Enttäuschung

Chia hat ein Thema beleuchtet, das - gerade unter spirituellen Menschen - immer wieder diskutiert wird und an dem ganz sicher jeder schon mindestens einmal zu knabbern hattte. Vielen Dank, für Deine Artikelspende!

... oder doch Ent-Täuschung,

wie es gerne geschrieben wird. Um schon von vornherein zu implizieren, dass irgendwo eine Täuschung vorlag, der man erstmal "in die Falle ging",die nun aber enttarnt wurde. Diese Interpretation, so richtig sie ist, erfasst meiner Ansicht nach jedoch nicht alles, was dieser Begriff umfasst. Und vergisst etwas sehr Wichtiges: Das Menschliche in uns, das nicht alles, was uns passiert, sofort als nützlich und notwendig ansehen kann, auch wenn es später vielleicht einmal darauf hinausläuft.
Nein, zuerst ist es, als würde uns jemand das Herz zerquetschen, das Blut aus den Adern saugen, im Kopf brennt ein Feuer und die Brust erfriert und wird zwischen zwei großen, tonnenschweren Steinen eingeklemmt. Vielleicht sogar fallen wir in eine Art Schock. Je nachdem, wer uns "das" angetan hat, das heißt, wie nahe einem diese Person stand und selbstverständlich, je nachdem, was passiert ist. Natürlich – mir ist das auch klar – eigentlich kann uns niemand was antun und wir sind für das, was in unserem Leben passiert selbst verantwortlich, und die aktuelle Situation bildet nur ab was im Inneren ist... XYZ... to be continued.

JA! Wir wissen das. Die meisten wissen das. Spirituell uns beschäftigend, in allem einen Sinn und die Möglichkeit zum Wachstum sehend, machen wir uns oft schon Vorwürfe wenn wir so niederen Bedürfnissen wie die Verletzung einfach zeigen, weinen, schreien, von mir aus auch sich selbst bemitleiden für kurze Zeit, auch nur wenige Minuten nachgeben. Und natürlich wissen wir auch, ewig kann das so nicht gehen. Aber mir scheint eines wird dabei völlig vergessen:


Diese Reaktionen sind normal

Es IST normal schreien zu wollen vor Schmerz wenn einen der Ehepartner betrügt, die beste Freundin einen verrät, wenn man einen Job verliert für den man soviel geopfert hat, wenn einen die Eltern oder engste Vertraute in schweren Situationen fallen lassen, wenn man eine schreckliche Diagnose erhält oder eine der anderen unzähligen Möglichkeiten, die einem schier das Herz heraus reißen. Ich möchte sogar soweit gehen: Es ist nicht nur normal, es ist für viele dringend notwendig, dass sie genau das

- in all ihrer Erleuchtung und die eigene Kraft findend und bündelnd, gehüllt in leuchtende Energieeier, geschützt durch sämtliche Methoden, die Kundalini aus dem Steißbein ohne Blockaden aus dem Scheitelchakra blubbernd, innere Krieger und Kriegerinnen, Urfrauen, Väter, Ahnen, was auch immer, versammelt -

wieder lernen. Den ersten Schmerz zu fühlen und ihm endlich einmal nachzugeben. Und zwar so wie er sich zeigt.
Die Schmerz- und Schockreaktion durchlebend. Die Energie der Verletzung nicht in erzwungene Mediation einsperren und wegatmen und wegrationalisieren... Nein... solche Emotionen auszuhalten ( in einem normalen, noch gesunden Maße ).

Auszuhalten, zu durchleben, auf dass sie dadurch in irgendeiner Weise eben nicht zu Erstarrung führen, sondern dazu, dass wir all dies auch wieder los werden können, indem wir es am Anfang vielleicht hinausschreien müssen. Indem wir die natürlichen Kanäle, die zur Bereinigung solcher Emotionen in uns vorhanden sind, offen halten. Wie bei einem Kind das weint weil die Puppe verloren ging. Irgendwann beruhigt es sich, weil alles draußen ist. Denn die meisten Menschen sind sich dieser Kanäle nicht mehr bewusst. Entweder weil sie überhaupt nichts von Spiritualität oder Emotionen wissen wollen, und prinzipiell alles verdrängen, oder weil sie so dermaßen überspirituell sind, dass normale, "niedere" menschliche Reaktionen, das brüllen des inneren Löwin/ der inneren Löwin ,wenn das Tier angeschossen wurde, sofort unterdrücken und den Sinn dahinter suchen, sich selbst die Schuld gebend und in vollster Angst, nun in die ach so gefürchtete Opferhaltung zu verfallen.


Verzeiht euch auch einmal wieder!

Nicht spirituell, nicht logisch, nicht effizient und nicht vernünftig zu sein. Nicht euer wahres Selbst zu leben, vom eigenen Weg abzukommen, hinzufallen und nicht mehr aufstehen zu wollen, da zu liegen und davon zu träumen dass jemand kommt, alles wieder gut macht und einen rettet...

Denn es gibt Situationen im Leben eines Menschen, da helfen vielleicht keine dieser Möglichkeiten, nicht mal wenn Buddha oder sonstwer persönlich vor einem stände... nein.. es geht einfach nicht. Wir können JETZT GERADE einfach nicht. Vielleicht können wir schon in fünf oder zehn Minuten. Vielleicht brauchen wir etwas länger.
Aber verzeiht euch! Und wenn nichts... aber schon garnichts... mehr geht, dann setzt euch zumindest ein Ziel:

Eventuell ist es ja zumindest möglich, zu akzeptieren, dass gerade überhaupt nichts mehr geht. Vielleicht ist es euch ja möglich, loszulassen... Wen oder was? Diesen Kampf gegen das was nicht sein darf... Schmerz, Schwäche, Enttäuschung – und zwar Enttäuschung, ohne diesen ach so weisen Bindestrich. Kann man auch nur wenige Sekunden akzeptieren, ist schon was gewonnen. Manchmal geht einfach nichts mehr. Wir nehmen zu statt dass wir abnehmen, gehen unter während wir doch glorreich unser leuchtendes Ich leben wollten, können nicht mehr obwohl wir doch gerade Urlaub hatten... ja das kann alles sein.

Natürlich muss ich in dieser Stelle dazu sagen, dass all die spirituellen Lehren ihren Sinn haben und Dinge gespiegelt, usw. werden, wir hier sind um zu lernen und zu wachsen und man am Ende auch auch wieder selbst die Verantwortung übernehmen muss. Und natürlich ist es wichtig, dass wenn es von normaler Trauer in eine richtige Depression oder andere Probleme dieser Art übergeht, einen geeigneten Helfer / Arzt / Therapeuten aufsuchen sollte. Oftmals sind hierbei auch Meinungen von außen hilfreich, wenn man selbst nicht mehr heraussieht aus dem einen umgebenden Sumpf.
Aber manchmal... ja manchmal... lasst es doch einfach raus.

Lernt wieder, zu zeigen was ihr fühlt und fühlt euch dabei nicht gleich schlecht. Seid menschlich, verzeiht euch und versucht anzunehmen, was auch immer gerade nicht geht. Denn z.B. Depressionen hängen auch viel mit gestauten Energien zusammen. Vielleicht wäre es manchmal besser bei einem Schockerlebnis ein paar Stunden zu schreien als leise zu sein und es zu ertragen... dann könnte das Grauen nicht in den eigenen Zellen gefrieren und würde dort nicht konserviert, um einen noch viele Jahre später durch körperliche oder psychische Probleme zu quälen.


Dies ist nur einer von vielen Denkansätzen, ich erhebe keinen Anspruch auf Richtigkeit sondern gebe nur meine eigene, subjektive Meinung wieder.


Chia


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