In memoriam Madame Mim::
Kultureller Aberglaube

Was für ein Wort. Kultur. Kultur nenne ich meinen Gedanken und als erstes schiesst mir eine Szene aus dem Film „Matrix“ in den Kopf. „Liebe ist erstmal nur ein Wort.“, heisst es in dieser. Dasselbe könnte man von Kultur behaupten. Kultur ist erstmal nur ein Wort.

Carsten Klatte Porträt Wikipedia sagt:
“…Kultur (zu lateinisch cultura „Bearbeitung, Pflege, Ackerbau“, von colere „pflegen, verehren, den Acker bestellen“) ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur. Kulturleistungen sind alle formenden Umgestaltungen eines gegebenen Materials, wie in der Technik oder der bildenden Kunst, aber auch geistige Gebilde wie etwa Recht, Moral, Religion, Wirtschaft und Wissenschaft.”


Vielleicht ist diese These gar nicht so schlecht.

….“im Gegensatz zu der, nicht von ihm (dem Menschen) geschaffenen oder veränderten Natur….“….

Vielleicht liegt in genau dieser Definition schon der „Samen des Untergangs“, denn, wenn etwas „nicht natürlich ist“, ist es kulturell, was ja auch heisst, wenn etwas kulturell ist, ist es irgendwann nicht (mehr) natürlich. Ein Teufelskreis.
All das hört sich schon fast an, wie ein philosophischer Diskurs. So war das doch gar nicht gemeint. Oder doch? Ist es wirklich schon philosophisch, sich die Kulturfrage zu stellen, also die Frage, in wie weit die menschliche Gesellschaft noch bedingt ist, durch Ethik und Moral, definitive Sollwerte kulturellen Schaffens?

Man hat das Bild gelassen, nur den Inhalt vertauscht. Oder er ist einfach verflogen. Hat sich aus dem kultivierten Staub gemacht, sprichwörtlich in die Natur verabschiedet. Inhalt? Nie gehört. Sieht doch gut aus!

Berlin am heutigen Tag. Räumung eines, wie sie sagten, „illegal besetzten“ Asylbewerberheims in Kreuzberg. Es waren ganze Strassenzüge abgesperrt. Man sprach von über 900 Polizeieinheiten.
Ich meine, eine „Kultur“, die darauf aufbaut, andere auszubeuten, jenen dann eine neue Heimat versprechend, ihre eigenen „Anweisungen“ nicht einhält und scheinbar kein Interesse mehr daran hat, einen Zustand von „Normalität“ zu erzeugen, einfach nur, weil Gedankengänge nicht zu Ende gedacht werden, sie also „ihre eigenen Gedankengänge“ gar nicht versteht, kann nur als degeneriert bezeichnet werden, als das absolute Gegenteil von allem, was natürlich ist.


Sie muss also zurück zur Natur, die Kultur, sonst endet sie vollends.

Zurück zur Natur der Kultur würde heissen, zurück zu einer natürlichen Ethik und Moral. Zurück zur Natürlichkeit der Wissenschaft und Kunst.

Wenn eine Kultur, Natürlichkeit verhindert, ist sie es nicht wert fort zu bestehen, da sie sich gegen den Ursprung der Menschen richtet, somit gegen den Ursprung ihrer selbst. Jegliche kulturellen Gedanken, so geprüft, zeigen ihr wahres Gesicht, ihre wirkliche Wirkung auf den menschlichen Geist, ob sie ihn wahrhaftig fördern oder ihn behindern oder sogar zerstören.

Das beste Beispiel ist die Natur selbst. Nehmen wir einen Baum. Ein Baum hat immer noch Wurzeln, selbst wenn er hundert Jahre alt wird und sein Geäst irgendwo zwischen den Himmeln hängt. Ich bin mir darüber bewusst, wie plump dieses Beispiel ist, denn wir kommen sofort auf diese „inflationären“ Denkbilder wie, „man säge an dem Ast , auf dem man sitzt“, und leider stimmt das auch. Das Bild stimmt und in diesem Fall auch der Inhalt.

„Bumms“ weg war er. „Zack“ setzen „wir“ den Asylanten fest, schicken ihn zurück, weil er sich nicht „benimmt“. Noch ein „Doing“ und wir erhöhen auf Krimineller, weil er vielleicht irgendwann auch selbst die Schnauze voll hat. Wovon? Vielleicht davon, dass man ihn davon abhält, eine Normalität zu erlangen, indem man ihn zwar duldet, aber nicht integriert? Kein Job , keine Wohnung, kein Bleiberecht. Warum hat man ihn dann geholt? Von selbst ist er ja nicht gekommen. (Ich entschuldige mich für mein „pauschalisieren durch singularisieren“ an dieser Stelle. konnotative Kunstgriffe sind ein Hobby von mir.)

Eine „Gegenkultur“ muss her. Eine Gegenkultur im Sinne eines kulturellen Aberglaubens (Gegenglaube). Aus diesem, der eine Überzeugung sein muss, kein blosser Versuch oder ähnliches, müsste es sich eine Infrastruktur schaffen lassen für Gegenkulturelle Interaktionen. Gegenkulturelle Interaktionen, welche es schaffen würden, die Kultur wieder ins Lot zu bringen, im Sinne einer Annäherung an das Natürliche.

Das macht dann jeden Künstler zum Politikum! So ist es und so war es immer. Kunst ist Kulturpolitik. Kunst befriedigt nicht oder sättigt, bestätigt nicht und verneint auch nicht. Kunst sei einfach der ungetrübte Blick der Natürlichkeit auf das kulturelle Befinden der Zeit.

In diesem Sinne wären „wir“, die kultivierten Menschen, mittlerweile auch alle Asylbewerber. Asylsuchende am „Arsch der Heide“, im kulturellen Arschgeweih Ödland auf der Suche nach einem Quentchen Muttererde.

Was wäre ein konkreter Hinweis auf Naturkultürlichkeit? Eine natürliche Haltung im Gegensatz zu einer kultivierten Haltung. Die Kultivierung einer natürlichen Haltung, also eine offene, entspannte, wohlwollende Haltung wäre die Aufgabe des Künstlers an sich selbst und dadurch dann an seine Arbeit.


Ein letztes: „die Motivation“.

Machen wir diesen „Dadada“ perfekt. Warum schliessen sich Kultur und Natur nicht aus? Schauen wir uns die Worte an sich doch einmal an. Wir haben den Kult des Ur und das, was „nat“ im Ur ist, einige Mister Schlauschlaus haben dazu mal gesagt , „geboren“ im Ur. Etwas ist geboren im Ur (-sprünglichen) und alles andere ist der Kult um das Ur (-sprüngliche). Wie sollte der „Kult“, das, was im Ur geboren wurde, nicht mit einbeziehen?!? Eine Kultur, welche ihre Natürlichkeit einbüsst verliert somit ihre eigentliche Berechtigung und negiert sich selbst. Somit ist die herrschende Kultur, die eigentliche Gegenkultur, der kulturelle Aberglaube, wie heisst es so schön : „quod erat demonstrandum“.

Also auf zu neuen Ufern, welches die alten sind. Die natürlichen Grenzen des Lebens. Die Menschlichkeit. Das Leben. Die zyklische Natur des Seins. Frieden und die Lust, am Leben zu sein. Liebe und Mitgefühl, das einzige Band, welches die Menschen wirklich zu verbinden versteht.
One love, infinite ways.


Carsten Klatte


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