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Ein Blick auf die Heidenszene ... im Duett   Teil II

Beide sind wir ja nun schon so einige Zeit in dem unterwegs, was mensch landläufig so als "HeidenSzene" betiteln könnte und was wir uns so drüber denken, wollen wir Euch hier in diesem Interview zugänglich machen.

Gibt es für Euch eine ideale Szene? Falls ja, wie würde die für Euch aussehen?

http://www.skulptur-chodakowska.de/en/home/
http://www.skulptur-chodakowska.de/en/home/

Anufa: Die ideale Szene gibt es für mich durchaus – in meiner Vorstellung!! De facto gibt es sie genauso viel oder wenig, wie den idealen Menschen. Die Szene setzt sich ja aus Menschen zusammen … und die Masse macht es, meiner Erfahrung nach, nicht besser (auch wenn mensch von "Masse" in Österreich wohl kaum reden kann).

Wie also schaut meine blauäugige Vorstellung aus?
Mir war immer schon an einer „Entwicklungsgruppe“ gelegen. Deshalb kam mir die Covenstruktur sehr entgegen. Meine Idee war (und ist) dass sich eine Gruppe von Menschen zusammen findet, in der jeder einzelne Willens ist, sich spirituell zu finden und weiter zu entwickeln. Das setzt im Covenkontext voraus, dass ähnliche Vorstellungen über Spiritualität herrschen, eine Grundeinstellung des „guten Willens“ (sowohl der eigenen Entwicklung gegenüber als auch derjenigen der anderen), Ehrlichkeit (vornehmlich sich selber und/aber auch den anderen gegenüber) und Offenheit. Da jeder andere Anlagen mit sich bringt, ergibt sich in der Gruppe eine Vielfalt an unterschiedlichen Lebenszugängen und die bereichern wieder die tägliche spirituelle Praxis (und auch die Weiterentwicklung des einzelnen). Soweit die Theorie ...

Kurz gesagt habe ich um die Jahrtausendwende versucht diese Vorstellung im größeren Maß nach außen zu tragen – aber dazu vielleicht später und vorausschickend, verwirklicht habe ich diese Vorstellungen bleibend leider noch nicht gesehen - was inkludiert, dass ich das selbst auch nicht geschafft habe so eine Gruppe zu finden oder sie selber am Leben zu erhalten.

Sati: Ich muss sagen, meine US Recon Kemetic Community kommt dem schon sehr nahe. Es ist eine lebendige, vielschichtige, tolerante und recht konstante Gemeinschaft. Es wird viel zusammengearbeitet in unterschiedlichen Projekten um z.B. historisches Wissen zu erarbeiten, persönliche Erfahrungen zu teilen, Informationsplattformen zu schaffen, Neulinge aufzufangen und Netzwerke zu bilden. Der einzige Nachteil ist die große Entfernung. Auch in USA sind die Leute ziemlich verstreut und haben so gut wie keine Chance einander zu treffen. Die organisierten Tempel tun sich da schon ein wenig leichter, weil sie oft Treffen im großen Stil abhalten und dazu auch Leute aus Europa einladen.


Was habt ihr für Erwartungen an die Heidenszene gehabt als Ihr dazugekommen seid?

Sati: Gar keine wäre gelogen, aber ich denke, es waren keine besonders ungewöhnlichen. Ich hatte einfach gehofft Leute zu finden, die mit mir meine spirituellen und religiösen Interessen teilen und das auch außerhalb des Internets. Eine ganze Zeit lange habe ich mir auch sehnlichst eine Partnerschaft gewünscht, die das enthält. Ich glaube, ungewöhnlich - oder unrealistisch - war vor allem die Intensität in der ich mir das gewünscht habe. Gefunden habe ich weder das eine noch das andere.

Anufa: Ich denke, dass ich da ganz gut im Durchschnitt liege … natürlich dachte ich, dass „hier“ alles viel besser wäre als „dort“. Mensch kann ja von jemandem, der als Baby getauft wurde und dann eben irgendwie als sozialer Katholik ins nachfolgenden Leben hinein erzogen worden ist, nicht erwarten, sich spirituell großartig betätigen oder einwickeln zu wollen. Dafür waren ja schließlich die Pfarrer, Mönche und Nonnen zuständig …

Natürlich war für mich auch klar, dass die ethischen Grundsätze ebenfalls höher gesteckt sein sollten – weil mensch ja für sich in Anspruch nahm, selbständig zu denken und dem wahren Willen entsprechend zu handeln …

Jetzt ist höchstwahrscheinlich gut vorstellbar, was meine absolut blauen Augen da gehofft hatten zu erblicken!

Häferlorakel - immer ne Interpretationsfrage
Häferlorakel - immer ne Interpretationsfrage

Was habt Ihr gefunden?

Anufa: Dieselben Menschen mit genau denselben Problemen, Bugs, Talenten und Leben wie überall anders auch und genau dieselben invaliden Gruppendynamiken.

Sati: Sehr viel menschliche Abgründe, viel Selbstdarstellung, Intrigen, Rangkämpfe, einige sehr wenige Freundschaften, die etwas länger gehalten haben. Und was mich persönlich inzwischen fürchterlich nervt, so eine ewige kollektive "Heilssuche" und sehr viel Desillusionierung, was vielleicht im Nachhinein nicht nur schlecht war.

Eine ebenfalls in der Heidenszene aktive Freundin von mir pflegte immer zu sagen "In Randgruppen tobt der Wahnsinn." und die Heidenszene scheint tatsächlich so eine Randgruppe zu sein.


Was habt Ihr vermisst?

Sati: Werte. Sowas wie ein grundsätzliches gegenseitiges Wohlwollen, gemeinsame Ziele, Toleranz, menschliche Wärme und Empathie (ohne amateurtherapeutische Ambitionen) und eine gute Portion "common sense". Außerdem Begeisterungsfähigkeit und Motivation etwas Greifbares und Substanzielles zu schaffen, das nicht nur aus leeren Worthülsen und Luftschlössern besteht.

Anufa: Tragfähige Konzepte (die auf Langlebigkeit hoffen hätten lassen), merkbare Änderungen zum Mainstream im Denken und Handeln, kurz gesagt der Outcome von dem, was ich mir unter spiritueller Arbeit damals vorgestellt hatte und bis heute für mich erarbeite, mittlerweile halt ohne Gruppe.


Was war für Euch das lustigste Erlebnis innerhalb der Heidenszene?

Anufa: Für mich war und ist es zwar eher skurril als lustig, ich nenne das „Phasenheiden“. Es fasziniert mich immer noch, wie vielfach die größten Fanatiker „ihre momentane, absolut überlegene Richtung“ bis aufs Blut und mit argumentativen Zähnen und Klauen verteidigen um dann nach ein paar Monaten oder bestenfalls wenigen Jahren ihre Zelte abzubrechen und in völlig entgegengesetzter Richtungen ihre Heimat finden.

Das wiederholt sich dann, bis sie schlussendlich irgendwann wieder im Mainstream untertauchen und z. B. kirchlich heiraten (na weil die Verwandtschaft das sooo gern haben wollte und eigentlich is ja eh alles eins), in der Ostermette sitzen (weißt, da wo ich jetzt wohne, macht mensch das so) oder Weihnachten feiern (ist ja nur wegen der Enkerl).

Sati: Zu dem Zeitpunkt als es geschah, war es eigentlich überhaupt nicht lustig, aber im Nachhinein könnte ich mich darüber kaputtlachen. Ich war gerade Anfang 20 Anfang 20 als ich beschloss eine Ausbildung in Ritualmagie bei den “Servants of the Light School of Occult Science” unter der Schirmherrschaft von Dolores Ashcroft-Nowicki zu beginnen. Die Schule wurde 1965 von Walter E. Butler gegründet, seinerseits Schüler von Dion Fortune. Die Schule bot Fernausbildungen an, die durch ein Tutorensystem organisiert waren, das heisst die höheren Grade betreuten die niedrigeren. Mein Tutor, ein älterer Herr von 72 Jahren, Lehrer im Ruhestand, bedachte mich mit eigenartigen Bastelarbeiten. Ich musste zum Beispiel geometrische Figuren aus farbigem Papier ausschneiden und darüber meditieren. Vor allem aber wollte mir ständig an die Wäsche und faselte dabei irgendwas von Animus und Anima und wie es aussah, war ich dann wohl seine Anima oder so ähnlich. *lach*


Ende Teil II


Anufa & Sat-Ma´at


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