Das Problem mit der Figur   Teil I

Lange habe ich überlegt, ob ich diese ArtikelSpende nicht in die WeiberCraft einreihen sollte ... Entschieden habe ich mich dann doch fürs LagerFeuer, weil ich der Ansicht bin, dass sich viele Menschen (egal welchen Geschlechts oder Genders) mit diesen Problemen herumschlagen und Hrafnas Gedanken damit für jeden Gedankenfutter bieten können.

Jede Frau, die sich einmal in eine deutlich engere Hose gepresst hat, als sie sein sollte kennt das „beklemmende“ Gefühl was dieses Thema auslöst. Auch ich habe dieses Gefühl schon sehr früh kennen gelernt und dort möchte ich einfach mal beginnen. Im Grunde hatte ich, wenn ich heute die Fotos betrachte, eine normale Figur. Weder zu dick, noch zu dünn.


Du wirst zu dick!!

Das erste Mal wurde ich mit „Der Figur“ mit knappen 14 Jahren konfrontiert. Bis Dato war ich mit mir zufrieden, doch einige aus meiner Familie begannen an mir herum zu mäkeln. „Du wirst zu dick“ „du musst auf deine Figur achten…“. Dies waren Sätze, die ich nun häufiger zu hören bekam. Sichtbar zugenommen hatte ich meines Erachtens und dem Erachten meiner Waage nicht!
Lag es an den zunehmenden Rundungen, die „Frau“ nun einmal bekommt? Ich weiß es nicht.

Was passierte? Ich betrachtete mich immer kritischer im Spiegel und begann wirklich nach „Fehlern“ zu suchen. Plötzlich gab es Hüftspeck, der zuvor nicht gestört hatte. Plötzlich gefiel mir mein Bauch nicht mehr. Das einzige was aber wirklich zunahm war meine eigene Kritik mir selbst gegenüber, nicht mein Gewicht.
Ich war verunsichert, blickte immer häufiger in den Spiegel. Als Mädel von 14 Jahren war ich noch nicht mit einem gesunden Selbstbewusstsein gesegnet. Infolgedessen beschäftigte ich mich im Alter von 14 das erste Mal mit dem Wort „Diät“.

Wie ich heute finde, definitiv zu früh, denn gerade im Wachstum, bzw. der Entwicklung vom Mädchen zur Frau ist es katastrophal sein Selbstbild zu verlieren. Im Austausch mit anderen Mädchen kommt man auch auch schnell an die verschiedensten Varianten die mal „ausprobiert“ werden wollen. Sei es nun „Low fat; FDH; Nur-Käse;500 Kalorien;Regenbogendiät“ oder oder oder… Begeistert wird alles aufgesaugt und ausgetestet OHNE sich über die Folgen zu informieren. Die will man ja auch nicht hören.


Der andere Pol

Ich wuchs bei meinen Großeltern väterlicherseits auf und da diese den 2. Weltkrieg erlebt hatten, hatten sie für Diäten wenig Verständnis. „Es wird gegessen was auf dem Tisch kommt“ hieß es oft. „Mach deinen Teller leer“. Kennen wir alle, gesund ist auch DAS nicht immer. Man wird als „diätwilliger“ Teeny sehr einfallsreich was das Essen angeht. Da ich nun offen keine Diät machen konnte, musste eine heimliche Lösung her. Dem anfänglichen Elan folgte oft Frustration, da das gewünschte Ziel „10 Kilo in einer Woche“ nicht erreicht wurde. Unzufriedenheit und Selbsthass waren nun meine Begleiter. Mittlerweile kreisten die Gedanken nur ums Essen. Bei jedem Bissen entwickelte ich Hass mir gegenüber. Die beiden kleinen Sätze „Du wirst zu dick“ „du musst auf deine Figur achten“ hatten sich zu riesigen Wolken entwickelt die kontinuierlich meinen Horizont bedeckten. Ich weiß noch genau als wäre es gestern gewesen als ich beim Mittagstisch einen verheerenden Plan schmiedete. „Wenn du dein Essen ausbrichst, kann es ja nicht fett machen.“ Mein erstes „Ritual“ ward geboren. Nach JEDEM Essen zwang ich mich meine Nahrung wieder zu erbrechen. Anfangs war es noch recht schwer, denn der Körper wehrte sich gegen diesen unnatürlichen Vorgang. Hätte ich mal darauf gehört ...

Irgendwann entwickelte man Tricks um „leichter“ zu erbrechen. Zu Beginn stellten sich die ersten Erfolge ein. Das Gewicht nahm ab. Meine Außenwelt bekam nicht mit WIE ich abnahm, sie sahen nur, dass ich abnahm und feuerten mich an. Jedes „Hast du abgenommen?“ war ein Motivationsschub NOCH mehr abzunehmen. Das tägliche „Wiegen“ wurde zu einem festen Bestandteil meines Lebens. Irgendwann blieb die Waage stehen und die Frustration wurde wieder groß. Viele Möglichkeiten gab es aber nicht mehr, denn ich erbrach ohnehin schon nach jeder Kleinigkeit die ich zu mir nahm. Meist sogar schon von allein denn mein Magen hatte sich an die „Fress-,-Brechattacken“ gewöhnt.


Garnichts ist noch besser?!

Das Problem mit der FigurIch saß am Mittagstisch und bekam keinen Bissen hinunter. Es reifte ein neuer Plan:“Wenn ich NICHTS esse, müsste ich weiter abnehmen.“

Ich schränkte meinen Konsum ein bis auf eine halbe Schnitte Brot mit Margarine. Um nicht aufzufallen lies ich mir immer neue Ausreden einfallen. „Ich hab schon bei Mama gegessen.“ oder aber „ Wir hatten in der Schule heute kochen.“ oder eben der Trick kleine Minibissen vom Mittagstisch zu sich zu nehmen und dieses in die Länge zu ziehen bis alle fertig waren um dann den Tellerinhalt heimlich im Mülleimer zu entsorgen. Der Kreativität waren dort keine Grenzen gesetzt. Schon nach kürzester Zeit sank die Nadel auf der Waage weiter in Richtung:“Wohlfühlgewicht“.

Doch was war das Wohlfühlgewicht? Gab es überhaupt noch eins? Wenn ich mich so zurück erinnere war ich NIE zufrieden. Im Gegenteil es passierte kurioses in meinem Kopf. Je MEHR ich abnahm und je MEHR die Menschen in meinem Umfeld dieses anfeuerten, umso dicker fühlte ich mich. Es war schon lange ein Kreislauf entstanden den ich nicht wirklich stoppen konnte. Gefühlsmäßig war es wie ein Strudel indem man ständig versucht aufwärts zu schwimmen aber immer wieder hinab gezogen wird. Ein ganz schön anstrengendes Unterfangen.

Aß ich etwas, weil ich auf einer Feier war, hatte ich ein schlechtes Gewissen das sich als starke Übelkeit äußerte. Ich stellte überwiegend das Essen unter „Beobachtung“ ein, denn genau so fühlte es sich an in Gegenwart von Menschen zu essen. Je schwächer das eigene Selbstbild wurde umso stärker wurde das Gefühl stolz über diese konsequente Haltung gegenüber mir selbst zu sein. Andere Menschen wurden zu ewig verschlingenden Schweinen, die sich selbst nicht unter Kontrolle hatten und über das Essen herfielen. Ich denke man entwickelt dieses Bild, damit man sich und sein Vorhaben „dünn“ zu sein nicht unterbricht weil man insgeheim an diesen „Schlemmereien“ teilnehmen möchte.


Ende Teil I


Hrafna Kona


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