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Das Mariendilemma

Dieser Artikel beschäftigt sich mit einem Problem, das vielleicht einige aus eigener Erfahrung kennen. Das persönliche Empfinden läuft der Sozialisation quer ...

Für jene welche mich vielleicht noch nicht kennen und verstehen möchten, warum es für mich ein Mariendilemma ist (Danke an Anufa für diesen Titel), eine kurze Erklärung wer ich bin:
Bürgerlich bin ich ein Sascha, aber die meisten kennen mich als Mo (von Mondfeuer) aus diversen Foren und vielleicht sogar aus so mancher Facebook Gruppe. Seit mehr als 15 Jahren bin ich im Hexentum und dem Schamanismus „zu Hause“ und gehe meinen Weg. Das ganze besteht aus regelmäßiger Schamanerei, Rituale und Feste im Jahreskreis aber auch den Phasen menschlichen Lebens sowie meiner innigen Verbindung zu Hekate.

Gestern schrieb ich einen Text in welchem ich meine Gedanken fest hielt, welche ich im Bezug auf die Gestalt/Wesenheit Maria habe, wie die christliche Kirche sie kennt. Also, folgender Text (von mir) enthält Spuren von "Eso-Heiden-Phrasen", diese bitte nicht zu ernst nehmen.

Maria copyright Mo
Maria © Mo

Maria

Von klein auf habe ich eine gewisse Affinität zu Mariendarstellungen. Als ich dann irgendwann mit dem Hexentum in Kontakt kam, erklärte ich es mir damit, dass das schlicht meine Sehnsucht nach dem weiblichen Teil der Göttlichkeit war, welchen ich in der Göttin gefunden hatte. Doch es ließ mich nie los. Bis heute nicht. Ich mag Mariendarstellungen (ohne Kind) sehr, finde sie ansprechend, auch wenn ich das was dahinter liege nicht mag. Weiblichkeit, ihrer Weiblichkeit entrissen, verhüllt, das wohlgefällige Weib zu sein, ohne Sexualität, Eigenmacht, Wille und Stärke. Das ist es was mich immer wieder abstößt.
In der letzten Woche stand ich zwei mal in einem Geschäft in welchem derzeit ca. 30 cm große Marienfiguren für ´ne kleine Mark verkauft werden. Einmal ´ne Herzmaria und einmal die "übliche" in marienblauem Gewand. Ja, ich habe schon einige Marienfiguren gekauft, doch nie als solche belassen, sondern immer die Göttin wieder aus ihr heraus geholt. Mit Farben, Attributen, die ich ihr gegeben habe, sie zur Hekate oder Santa Muerte gemacht, wo sich diese Form sehr für eignet.

Und dennoch lässt es mich nicht los wieder eine Marienfigur zu kaufen. Irgendwas ist da, das mich anzieht, in den Bann zieht und nicht loslässt.

In meiner Praxis mit Santa Muerte habe ich es adaptiert auch Maria von Guadeloupe und dem Erzengel Michael mit einzubeziehen, weil die beiden eng mit dem Kult um La Flakita verbunden sind. Mit Michael verbindet mich eine lange Geschichte, welche ich hier nicht näher erörtern möchte, bei Maria sieht das anders aus. Es ist oftmals schon fast widerwillig dass ich die Kerze für sie entzünde und Worte an sie richte.
Ein Teil in mir fühlt sich schlecht deswegen. Schlecht sie überhaupt in meiner Praxis zu haben, wo sie doch so viel von dem widerspiegelt was einer Göttin zuwider ist und schlecht deswegen, weil da dennoch etwas ist, das mich anzieht wie die Motten das Licht. In der Santeria werden diverse Mariendarstellungen als Maske für Orishas verwendet, da wird aber eben auch nicht zur Maria gebetet oder mit ihr gearbeitet, da ist es nur die Maske die genutzt wird, in der Vergangenheit genutzt werden musste und heute von manchen Häusern so weitergeführt wird.
In meiner Praxis brauche ich das aber nicht, da ist es nicht nötig das zu tun, da spreche ich die Göttinnen direkt an, ihre unbändige Kraft, Macht und heilige Weiblichkeit, die eben nicht von männlich-patriarchalen Bildern zurecht geschnitten wurde. Meine Geister meinten beim letzten Mal als ich vor einer Figur stand, dass ich doch einfach eine mitnehmen solle, überpinseln und ´ne Göttin aus ihr machen könnte ich immer noch. Hab ich aber nicht gemacht, wollte ich nicht, weil es mir wie eine Beleidigung meinen Göttinnen, allen voran Hekate gleich kommt vom Gefühl, auch wenn sie da vermutlich die entspannteste von allen wäre.

Wenn mir andere Hexen erzählen (meist aus dem US Raum) dass sie auch mit Maria arbeiten wie mit anderen Göttinnen, eben für Themen wie Frieden, Hausschutz und Segen u. ä. dann habe ich diese Gefühle überhaupt nicht, da finde ich das irgendwo sogar schön.

Normalerweise bereise ich Themen wenn sie mich derart wurmen und im Bann halten, doch dieses mal will ich das schlicht nicht. In meinem letzten Zirkel hatten wir eine dabei, für die es normal war sonntags in die Kirche zu gehen, zu Heiligen zu beten und dennoch zu praktizieren, mit Gottheiten zu arbeiten und einen Draht zu ihnen zu pflegen. Das war für mich ebenso in Ordnung, doch sobald es um mich und meine Praxis geht will ich das nicht mehr.

Vor Jahren erzählte mir eine Bekannte von einer Marienfigur, die sie von ihrer Großmutter hat, mit zwei Opferschalen, die sie mir geben wollte. Ein Teil freute sich darauf, ein anderer war abgeschreckt. Bekommen habe ich sie nicht. Habe auch nicht nochmal nachgefragt.
Aber es ist nach wie vor in meinem Kopf. Ich weiß nicht ob es nicht sogar eine Art Angst/ Furcht ist, vor dieser doch sehr sanften, ruhigen und weichen mütterlichen Kraft die sie ausstrahlt und für viele ihrer Devotees ist. Vielleicht ist da auch noch ein verkappter Teeniehexenanteil in mir, welcher sich gegen alles "nicht heidnische" wert, besonders wenn es aus institutionalisierter Religion kommt. Keine Ahnung. Aber es beschäftigt mich, so sehr dass ich jetzt, kurz vor halb zwei noch ein paar Zeilen dazu schreiben wollte, weil ich nach wie vor in die Stadt will um solch eine Figur zu kaufen und mich gleichzeitig dafür ohrfeigen könnte.


Mo von Elfhame


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