Ein Blick nach innen

Wieder einmal hat Angelika ein paar hervorragend Denkanstöße geliefert, die ich dankbar aufgreife!

Das Vorurteilsmuseum in deinem Kopf

Ich weiß ja nicht, wann du dich das letzte Mal in deinem eigenen kleinen Vorurteilsmuseum umgeschaut hast, das ganz hinten irgendwo in deinem Kopf existiert. Vielleicht bist du der Ansicht, Vorurteile hätten nur die anderen Leute. Aber das ist selbstverständlich nicht so. Niemand von uns ist ohne Vorurteil, ganz gleich worüber sie gefällt werden. Die meisten bemerkst du nicht einmal. Das ist nicht weiter schlimm, denn wie gesagt, jede/r hat welche. Schlimm ist es, wenn du glaubst, du hättest keine. Noch schlimmer, wenn du weißt, du hast welche, sie aber leugnest. Das ist, wenn du Ansichten vertrittst, über die du in Wahrheit noch nie nachgedacht hast, weil sie irgendwelchen Ängsten und Wutzuständen entstammen. Nennt man auch Ideologie. Also der regelmäßige Besuch in deinem eigenen kleinen Vorurteilsmuseum ist angebracht. Und wenn du dann so darin herumgehst und die Exponate polierst und pflegst, solltest du dich überwinden, immer wieder mal eines wegzuwerfen.
Glaubenssätze – ein Begriff, der neuerdings sehr in Mode ist – sind meist aus dritter oder vierter Hand übernommen und haben häufig mit deinem eigenen, wirklichen, persönlichen Erleben gar nichts zu tun. Bestenfalls basieren sie auf alten Erfahrungen aus der Vergangenheit, die dir jetzt genau so wenig nützen wie die Glaubenssätze, die du mit dir herumschleppst, weil dein Großvater mal so etwas geäußert hat als du klein und beeindruckbar warst.
In unseren Zeiten jetzt treiben uns unsere Vorurteile vor sich her. Als in den neunziger Jahren die Flüchtlinge aus den beiden Balkankriegen bei uns ankamen, war das relativ einfach und verlief einigermaßen unspektakulär, obwohl es doppelt so viele waren, wie jetzt aus den Nahostkriegsgebieten und Afghanistan bei uns Rettung ihres Lebens suchen. Dabei waren die auch zum größten Teil Moslems.
Aber da gibt es noch ganz andere Exponate. Die am meisten bei uns diskriminierte Gruppe sind alte Menschen. Und die am allermeisten diskriminierte Gruppe sind weibliche alte Menschen. Schau mal in diese Ecke deines kleinen Museums, falls du da vor lauter Spinnweben überhaupt hinkommst. Das ist eine schlimme Sache, denn dieses Vorurteil, dass alt gleich bäh ist, haben auch jene, die sich für weltoffen, intelligent und herzensgut halten. Wenn man denen dann auf die Finger klopft, oha! Da kann man zuschauen, wie sich jemand windet, um das nur ja vor sich selbst und vor anderen nicht zugeben zu müssen.
Ach Leute, wir Menschen sind eine ziemlich bunte Truppe. Alle Farben vertreten, Dumme, Schlaue, Krumme, Kleine, Große, Dicke, Dünne, Kranke, Gesunde, Bekloppte aller Arten, Trotteln, Träumer, Narren, Machtverliebte, Böse, Gute, Erleuchtete, Blender und Lügner, Wahrheitsfanatiker, Gemäßigte Diktatoren, gemäßigte Demokraten und noch viel mehr. Und alle, alle fahren einmal in die Grube. Du musst nicht alle lieben. Es reicht, wenn du dir selbst in Liebe und Achtung begegnest. Dann ergibt sich Freiheit, echte Freiheit. Und deine Vorurteile befinden sich auf einmal in einem Freilichtmuseum, wo sie immer gut durchgelüftet sind und leicht zu entfernen.
Und nicht vergessen: Wann immer du jemanden, eine Gruppe, eine Sorte ausmachst, die ganz besonders deine zornige Abwehr herausfordern – schaust du in Wahrheit dich selbst an. Das bist du alles auch. Denn wir sind eins.
Angelika Aliti
PS: Diesen Text habe ich übrigens fast genau auf den Tag vor einem Jahr veröffentlicht.

Viele spannende Stöckchen in einem Artikel, die Angelika da wirft. Ich werde versuchen, sie der Reihe nach aufzunehmen …


Urteilen ist pfui?!

Gerade in spirituell interessierten Kreisen gibt es öfters mal Diskussionen um das „Urteilen“. Urteilen wäre böse und wie böse sind dann erst Vorurteile! Ich möchte mal beim Urteilen beginnen.

Ich für meinen Teil finde Urteilsvermögen eine sehr, sehr wichtige Fähigkeit, die ich jedem wünsche, zu besitzen. Für sich selber entscheiden zu können, was einem guttut oder eben nicht, zu erkennen, was für einen selber ok ist und was nicht, eigene Grenzen setzen und auch sehen zu können und auch anderen Grenzen setzen zu können – das alles hat für mit mit dieser Urteilsfähigkeit zu tun. Wenn ich nicht beurteilen kann, was aus meiner Sicht sinnvoll, gesund, zielführend, angenehm (um bei den positiven Erfahrungen zu bleiben) ist, wie soll ich dann selber mein Leben gestalten? Wenn ich selber kein Urteilsvermögen besitze, dann muss ich mich auf die Aussagen und Ansagen anderer verlassen … bin also mehr oder minder davon abhängig. Wenn mir die Werbung erzählt, dass etwas gut ist, dann ist das so. Wenn mir ein Bankberater/Versicherungsberater erzählt, dass das so sicher und nötig wäre, dann ist das so. Wenn mir der Autohändler erzählt, dass das Auto fast neuwertig ist oder der Arzt, dass ich unbedingt den Cholesterinspiegel auf XY senken muss ... das alles glaube ich dann unbesehen? Nichts, was für mich persönlich so besonders erstrebenswert wäre. Natürlich kann keiner überall Spezialist sein, aber ein Mindestmaß an Urteilsfähigkeit könnte doch um einiges weiterhelfen.

Wenn es z. B. Im Buddhismus heißt, dass „man nicht urteilen sollte“ dann bin ich mir fast sicher (Buddhisten bitte kommentieren, falls ich hier völlig daneben liege!), dass damit nicht diese Urteilsfähigkeit gemeint ist, nicht das Beurteilen um für einen selber einen gangbaren Weg zu definieren, sondern das VERurteilen. Nur weil etwas für mich nicht gut ist, heißt das noch lange nicht, dass es für jeden nicht gut sein darf. Nur weil 1000 Fliegen am Hundehaufen ihr Glück gefunden haben, muss der für mich nicht als Nahrungsquelle dienen. Und nur weil mir Aspirin hilft, ist sie für meine Katze absolut tödlich!
Mein Weg wäre zuerst Urteilsvermögen auszubilden um beurteilen zu können und dann zu lernen nicht zu verurteilen. Der nächste Schritt wäre das ständige Überprüfen meiner Vorurteile. Wobei ich Vorurteile neutral gesehen haben möchte. Ein Vorurteil per se ist für mich nichts Schlechtes!!! Es ist das Extrakt aus meiner eigenen und fremder Erfahrungen, Wissen aus Büchern, Hören-Sagen oder aus welcher Quelle auch immer, das für mich die Grundskala meiner Beurteilungen darstellt. Vorteile, die unüberprüft bleiben, behindern und zwar genauso wie fehlendes Urteilsvermögen im täglichen Leben. Beispiele kann sich sicher jeder selber aus seinem Erfahrungsschatz suchen, eines will ich hier aus meinem Bereich anführen.
Wenn ich es irgendwie möglich machen kann, verwende ich für meine Beschwerden die Ansätze der TCM ... bei so gut wie jedem gesundheitlichen Problem. "TCM hilft mir besser" ist einer meiner Glaubenssätze, eben dass TCM als "Gesundmachmittel" für mich um Ecken sinnvoller, nachhaltiger, nebenwirkungsfreier etc etc ist. Sollte ich aber einmal in der unglücklichen Lage sein, einen schwereren Unfall mit Brüchen zu haben, dann werde ich ganz sicher ins Krankenhaus gehen und mich entweder eingipsen oder gegebenenfalls auch zusammenschrauben lassen.
Natürlich sehe ich das nicht als Ende der Entwicklung an. Das wäre für mich, aus meiner jetzigen Sicht heraus betrachtet, dass ich auch nicht mehr bewusst zu beurteilen brauche, weil mein Instinkt durchs Leben so geschärft und frei ist, dass ich adäquat reagieren kann ohne die Sachlage rational beurteilen zu müssen. Damit wären dann auch meine Vorurteile hinfällig geworden, weil ich mich ja instinktiv sinnvoll verhalten kann und damit keine vorgefassten Muster (Leitlinien) mehr benötige!


Das ist doch nur ein Glaubenssatz

Ein besonderer Fall von Vorurteil ist noch der Glaubenssatz, auf den ich hier extra noch kurz eingehen möchte. In Esokreisen und einigen Spezialgebieten wie dem NLP wird häufig mit Glaubenssätzen jongliert. Die Frage dabei ist für mich immer, was genau damit gemeint ist.
„Nur nicht Hinfallen“, ist ein wohlmeinender Ratschlag von jemand, der weiß, dass der Untergrund glatt ist. De facto kann das aber eher nach hinten losgehen, weil das meist im Unterbewusstsein als „Hinfallen“ landet. Ich, für mich, erkläre mir das viel eher durch die entstehende Verunsicherung als dadurch, dass das Unterbewusstsein keine Verneinungen „erkennt“. („Denken sie nicht an einen rosa Elefanten“ – wäre dagegen ein typisches Beispiel für die Verneinungsresistenz des Unterbewusstseins). Prinzipiell sind Glaubenssätze für mich eben auch Vorurteile, die genauso entstehen und natürlich regelmäßig auf ihre Sinnhaftigkeit abgeklopft werden sollten.
Aber selbst dann setzte ich sie (sobald ich ihnen auf die Schliche gekommen bin, denn natürlich können auch Glaubenssätze hinderlich sein!) möglichst bewusst ein und achte darauf sie gut unter Beobachtung zu halten.


Angelika Aliti & Anufa


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