In memoriam Madame Mim::
Wie wir Tradition sehen
Anlässlich einer Diskussion über Traditionen wurde uns dieser Artikel von Timke und Kriss zur Verfügung gestellt, herzlichen Dank dafür!

Wir konnten feststellen, dass in der Gegenwart die Menschen hier bei uns vom Schamanismus und der Spiritualität fremder Kulturen fasziniert sind, ja teilweise sogar intensiv in ihren Bann gezogen. Interessanterweise sind die Traditionen anderer Völker wesentlich stärker verbreitet als die unseren. Die Menschen nehmen es in Kauf, um spirituelle Erfahrungen zu machen, die ganze Welt zu bereisen.
Haben wir denn keine kulturellen Wurzeln oder haben wir diese einfach nur verloren? Sind wir den wirklich der Meinung es gäbe hier in unserer Heimat keine "schamanischen Traditionen"? Hatten unsere Ahnen denn keine Spiritualität?

Spiritualität und Magie
Weit daneben, natürlich gab und gibt es auch bei uns diese Spiritualität und die Kunstfertigkeit der Magie - wenn auch nicht als Schamanismus bezeichnet. Schriftliche Aufzeichnungen bekannter und unbekannter großer Denker lassen sich zumindest bis ins 8./9. Jhdt. n. Chr. zurückverfolgen, und diese bestätigen unsere Denkweise dass es hier bei uns durchwegs eine alte Tradition gibt! Warum jedoch wird diese nicht anerkannt? Ist sie zu einfach und banal, zu logisch, sodass sie für den Menschen heute nicht mehr nachvollziehbar ist, auch wenn sie gut anzuwenden ist und auch gut funktioniert?

Mit diesem Artikel wollen wir die Magie, den Zauber und die Überlieferung der weisen Frauen und Männer Österreichs darstellen, die in den letzten Wochen als die "alte magische Tradition in Österreich" in Umlauf kam.
Hier sollte angemerkt sein, dass dieser Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, denn es erscheint uns unmöglich, in einem knapp bemessenen Rahmen Inhalte die Bücher füllen könnten, unterzubringen.
Wir nehmen uns das Recht heraus, hier von Tradition zu sprechen, da wir wie schon eingangs erwähnt durchwegs mit bestehenden Aufzeichnungen den Beweis antreten können, dass es diese auch hier bei uns gibt, und was auch nicht unwesentlich ist seit Generationen in unseren Familien dass Wissen und die Kunstfertigkeit unserer Ahnen weitergegeben wird.


Unsere Tradition
Um "unsere" Tradition vorstellen zu können, ist es hier erst einmal angebracht, einige Definitionen anzuführen:

Hexe: ursprünglich dämonisches Naturwesen, welches das Landgut, Feld und Flur schädigt; etwa ab dem 13. Jhdt. zunehmend mehr menschliche Formen annehmend, die sich mit Wahrsagerei und (bösartigen?) Zauberkünsten beschäftigt;
Magie: Zauberkunst, Geheimkunst, sich übersinnliche Kräfte dienstbar machen;
Tradition: Überlieferung, Herkommen, Brauch, Gepflogenheit;
Ritus: gottesdienstlicher Festbrauch in Worten und Handlungen

Unsere Arbeit setzt sich aus Theorie und Praxis zusammen, oder anders ausgedrückt aus lernen, verstehen und anwenden.
Theorie heißt ein Leben lang zu lernen und sein Wissen zu vertiefen. Es heißt auch zu hinterfragen, zu forschen und was uns am wichtigsten scheint dieses Wissen auch anzuwenden.
So beschäftigen wir uns hier vorwiegend damit Schriften und Aufzeichnungen, die zumindest bis ins 12./13. Jhdt. zurückreichen, mit dem zu vergleichen was heute im Leben noch angewandt wird. Wir ergänzen und versuchen die Puzzleteile aneinander zu fügen und wir versuchen Sinnhaftes von Unsinnigem zu trennen.

Wir sehen es als wesentlich, wenn sich Leute unserer Gemeinschaft anschließen, dass diese erst mit der Theorie - dem Basiswissen vertraut gemacht werden, bevor sie in praktische Arbeiten einbezogen werden. Denn nichts ist störender und behindert die Arbeit mehr als Unverständnis.


Die Praxis
Die wichtigste Funktion der folgenden weisen Frauen und Männer war und ist das Heilen, der Schutz vor bösen Geistern und das Erfüllen essenzieller Wünsche unter Anwendung der Magie und Zauberei. Worauf die weisen Frauen und Männer sehr genau achteten und was auch für unsere Arbeit sehr wesentlich ist, ist zu unterscheiden, ob eine physische, psychische oder spirituelle Problematik vorliegt.
Um dieses komplexe System der Heiler/innen in Österreich verständlicher zu machen, geben wir hier eine kurze Zuordnung:

Eher manuell arbeitend sind

Kräuterfrauen - behandeln mit Kräutern die sie individuell verarbeiten
Beineinrichter - beschränken ihr Können auf Verstauchungen, Verrenkungen und Knochenbrüche
Viehdoktoren - behandeln und heilen in erster Linie Tiere
Großmutter/-vater - heilen in der Familie und geben das Wissen an einen Auserwählten in der Familie weiter, sind für die spirituellen und rituellen Angelegenheiten innerhalb der Familie zuständig

Eher spirituell arbeitend sind

Abbeter/Gesundbeter - heilt mit der Kraft seiner Gebete Krankheiten
Warzenwender - beschränkt seine Heilkunst auf Warzen
Medium - beschränkt sich anrufen der Verstorbenen um Botschaften zu übermitteln
Hexenbanner - vertreibt böse Geister und Hexen
Zauberer/in - wird aufgesucht bei Liebesproblemen, Unglück und ähnlichem, verwenden überlieferte Riten und Zaubersprüche, bringen Gesundheit auf spiritueller Ebene
Wahrsager - Zukunft schauen, Orakel befragen

Traditionellerweise sind hier noch die Hebammen zu erwähnen, die Geburtshelfer für Mensch und Tier. Unter Bauerndoktoren versteht man im Volk die eher manuell arbeitenden, und unter Hexen und Zauberer die eher spirituell arbeitenden. Natürlich sind hier die Grenzen nicht zu streng zu sehen; so kann eine Kräuterfrau auch wahrsagen und mit Zaubersprüchen in Verbindung mit Kräutern heilen.


Wann machen die das?
Alle weisen Männer und Frauen sind an die Jahresstruktur gebunden und halten sich an überlieferte, noch heute gebräuchliche magische Termine um ihrer Arbeit die notwendige Kraft zu verleihen. Grundsätzlich wird das ganze Jahr über gearbeitet, aber es gibt besondere Termine.
So arbeiten Abbeter mit den Mondphasen, für Kräuterfrauen gibt es zusätzlich zum Mond noch weitere bedeutende Zeiten wie z.B. die Frauendreißiger-Tage. Großmutter/-vater z.B. treibt in den Raunächten nicht nur die bösen Geister aus, sondern ruft sich die guten Geister in ihr Haus. Zauberer/innen haben über das Jahr verteilt fixe Versammlungstage für gemeinsames magisches Arbeiten und Wissensaustausch. Diese Versammlungstage sind wohl zu trennen von den Festen im Jahreskreis, selbst wenn die Termine sich schneiden.

Es gibt hierzulande die Sonnen-, Mond-, und Sternenfeste (die vermutlich vereinfacht in Form der 8 Jahreskreisfeste von den modernen Hexen übernommen wurden), als Beispiele: Johannistag/-nacht (Sonnenfest), Ostern (Mondfest), Lichtmess (Sternenfest)
Diese Feste werden unter anderem von den Heilern/innen und Zauberern/innen sowie auch vom Volke genutzt um Rituale abzuhalten (z.B. für eine gute Ernte), aber auch um Göttern und Geistern zu opfern (um sie wohl zu stimmen) und nicht zuletzt, um gemeinsam zu feiern. So bringt die Pudelmutter noch heute häusliches Glück, die Aufhocker bringen unruhige Nächte, die Hauskoberchen treiben Schabernack und St. Andreas lässt in die Zukunft blicken.


Die Gegenwart
Natürlich hat sich zu den alten Traditionen laufend neues dazugemischt und das System hat sich so weiterentwickelt wie das ja vermutlich wohl auch in anderen Kulturen üblich ist. Sicherlich den größten Einfluss hatte hierzulande das Christentum; wir stehen dem Christentum, so wie es vom Volk praktiziert wird und wurde jedoch nicht feindlich gegenüber, im Gegenteil, wir sind eher dankbar, da es uns die alten heidnischen Glaubensinhalte zu einem beträchtlichen Teil konserviert hat.

Es ist uns während des Verfassens dieses Artikels leider klar geworden, das wir hier wirklich nur kleine Einblicke geben können, werden aber gerne eure Fragen beantworten!


Abschließend noch was zum Nachdenken
"Der Glauben macht die Kunst ganz" lautet eine bäuerliche Redensart. (Karl Reiterer)
"Darin waren unsere Vorfahren klüger als wir, denn in ihrem Universum ließen sie sehr viel Platz frei für die Magie, warnten aber jedermann, sich davor in acht zu nehmen.(J.B. Priestley)

Falls ihr an Timke und Kriss Fragen habt, dann könnt ihr diese gerne bei uns im Forum stellen


Timke & Kriss


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