Ein Blick auf die Heidenszene ... im Duett   Teil I

Beide sind wir ja nun schon so einige Zeit in dem unterwegs, was mensch landläufig so als "Heidenszene" betiteln könnte und was wir uns so drüber denken, wollen wir Euch hier in diesem Interview zugänglich machen.
STONEHENGE1_1547890cWer oder was sind für Euch Heiden und wie definiert Ihr „Heidenszene“?

Anufa: Ich, für meinen Teil, bin mit dem Jahren dazu übergegangen, dass ich „Heide“ für andere überhaupt nicht definiere, sondern jeden, der sich selber als Heide bezeichnet auch als solchen einordne. Für mich ist jemand Heide, wenn er keiner (im jeweiligen Land) offiziell anerkannten Staatsreligion angehört und sich selber auch als Heide bezeichnet.

Als Heidenszene betrachte ich dementsprechend alles, was sich selber in diesem Umfeld verortet. So als Beispiel zählen deshalb z. B. viele Magier für mich nicht dazu, weil sie sich selber aus diesem Umfeld herausnehmen und nicht dazugezählt werden wollen

Generell sind – wie im Laufe des Gesprächs wohl unübersehbar – Definitionen in diesem Bereich mehr als weich und subjektiv. Ein Grund, warum sich gerade diese Erscheinungen der wissenschaftlichen Betrachtung so gut wie entziehen. Natürlich gibt es schon Untersuchungen in denen „ Heidenszene“ behandelt wird, aber dabei erscheint es mir sehr wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass es kaum Mittel und Wege gibt zu definieren, wer denn dieser Szene angehören würde. Einzig Ausschlusskriterien wären machbar. So nach dem Motto, wenn jemand bekennender Katholik oder Moslem ist, dann ist er höchstwahrscheinlich kein Mitglied der Heidenszene ...
In jedem Buch über dieses Thema handelt es sich (zumindest die Bücher, die ich bis dato in der Hand hatte) einzig und allein über denjenigen Ausschnitt der dem Autor auch zugänglich/bekannt war.

Sati: Ich glaube, dass sich für mich kaum eine Szene in zwei Jahrzehnten so verändert hat wie die sog. Heidenszene und deshalb fällt es mir wirklich schwer eine einheitliche Definition zu finden. Ich bin mir auch gar nicht mehr sicher, ob ich diesen Begriff eigentlich noch so verwenden möchte, oder ob ich nicht lieber Kemetics, Hellenen, Asatru oder Celtoi, Schamanen, Hexen, Ritualmagier usw. auch als solche bezeichne. Damit habe ich natürlich schon in gewisser Weise fast eine Definition geliefert, was für mich dazuzählt, wobei das eher eine empirische als eine theoretische ist.

Trotzdem benutze ich natürlich auch den Begriff "Heiden" oder "Heidenszene" der Einfachheit halber um eine Gruppierung zu bezeichnen, die sich eben aus sehr heterogenen religiösen und spirituellen Orientierungen zusammensetzt die meist vorchristlich, oft polytheistisch, irgendwie naturbezogen sind und sowohl eine rekonstruktionistische, philosophische oder eklektische Methodik haben können.

Aber in der Praxis ist das wohl genauso definierbar wie das Klientel einer Stammkneipe die "Heidenszene" heißt. Nämlich gar nicht. Man geht rein, trifft Leute, die eben auch da sind, ein paar gehören zur Stammkundschaft, die kennt man dann vielleicht auch näher und andere sind eher Laufkundschaft.

Was zumindest nach meiner Erfahrung untrennbar dazugehört und möglicherweise auch ein entscheidender Faktor für die Entwicklung dieser Szene war, ist das Internet. Manchmal erscheint es mir als ob Heidentum sich ohnehin zu zwei Dritteln online abspielt - egal ob nun damit gehadert wird oder nicht. Ich habe mich inzwischen gut damit angefreundet und meine Online-Aktivitäten integrieren sich recht gut in meinen realen Alltag.


Zählt Ihr Euch zur Heidenszene? Wenn ja, warum - wenn nein, warum nicht?

Sati: Offen gesagt, inzwischen nicht mehr. Aber zuvor hatte ich mich eigentlich immer dazu gezählt. Das war erstaunlicherweise noch sehr viel leichter, als ich meine persönliche Richtung noch nicht gefunden hatte. Ich habe das Gefühl je stärker man in seiner persönlichen Richtung verwurzelt ist geht umso mehr wird man aus dem Kern der ewig suchenden Heidenszene ausgestoßen. Die endlose Selbstfindung scheint irgendwie ein unausgesprochener Konsens zu sein. Ein ehemaliger Bekannter von mir, der mal kurz in die Szene reingeschnuppert hatte um zu sehen, ob das was für ihn ist, fasste das mit einem Satz zusammen, den ich ziemlich treffend fand. "Hauptsache man ist irgendwie gemeinsam auf der Suche, nur irgendwo angekommen sein darf man auf keinen Fall, dann gehört man nicht mehr dazu."

Anufa: Ich möchte noch Satis Hinweis auf die Bedeutung des Internet kurz aufgreifen. Für mich war das Netz eine mehr als willkommene Kommunikationsmöglichkeit. Es war dadurch auf einen Schlag möglich weltweit (was besonders für mich als Gardnerische eine enorme Erleichterung war) Kontakte zu knüpfen und dadurch war es möglich Mythen und Legenden als solche zu erkennen und Sachverhalte grundlegend klären zu können.
Den Vergleich mit dem Stammbeisel finde ich übrigens auch mehr als passend!

Meinem obigen Gedankengang folgend, betrachte ich mich selbst als Heide, weil ich keiner organisierten, in meinem Land staatlich anerkannten Religion angehöre, sondern in einem System zu Hause bin, das quasi ein Randgruppenerscheinung ist und ich damit ins selbe Stammbeisel wie viele andere gehe -mit denen ich eben tatsächlich zeitweise nichts mehr gemein habe als im selben Lokal zu sitzen.


Wie lang seid Ihr schon dabei? Welcher Richtung fühlt Ihr Euch zugehörig? Welche Stationen habt Ihr durchlaufen?

Anufa: Meine ersten Schritte in die Heidenszene liegen weit zurück in den 80ern und zugehörig fühle ich mich dem, was oft als Craft oder „Wicca“ bezeichnet wird.

Mein Werdegang war ein recht übersichtlicher. Nachdem ich katholisch aufgewachsen bin, versuchte ich bis zur Firmung in dieser Richtung irgendwie heimisch zu werden – was mir aber nicht gelungen ist. Es gab einfach viel zu viele Zu zweitDiskrepanzen zwischen dem was „in den Büchern stand“ und dem was ich tagtäglich unter den Katholiken so beobachten konnte. Also ging ich auf die Suche … neugierig war ich schon immer und bin es bis heute geblieben. Über das was in den 80ern als Hexentum zu finden war, etliche esoterische Richtungen (nichts was wirklich erwähnenswert wäre), kurze Kontakte zu diversen indigenen Glaubensrichtungen, landete ich schlussendlich kurz vor der Jahrtausendwende bei einem traditionellen Gardnerischen Coven.
Ich liebe meine Götter, finde das philosophische Gebäude der Craft durchaus wohnlich, lebe die Grundsätze dessen was ich glaube (mehr oder minder problemlos) im Alltag und bin somit sehr zufrieden mit dem Weg, den ich gegangen bin.

Sati: Bei mir dürften das jetzt tatsächlich 20 Jahre sein. Damals lief das ja alles noch viel diffuser unter "Hexen", "Okkultismus", vielleicht noch "Schamanismus", "Naturreligion", "Magie" und ähnliches und in all diesen Richtung war ich selber schon mal mit mehr mal mit weniger Leidenschaft unterwegs. Ich war parallel auch immer in der Gothic Szene und da stolperte ich zu ersten Mal über den Begriff "Pagan", weil sich einige Partys die ich besuchte "Pagan Cult" nannten.

Hingezogen hat es mich aber immer zum altägyptischen Pantheon. Inzwischen bin ich auch Kemetic rekonstruktionistischer Ausprägung und strikt polytheistisch. Ich benutze gern den Begriff “HIP (=historisch informierter Pagane)”. Ich bin mit keinem Tempel oder einer organisierten Gemeinschaft verbunden, aber meine Hauptpraxis dreht sich fast ausschließlich um Seth und etwas seltener Ma'at, wobei ich auch zu den anderen Göttern auch gute Beziehungen pflege.


Ende Teil I


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