Aontacht-Interview mit Kristoffer Hughes   Teil III

Kris wurde von Aontacht (genau genommen von Renard) zu seinem Werdegang interviewt und Anufa durfte das Ergebnis für euch übersetzen. Ein Werdegang, der durchaus als Beispiel dienen kann.

Druidic Dawn: Die Insel Anglesey (Ynys Mon) wird die Mutter von Wales, die Großmutter der Welt genannt und ist als der Sitz der Druidenpriester bekannt und vielleicht der älteste überlieferte Name in Britannien. Kannst Du uns etwas zu ihrem Stellenwert in der druidischen Geschichte und zur Verbindung zu den Göttinnen und Göttern im Druidentum erzählen?

Kris: Anglesey hat eine mannigfaltige und bunte Geschichte, die viele tausend Jahre bevor das Druidentum an ihren Stränden gelandet ist, begonnen hat. Die Insel hat eine Vielfalt an alten Monumenten aufzuweisen, die durch die Nebel der Zeit bis in die frühe Steinzeit zurückreichen. Einige sind wundervoll, geheimnisvoll und wunderschön erhalten, wie die Kammer, der Hügel und der Graben von Bryn Celli Ddu. Die beeindruckende Menge der antiken Monumente der Insel scheint darauf hin zu deuten, dass die Insel eine ungeheure Bedeutung für unsere Ahnen hatte. Es gibt mehr Monumente per Quadratkilometer und per geographischer Einheit als irgendwo sonst in England oder Wales und damit erscheint es augenscheinlich, das Anglesey die Menschen immer schon dazu gebracht hat, ihrer Kreativität und Spiritualität Ausdruck zu verleihen.

Wie das Rad der Zeit sich dreht, kamen die Druiden auf der Insel an. Obwohl ich mir vorstelle, dass die Druidenkaste eine natürliche Entwicklung und Erweiterung dessen war, was vorher schon da war. Tacitus und andere klassische Autoren haben einige der furchtbaren Dinge dokumentiert, die während des Angriffs auf Anglesey 62 v. n. Zr. , passierten. Wer auch immer dort gelebt hat, war eine derartige Bedrohung für die römische Kriegsmaschinerie, dass er ausgelöscht werden musste. Das war auch kein Kinderspiel, eine ganze Legion durch schwieriges Berggebiet hoch zu bringen, wir sind schließlich wochenlangen Fußmarsch von London entfernt. Dafür braucht man schon einen sehr guten Grund. Die Römer kamen und die Menai Straits waren rot von Blut, sowohl der Kelten als auch der Römer. 18 Jahre nach dem ersten Angriff, kam Kommandant Agricola unter Suetonius Paulinus, römischer General, an, um die römische Präsenz in Nordwales zu stärken und vielleicht auch um die Rebellen von Anglesey unter dem Daumen zu halten.


Anglesey, Llandegfan standing stone

1943, bei der Erweiterung der Royal Air force Basis in Valley, wurde in einem nahen See ein Druidenschatz an Artefakten gefunden. Hunderte Gegenstände, alle neuwertig und, bevor sie in die dunklen Tiefen des Sees geworfen worden waren, wurden aus dem uralten Schlamm geborgen. Es sieht so aus, als ob eine enorme Menge an Artefakten rund um diese Zeit der römischen Invasion deponiert worden wäre. Nun haben wir keinerlei Beweis, dass wir denken könnten, das hätte alles nichts mit dem Flehen der lokalen Bevölkerung um den Schutz der Götter, zu tun. Aber wir haben auch die Namen der Götter und Geister nicht, denen sie geopfert wurden oder die an diesen Plätzen verehrt worden sind – wenn überhaupt. Aber diese Träumerein sind fesselnd.

Die Götter dieses Landes, dieser Insel mit der wir uns auch heute verbinden, mögen nicht die selben Namen haben, unter denen sie unsere Vorfahren kannten. Aber wie alle Dinge im Leben, verändern sich Sachen. Was zu einer Zeit für die eine Art Mensch passend und anwendbar war, mag das für eine andere nicht sein. Unser Götter singen von diesem Land und über die Verbindung, die wir zu ihm haben, und die alten Druiden sind auch Teil dieses Liedes. Aber wir sind nicht diese Leute, wir sind Leute des Hier und Jetzt. Wir sind die neuen Druiden, aber wir behalten die Erinnerungen unserer alten Vorväter in unseren Herzen und in unserem Geist. Die Römer haben nicht gewonnen, wir sind noch hier.

Druidic Dawn: In Deinem Cae Braint Wiederherstellungsprojekt auf Anglesey hast Du einen Schrein für Branwen, Deine lokale Göttin, errichtet. Kannst Du uns etwas über die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit dem Land und den Wesenheiten die dort leben, während Veränderungen an der Landschaft vorgenommen werden, auch wenn Du die vorherigen Umstände wieder herstellst, erzählen?

Kris: Cae Braint ist wiedererstellte Salzwiese und es will eine Salzwiese sein. Für Jahrzehnte hat der Mensch, aus den unterschiedlichsten Gründen, zu seinem eigenen Nutzen und nach seinem Willen, diesen Ort ästhetisch verschönert. Nachdem es Jahre als Touristenattraktion verbracht hat, wurde es ruhig und auf kurz oder lang hat sich die Qualität der Salzwiesen wieder bemerkbar gemacht. Wir haben mit dem Land die letzten drei Jahre durchgehend gearbeitet und wir haben keinen Zeitrahmen für eine Zielerreichung. Das ist eine andauernde Beziehung, in der wir versuchen die Balance, zwischen dem was das Land will, was die ausgewachsenen Bäume und Sträucher wollen, die jetzt hier leben, zu finden. Auf diese Art und Weise mit dem Land arbeiten zu können, bedeutet, dass wir aktiv zuhören müssen, seinen Bedürfnissen und Wünschen, seinen Stimmungen und seinem Naturell. Es war eine magische Reise, sich in ein Stück Land, dessen Hüter wir geworden sind, zu verlieben und eine Beziehung zu beginnen. Die Wildtiere sind zurückgekommen. Wir haben eine Familie Schwäne, die jährliche ihre Jungen hier aufzieht. Es ist ein wildes Land, mit verrückten Launen. Aber es war wirklich unglaublich, den Bedürfnissen des Landes zu lauschen und mit ihnen zu arbeiten im Unterschied dazu es zu etwas zu machen, das wir wollen. Die letzten zehn Monate haben wir es brach gelassen. Nachdem wir den Boden mit schweren Maschinen gestört hatten, um die Betonüberreste der Touristenattraktion zu beseitigen, haben wir ihm Zeit gegeben, seinen Reichtum wieder auszubreiten. Winzige Blumen, herrliche Gräser und alle Arten von wunderschönen Wildpflanzen haben die Gelegenheit ergriffen ihre Köpfe zu erheben. Es war magisch, schon allein die Gelegenheit zu haben das zu beobachten. Der Fluss Braint, benannt nach der lokalen Göttin, ernährt das Land, daher auch der Name – Cae Braint, oder Braint´s Weide. Die Dame, die unserem Orden dieses Land zur Verfügung gestellt hat, hatte eine Vision, wo sie die Göttin Braint aus dem Fluss steigen sah und sagen hörte, dass dieses Marschland den alten Druiden heilig gewesen wäre, dass sie die neuen Druiden finden und ihnen das Land überlassen solle. Wenn man bedenkt, dass diese Dame eher weltlich orientiert war, war das auch eine eher magische Erfahrung.

Wenn man das große weltweite Interesse an Anglesey und an den vielen Keltischen und Druidischen Stätten bedenkt, hast Du unlängst begonnen Spezialtouren anzubieten. Touren für diejenigen, die das heidnsiche Erbe von Anglesey erfahren wollen und das Gefühl einer spirituellen Pilgerreise. Kannst Du uns einige Plätze nennen, die Leute auf so einer Tour mit Dir besuchen können.

Um ganz ehrlich zu sein, war meine Hauptgrund diese Touren zu starten sehr egoistisch – Ich kann diese Insel einem ganzen Haufen unterschiedlichster Leute zeigen. Nichts macht mir mehr Freude. Ich liebe diesen Platz. Ich liebe es, hier zu leben und die Insel hält mein Wesen aufrecht, ernährt meinen Geist. Die Gelegenheit zu haben mein Heimatland zu teilen und noch dazu eine andere Sache, die ich gerne macht, zu tun – nämlich zu reden und im Groben das Zentrum der Aufmerksamkeit zu sein! Das ist eine Ehe, die im Paradies geschlossen wurde!


Ende Teil III


Renard


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