahnung ob es in Ordnung ist sie zu pflücken oder nicht. Wir können unterbewusst vielleicht erkennen, dass das keine gute Pflanze ist um sie zu pflücken oder von ihr etwas zu verwenden. Vielleicht hat sie nicht viele Beeren oder vielleicht ist sie krank oder hat Schädlinge. Alles eine Frage der Intuition.

Alain de Botton (2012) und der Magier Ramsey Dukes (2011) haben angesprochen, wie Intuition funktioniert. Wir haben uns als mustersuchende Tiere entwickelt und interpretieren deshalb unterbewusst Muster, die sich in unserer Umwelt finden. Natürliche Auswahl und Erfahrung hat uns gelehrt, wie Muster aussehen und deshalb fällt es uns auf, wenn sie unseren (unterbewussten) Erwartungen nicht entsprechen. Das findet nicht bewusst, durch Nachdenken statt, sondern durch Gefühle und Ahnungen. Ramsey Dukes hat, in seinem Buch „“Sex Secrets of the Black Magicians Exposed“ (das ich auch von Herzen empfehlen kann) ein wunderschönes Beispiel dafür gegeben. Er bittet, sich eine Frau vorzustellen, die einem Mann die Türe öffnet, der behauptet ein Gasableser zu sein. Er ist ungepflegt und zerzaust und die Frau hat das Gefühl, dass da etwas falsch läuft und reagiert misstrauisch. Sie wusste nicht, ob dieser Mann ein Betrüger oder einfach nur morgens in Eile war. Die natürliche Auswahl hat sie programmiert, unpassende Muster unterbewusst zu erkennen und die Erfahrung hat sie gelehrt, dass dieses Muster falsch ist. All das manifestiert sich als Ahnung, was in den Afrikanischen Ebenen den Unterschied zwischen Leben und seine Gene Weitergeben und einem grausamen Tod bedeutet haben könnte.

Das erinnert mich an den Jäger der menschenfressenden Tiger, Jim Corbett. Dieser Pionier unter den Naturschützern in Indien, schrieb mehrere Bücher über seine Abenteuer. Als Sportler hat er diese Menschfresser zu Fuß gejagt. In seinen Büchern beschreibt er was er „Dschunge-Sinn“ nennt. Tatsächlich nichts anderes als Intuition und Ahnungen, die ihn alarmierten und ihn vor der Gegenwart von Leoparden oder Tigern warnte. Das war Mustererkennung, unterbewusst einen Vogelalarmschrei wahrzunehmen, oder dass die Dschungelgeräusche verstummten, eben etwas, das die Haare im Nacken stehen ließ und ihn auf die Tatsache aufmerksam machte, dass er nicht länger der Jäger sondern die Beute war.

Somit ist für mich, wenn sie auch nicht immer richtig ist, die Intuition sehr wertvoll. Bedeutung und Charakter sind in der Craft deshalb wichtig (so wie generell in der Magie) weil sie damit und dadurch in dieser Welt der Bedeutung arbeitet.

Weiterführende Literatur:
Corbett, J, (1944), The Man Eaters of Kumaon, Oxford University Press
Culpepper, N, (1826), Complete Herbal and English Physician, available through Amazon
Dukes, R, (2002), Sex Secrets Of the Black Magicians Exposed, The Mouse the Spins


Rhys Chisnall


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