Aontacht-Interview mit Kristoffer Hughes   Teil V

Kris wurde von Aontacht (genau genommen von Renard) zu seinem Werdegang interviewt und Anufa durfte das Ergebnis für euch übersetzen. Ein Werdegang, der durchaus als Beispiel dienen kann.

Druidic Dawn: Kannst Du die Verbindungen ansprechen, die zwischen der Struktur des Tarots und dem Baum des Lebens, wie er in der Kabbala beschrieben ist, bestehen?

Kris: Ok, aber das muss absolut unter uns bleiben sonst wird mein Geheimnis verraten … ich bin ein Besenschrank -Kabbalist. Das war ich schon immer. Ich habe als Teenager mit dem Tarot angefangen und ich war ein Glückskind, weil ich von einem Schüler von Dion Fortune Erklärungen erhalten habe. Ich habe schnell gelernt, dass das Tarot ohne die Kabbalistischen Verbindungen zu benutzen ungefähr genauso ist, wie auf der Autobahn den fünften Gang nicht zu verwenden. Es wird zwar funktionieren, aber es läuft ein wenig unrund und man kriegt sicher nicht das beste aus dem Auto raus. Die Maschine wird sich erschöpfen und ziemlich leer zurück bleiben. Genauso ist das mit dem Tarot. Indem die kabbalistischen Eigenschaften verwendet werden, die ins Tarot durch die Entwicklung durch den Golden Dawn und seine Befürworter einprogrammiert wurden. Das beschleunigt das Spiel ein bisschen und bringt enorme Einsichten. Ich betrachte das Tarot nicht nur als Divinationssystem sondern als eigenständige Mysterienschule.

Ich liebe alles, das schichtweise Bedeutungen hat und viel Tiefe. Das Tarot und seine kabbalistischen Korrespondenzen haben Schichten und Tiefe und das haufenweise. Wenn sich normalerweise jemand dem Tarot nähert, dann gibt es dafür wirkliche Gründe die genaue Untersuchung, Klärung oder Verortung bedürfen. Der Job des Legers ist es, die Karten in brauchbarer Weise zu interpretieren und zwar so, dass es handfeste Ratschläge ergibt. Vage Antworten und Generalisiertes helfen niemandem weiter. Den Wald in den Bäumen zu sehen, das ist, was die Leute wollen, wenn sie das Tarot konsultieren. Ich finde, dass der Gebrauch des Tarot mit dem Baum des Lebens richtig an die Basis geht und zur greifbaren Wurzel des Problems oder der Fragestellung des Einzelnen. Deshalb liebe ich es.

Druidic Dawn: Da Du sicherlich viele Bücher gelesen hast, über die Jahre, welche fünf Bücher würdest Du unseren Lesern empfehlen?

Kris: Ich kämpfe ein wenig mit englischsprachigen Novellen. Eine davon kann mich schon 3 bis 6 Monate kosten um sie zu lesen. Ich glaube, dass es hilft, im Kopf einen Film zu erschaffen, wenn man liest aber ich kann das in Englisch nicht so gut, wie ich es in Walisisch kann. Deshalb ist das meiste, was ich in Englischer Sprache lese, Nicht-Fiktionales.

1.Das Buch, das meine Vorstellungskraft wirklich befruchtet hat und von dem ich überzeugt bin, dass es mich in die Richtung des Druidentums brachte – The Snow Spider von Jenny Nimmo.
2.Ein Buch das mir die Welt des Mabinogion einer breiten Leserschaft geöffnet hat – The Mabinogion von Evangeline Walton.
3. Obwohl es nicht eng gefasst druidisch ist, ist es das abgegriffenste, schmutzigste und zerrissenste Buch meiner Bibliothek und eines, in das ich nach wie vor öfters hineinschaue – The Garden of Pomgranates von Israel Regardie
4. Ich bin ein Riesenfan von Dion Fortune und ihrer Lehre. Das ist noch ein Buch, von dem ich mir eine neue Ausgabe kaufen musste, weil mein Original schon auseinander fällt – The Mystical Qabalah von Dion Fortune.
5. Eines meiner geschätztesten Bücher – Trioedd Ynys Prydein (The triads of the island of Britain) von Rachel Bromwich.


Bild: Kris und die Mari Lwyd

Druidic Dawn: Gibt es neue Projekte, die anstehen und von denen Du unseren Lesern erzählen möchtest?

Kris: Im Moment arbeite ich an meinen „TodesHebammen Kursen“ am meisten. Ich war fast 25 Jahre lang Teil einer Maschinerie, die in der Westlichen Welt den Tod kontrolliert und institutionalisiert hat. Nie wieder. Jetzt, da unsere Gemeinschaft in die Jahre kommt und anfängt zu sterben, ist es an der Zeit, dass wir aufstehen und über unseren Tod und die Bestattungsrituale die Kontrolle übernehmen. Unsere Ahnen waren damit noch vertraut und wenn ich Ahnen sage, dann meine ich nicht nur irgendeine ferne Vergangenheit sondern eher die nähere so um die 1970er. Der Tod kann so entmachtend sein und wir haben das Werkzeug verloren, das uns wieder ermächtigen könnte. Der Tod und das Sterben haben ihr eigenes Set an Komplikationen und komplexen Regulationsmechanismen. Aber wenn wir mit der richtigen Ausbildung und den richtigen Werkzeugen bewaffnet sind, können wir tatsächlich unseren Mann stehen und jemandem beistehen, der vor dem großen Abschied steht zwischen Leben und Tod. Den Toten zu dienen, die Methoden zur Bestattung zu kennen und wie sie die Werte spiegeln die jemand im Leben hatte. Was es heißt, einen guten Tod zu haben und wie den Hinterbliebenen beizustehen ist indem man die Funktion der Trauer begreift.

Das ist es, was ich mein ganzes Erwachsenenleben lang gemacht habe. Die Welt der Toten war meine Welt. Ich habe das Werkzeug. Damit habe ich nun ganz bewusst die Richtung meines Lebens geändert um den Leuten zu zeigen, dass es auch andere Wege gibt. Es gibt Wege, auf die wir die letzte Reise des Lebens wirklich ehren können und alles, was dafür nötig ist, ist das richtige Werkzeug.

Druidic Dawn: Wie können wir am besten in Kontakt bleiben mit Deinen neuen Aktivitäten und Kursen?

Kris: Ich habe eine Website aber ich glaube, dass in dieser Zeit Facebook die bequemste Möglichkeit ist mit mir in Kontakt zu bleiben.

Druidic Dawn: Hast Du noch einen letzten Tipp, den Du uns geben kannst, während wir uns weiter durch unser Leben bewegen, daran arbeiten unser Druidentum zu entwickeln und unsere Werte im täglichen Leben zu leben?

Kris: Wir können die Welt nicht von ihren Sorgen heilen oder ihr helfen, sie los zu werden, aber weißt Du was? Wir können uns aktiv für ein Leben in Freude entscheiden und diese Freude in die Welt tragen. Awen ist ansteckend, wenn Du lächelst wird die Welt mitlächeln. Diese Druidentum, diese Spiritualität, dabei geht es nicht darum, wer etwas besser kann als jemand anders sondern eher darum, wie wir diese Freude, die wir im Druidentum finden, in die Welt bringen. Wenn wir das aber machen, dann geschieht etwas wunderbares – ich nenne das DTI – Druiden Übertragene Infektion – wir inspirieren.
Lasst das Awen aus dem Kessel des Potentials aufsteigen und auf Eurer Stirn leuchten. Seid voll der Freude, die dieses Druidentum Euch bringt – eine Freude, die für mich – ein Zeichen ist, dass Ihr selbst das Universum seid, das sich selbst besingt. Bevor Du es merkst, entsteht ein ganzes Netz an Inspiration und Freude, beide verweben sich mit der Welt um uns herum. Das ist es, wie wir einen Unterschied machen. Das ist es, wie wir inspirieren.

Nehmt Euch Zeit um stehen zu bleiben, zu beobachten, ein Teil der Natur zu sein und der Musik des Landes. Seid inspiriert .., seid voll des Staunens und erstaunlich … aber erinnert Euch daran …
Wenn Ihr Euch selbst nicht inspirieren könnt, wie um der Götter Willen wollt Ihr jemand anders inspirieren?

Druidic Dawn: Danke Kristoffer für Dein wertvolles Geschenk an Zeit, das Du uns gegeben hast. Wir begrüßen es sehr, dass Du Deine Perspektiven und Lebenslehren mit uns teilst.


Renard


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