Das Problem mit der Figur   Teil II

Lange habe ich überlegt, ob ich diese ArtikelSpende nicht in die WeiberCraft einreihen sollte ... Entschieden habe ich mich dann doch fürs LagerFeuer, weil ich der Ansicht bin, dass sich viele Menschen (egal welchen Geschlechts oder Genders) mit diesen Problemen herumschlagen und Hrafnas Gedanken damit für jeden Gedankenfutter bieten können.

Mir war es möglich bis zu meinem 16. Lebensjahr dieses Karussell zu drehen ohne das mich jemand daran gehindert hätte. Es tat gut in den Augen der anderen nicht mehr nur „durchschnittlich schlank“ zu sein sondern „besonders schlank“. Dieser Wunsch war größer als jede Sorgfalt gegenüber der eigenen Gesundheit. Zum Teil war es auch die Kontrolle über wenigsten ETWAS in meinem Leben zu haben. Dieses Gemisch der Emotionen motivierte mich zunehmend. Irgendwann hatte ich bei einer Größe von über 1,70m nur noch ein Gewicht von 53 kg sinkend. Mein Körper war ausgelaugt und immer häufiger vergaß mein Kreislauf wozu er eigentlich da war. Meine Regel war eine Schattenerinnerung geworden von etwas, was mal da war. Es war so, als würde der Körper mit letzter Kraft alles abschalten was „unnötig“ war um die Kraft auf das Weiterschlagen des Herzens zu lenken. Heute für mich eine gruselige Vorstellung. Damals hat es mich nicht interessiert. Interessant war nur meine Konfektionsgröße. Manchmal aß ich sogar in Öl getränkte Watte, damit mein Magen voll war und dieses schmerzhafte Knurren nach lies. Fühlte ich mich wohl? Nie!
Das ganze Martyrium umsonst, es stellte sich kein Gefühl ein, dass mich veranlasst hätte zufrieden zu sein mit dem Körper den die Göttin mir geschenkt hatte. Ich hasste ihn, als er normal war und hasste ihn auch, als meine Hüftknochen sich nicht nur abbildeten wenn ich flach auf dem Rücken lag.

Sehr nüchterne Erkenntnis.

Schon bald war ich gänzlich ausgelaugt und brach vor meinen Großeltern einfach zusammen und dann kam die Wende. Mein Großvater sagte nicht viel, nur dass sie schon lange wüssten das etwas nicht stimmen würde und ihm nun der „Geduldsfaden riss“. Er lies mir die Entscheidung.

„Entweder du packst deine Sachen und gehst in eine Klinik wo du wie ein Masthuhn zwangsernährt wirst, oder aber wir schaffen es zusammen.“

Wenn ich so überlege welche Arbeit die beiden in den folgenden Wochen und Monaten hatten schäme ich mich. Langsam, Stück für Stück, aß ich mehr. Angefangen mit diesen pappigen Reisbroten, die im Mund zu Staub zerfielen. Jede Woche ein wenig mehr. Meinem Kreislauf begann es langsam wieder besser zu gehen, ich nahm zu.


Doch was hatte diese „Essstörung“ alles kaputt gemacht?

Von da an hatte ich kein wirkliches Selbstbild mehr. Selbst heute noch mit 30 Jahren frage ich meinen Mann nach bildlichen Vergleichen, da ich mein Spiegelbild verfälscht wahr nehme. Ich habe kein richtiges Sättigungsgefühl mehr und auch das Hungergefühl ist gestört. Meist bemerke ich erst wenn ich Hunger habe, wenn die Magenwände sich schon durch schmerzhaftes Knurren bemerkbar machen. Jeder Stress, jede Situation drückt mir auf den Magen. Eine lange Zeit hatte ich mit Mangelerscheinungen zu tun. Erkrankte mit ca. 18 an einer gefährlichen akuten Pankreatitis die man auf diese Essstörung zurück führte. Mein Zyklus? Nunja, es gibt ihn soviel ist klar, aber das letzte Mal wo er noch pünktlich kam war damals im Teenyalter.

Schwanger werden ist daher recht schwer und langwierig. Immer wieder kämpfe ich mit aufsteigenden Selbstzweifeln und es erfordert schon eine anstrengende Arbeit an mir selbst nicht wieder in diesen Strudel zu springen.
Wofür??? Für zwei Sätze von Menschen, die heute in meinem Leben keine Rolle mehr spielen.
Leider sind es in den meisten Fällen, wo Frauen ihre Körper beginnen zu hassen, NUR Sätze.

Wenn ich die Bilder von diesen Magermodels in den Medien sehe wird mir schlecht. Denn ich weiß wie „schön“ diese für ein Mädchen wirken, die unbedingt perfekt sein möchte, weil sie glaubt sonst in der Gesellschaft keinen Platz zu finden. Ich weiß wie viele Mädchen in den Strudel springen aber erst sehr spät bemerken, dass sie sich auch abgemagert nicht schön finden.
Gestern zeigte ich meinem Mann einige Fotos von damals und ganz spontan sagte er zu den „Magerfotos“:“Näää das sieht aber nicht schön aus.“ Also stimmt an dem Gerücht dass sie Männer solche Knochengestelle den weiblicheren Formen vorziehen nicht wirklich viel.
Im Moment habe ich auch ein wenig Pölsterchen an jeder Seite. Diese gefallen mir nicht, das gebe ich zu, aber ich sage mir dann immer:“Hey, wenn du ins Wasser fällst brauchst du weniger Energie zum Schwimmen.“

Durch eine gute Freundin erhielt ich kürzlich ein Buch:“Essen ist nicht das Problem—Geneen Roth“, dass ich an dieser Stelle sehr empfehlen möchte.


Essen ist nicht das Problem! Die Wahrnehmung ist es

Ich bin heute der Meinung, dass der Körper einem schon sehr genau sagt wann es zu viel ist und wann nicht. Ich habe gelernt, dass die Gesellschaft „magersüchtig“ und krank ist, denn „schön“ ist eine bis auf die Knochen abgemagerte Frau sicherlich nicht. Eine Frau ist in der Lage ein Kind auszutragen. Man stelle sich diese mageren Geschöpfe mal mit einer Babykugel vor. Für MICH wirkt solch ein Bild unnatürlich und sehr beunruhigend, denn ich würde mich stetig fragen wann die Streichholzbeine unter dem Gewicht zusammenbrechen.

Doch wenn wir mal zurückdenken werden wir schon in Kindertagen „gedrillt“ eine Form anzunehmen die im Grunde NICHT der Natur entspricht. Sicherlich erinnern sich viele Frauen an Barbie. Schauen wir uns diese Puppe doch einmal an. Wenn eine Frau so gebaut wäre, würde es mehr als unnatürlich aussehen. Doch trotzdem ist sie nicht mehr weg zu denken.
Wenn ich so durch die Stadt gehe, oder aber mit meiner Familie an einem Samstagmorgen einen Kaffee in der Stadt trinke beobachte ich die Menschen. Was mir auffällt ist, dass die „normal“ gebauten Frauen, die durchaus auch kurvenreich sein dürfen, viel mehr Power ausstrahlen. Wir sollten einmal damit beginnen unser Umfeld bewusster wahr zu nehmen. Wir sollten aufhören ein uns aufgepresstes Bild der „Weiblichkeit“ als „das Richtige“ zu sehen und erkennen, dass nur wir selbst wissen was richtig für uns ist. Dazu müssen wir uns allerdings die Mühe machen in uns rein zu horchen.

Wir haben die Wahl:
Entweder wir rennen jeder Trenddiät hinterher und versuchen uns zu drillen, uns zu bestrafen. Füttern damit die Kassen der Konzerne und verplempern wertvolle Lebenszeit mit „Drill“ und „Bestrafung“. Oder aber wir behalten unser Geld für uns und beginnen die Abenteuerreise „Eigenes Wohlfühlen“ entdecken.

Anders gefragt:
Wenn man sich entscheiden müsste zwischen einem Bootcamp und einem Campingplatz. Wozu würdest DU dich entschließen?

Ich esse abends auch Chips vor dem Fernseher. Es gab Zeiten da habe ich es mir verboten und diese leckeren, knackigen, kleinen Verführer schmerzlich vermisst. Dann habe ich angefangen langsam und bewusst zu essen. Mich zu fragen:“Wonach schmeckt das eigentlich?“ Siehe da? Aus einer Schüssel Chips wurde gerade mal eine handvoll. KEIN Verzicht aber die Erkenntnis, dass man auch OHNE Verzicht gutes für seinen Körper tun kann. Seit ich mir Mühe gebe „bewusst“ zu essen stelle ich fest, dass mein Körper sehr häufig nach Obst und Gemüse verlangt. Mache ich den Kühlschrank auf und frage mich selbst:“Hmmm worauf habe ich Appetit.“ Greife ich zu 98% der Fällen VORBEI an leckerem Pudding und schnappe mir eine Tomate. Ich habe es mir mittlerweile zu einer richtigen Exkursion gemacht die verschiedenen Nahrungsmittel kennen zu lernen. Habe meine Ernährung aus anderen gesundheitlichen Gründen auf „fast vegan“ umgestellt und gehe mit Spaß daran immer etwas neues auszuprobieren. Doch eines versuche ich nie zu vergessen. „Bewusstsein“. Das ist der Schlüssel gesund zu leben. Und wenn man sich nicht sicher ist wie „Frau sein sollte“, machen wir uns doch einmal die Mühe die Männerwelt selbst zu fragen. Wir werden überrascht sein…:)

Mein Mann sagte kürzlich zu mir einen Satz mit dem ich dann auch abschließen mag:

„Krankheiten gibt es viele, aber nur eine Gesundheit.“

Recht hat er.


Hrafna Kona


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