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Aontacht-Interview mit Kristoffer Hughes   Teil I

Kris wurde von Aontacht (genau genommen von Renard) zu seinem Werdegang interviewt und Anufa durfte das Ergebnis für euch übersetzen. Ein Werdegang, der durchaus als Beispiel dienen kann.


Druidic Dawn: Danke Kristoffer, dass Du für uns und die Druidic Dawn Gemeinschaft Zeit erübrigt hast. Du bist in den Walisischen Bergen, Snowdonia, geboren und mit dem National Eisteddfod groß geworden. Kannst Du beschreiben, was Dein Interesse am Druidentum in der Vergangenheit geweckt hat?

Kris: Das National Esteddfod und seine Druiden waren schon immer Teil meines Lebens, genauso wie sie das für die Mehrzahl der Walisischsprachigen Kinder, die in Wales aufwachsen, sind. Anfänglich sah ich darin nichts anderes, als das was wir als Kinder eben alle taten. Als ich älter wurde und mehr über seine Geschichte und den Vater – Iolo Morganwg – lernte, war ich vom Symbolismus des National Eisteddfod und seiner Vorstellung was es als Druidentum ansah, fasziniert. Das National Eisteddfod und seine Druiden verkörpern keinen spirituellen Ausdruck des Druidentums, sondern feiern eher die Kultur, Sprache, Musik und Kunst in der Besetzung Barden, Ovaten und Druiden, die darüber vorstehen. Das hat meine Vorstellungskraft beflügelt. Das drückte etwas aus, das aus dem Land selbst kam. Es drückte die Liebe der Leute zu ihrem Land aus, zu ihrer Kultur. Ich war gefesselt.

Druidic Dawn: Als Kind hast Du Dir in den Wäldern hinter dem Haus Deiner Großmutter Spiele mit Pwyll und Pryderi ausgedacht. Es scheint, als hättest Du ein Band zu den Göttern und Archetypen, die von früh an in die Landschaft geschrieben worden waren gewoben und dadurch Zugang zur darin enthaltenen Geschichte. Haben diese frühen Erfahrungen den Kern dessen geschaffen, was später in Deinem Leben Dein mythen-zentriertes Druidentums werden würde?

Kris: Ja, das haben sie getan. Damals hatte ich noch nicht begriffen, dass diese Personen Götter oder Archetypen waren. Ich denke nicht, dass ich wusste, was das eigentlich war. Aber wenn ich das jetzt so sage, dann will das nicht sagen, dass ich sie nicht für real hielt. Sie haben sich sehr wirklich angefühlt, wenn sie auch unsichtbar waren. In den Wäldern und verloren in den Spielen der Kindheit, spielten diese Charaktere einen wichtigen Part meiner prägenden Jahre. Sie ermutigten meine Fantasie und bliesen ihr Feuer so richtig an. Sie waren Teil der Landschaft. Obwohl meine Fähigkeit das alles in einer spirituellen/mythologischen Art auszudrücken noch einige Jahre auf sich warten ließ, sprachen sie doch zu einem Teil von mir, der eng mit dem Land selbst verbunden war. Das glaube ich ganz fest, das war grundlegend für meine Liebe zur Mythologie.


National Eisteddfod

Für mich ist Mythologie die Geschichte des Herzens. Sie zeichnet etwas außerhalb der versteckten Motive und Pläne der konventionelen Geschichtsschreibung auf, das dann von jemandem, der spezielle Motive hat zusammengeschrieben werden kann. Letztens war ich so glücklich New York besuchen zu können. Dort sah ich das Musical „Wicked“ am Broadway. Eine Zeile daraus hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Hexe befragt den Zauberer warum er die Leuts von Oz angelogen hat und der Zauberer antwortet, „Dort wo ich herkomme, glauben wir an die unterschiedlichsten Dinge, die nicht wahr sind. Wir nennen das Geschichte.“. Vielleicht ist es diese Erkenntnis, die mich dazu bewogen hat, die Unschuld und Einfachheit meiner heimatlichen Mythologie zu suchen.
Nachdem ich erwachsen geworden war, wurde mir die Mythologie dieses Landes immer wichtiger und ich fing an sie als Werkzeug zur spirituellen Entwicklung, Persönlichkeitsentfaltung und Erforschung des menschlichen Befindens zu betrachten. Die Charaktere dieser Mythen entwickelten sich von Spielgefährten zu Göttern und Göttinnen, magischen Verbündeten, die aber aus dem Kessel der Kindheit und der Ehrfurcht geboren waren. Heute noch nähere ich mich diesen Kontrukten und Göttern mit der selben Ehrfurcht, die ich als Kind hatte. Ich behaupte, dass genau dieser kindliche Zugang die Freude in das, was ich heute Druidentum nenne, bringt. Geschmiedet durch das Land und im Kessel der Mythen gut gerührt, ist meine Spiritualität das Endprodukt all dieser Dinge und es fing an als Träumerei eines Kindes.

Druidic Dawn: 1990 hast Du mit einigen anderen Cylch Awenydd (The Circle of Those Who Are Inspired) gegründet. Kannst Du uns erzählen, warum Du das gemacht hast und wie daraus Urdd Derwyddon Mon (Angelsey Druid Order) wurde?


Welcome
© Kris

Kris: Du liebe Zeit, wenn ich an diese Zeiten zurückdenke, was waren die unschuldig und so voller Freude. Das war damals noch eine Zeit in der Okkultismus sehr am Rande stand. Die Bücher, die zu finden waren, waren entweder sehr vage und damit eher nutzlos oder unendlich sensationsschwanger. Das war eine Zeit, in der Du für Werkzeuge der Kunst am Flohmarkt oder bei den Ladenhütern schauen musstest. Hier fand man Einträge für seltsame okkulte Gruppen und eine Hand voll okkulter Versandgeschäften. Unsere Gruppe begann als ähnlich denkender Haufen Freunde, die ein Interesse an Heidentum und Magie teilten. Um ehrlich zu sein, wir hatten nicht so besonders viel Ahnung und stolperten mehr oder minder durch die Wälder, aber wir hatten eine sehr gute Zeit. Die Jahre vergingen und die Gruppe wuchs. Es war für jeden, der zu unseren Ritualen kam mehr als offensichtlich, dass wir unserem keltischen Erbe und seiner Kultur sehr verbunden waren. Aus diesem Zusammenhang zogen wir unsere Inspiration. Schon in diesen Anfangstagen betrachteten wir unsere Götter als diejenigen, die aus den Seiten und Flüstertönen der Mythen stiegen. Diese Beziehungen zu pflegen war eine wundervolle Erfahrung.

Cylch Awenydd startete in 1991 und bis 1999 hatten wir schon viel gelernt. Wir waren über die frühen Tage des Experimentierens hinaus. Die wichtige druidische Geschichte von Anglesey war der entscheidende Faktor beim Wunsch etwas zu tun, um diese Insel als einen Platz des Lernens und des angstammten Sitzes des eisenzeitlichen Druidentums der Britischen Inseln zu ehren. Damit begann sich Cylch Awenydd zu verändern und wurde zu etwas anderem. Der Anglesey Druid Order war geboren. Das soll jetzt aber nicht heißen, dass wir plötzlich einen ausgewachsenen Orden am Start hatten. Ganz im Gegenteil, wir stolperten weiter durch die dunklen Wälder, verbesserten dieses und änderten jenes. Es brauchte noch einmal sieben Jahre, bis 2007, bis sich der Orden in seiner eigenen Haut wohl fühlte. Er wächst immer noch und verändert sich auch immer noch, bis heute. Allerdings haben wir jetzt definitiv unsere Grundlagen gefunden.


Ende Teil I


Renard


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