In memoriam Madame Mim::
Rede an die Rechit

Angesichts der erschreckenden Geschehnisse der letzten Tage, Wochen und Monate kann ich nicht länger schweigen und muss meine Worte an Euch richten.

Beschimpfe keinen einfachen Mann, denn Beleidigungen führen zu Schlägerei,
und Schlägerei führt zu Mord.
Sei nicht überheblich und arrogant,
beurteile nichts ohne es zu kennen,
verurteile niemanden ohne ihn zu hören.
Siehe, man kämpft auf dem Kampfplatz, denn das Gestern ist vergessen.
Nichts gelingt dem, der den nicht mehr kennt, den er gekannt hat.
Verhülle dein Angesicht nicht gegenüber dem, den du gekannt hast,
sei nicht blind gegenüber dem, auf den du geblickt hast,
stoße nicht zurück den, der sich bittend an dich wendet.
Wenn du in einer Stellung bist, dass man sich an dich wendet,
dann sollst du hören auf die Worte des Bittstellers.
Weise ihn nicht ab, bis er seinen Leib ausgefegt hat von dem,
was er sich zu sagen vorgenommen hat.
Wer Kummer hat, möchte lieber sein Herz erleichtern als Erfolg haben mit dem,
weswegen er gekommen ist.
Nicht alles, worum er bittet, kann erfüllt werden. Das weiß auch er.
Aber schon gut Zuhören tut seinem Herzen wohl.
Schneller ist die Rede eines, dessen Herz geschädigt ist, als Wind und Regen.
Er wird zerstört und er wird erbaut durch seine Zunge
und doch spricht er mangelhafte Rede.
Er gibt eine Antwort, die Prügel verdient, indem ihre Fracht Schädigung ist.
Er macht eine Fahrt unter den Menschen, indem er falsche Rede geladen hat.
Er ist ein Fährmann, der von Worten gefangen ist, er wird umgetrieben im Streit.
Er ist wie ein junger Wolf in der Viehherde.
Und so wird Maat gegeben dem, der tut, was geliebt wird.
Und so wird Isfet gegeben dem, der tut, was gehasst wird.
Und so wird Leben gegeben dem Friedfertigen
und Tod gegeben dem Rebellischen.

Tausende weitere Zitate aus den alten Lehren Kemets könnte man hier anführen, dennoch wäre die Botschaft immer nahezu dieselbe. Der Blick aus dem Fenster hinaus auf die Straße und in die Welt hinein zeigt uns aber leider deutlich dass die Menschen den Inhalt dieser einfachen Lehren für ein respektvolles Zusammenleben in einer Gesellschaft mittlerweile verdrängt oder gar gänzlich vergessen zu haben scheinen.

Redner aller Gruppierungen, Parteien und Minderheiten; dies ist kein Phänomen einzelner Gruppen sondern es durchzieht die Gesellschaft gerade wie ein roter Faden; verbreiten ihre Hetze im ganzen Land, entfachen damit Hass und Missgunst und stacheln eine Minderheit gegen eine Andere auf, Hilfesuchende und Flüchtende werden zu Feinden gemacht, Andersgläubige werden dämonisiert und denunziert, Randgruppen noch weiter ausgegrenzt. Mit vollen Händen wird Angst geschürt und Hass gesät und wenn diese Saat aufgeht, erblüht Terror und Gewalt was schlussendlich zum Mord führt.

Wo bleibt bei all dem künstlich geschürten Hass die Menschlichkeit? Ist das wirklich die Art von Gesellschaft in der wir alle gemeinsam leben wollen? Wo jeder, der auch nur ansatzweise anders ist als die breite Masse Furcht haben muss vor Beleidigungen, Denunziation, Ausgrenzung oder Verbalattacken und gewaltsamen Übergriffen bis hin zum Mord?

Wollen wir wirklich in so einer Welt leben, in einer Welt in der man Angst haben muss zu zeigen wer und wie man ist oder in der man sich fürchten muss offen zu sagen was man denkt?

Wenn ein jeder ehrlich zu sich selbst und zu den Menschen in seiner Umgebung ist, dann wird er zugeben müssen, dass auch er selbst auf die eine oder andere Weise zu der einen oder anderen Minderheit oder gar Randgruppe gehört. Wir Menschen sind nicht alle gleich und wir werden nie alle gleich sein. Diese Unterschiede allerdings machen uns weder besser noch schlechter als die Anderen und sollten einfach respektiert werden.

Ist es denn fair, nur um von der eigenen Andersartigkeit abzulenken und um diese zu überdecken Andere, die ebenfalls ein wenig anders sind als die Masse, zu beleidigen, sie zu Feinden zu stilisieren oder ihnen gar Gewalt anzutun?

Wer gibt einem Menschen das Recht sich aus ideologischen oder religiösen Gründen über einen anderen Menschen zu erheben, nur weil er anders ist?

Keine Religion der Welt, ganz gleich aus welcher Zeit und welcher Gegend sie auch immer stammen mag und ganz gleich wer auch immer versucht sie für sich zu instrumentalisieren, heißt derartige Barbarei gut. Und wer behauptet dass seine Religion ihm diese Bösartigkeiten, diesen unmenschlichen Hass und diese rohe Gewalt anderen gegenüber abverlangt, der lügt und hat nichts von den grundlegenden moralischen Werten einer jeden Religion verstanden.

Es geht hier nicht um Toleranz, denn Toleranz meint aufs Wesentliche heruntergebrochen nur etwas schlecht zu finden, es stillschweigend hinzunehmen aber nicht zu sagen dass man es schlecht findet. Es geht um Akzeptanz und Respekt. Akzeptieren und respektieren kann man allerdings nur das, was man kennt. Wer glaubt was einem die Hetzprediger einimpfen und diesen dann blind folgt ohne selbst darüber nachzudenken und für sich selbst zu hinterfragen was das Gesagte bedeutet und welche Folgen das hat, der ist entweder zu dumm um zu verstehen oder zu faul und zu bequem sich eine eigene Meinung zu bilden. Beides ist schlecht. Dabei sind die Dummen ohne Schuld, was sie aber nicht weniger gefährlich macht.

Wer sich einreden lässt, dass die Religion einer Minderheit eine Gefahr darstellt und wer sich einreden lässt dass Menschen, die aus Angst vor Krieg und Terror aus ihrer Heimat geflohen sind und bei uns Schutz suchen die Gesellschaft zerstören könnten, sollte sich, bevor er laut brüllend auf die Straßen geht und versucht einen imaginären Feind durch sinnleere Parolen zu beleidigen, die Mühe machen sich zu informieren wogegen er sein Wort erhebt. Nur weil einige wenige Fanatiker, die ihren eigenen Glauben und dessen moralische Grundsätze nicht mal ansatzweise verstanden haben, falsch handeln und Böses tun sind nicht gleich alle Anhänger dieser Religion auch schlecht.

Nur weil ein Hund einen Menschen angefallen hat sind doch nicht gleich alle Hunde gefährlich, nur weil ein Mann eine Frau geschlagen hat sind doch nicht alle Männer gewalttätig, nur weil ein Bettler einen Menschen bestohlen hat, sind doch nicht alle Bettler Diebe.

Die Saat des Hasses und der Angst fällt auf fruchtbaren Boden wenn die Menschen sich nicht mehr die Mühe machen eigenständig zu denken und dieses Denken dann einigen selbsternannten Führern überlassen, wenn sich die Menschen aus Bequemlichkeit das Heft des Handelns aus der Hand nehmen lassen und aufhören für sich selbst zu bestimmen was sie gut oder schlecht finden oder was richtig und falsch ist. Jeder ist für seine Taten selbst verantwortlich und auch für das was er unterlässt zu tun, wenn es eigentlich an der Zeit wäre zu Handeln.

Das Denken kann einem niemand abnehmen und die Verantwortung für sein Handeln auch nicht.

Auch wir sind eine religiöse Minderheit, doch wünsche ich mir dass wir alle, egal welcher Minderheit oder Randgruppe wir auch immer angehören mögen, uns nicht einschüchtern lassen, dass wir uns nicht beherrschen und unterdrücken lassen durch die Angst vor fanatischen Irrläufern, dass wir uns nicht vertreiben lassen aus einer Gesellschaft, die uns und allen anderen Menschen hier so lange Frieden und Sicherheit bot.

Ich wünsche mir, dass wir als Minderheit auch nicht aus Angst stillschweigend dabei zusehen wie einige wenige Verwirrte diese Gesellschaft, die auch unsere Heimat ist, in den Untergang reißen.

Wir alle haben eine Stimme, und wir alle können „nein“ sagen zu dieser barbarischen Entwicklung von Hass, Gewalt und Missgunst. Wir können ein gutes Beispiel abgeben und zeigen dass wir nicht stillschweigend hinnehmen werden, wie die Welt in der wir leben von radikalen Islamisten, Salafisten, Antisemitisten, Rassisten, Homophobikern oder anderen Fanatikern allgemein in Chaos, Angst und Terror gestürzt wird.

Tränen für die unschuldigen Opfer dieses Wahnsinns, und Tränen für die verblendeten Täter, die nicht verstehen was sie sich selbst und denen in ihrer Umgebung antun.

Hilf denen, die Hilfe suchen.
Höre die an, die um Gehör bitten.
Schweige nicht aus Angst wenn Dir Unrecht begegnet.


Merienptah


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