Aontacht-Interview mit Kristoffer Hughes   Teil IV

Kris wurde von Aontacht (genau genommen von Renard) zu seinem Werdegang interviewt und Anufa durfte das Ergebnis für euch übersetzen. Ein Werdegang, der durchaus als Beispiel dienen kann.

Kris: Wie man sich vorstellen kann, ist Druide zu sein kein Beruf, wie es im Altertum wohl gewesen sein mag. Aber wir haben diesen Kleinkram der ständige Beachtung erfordert, Autosteuer, Miete, Kredite, Telefon- und Wasserrechnungen! Ich arbeite nur halbtags für den amtlichen Leichbeschauer, deshalb bessere ich mein Einkommen mit Führungen über die Insel auf. Jede Tour ist auf die individuellen oder die Gruppeninteressen zugeschnitten und auf die körperlichen Möglichkeiten. Unsere Insel ist größer als viele annehmen würden und mit 128 Meilen wundervoller Küste, gibt es unendlich viel zu sehen. Die Touren dauern zwischen einem bis zu drei Tagen – wobei drei Tage die bessere Option sind um das alles unterzubringen. Mit so viel Geschichte und so vielen Geschichten, vergeht die Zeit ziemlich schnell.

Wir haben Burgwälle mit berauschendem Ausblick auf das keltische und irische Meer und klare Blicke auf Snowdonia. Einige der Menhire und Gräber, die abseits der begangenen Wege liegen, brauchen ein wenig Phantasie um sie zum Leben zu erwecken. Was einige dabei an Aussehen vermissen lassen, das ersetzen sie durch Persönlichkeit. Die vielleicht am meisten bekannten Monumente, die auch am meisten nachgefragt werden sind Bryn Celli Ddu (der Hügel im dunklen Hain) und Barclodiad Y Gawres (die volle Schürze der Riesin).
Bryn Celli Ddu ist ganz besonders für sein Aussehen bekannt, das an eine Hobbit Höhle erinnert. Diesen Platz besucht die Anglesey Druid Order sehr oft und verwendet den Ort für zwei seiner offenen Rituale, die Sommer- und die Wintersonnwende, auf die er auch ausgerichtet ist. Es ist ein geheimnisvoller Ort, der aus einem Graben besteht, einem großen Hügel und ein Ganggrab, in dem ein aufgerichteter, phallischer gemeisselter Stein steht. Er wurde vom frühen Neolitikum bis zur Bronzezeit als Ritual- und Gräberkomplex verwendet.

Der andere Platz, Barclodiad Y Gawres, steht stolz auf einer Steinplattform über dem Meer, eine kreuzförmige Kammer mit Steinreliefen. Dort gibt es ebenfalls Hinweise auf rituelle Aktivitäten einer Gemeinschaft. Das ist ein dunkler, aber sehr ruhiger und starker Ort, an dem man vor den Elementen geschützt ist, aber das Dröhnen der Wellen deutlich hören kann, die an der Steinküste brechen, die ihn umgeben.

Viele Druiden wollen Llyn Cerrig Bach sehen, wo man sich ausschließlich auf seine feinen Wahrnehmungen verlassen muss, um sich verbinden zu können. Außer einem kleinen See, ein paar Enten und Schermäusen gibt es da nicht viel zu sehen. Natürlich außer den Kampffliegern, die bedenklich nache über den Köpfen dahinjagen und Schnellzügen, die am anderen Ufer vorbeizischen. Es ist ein paradoxer Platz voller Gegensätze und doch ein Platz von dem wir wissen, dass er den alten Druiden unglaublich heilig gewesen ist. So ist es ein Test für jeden Druiden, sich der sichtbaren Welt zu entziehen und wirklich eine Gefühl für die Magie zu bekommen, die diesen Platz durchzieht.

Druidic Dawn: In beiden Fällen, als Druide und als in Leichenhallen Tätiger bietest Du den Trauernden und Verstorbenen eine Dienstleistung an. Du hast eine faszinierende Perspektive bereitgestellt, die das Konzept, dass die offensichtliche Identität den Tod nicht überleben kann, in Frage stellt und stellst eine Vermutung in den Raum, von der Natur und einer ewigen Existenz. Kannst Du Deine Gedanken ein wenig erklären und was Dich zu diesen Schlüssen gebracht hat?

Kris: Wenn ich dieses Thema jetzt aufgreife, dann wird unweigerlich dieselbe Diskussion daraus, die ich in meinem Buch „The Journey into Spirit“ abgehandelt habe, mit 92 000 Worten!

Druidic Dawn: Ich habe herausgefunden, dass Du Dich seit Du ein Teenager warst, mit Tarot beschäftigt hast. Du hast seit mehr als 15 Jahren Workshops geleitet und organisiert. Unlängst hast Du eine Cooperation mit Chris Down begonnen um ein neues Keltisches Tarot Deck zu erschaffen. Eing der Originale waren im Oktober bei der Ausstellung „Exhibition of Mythic Arts and Crafts“ (EMAC) in den historischen Assambly Rooms in Glastonbury zu sehen. Wird es noch andere Gelegenheiten geben Eure Kunst zu sehen und wie sie sich entwickelt. Und wann wird Llewellyn das Tarot Deck veröffentlichen?

Kris: Das war ein Projekt, das ich mir in der Vergangenheit nicht erträumen hätte können. Ich habe mir nie vorgestellt, dass ich gebeten werden würde, mein eigenes Deck zu erschaffen! Aber dann ist genau das passiert. Völlig zufällig. Weil ich manchmal ein Glücksritter bin, hab ich meiner Verlegerin ein Mail zukommen lassen um mich nach ein paar Neuerscheinungen bei Llewellyn Worldwide auf dem Gebiet Tarot zu erkundigen. Meine Hoffnung war, dass sie mir etwas davon gratis zukommen lassen würden. Sie hat den Wink mit dem Zaunpfahl aber leider nicht verstanden! Aber wie die Dinge so laufen, ein paar Wochen später während eines Treffens der Verleger, fragte die Tarotabteilung ob jemand irgendwen kennen würde, der mit keltischem Zeug vertraut wäre und Interesse an Tarot hätte. Da spitzten sich die Ohren meiner Verlegerin. Nachdem ich nun die Freiexemplare der Bücher, die ich mir erhofft hatte, nicht bekommen und mir selber gekauft hatte, bekam ich mein eigenes Tarot Deck! Wie ist das!


Mit Chris Down zu arbeiten war eine absolute Freude. Diese Erfahrung habe ich sehr genossen. Obwohl ich mich beeilen muss dazu zu sagen, dass es ein eher schwieriger Vorgang war meine Gedanken und Visionen, die manchmal ganz schön verrückt sein können, in tatsächliche Bilder zu übersetzen. Armer Chris, ich habe das Gefühl, dass er in seiner Arbeit ein wenig beschitten ist, aber er tritt trotzdem an.

Wir haben die Erlaubnis einige der Karten online zu veröffentlichen, sobald die fertig sind. Das gibt den Leuten einen Eindruck, wie das Deck sein wird. Sobald es fertig ist, wird es eine Austellung und den Stapellauf in Glastonbury geben. Dort habe die Leute dann die Möglichkeit die Bilder im Großformat zu sehen. Wir müssen das Deck bis September 2016 fertig haben, und es wird dann ungefähr zehn Monate in Produktion sein. In Llewellyns Herbstkatalog 2017 wird es dann zu finden sein.


Ende Teil IV


Renard


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