In memoriam Madame Mim:: Betreuung gesucht für WurzelWerk's
Die "andere Welt"  Teil II

Ein RubrikBetreuer quasi der ersten Stunde, Werner, der sich drei Jahre lang um die Polaritäten gekümmert hat, hat uns wieder einmal einen seiner Artikel fürs WurzelWerk gespendet. Diesmal beschäftigt er sich mit der anderen Welt ...

Wenn ich die Ornamente, welche die Kelten auf all die von ihnen hergestellten Gegenstände anbrachten genau betrachte, dann fällt bei all diesen Verzierungen auf, dass sie ganz anders sind als alles, was andere Völker dieser Epochen gemacht haben. Deshalb muss auch ihre Weltsicht anders gewesen sein. Die Ornamente der Kelten sind nie statisch oder „geordnet“ Es gibt keine Zick-Zack-Linien, kaum gerade Linien oder geometrische Formen. Alles verbindet sich, alles „lebt“. Pflanzen und Tiere und sogar Menschen vermischen sich. Das Blatt eines Baumes kann der Kopf eines Vogels sein, ein Fuchs kann einen Schwanz haben, der wie ein Blumenstrauß aussieht oder die Ohren eines Tieres können Blätter sein und so weiter. Tiere, Pflanzen, Steine, alles ist verwoben und vernetzt. Gestalten können sich ändern, Menschen können zu Tieren werden und Tiere zu Menschen. Oder sie sind teils Tier, teils Mensch oder auch Teils Pflanze, teils Tier und so weiter.
Erstaunlich ist, dass die heutige Wissenschaft, insbesondere die Quantenphysik auch davon spricht, dass alles verwoben und vernetzt ist! Unsere Märchen erzählen heute noch davon, dass Menschen in Tiere verwandelt werden oder auch umgekehrt, dass ein Tier menschliche Gestalt annimmt. - Oder denken wir an die oft gesehenen Fixierbilder. Es sind Gesichter, die irgendwo versteckt sind. Sie können eine Eule darstellen oder auch ein menschliches Gesicht, je nach Blickwinkel. Oder ein Gesicht ist lachend, wenn man aber dasselbe Gesicht von oben betrachtet, dann ist es ein trauriges Gesicht.

Oder nehmen wir die immer wiederkehrende Spirale. Sie kann in vielerlei Weise dargestellt werden. Was mich jedoch besonders fasziniert: Man kann sie als eine sich öffnende Spirale erkennen, oder eine sich schließende Spirale. Man kann vom Mittelpunkt ausgehen und dann ist sie eine sich öffnende Spirale, die sich immer weiter öffnet, anscheinend endlos. Man kann nun jedoch eine Spirale auch von außen nach innen aufzeichnen oder sie in dieser Weise betrachten und dann geht sie auf den Mittelpunkt zu, wo sie dann ihr vermeintliches Ende hat. Das Spiralmuster zeigt uns jedoch nicht nur, dass alles sich ausdehnt und auch nicht nur, dass alles auf einen Mittelpunkt zustrebt, sondern sie zeigt uns automatisch damit auch, dass immer alles weitergeht. Die Spirale ist ein universales Muster, sie zeigt uns tatsächlich, wie und was das Universum ist. Dass nämlich aus dem Mittelpunkt (dem „Urknall“) sich eine Galaxie aufbaut in einer Spiralform. Dass es jedoch auch Galaxien gibt, die sich auf den Mittelpunkt hin entwickeln und dort in dem, was wir heute das „Schwarze Loch“ nennen, enden. Nach den neuesten Erkenntnissen von Stephen Hawking entwickelt sich jedoch aus dem Schwarzen Loch wieder eine neue Galaxie, sodass der Urknall und das Schwarze Loch eigentlich dasselbe sind, dass Beides ein Ende und gleichzeitig ein neuer Anfang ist.


Wussten die Kelten darüber Bescheid?

Oder wussten sie einfach intuitiv, wie die Welt beschaffen war?
Sicherlich wussten sie es nicht intellektuell, so wie wir. Wir westlichen Menschen erfassen solche Dinge intellektuell, also mit dem Verstand. Ja, wir müssen hier besonders betonen, dass wir fast alles NUR intellektuell erfassen. Oder wir versuchen zumindest, Dinge zu erfassen, die wir nicht ganz verstehen können mit unserem Intellekt. Aber gerade weil wir sie nicht verstehen können, suchen wir immer intensiver nach einer Erklärung. Aber immer nur in intellektueller Weise. Wir schreiben dann alles auf und meinen somit, dass wir nun unser Wissen festgelegt haben. Die Kelten jedoch lehnten die Schrift ab, weil sie wussten, dass sie damit ihre intuitiven Fähigkeiten, manche Dinge und Geschehnisse zu erleben, verlieren würden. Sogar, dass sie nicht nur die Fähigkeit verlieren würden, intuitiv Dinge zu erfassen, sondern sie auch innerlich zu verarbeiten und dadurch zu einem tiefen Verständnis der Welt – und sogar der nicht sichtbaren Welt zu kommen. Wenn wir etwas aufschreiben, dann ist das Verstehen – und damit meine ich die innere Verarbeitung, also ein intensives Verständnis, das nicht nur vom Kopf kommt - nicht so wichtig. Denn wir meinen, wir haben alles festgelegt und wenn wir etwas darüber wissen wollen, dann genügt es, in einem Buch dies alles nachzulesen. Heute ist es sogar noch einfacher, da gibt uns das Internet Aufschlüsse und Antworten über fast alles. Jedoch nur über „fast“ alles. Denn was noch nicht aufgeschrieben und festgehalten wurde, das kann man selbstverständlich auch nicht nachlesen. Nachdem wir alles intellektuell erfassen, bleibt das intuitive Verstehen und somit auch die innere Verarbeitung auf der Strecke.


Nun, was hat das alles mit der „anderen Welt“ zu tun?

Ich meine, es hat sehr viel damit zu tun, was die Kelten darunter verstanden haben und was wir, die Menschen der westlich ausgerichteten Gesellschaften heute (und offensichtlich nicht nur heute, sondern sogar schon vor 2000 Jahren!) darunter verstehen und damals schon verstanden.

Was könnte nun diese „Anderswelt“ der Kelten wirklich gewesen sein?
Eine Antwort darauf gab mir meine Musik.

Nein, nicht das, was die meisten Menschen unter Musik verstehen. Denn „meine“ Musik ist anders. Für mich ist Musik nichts anderes als Töne. Natürlich eine Abfolge von Tönen ebenso. Eine Abfolge von Tönen kann eine Melodie ergeben. Sie kann nicht nur, es wird immer eine Melodie daraus. Ob sie allerdings melodisch ist – das heißt, in der Weise klingt, die wir als melodisch empfinden -  das ist nicht automatisch der Fall.

Nun muss ich noch erklären, dass ich immer dachte, ich sei nicht musikalisch. Das kam daher, dass in meiner Kindheit der Musiklehrer meiner Schule mit meinem Gesang nicht zufrieden war. Auch mit meinem musikalischen Gehör war er nicht zufrieden. Ich konnte einfach nicht hören, ob eine Tonfolge aufstieg oder abstieg. Das mag einem Musiker unverständlich sein, ja er wird sogar glauben, dass so etwas gar nicht möglich sein kann. Deshalb betrachtete mich mein Musiklehrer als aufsässig, denn er meinte, ich würde nur vorgeben, diese einfachen Abfolgen nicht hören zu können. Darunter habe ich damals ein wenig gelitten, aber schließlich akzeptierte ich, dass ich unmusikalisch war und nahm meine schlechte Note mit einem Achselzucken hin. Zwar lernte ich es trotzdem, die Noten zu lesen, so wie man eben auch Buchstaben liest, aber es war mir unmöglich, die aufgeschriebenen Noten nachzusingen oder sie auch auf dem Klavier, das wir zu Hause hatten, flüssig nach zu spielen. Die Noten waren für mich nur Zeichen auf dem Papier und nicht wirkliche Töne. Ein paar Mal übte ich auch, auf dem Klavier ein paar Noten zu spielen, aber es war extrem mühsam. Deshalb hatte ich auch keine Lust, irgend ein Instrument zu erlernen, da es so schwierig war, die Noten von dem Papier auf ein Instrument zu übertagen. Ich ging immer von dem C aus und zählte dann die nächsten Noten ab und dann die Tasten auf dem Klavier. Diese rein mechanische Methode machte ein Spiel fast unmöglich. Denn es dauerte einfach viel zu lange, bis ich die nächste Taste fand. Da mir immer wieder gesagt wurde, dass ich ohnehin nicht musikalisch war, kam es mir auch gar nicht ernsthaft in den Sinn, ein Instrument zu erlernen. Dessen ungeachtet liebte ich die Musik, selbst wenn ich wusste, dass ich selbst niemals auch nur im Entferntesten so etwas selbst produzieren könnte und nicht einmal ein Liedchen richtig singen konnte, so liebte ich es doch sehr, schöner Musik zu lauschen.

Da geschah es, dass mir mal eine Mundharmonika in die Hände fiel. Sie hatte wohl früher einem unserer Kinder gehört. Ich war inzwischen schon über 50 Jahre alt und hätte niemals gedacht, dass ich noch ein Instrument erlernen würde, selbst wenn auch nur so ein einfaches Instrument wie es die Mundharmonika ist. Trotzdem nahm ich sie in die Hand und blies einmal hinein. Sie gab einen sehr schönen weichen Ton von sich. Schon allein dieser eine Ton sprach mich in unglaublicher Weise an. Ich lauschte ihm nach, wie er langsam im Nichts verhallte. Dann blies ich nochmals und nochmals und war ganz benommen von dem Ton oder den Tönen, die ich mit meinem Atem produzierte. Ich machte weiter, reihte Töne aneinander und manchmal traf ich, ohne zu wollen, eine wunderbare Tonfolge. Es geschah ganz automatisch, ohne dass ich mir Gedanken machte, wie diese Töne zusammen stimmen würden oder wie ich sie gefunden hatte. Ich überließ mich dem Instrument und meinem Atem, mehr tat ich nicht.

Nun machte ich weiter. Sehr schnell lernte ich – oder sollte ich besser sagen: ich erfühlte es? – schöne Melodien zu formen. Eigentlich hatte ich immer das Gefühl, dass ich es gar nicht selbst war, sondern die Mundharmonika war es, die diese Töne zustande brachte. Ich blies nur hinein und gab ihr damit die Möglichkeit, diese schönen Töne zu formen. Seitdem spiele ich oft auf der Mundharmonika. Ich habe mir inzwischen noch ein paar andere Harmonikas dazu gekauft in verschiedenen Tonarten und somit kann ich nun mit jeder Mundharmonika verschiedene Tonfärbungen spielen. Welche Tonarten das sind, das ist mir ganz gleichgültig. Ich habe eine, die spielt sehr weiche Töne, eine andere, mit der kann man flotte Melodien spielen und so weiter. Immer kommen neue Melodien. Aber ich kann keine Tonfolge gezielt spielen und somit auch sehr selten dieselbe Melodie noch einmal spielen. Selbstverständlich kann ich auch nicht willentlich sagen, ich spiele nun „Hänschen klein“ oder sonst eine ganz einfache Kindermelodie. Die Melodien sind plötzlich da, entstanden aus dem Nichts – und sie verschwinden wieder im Nichts oder im All. Trotzdem – oder vielleicht sogar DESHALB – dringen sie tief in meine Seele ein. Jede Melodie ist einmalig! Sie kommen von irgendwo her, oder auch tief aus meiner Seele heraus. Beides stimmt sicherlich gleichzeitig. Es ist ein ständiger Austausch mit meiner Seele und all dem, was um mich herum ist. Meine Seele und die Welt, diese Beiden stehen dann im Austausch. Jedoch sind es nicht zwei getrennte Wesenheiten. Zusammen sind sie EINS. Es ist das Urbild der Polarität!


Ende Teil II


Werner


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