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Neuheidentum vs. Shinto: Heilige Gegenstände

Anufa durfte diesmal einen Artikel von Megan übersetzen, die sich Gedanken über die Unterschiede zwischen Neuheidentum und Shinto, in Bezug auf heilige Objekte gemacht hat. Vielen Dank für die ArtikelSpende, Megan!

In meinem Blog habe ich schon viel über die Gemeinsamkeiten zwischen Neuheidentum und Shinto geschrieben, weil ich denke, dass sich da wesentlich mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede ergeben. Aber natürlich gibt es Unterschiede, mit denen es manchmal problematisch ist umzugehen, sofern beide Religionen gemeinsam praktiziert werden. Ich dachte, dass es spannend wäre, einige dieser Unterschiede genauer zu betrachten.

A kamidana (household shrine) with ofuda charms. By shig2006 from Hitachinaka, Ibaraki, CC Wikimedia Commons
A kamidana (household shrine) with ofuda charms. 
By shig2006 from Hitachinaka, Ibaraki, CC Wikimedia Commons


Das Konzept und die Behandlung heiliger
Gegenstände

Im Shinto sind heilige Gegenstände für die Praxis zentral. Beispielsweise sollte jeder "kamidana" (Hausaltar) „ofuda“ beinhalten – ein Zauber aus Papier oder Holz, mit einer Inschrift, der üblicher Weise, ausser Sicht im "kamidana" aufgewahrt wird. Das „ofuda“ wird von einem Shintoschrein geholt, wo es hergestellt und ordungsgemäss gesegnet wurde und es ermöglicht die Kommunikation mit den Kami. Tatsächlich könnte man sagen, dass ein "kamidana", ohne „ofuda“ überhaupt kein "kamidana" ist. Erst „ofuda“ macht einen wirklichen "kamidana" daraus.

Eins weiter als „ofuda“ ist „shintai“ - ein Gegenstand, der die Essenz der Kami beinhaltet. Dieser repräsentiert nicht nur die Kami – er verkörpert die Kami tatsächlich. „shintai“ kann ein Gegenstand aus der Natur sein (ein Baum, Wasserfall, Berg, etc.) oder er kann dadurch erschaffen werden, dass die Kami gebeten werden, sich von „shintai“ in den nächsten zu „verdoppeln“ (ein Vorgang, der „bunrei“ oder „wakemitama“ genannt wird, beides bedeutet „die Seele teilen“). Um „wakemitama“ zu leiten muss man ordinierter Shinto-Priester sein.

Ob sie nun in einem Haualtar oder einem großen öffentlichen Shinto-Schrein „jinja“ zu finden sind, „shintai“ werden mit großem Respekt behandelt. Es gibt viele Regeln die Örtlichkeit und das Set-up des Schreines, der ein „shintai“ enthält, betreffend, die auch beinhalten, dass „shintai“ vor den Augen gewöhnlicher Menschen verborgen sein soll und grundsätzlich nur Shinto-Priester die Tore zum Raum, in dem sich das „shintai“ befindet, öffnen dürfen und das auch nur zu gewissen Zeiten.

Dieses Konzept von „shintai“ ist keines, das im Neuheidentum des Westens zu finden wäre. Heilige Gegenstände gibt es durchaus, aber sie sind völlig anders. Wie im Shinto, werden auch im Heidentum Naturgegenstände als heilig angesehen, manchmal wird auch von Animisten geglaubt, dass sie Wesen beheimaten können, aber die Erschaffung eines heiligen Objekts erfordert im Heidentum meines Wissens nach, keinerlei „geteilte Seele“ von einem anderen Objekt. Stattdessen segnen oder weihen Heiden (speziell Wicca) ihre Werkzeuge, die sie für Zauber oder Ritual verwenden wollen, selber (eher als irgendeine Art von Priester dies machen zu lassen). Das passiert durch Imprägnieren mit der Kraft der Elemente, die rund um uns angenommen werden, überall und nicht bezogen auf ein bestimmtest Objekt. Geweihte Gegenstände werden respektvoll behandelt aber es gibt keine konkreten Regeln, wie genau ein derartiger Gegenstand aufzubewahren oder zu behandeln wäre. Zusätzlich würden viele Heiden auch sagen, dass die geweihten Gegenstände auch Kraft von ihnen selbst beinhalten würden, vom Besitzer des Werkzeugs, weswegen es auch im Heidentum tabu ist, ohne vorher zu fragen, heilige Gegenstände von Heiden anzufassen.

Im Neuheidentum werden die Gegenstände oft als Repräsentanten von Gottheiten angesehen, eher als dass sie einen Teil der Gottheit selbst enthalten würden. Es ist üblich, dass Heiden ihre Andacht auf Statuen oder Bilder von Gottheiten auf heidnischen Altären, oder anderen Gegenständen, die ihre Götter repräsentieren, richten. Aber Heiden würden wohl eher darauf bestehen, nicht zu glauben, dass die Staute selbst die Gottheit wäre, sondern nur als Erinnerung an die Gegenwart der Gottheit dienen würde - ein Fokus für Gebete und Opfer. Die Gotteheiten selbst werden als immanent angesehen oder als in „anderen Gefielden“ weilend; die Statue ist ein Weg das Unsichtbare und Verborgene für uns Sterbliche zugänglich zu machen. Weil dieses Objekt also eine Repräsentation einer Gottheit ist, wird es mit einer bestimmten Art von Respekt betrachtet, hat aber gemeinhin nicht die gleiche Ebene an Regeln und Etikette zu erwarten, als ein Shinto „shintai“ - bei dem es sich ja um mehr als eine Repräsentation handelt.

Als Praktizierende beider Systeme, ist diese Kluft für mich manchmal schwierig zu überbrücken. Für meine Hauptgottheit, Inari Okami habe ich zur Zeit keinen „kamidana“, stattdessen einen Altar, auf dem ich Inari Okami durch zwei kleine Fuchsstatuen repräsentiere, die man oftmals in Japan in Inari-Schreinen findet. Ein strikter Shinto würde das wahrscheinlich beunruhigend finden. Das Problem dabei ist, dass die Fuchsstatuen in den Inari-Schreinen von den Shinto-Priestern nicht als heilige Gegenstände angesehen werden. Sie werden nicht einmal als Repräsentation von Inari gehalten; sie werden als Inaris Boten oder Wächter ihres Schreins gehalten. Indem ich meine Andacht und meine Opfer an die Fuchsstatuen richte, eher als an „ofuda“ oder „shintai“ (wie ich es früher gemacht habe), behandle ich die Statuen, in den Augen eines Shintoisten, als Kami. Das ist aber nicht der eigentliche Weg Kami zu verehren.

Mein alter Gartenaltar für Inari Okami, mit den Herbstopfern für Mabon
Mein alter Gartenaltar für Inari Okami,
mit den Herbstopfern für Mabon

Wenn ich aber Opfer vor die Fuchsstatuen lege, dann tue ich das in neuheidnischer Tradition und in diesem Mindset und nicht im Shinto-Glauben. Meine Wahrnehmung von Inari ist von meinen neuheidnischen Glaubensvorstellungen beeinflusst; Ich glaube, dass Inaris Essenz überall rund um mich zu finden ist und darüber hinaus macht sie sich in der Form realer Füchse bemerkbar, die bei unserem Haus wohnen. Aber ich weiß, dass weder die Fuchsstatuen noch die lebenden Füchse Inari sind, sie repräsentieren für mich die ungreifbare Präsenz der Gottheit auf eine Weise, dass ich als Mensch sie verstehen und verehren kann.

Aber die Dinge verändern sich für mich gerade. Nach vielen Überlegungen, habe ich mich dazu entschieden einen ordnungsgemäßen „kamidana“ zu beschaffen, „ofuda“ und all die anderen erforderlichen Dinge, die für eine ordentliche traditionelle Shinto-Praxis erforderlich sind. Das ist aber eine persönliche Entscheidung. Ich habe keinerlei Problem mit Leuten, die Kami in einer neuheidnischen Weise verehren wollen, indem sie Symbole verwenden anstatt „ofuda“ um die Gegenwart der Kami zu repräsentieren. Die wahre Essenz von Shinto und Neuheidentum, daran glaube ich, ist der ernsthafte Wille – wenn man sich den Kami respektvoll nähert um sie zu Ehren, dann ist die Form und Art der persönlichen Praxis nicht wirklich wichtig.


Megan Morgan


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