In memoriam Madame Mim::
Naturwissenschaft und Naturreligion   Teil III
Als praktizierender Naturwissenschaftler und seine eigene Form der Naturreligion ausübender Mensch war und ist es mir schon immer ein Anliegen gewesen, die oft nur in extremen Aussagen vorliegenden Beurteilungen beider Lager mittels eines persönlichen Synthesevorschlages zu entmilitarisieren.

Synthese
Wenn ich die von Heim, Popp, Cahill, Gödel uva. gemachten Aussagen kombiniere und auf das Modell der Welt konsequent anwende, so gibt es die Möglichkeit für wahrscheinlichkeitsverändernde Informationsstrukturen, die nicht zwingend an eine raum-zeitliche, energetisch messbare Struktur gebunden sein müssen. Dies bedeutet, das nicht jedes Lebewesen zwingend an seine körperliche Existenz gebunden ist und auch eine Existenz darüber hinaus haben kann.
Die Konsequenz einer solchen Aussage wäre im nächsten Gedankengang, dass jedes Lebewesen auch ein Pendant in Form eines unzerstörbaren Wesenskernes im Sinne einer virtuellen Informationsstruktur unterschiedlicher Komplexität besitzt, welcher von der quantitativ berechenbaren Raum-Zeit unabhängig existieren kann.
Für einen jetzt lebenden Organismus bindet dieser Wesenskern an eine jetztzeitige Raum-Zeit-Struktur, z. B. einen biologischen Körper, dadurch kann dieser Organismus mit der Raum-Zeit solange direkt wechselwirken, wie die entsprechende Raum-Zeit-Struktur des Lebewesens existiert. Je komplexer ein Wesenkern strukturiert ist, desto komplexer wird auch die Raum-Zeit-Struktur, also der Organismus, konzipiert sein, an welchen er sich binden kann.

Selbstverständlich besteht auch die Möglichkeit einer indirekten Wechselwirkung zwischen Wesenskern und Raum-Zeit - also ohne eine feste Anbindung an Raum-Zeit-Strukturen und biologische Organismen. Und ebenso selbstverständlich können sich mehrere Wesenskerne zu einer komplexeren Informationsstruktur zusammenschließen oder auch direkt miteinander Informationen austauschen.
Für einen Menschen bedeuten dies: der Tod ist nicht das Ende seiner Existenz und die jetzige Zustandsform als lebender Mensch ist nicht notwendigerweise die Einzige. Es bedeutet aber auch, dass jene Wesenheiten, die als Geister oder Ahnen beschrieben werden; Andersweltebenen mit den dazugehörigen virtuellen Lebewesen tatsächlich existieren und ein Mensch mit jenen Ahnen, Geistern oder Andersweltlebewesen kommunizieren kann.

Die Frage nach einem Gottesbegriff, die sich notwendigerweise hier stellt, erfährt innerhalb einer solchen Weltbetrachtung eine Wandlung - und eine andere Antwort, die ebenso einfach wie neutral ist. Es kann durch diese Sicht der Welt weder gefragt werden: „Gibt es einen Gott?“ oder „Gibt es Einen Gott?“, weil diese Frage bereits eine allumfassende Entität postulieren würde, die sich als allmächtiges und universelles Regulans darstellte, die das Universum und die Welt nach seinem Gutdünken geschaffen hat und dieses nun deterministisch geschehen ließe.
Diese Frage muss neu formuliert werden und sie muss frei sein von dogmatischen Grundideologien monotheistischer Religionsbetriebe:

Gibt es eine Entität, welche die Dimensionen der Raum-Zeit und der Dimension Beurteilung der Wahrscheinlichkeit umfassen könnte?
Es kann tatsächlich eine imaginäre Dimension beschrieben und definiert werden, innerhalb der alle Ideen von Ereignissen (als virtuelle Informationsstrukturen) unseres materiell-energetischen Universums enthalten sind bzw. neue Ideen durch Kombination, Veränderungen der Wahrscheinlichkeit und der Naturgesetzen entstehen können, welche wiederum ein Universum formen können. An der Schnittstelle der Wahrscheinlichkeit oder Unwahrscheinlichkeit des Einwirkens dieser Ideen als wahrscheinlichkeitsverändernde Faktoren innerhalb der Raum-Zeit sind jedoch Beeinflussungen durch Wesenskerne oder komplexeren Verbindungen von mehreren Wesenskernen möglich.
Diese Erklärung lässt viel Raum für die Interpretation des Begriffes Gott, Göttin oder Götter, denn wenn ein Mensch einen definierten Wesenskern besitzt, kann dieser Mensch selbstverständlich auch ganz individuell Wahrscheinlichkeiten und damit virtuelle Informationsstrukturen beeinflussen – und dies unabhängig davon, ob er gerade an eine raum-zeitliche Struktur gebunden ist oder nicht.

Alleine die pure Vorstellung eines Individuums oder der feste Glaube von Menschengruppen an eine bestimmte, virtuelle Wesenform oder eine vorgestellte, individuelle Gottheit - ob nun anthropomorph oder nicht - kann die Wahrscheinlichkeit verändern und damit möglicherweise (auch einen Neuen, noch niemals vorgestellten, individuellen; wenn auch zunächst virtuellen, Wesenkern, eine neue Existenz, eine Entität schaffen - welcher ihrerseits dann zu einer Individualität gelangen und somit ebenfalls Wahrscheinlichkeiten und Ideen beeinflussen könnte.
Diese Feststellung zerstört in ihrer Konsequenz jede scheinbar universelle, aber sehr anthropozentrische Auffassung von Moral und Ethik und löst einen (oft!) dogmatisch ausgelegten Gegensatz von Gut und Böse vollends auf, da diese Begriffe für Wahrscheinlichkeiten nicht anwendbar sind. Gut oder Böse, Ethik oder Moral sind rein menschliche Konstrukte, die je nach Gesellschaftsstruktur frei variabel sind und nur in einem kulturellen Kontext einen Sinn ergeben.

Im universellen Sinne kann es sich bei jenen Entitäten, nach denen in der Frage gesucht wurde, nur um Tendenzen handeln, welche im weitesten Sinne als konstruktiv oder destruktiv zu verstehen sind.
Damit wird deutlich, das solche Konstrukte – völlig gleich ob sie von „zerstörerischer“ oder „aufbauender“ Tendenz seien – keinesfalls die Grundlage einer Religio oder eines Gottesglaubens sein können. Ethik und Moral werden, wie bereits erklärt, nicht von Göttern bestimmt, sondern von Menschen gemacht und konstruiert - und dieses virtuellen Konstrukte können ihrerseits sowohl destruktiv als auch konstruktiv sein – aber es bleiben Konstrukte, selbst wenn sie eine eigene Identität besitzen.
Die Disziplinen der Wissenschaften erkunden Teilbereiches jenes unerschöpflichen Universums; ihre Antworten, ihre Ergebnisse werfen Schlaglichter auf singuläre stattgefundene oder stattfindende Ereignisse, analysieren sozusagen vergängliche Manifestationen. Die eigentliche Religio, die ganzheitliche Schau der Welt, ist nicht die Schau einer Entität, eines Gottes, sondern die Schau in den Pool aller Möglichkeiten, die Erfahrung einer unendlichen Anzahl von wahrscheinlichen Individuen, Welten, Universen und diesen einen Moment des Verbundenseins mit Allem, allem was je existiert hat, bereits existent manifestiert ist und was jemals existieren wird. Dadurch lösen sich die scharfen Grenzen beider Lager auf, verschmelzen miteinander, und diese Verbindung könnte die Grundlage für eine Veränderung der individuellen Wahrnehmung - und der Verantwortung füreinander sein.


Magister Botanicus


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