In memoriam Madame Mim::
Amduat - das erste Unterweltsbuch der Ägypter
Der Geheimnisvolle Weg des Westens, dessen Wasser dieser Große Gott befährt in seiner Barke, um für die Unterweltlichen zu sorgen. Genannt bei ihrem Namen, bekannt in ihrem Wesen, graviert in ihren Gestalten sind ihre Stunden, geheimen Wesens, ohne dass dies geheime Bild der Dat von irgendeinem Menschen gekannt wird. (Amduat, Stunde 6, Einleitung, 2. Absatz, Übersetzung Erik Hornung)

Wie im vorigen Artikel bereits angekündigt, möchte ich gerne hier über das für mich wohl faszinierendste mythologische Buch der Menschheitsgeschichte schreiben. Die Rede ist vom Amduat - dem ersten Unterweltbuch der Ägypter.
Obwohl die ersten Unterwelttexte in Ägypten schon vor 4300 Jahren auftauchten, kam ihre Reformierung sehr spät. Die Rede ist vom Neuen Reich, wo die Pyramiden endgültig durch die Tempel und Felsengräber in Theben West ersetzt werden. Das bezeichnet ca. die Zeit der 18. Dynastie und ist ungefähr 3510 Jahre her.


Was ist das überhaupt?
Amduat bedeutet soviel wie: "Das, was in der Dat ist" und ist eigentlich eine spätere Gattungsbezeichnung für alle weiteren Unterweltsbücher, die durch Reformationen des Glaubens, Entwicklung, Fremdherrschaft usw. noch entwickelt wurden.

In diesem Buch wird den Ägyptern erklärt, wie der große Gott Ra in seiner Nachtbarke durch die Unterwelt fährt, durch gesprochene Worte den Achu dort Nahrung, Kleidung, Land und Luft zum Atmen zukommen lässt, gegen Apophis den Widersacher kämpft, sich im Laufe der Stunden im Binsengefilde verjüngt um am Ende, wenn er auf Chontamenti (Osiris) in der Rasetjau (Land um die Richterhalle, wo Osiris verweilt) trifft, wieder als Sonnenaufgang jung und kräftig aufersteht um sich um seine lebenden Untertanen zu kümmern.
Dieses erste Unterweltsbuch beschreibt uns äußerst detailliert das Leben, sterben und wieder leben in der Unterwelt der Ägypter und gibt uns massiven Einblick in ihre Denkweise und ihre Ethik, die sich eigentlich nur in zwei Hauptbereiche aufteilt: Diejenigen, die für Osiris sind und jene, die dagegen sind. Zaubersprüche und Hilfsmittel, Salben und Magie, welche die Ägypter im Leben lernen, stehen auf dem Papyrus Ani (heute auch Totenbuch genannt), einer Sammlung, die ich dann im kommenden Ägypten-Artikel behandeln möchte.

Das Amduat ist in 12 benannte Bereiche (Länder) gegliedert, was den 12 Nachtstunden entspricht, jeder dieser Bereiche ist noch in 3 Register aufgeteilt, obere und untere Register geben Namen und Aufgaben der einzelnen Geister, Wesen, Götter und Dämonen in diesem Bereich an und der mittlere Register verfolgt den Lauf der Barke.
Die "Fülle der Geschichte" wird in einem strengen, immer wieder kehrendem Schema gebändigt. Geschehnisse, die sich jede Nacht wiederholen, sind fortwährend einer definierten Stunde zugeordnet:

  • Das kurze Stoppen der Sonnenbarke und ihrer Ruderer (9. Stunde)
  • Die Zuweisung der Äcker für die Verstorbenen (2. Stunde)
  • Zuweisung der Kleider für die Verstorbenen (8. Stunde)
  • Die Bergung der Ertrunkenen aus dem Unterweltsstrom (10. Stunde)
  • Die Überwindung des Apophis (7. Stunde)
  • Die Bestrafung der Verdammten (7. und 11. Stunde)

Für den Ägypter war es eine wohlwollende Pflicht alle Namen und Benennungen des gesamten Buches auswendig zu lernen, denn dieses Volk glaubte streng daran, dass, wenn man den Namen von jemanden kennt, man auch mit Hike Macht über ihn besitzt.


Es geht für Pharaonen aber auch kürzer
Jedoch kamen die Priester dem Pharao stark entgegen, als sie die Langfassung des Amduats durch eine komprimierte Kurzfassung mit "nur" mehr 300 Versen ergänzten.
Das Amduat und andere heilige Texte wie die berühmte "Sonnenlitanei" oder das "Buch von Tag & Nacht" waren ursprünglich rein den Königen und von ihnen ausgewählten Personen zugängig. Erst am Ende des Neuen Reiches werden diese Texte dem Volke zugänglich gemacht und finden sich dann auch auf Sarkophagen der Privatleute, bis früh in die Ptolemäische Zeit hinein. Jedoch wurde hier schon variiert, die Entwicklung schlief nicht und dem Amduat folgten: Das Pfortenbuch, Das Höhlenbuch & Das Buch von der Erde.

Betrachtet man das Amduat genau, findet man unzählige Symboliken und Mythen, Zeichnungen und Stile, die schon seit der frühdynastischen Zeit in Ägypten vorherrschten und das ist immerhin schon beinahe 7000 Jahre her. Speziell im Amduat ist die Barke mit dem Sonnengott der Kern und der Hauptinhalt einer jeden Szene des mittleren Registers. Mit in der Barke stehen in den meisten Stunden 9 Besatzungsmitglieder des Ägyptischen Pantheons. Sie wechseln sich teilweise ab, je nach der Gefahr, die Ra begegnen muss. Oft finden wir Upuaut als Wegöffner am Bug der Barke und Horus als Steuermann am Heck. Die Schöpferkräfte Hu und Sia werden wie Maat im Amduat personifiziert.

Jedoch wandelt sich nicht nur die Besatzung, sondern auch die Barke verwandelt sich! In der 4. – 6. Stunde verwandelt sich die Barke in eine große Schlange um besser über die Sandbänke des Sokar - Landes gleiten zu können, während die Ringelschlange Mehen ab der 7. Stunde nun den Schrein Ra´s umgibt um ihn zu schützen, während sich die Barke wieder zurückverwandelt und Isis den Bug der Barke betritt um im bevorstehenden Kampf der Götter gegen Apophis einen Zauber zu sprechen.


Wie die Ägypter die Unterwelt empfanden
Die Barke selbst und seine Wege symbolisieren lediglich das Leben im Diesseits in all seinen Formen, so wie im Diesseits der Nil die Hauptverkehrsader bildet, so ist es in der Unterwelt der mächtige Unterweltsstrom Nun, auf dem die Barke durch die Lande gleitet. Dieser Fluss Nun in seiner Ganzheit umringt die Schöpfung und bildet die Fahrbahn für die Planeten und die Sonne usw. Eine Vorstellung, welche die Ägypter dermaßen faszinierte, dass sie begannen ihr Leben eher spärlich gar spartanisch zu gestalten und harte Arbeit ihnen nichts ausmachte, da ihr Ziel das Leben nach dem Tod, das Leben im Binsengefilde, die Verjüngung in der größten Stadt, ergo die Unterwelt, war. Denn sie sahen den Tod als eine Art Pubertät an und nach dem Tod begann das Leben erst richtig.

Jedoch lauern auch in der Unterwelt Gefahren, ob es nun die Höhle des Sokars, die Sandbank des Apophis (Widersacher Re´s), der Feuersee – welcher nur den Verklärten den Durst löscht und alle anderen bei lebendigen Leibe verbrennt, ob sie nun auf Seth stoßen, der in schelmischer Absicht, und noch immer eifersüchtig auf die Vormachtstellung seines Bruders Chontamenti – Osiris, versucht die Seelen auf die falsche Fährte zu bringen, damit sie nicht in die Halle der Gerechten kommen um verklärt zu werden, sondern gleich im Feuersee verbrennen oder auf der Schlachtbank Re´s mit seinen Feinden geköpft werden. Die Landschaften, deren Aussehen und deren Konsistenz spiegelten genau das Leben eines Menschen wider und so gibt es fruchtbare Stunden, Stunden, wo die Barke durch die Wüste kreuzt, Stunden, wo sie Gefahren entgeht, Stunden, wo sie bejubelt wird usw.
Jedoch wird auch der Ägypter gewarnt, denn die Unterwelt ist ein Reich voll von Magie und Schönheit und Freiheit, aber Freiheit hat ihren Preis.
Gefahren lauern genug und auch deshalb beschäftigten sich die Ägypter damit, sie schon im frühesten Alter alle auswendig zu lernen, denn schon die Ägypter wussten: "Wissen ist Macht"...


Raum und Zeit in der Anderswelt der Ägypter
Sie versäumen nicht darauf hinzuweisen, dass die Unterwelt ein realer betretbarer Ort ist, der auch jederzeit wieder verlassen werden kann. Nicht nur dass (wenn man das Amduat genau verfolgt) eben alles in Länder und Bezirke eingeteilt ist, so werden sogar Größenangaben für die Gefilde gemacht. So hat der Bezirk "Wernes" genau 309 mal 120 Meilen, jedoch gibt das Amduat nur einen Teil des Jenseits an und zwar hauptsächlich die "größte Stadt", in der die Toten leben, denn die Zonen, in denen die Toten bestraft werden die "gegen Osiris sind", liegen außerhalb des natürlichen Weges des "Nuns" und Ra muss mit seiner Barke zweimal (in der siebenten und elften Stunde) einen kurzen Umweg machen um eben in die Vernichtungsstätte zu gelangen, wo seine Feinde geschlachtet werden und dadurch, dass sie nie im Gericht bei Osiris waren und so nie verklärt wurden, ist ihr Ba und Ka für immer dahin und somit jedwede Chance auf neues Leben vertan. In der Unterwelt zu sterben bedeutet WIRKLICH zu sterben.

Die Unterwelt selbst wird gerne als verkehrte Welt dargestellt, die Himmelrichtungen aufgehoben, ja sogar die Schriftrichtung stimmt nicht, die Texte des Amduats sind stets rückwärts zu lesen. Sogar in der 12. Stunde, als die so oft als Symbol benutzte Uräus- und auch Riesenschlange die Wiedergeburt vollzieht, geschieht das vom Schwanz zum Maul aus, so dass Ra aus dem Maul der Schlange mit der Barke fährt, vom Nun empor taucht und die Khemet (Schwarzes Land) - Bewohner ihren heiß ersehnten Sonnenaufgang sehen, denn dieser bedeutet, dass der Gott seine gefährliche Fahrt überlebt hat und nun wieder für die Lebenden sorgen kann.

Die Wege der Ägypter werden in der Dat (Unterwelt) stets im Zickzack oder gekrümmt dargestellt, sogar das Gewässer selbst fließt nie gerade über eine Landschaft, sondern oft bergauf und bergab.
Diese abstrakte und gespiegelte Weise soll dem Leser deutlich machen, dass man in dieser Welt nicht altert, sondern verjüngt wird, und dass der Tod den umgekehrten Prozess zur Geburt auslöst. Dem Ägypter war dies ein großes Anliegen dies seiner Nachwelt zu vermitteln und so wurde penetrant darauf geachtet, dass "Gerades" keine Chance hatte in den Text zu kommen.
Jedoch das größte Abstraktum ist wohl jenes, dass die Dat in Zwölf Stunden eingeteilt ist, jedoch Zeit dort einen unregelmäßigen Verlauf hat, ergo nach individuellen Verhältnissen und Maßen bestimmt wird und speziell Handlungen gesetzt werden, nicht nach Uhrzeiten oder Sonnenstand gerichtet, sondern "wenn es Zeit ist" es zu tun.


Die Bestrafung der Bösen
Die Gerichtsbarkeit in der Dat ist unumstritten... Atum-Re kümmert sich um seine Feinde in der 2ten und 9ten Stunde, wo sie gerichtet werden und in der siebenten und elften, wo sie in die Vernichtungsstätten gebracht, zuerst geköpft und danach verbrannt werden, was den endgültigen Tod und damit das Feuer des Vergessens bedeutet. Jedoch kommen hier nur die ernstzunehmenden Feinde Re´s zum Handkuss, die den Apophis unterstützten, ihn anbeteten und aktive Handlungen gegen das Götterpantheon setzten.
Für die Verschuldungen im Leben, für deren Taten gibt es noch tief in der Rasetjau die Gerichtshalle des Osiris, welche leider aber im Amduat nicht so ausführlich behandelt wird wie im nachfolgenden Pfortenbuch.
Hier fällen Chontamenti und seine Beisitzer (unter die sich der selige Verstorbene gerne einreihen möchte) eine klare unwiderrufliche Entscheidung, welche Rechtfertigung oder Verdammung bedeutet auf alle Zeiten. Jedoch hat der Tote gute Chancen, kennt er die Zaubersprüche dafür den Gott zu besänftigen und die Beisitzer wohlwollend zu stimmen.
Denn das wohl wichtigste Gut ist die Ehrlichkeit und die wird in dieser "Hauptverhandlung" überprüft.
Der Verstorbene muss aufzählen, was er Gutes und Schlechtes getan hat, wo er Menschen half und wo er sie schlecht behandelte. Osiris hört sich seine Reden an und der Mumifizierungsgott Anubis baut nebenbei eine Waage auf, während Thot – der Gelehrtengott und Hüter der Maat – die gestandenen Taten des Angeklagten dokumentiert...
Nun kommt der Test: Anubis nimmt das Herz des Verstorbenen aus den Ushebtis und wiegt es gegen eine Feder auf, je nach Gewicht der gestandenen Taten. Das Herz eines reinen ehrlichen Menschen, der Ra anbetet, ist leichter als eine Feder, so heißt es, das eines Durchschnittsmenschen zumindest gleich schwer, aber das eines Lügners, Stümpers, Gotteslästerers, Mörders ist schwerer und entlarvt ihn somit.
In besonders schweren Fällen wird der nun dem Tode Geweihte den Vernichtungsstätten außerhalb des Binsengefildes übergeben, wo er gemeinsam mit den Feinden Ra´s geköpft und verbrannt wird. Stellt er sich jedoch als Sünder heraus, dessen Taten nicht so grausam waren, so wird er dazu verdammt, ein Teil der verkehrten Unterwelt zu sein und muss so bis zum Ende der Existenz der Rasetjau auf den Händen laufen, mit dem Hintern essen und durch den Mund koten. Sie werden versuchen aus dem Feuersee zu trinken und nur sie wird das Feuer innerlich aufbrennen.
Lediglich die guten Menschen die im Sinne Ra´s und Osiris ein weiteres schönes Leben hier verdient haben, bekommen ihre Äcker, Häuser und Kleider zugewiesen, treffen ihre Verwandten wieder und leben ein schönes Leben in einem Land, wo sie täglich von einem Gott besucht werden, der ihnen alles gibt, was sie brauchen um glücklich zu sein und ihr Leben normal fort zu führen.


Apophis - Der Widersacher
Dieser schlangenartige Feind wartet so gegen Ende der sechsten und zu Beginn der siebenten Stunde auf Ra und seine Barke um gegen ihn und seine Götter zu kämpfen. Er saugt das Fahrwasser der Barke mit seinem mächtigen Leib auf, so dass die Barke zum Anhalten gezwungen wird. Durch Magie fährt jedoch die Barke weiter und versucht der Riesenschlange auszuweichen, mächtige Feuer speiende Uräusschlangen leuchten Re hier den Weg. Danach beginnt die Besatzung der Barke mit dem Kampf gegen den Widersacher. Täglich wird das Tier bezaubert (von Isis) und vom "Ältesten aller Magier" gelähmt, Re und seine Gefolgsleute springen dann aus der Barke und kämpfen gegen den geschwächten Apophis einen harten Kampf, bis dieser gefesselt und in der elften Stunde dann zerstückelt wird, um in den Fluss Nun geworfen zu werden. In der zwölften Stunde wird dieser große Triumph nochmals angesprochen.

Apophis ist eine fortwährende Bedrohung für die Ägypter, die es für Re und seine Gefolgschaft immer wieder zu überwinden gilt. Viele Magier der heutigen Zeit setzen ihn mit den ursprünglichen Drachen Leviathan gleich, was Ra dann den Rang eines Behemoths geben würde. Denn schon im alten Ägypten wurde Apophis als der "Gegner aller Ordnung" bezeichnet. Weitere Namen sind "Übelgesicht" und "Der mit dem schrecklichem Gesicht".


Das Buchverzeichnis
Ich möchte hier nun die Stunden auflisten und einen Vers einfügen, der mich besonders anspricht.

Das Amduat – Das was in der Dat ist

Die Schrift des verborgenen Raumes.
Die Standorte der Bau und der Götter, der Schatten der Achu
Und was getan wird.
Der Anfang ist das Horn des Westens,
das Tor des Westhorizonts;
das Ende der Urfinsternis,
das Tor des Westhorizonts

Zu kennen die Unterweltlichen Bau,
zu kennen die Geheimen Bau,
zu kennen die Tore und die Wege,
auf denen der größte Gott wandelt.

Zu kennen was getan wird,
zu kennen, was in den Stunden ist, und ihre Götter,
zu kennen, den Lauf der Stunden, und ihre Götter.

Zu kennen ihre Verklärungen für Re,
zu kennen was er ihnen zuruft,
zu kennen die Gedeihenden und die Vernichteten.


1.) Stunde 1: Dieser Gott tritt ein in den westlichen Torweg des Horizonts. Seth steht am Ufer. Es sind 120 Meilen Fahrt durch diesen Torweg, ehe die Barke die Unterweltlichen erreicht, er zieht danach zum Wernes.
Wasserfläche des Re! ist der Name dieses Gefildes",Der zu den beiden Flammen gehört" ist der Name seines Hüters. Dieser Gott beginnt Weisungen zu erteilen und für die zu sorgen, die in der Dat sind, bei diesem Gefilde und diesem Torweg, an denen dieser Gott vorüberzieht. (1h, mittleres Register 9-11)

2.) Wernes, Äckerverteilung
3.) Wasserverteilung, Belebung des Ba (Plural Bau)
4.) Einteilen der Luft und Lebensmittel

5.) Auf dem Rücken der Schlange (Barke verwandelt) Durch Sokars Gefilde
Dieser große Gott fährt dahin, indem er gezogen wird über diese Höhle in seiner Barke, die in der Erde ist, "Mit lebendigem Bau". Die Unterweltlichen Götter sagen zu diesem großen Gott:
In Frieden, in Frieden, Herr des Lebens!
In Frieden, der den Westen befriedet!
In Frieden, der die Erde öffnet!
In Frieden, der im Himmel ist!
In Frieden, der den Gegenhimmel befriedet!
In Frieden, es triumphiert der Herr der Neunheit!
In Frieden, es breitet dir die Erde (Dat) die Arme aus, es bahnt dir die Nekropole ihre Wege!
(Stunde 5, Mittleres Register, 84)

6.) Die Götter greifen zu ihren Opfern und teilen die Äcker neu ein.
7.) Kampf gegen den Apophis
8.) Zuweisung der Kleider an die Verstorbenen
9.) Barke hält, kurze Pause ;-)
10.) Rettung der Ertrinkungsopfer aus dem Urfluss
11.) Bestrafung der Feinde

12.) 12. Stunde: Austritt aus der Unterwelt.
(Mittleres Register, Stunde 12, 197) ... Dieser Gott fährt dahin auf diese Weise in dieser Stätte im Rückgrat dieses geheimen Bildes der Schlange "Leben der Götter", während seine Götter ihn ziehen. Er tritt ein in ihren Schwanz und er kommt heraus aus ihrem Maul, indem er geboren ist in seiner Erscheinungsform des Chepri und die Götter, die in seiner Barke sind, ebenso. Er verweilt über dem geheimen Bild des Schu, der den Himmel trennt von der Erde und der Urfinsternis.
Seine Arme sind es, welche die Dat versiegeln. Dann lässt sich dieser Gott im östlichen Horizont des Himmels nieder, und Schu empfängt seine Erscheinungsform des Käfers beim östlichen Ufer. (Alle Verse übersetzt von Erik Hornung aus "Die Unterweltsbücher der Ägypter".)


Mein Schlußwort
So, jetzt habt ihr mal einen Überblick über die ägyptische Mythologie bekommen und ich hoffe, ich konnte euch ein wenig in die Denkweise diesen alten Volkes einführen. Speziell hier sieht man, wie wichtig für die Ägypter das Leben nach dem Tode war und vor allem wie penibel sie auf der Einhaltung diverser Rituale bestanden um möglichst alle Gefahren im vorhinein auszuschalten, welche das unbeschwerte Leben in der "größten Stadt" gefährden könnte.
Ich wage sogar zu behaupten, hier einige Parallelen zur europäischen sowie nahöstlichen Mythologie zu sehen, speziell jetzt die Bibel betreffend und den keltischen Vorstellungen...
Ich spiele dabei auf die Köpfung der Feinde an, "damit sie nicht noch mal leben"... früher wurden hier in Europa auch die Feinde geköpft, damit sie nicht als Untote zurück kommen und sich rächen. Eine Unterwelt, in der man unbeschwert lebt und dennoch ein- und ausgehen kann wie bei der Haustür, erinnert mich auch sehr an die Autre Monde speziell der Inselkelten. Von der Verbrennung der Feinde, im Feuer des Vergessens, welche dem Widersacher halfen, muss ich wohl nicht erst darauf hinweisen, dass dies alles große Ähnlichkeit mit der christlichen Mythologie aufweist. Und wieder einmal ward bewiesen, dass es sich beim Christentum um eine Postägyptische Religion handelt, was auch logisch erscheint, da dieses Land gemeinsam mit den Mesopotamischen Ländern durch ihren regen Handel die Welt rund um sich beeinflusste.


Kurze Worterklärung:
Ba: seelenähnliches Wesen, das als Erinnerung und Persönlichkeit des Verstorbenen in der Unterwelt weiterlebt
Ka: sein Geist & Hilfsgeister, welche gern als unterschiedliche Aspekte einer Person dargestellt werden, aber in Ägypten wurde ja alles personifiziert
Ach(u): Alle höher organisierten Wesen, seien es Götter, lebende Magier, Tote nennt man im Singular ACH, was soviel wie Verklärter bedeutet
Hike: Ägyptisches Wort für Magie, Magis, Energie, Informationsfluss. Götter können sich dieses Hike als Wesensbestandteil aneignen, der Mensch hingegen nur, wenn er Handlungen und Worte setzt, die vom Hike (auch Heka) durchströmt werden.
Hu: Ausspruch, Befehl, und am Anfang war das Wort, Schöpferkraft Atum-Re´s
Sia: Erkenntnis und Verstand, Sia bedarf Hu und umgekehrt, Schöpferkraft Atum-Re´s
Maat: Erhält Gleichgewicht, das untrennbare YinYang der Antike, wird oft als Göttin personifiziert. Trennt Chaos von Ordnung.
Ushebtis: Kleine Urnen die als Hilfsgeister die Gedärme des Toten tragen (ähnlich dem Schrein), nur liegt die Aufgabe der Ushebtis weiterhin darin nach dem Tod und der Verklärung durch Osiris, vom Ka beseelt, als Hilfsgeister und Diener den Menschen in der Unterwelt das Leben zu erleichtern.


Drachenblut


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