In memoriam Madame Mim:: Betreuung gesucht für WurzelWerk's
Interview mit Georg Rohrecker von Alexandra Bader - als Ergänzung zu Aku´s Buchbesprechung «Druiden - Wilde Frauen - Andersweltfürsten» von Georg Rohrecker.

Trotz Ausgrabungen und Geschichtsforschung verbinden die meisten ÖsterreicherInnen mit KeltInnen Frankreich und Grossbritannien, obwohl der alpine Raum lange vor Westeuropa deren Siedlungsgebiet war. Dadurch sind wir uns der starken Frauen und Göttinnengestalten in unserer Vergangenheit nicht bewusst, auf deren Spuren der Salzburger Autor Georg Rohrecker wandert...


Sie schreiben zu Beginn von «Druiden - Wilde Frauen - Andersweltfürsten», dass sich die ÖsterreicherInnen im Gegensatz etwa zu den Menschen in Frankreich und Grossbritannien ihrer keltischen Wurzeln nicht bewusst sind, obwohl "das eigentliche Kernland der Kelten die Alpen waren". Woran liegt das?
Seit der Besetzung der Ostalpen durch die Römer (15 v.Chr.) wurde unseren Vorfahren die keltische Identität Schritt für Schritt ausgetrieben. Die Ausschaltung der DruidInnen per "Berufsverbot" bedeutete die Liquidierung der keltischen Intelligenz. Während die keltischen Frauen über das halbe Jahrtausend römischer Besatzungszeit zwar stolz ihre "Norischen Hauben" auf dem Kopf behielten, zogen ihre Männer - zumindest in den Zentren - ihre keltischen Hosen aus und die römische Toga an. Ab dem 4. Jahrhundert übernahm der römisch-katholische Klerus in kaiserlichem Auftrag das Monopol des Staatskultes im Römischen Reich und ließ alle anderen Weltanschauungen verfolgen und ihre AnhängerInnen vernichten.
Dann kamen diverse - buchstäblich von Cäsarenwahn angetriebene - "Germanen"-Häuptlinge mit ihren Horden, die sich bis hin zu Karl dem großen Schlächter der ideologischen Unterstützung der römisch-katholischen Kirche und ihrer "Missionierung" genannten Versklavung bedienten. Dann kamen nach diversen Hexenjagden schließlich spät aber doch noch die "Reformation" und die "Aufklärung". Da waren die Österreicher aber bald "rekatholisiert" oder auf "neuheidnisch-antiklerikale" Heilserwartungen aus dem "germanischen Norden" fixiert. So viel Gehirnwäsche blieb den ehemals keltischen "Randgebieten" in Irland, Schottland, Wales, der Bretagne usw. erspart.

Wie kommt man eigentlich dazu, sich auf die Suche nach den verborgenen keltischen Wurzeln zu machen? Wird eine solche Beschäftigung nicht leicht als esoterisch oder reaktionär abgewertet?
Allgemein kann ich das nicht sagen; ich, Georg Rohrecker, von meiner Mutter vor 55 Jahren in Salzburg geboren, komme oder kam zu unseren keltischen Wurzeln, weil ich mich mit den reichen (kunsthistorischen) Schätzen der katholischen Kirche in und rund um Salzburg beschäftigte, und sie schon deshalb mitgenießen wollte, weil sie ja ohne "Blut, Schweiß und Tränen" meiner/unserer Ahnen nie zustande gebracht worden wären. Da fiel mir - u.a. mit Hilfe von Göttner-Abendroth ("Die Göttin und ihr Heros") auf, was z.B. hinter meinem "Namenspatron" Georg steckt, warum er wo massiert auftritt, was da bei uns vor dem kleinasiatischen Fruchtbarkeitsheros war - und auch warum die diversen "Heimatbücher" mit ihrer Verbeugung vor der ("reaktionären") "Germanisiererei" des Faschismus bei uns völlig daneben liegen. (Von wegen "Germanisches Volks- und Brauchtum" - so "tümlich" ist "das Volk" wirklich nicht!)

Sie legen bei den von Ihnen entschlüsselten Sagen und Überlieferungen besonderen Wert auf die ganz andere Rolle der Frauen in früheren Zeiten. Wie dürfen wir uns das Leben einer keltischen Frau in den Alpen vor zweitausend, dreitausend Jahren vorstellen?
Oh jeh! Besonderer Wert ja, aber so toll dürfte es der durchschnittlichen Keltenfrau vor zwei, dreitausend Jahren gar nicht ergangen sein. Sie hatte sich sicher - wie ihr Mann - ordentlich abzuraufen. Milch und Honig flossen in der "Anderswelt", dem Zwischenstopp der verstorbenen KeltInnen-Seelen bis zu ihrer irdischen(!) Auferstehung. Aber im keltischen Weltbild nahm die Frau auch in den Alpen die zentralen Rolle ein. Zuerst eine einfache Urmutter Erde, dann eine dreifache ewig junge und schöne Mutter- und Schutzgöttin, neben der Männer nur untergeordnete Rollen spielen konnten, das war zumindest ein ermutigendes Bild für die keltischen Frauen.
Daraus begründeten sich ihnen auch gewisse "Freiheiten" - z.B. bei der Wahl von Liebes- und Ehepartnern - von denen ihre Geschlechtsgenossinnen in anderen Kulturen nur träumen konnten. Die alte Frauen- und Schutzgöttinnen-Trinität hat sich übrigens bis heute erhalten. Sie steckt in jedem "K+M+B", das von keinen königlichen Kasperln kommt, sondern von den getauften "Drei Heiligen Madln" Katharina+Margartha+Barbara.

Welche Inspiration können die in Sagen verborgenen starken Frauen den Frauen von heute bieten, die sich ansonsten in britannische Mythenwelten wie die "Nebel von Avalon" vertiefen?
Ich kann den "Frauen von heute" natürlich nicht Wegweiser sein, in den um sie entfalteten Nebeln und Vernebelungen bis hinein in den globalisierten Buchmarkt. Den starken österreichischen Frauen um mich wünsche ich aber, dass sie - vielleicht mit Hilfe meines Buches und den darin entschlüsselten "Botschaften" - Anschluß zu ihren starken, "wilden" (weil von Männern weitgehend "ungezähmten") Ururgroßmüttern finden, denen mein Respekt auch deshalb gilt, weil sie es waren, die im Gegensatz zu ihren zahmen bis lammfrommen Männern - siehe oben - ihre Identität nicht opportunistischer "Mode" oder Geschäftemacherei preisgaben.

Sehen Sie schon einen Wandel im Bewusstsein für die eigene Geschichte oder ist das Verstehen der meisten Menschen noch immer im wahrsten Sinne des Wortes römisch-katholisch geprägt?
Einen Bewußtseinswandel kann ich leider nicht erblicken. Nicht, weil der römisch-katholische Blickwinkel noch so stark wäre, oder seine faschistoide "Antithese". Solange aber dazwischen auf den ostalpinen Olymps von Kultur, (Aus-) Bildung und Wissenschaft kaum etwas anderes Platz hat, wird auch ein - übrigens schönes - "Sagenbuch" daran nichts ändern.

Gibt es Forschungen, die zu einem revidierten Keltenbild beitragen, auch durch neue Funde wie etwa das reichhaltige Frauengrab am Dürrnberg, das vielleicht das einer Priesterin war?
Das angesproche Frauengrab enthielt tatsächlich einen "Kultstab", der in bezaubernd schöner Deutlichkeit klar machen könnte, worin der Zusammenhang zwischen einer (dort symbolisch und "multifunktional" dargestellten) Spindel, dem damit gedrehten "Zwirn" (doppelt gedreht), den "Schicksalfäden" unseres Lebens, und den weis(s)en Frauen, den mythologischen Schwestern von Ariadne mit ihrem bekannten "Faden" und deren PriesterInnen besteht. So weit sind wir aber vielleicht noch nicht - zumindest so lange unsere keltische Identität am Dürrnberg im Schatten geplanter landesfürstlicher Prunkbauten am und im Salzburger Mönchsberg stehen muß.

Welches Feedback bekommen Sie für Ihre Arbeit? Können Sie Vorurteile abbauen gerade auch bei jenen, welche Kelten gerne als wilde Barbaren der Vorzeit betrachten und sich selbst eher als Nachfahren der "kultivierten" Antike sehen?
Zwar waren die Kelten in vielen Bereichen "kultivierter" als ihre römischen Eroberer, allen voran Kriegsverbrecher Caesar. Doch auf dessen "Mein Kampf in Gallien" werden leider heute noch Bildung und Kultur der österreichischen MittelschülerInnen und AkademikerInnen aufgebaut, während die eigene Identität nur auf Umwegen erschlossen werden kann. - Wobei ich hoffe, dass der über mein Buch nicht nur ein - einerseits ganz ohne Wünschelruten und Erdstrahlen, andererseits ohne intellektuellem Bierernst - wegweisender sondern auch ein humorvoller ist.

Copyright Alexandra Bader für die CeiberWeiber


Anufa


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