Ich erzähl´ dir was von mir und aus meinem Leben   Teil I

Heute wollen wir, Uhanek und Anufa, ein bisschen über unsere Weltsicht und wie wir damit im täglichen Leben umgehen und zurecht kommen, plaudern und Euch alle daran teilhaben lassen.

Wie das funktioniert hat? Ganz einfach: ich, Anufa, habe ein Wordfile begonnen mit ein paar meiner Sichtweisen und dazu an Uhanek Fragen gestellt. Dann habe ich das File an ihn geschickt. Er hat dann meine Fragen aufgegriffen, weitergeschrieben und mit Fragen seinerseits an mich zurückgeschickt. So haben wir uns dann ein wenig ausgetauscht …


Natürlich Natur im Glaubensgebäude?

Anufa: In den letzten Jahren mache ich mir immer mal wieder ein paar Gedanken zum Thema „Natur“. Dazu muss ich vorausschicken, dass ich „Hexe und Priesterin“ bin (im Original „priestess and witch“) in einem Bereich, der vielen als „Wicca“ bekannt sein dürfte. Für mich ist die Craft (die Abkürzung von „witchcraft“), wie ich diese Sichtweise am liebsten nenne, eine Naturreligion und hat, deshalb mag ich den Namen, sehr viel mit Handwerk zu tun. Natürlich gibt es da auch einen breiten Bereich der als Mysterienkult definiert werden könnte, aber der Aspekt des „Tuns“ zieht sich für mich durch alle Bereiche.
Wie ist das denn bei Dir?

Uhanek: Deine Bezunahme auf ein Handwerk gefällt mir gut. Das verstehe ich so, dass Deine religiöse Praxis vor allem lebenspraktisch ausgerichtet ist ...
Wenn es um Etikettierung geht, dann muss ich mich als Buddhist bezeichnen. Genau genommen als Vajrayana-Buddhist der Nyingma-Traditionen des tibetischen Buddhismus. Und um das Labeling noch ein wenig auf die Spitze zu treiben, kann ich mich auch noch der nichtsektiererischen Rime-Bewegung zuordnen, die die verschiedenen Schulen des Buddhismus gleichermaßen achtet und wertschätzt, oder könnte auch noch die speziellen Übertragungslinien ausdifferenzieren, in denen ich stehe. Bei so einer alten Lehrüberlieferung gibt es ja viele Möglichkeiten, sich mit Worten und Symbolen zu behängen. Das kann manchmal ganz nützlich sein, wenn es darum geht, in irgendeiner Weise in der Kommunikation mit anderen Menschen Position zu beziehen. Es kann allerdings auch vielerlei Arten des Missbrauchs und der Oberflächlichkeit mit sich bringen. Es wird dann leicht mal zu einem Mittel des Stolzes, der Überheblichkeit und der sektiererischen Abgrenzung. Mir persönlich bedeuten die Begriffe in letzter Konsequenz nichts. Das sind nur Worte. Mir geht es um den Inhalt.

Vom Begriff der Religion distanziere ich mich hierbei ganz entschieden. Es geht hier nicht um irgendeine Form der gläubigen Kultpraxis oder der gläubigen Bezugnahme auf ein göttliches Wesen oder mehrere davon, sondern um die systematische Untersuchung und erfahrungsbezogene Erforschung des Bewusstseins und der Wirklichkeit, dies aber nicht auf einer rein intellektuell-sprachlichen Ebene. Im Vajrayana wollen wir nicht lediglich eine Ansammlung von Theorien und Wortkonstruktionen durch eine andere ersetzen, daher umfasst das Repertoire der Methoden, die der großen Dekonstruktion dienen, neben der Anwendung sprachlich-logischer Zeichen etwa der Philosophie auch die Anwendung von Symbolen, Farben, Formen und mythischen Gestalten. Von einer Außenperspektive aus betrachtet führt das dann leicht zu der Fehlinterpretation, dass es um eine Religion handele, die aber die Funktion dieser symbolischen Zeichen außer acht lässt. Ich glaube, wer das westliche Religionskonzept auf den Buddhismus projiziert, der verstellt sich damit einen Zugang zu den tatsächlichen Inhalten. Letztlich hat Buddhismus mehr mit den Geisteswissenschaften gemein.

Anufa: Ich mache beispielsweise Rituale, weil es in meinen Augen etwas zu erledigen gibt. Für mich persönlich geht es dabei darum – Dinge oder mich selber in der aktuellen Zeit zu verorten, Entwicklungen die ich gemacht habe/gerade mache für mich greifbar zu machen, bewusst und fokussiert mit meinen Göttern Kontakt aufzunehmen, mich in das einzubinden, was ich als „Natur“ ansehe, was uns wieder zum Thema bringt und noch vieles andere. Dabei muss ich aber gestehen, dass soziale Rituale (ohne konkreten Arbeitshintergrund) für mich relativ uninteressant sind, weil ich der Ansicht bin, dass es andere Möglichkeiten gibt zu sozialisieren, und es allein dazu kein Ritual braucht … Wenn ich mich einfach zum gemeinsamen Trommeln am Lagerfeuer treffen will, dann ist das doch auf völligst in Ordnung. Es muss ja nicht alles gleich ein Ritual, im spirituellen Sinne sein.

Uhanek: Im Buddhismus gibt es auch einen ganz pragmatischen Ansatz. Rituale sind Meditation in Bewegung, die verschiedene Ziele verfolgt. Vorrangig geht es darum, den Geist und seine Funktionen auszuloten, in die eigentliche Natur der Erscheinungen vorzudringen und letzten Endes den Zustand der Erleuchtung zu verwirklichen. Oder anders ausgedrückt: Was die buddhistische Philosophie mit sprachlichen und logischen Mitteln formuliert, wird durch die Rituale erfahren und verwirklicht. Das ist der absolute Nutzen. Darüber hinaus gibt es aber auch viele relative Funktionen, die unser Erleben einer ganz alltäglichen Wirklichkeit betreffen, wie etwa Gesundheit, Wohlstand, Glück etc.

Anufa: Bewegen wir uns also in Richtung „Eingemachtes“, wie wir in Österreich dazu sagen. Was ist denn für mich diese „Natur“?

Uhanek: Also für mich bezeichnet der Begriff „Natur“ der buddhistischen Terminologie folgend intrinsische Eigenschaften, also Eigenschaften und Funktionsweisen, die den Phänomenen innewohnen. So ist es etwa die Natur des Windes, dass er sich bewegt. Oder es liegt in der Natur der Gottesanbeterin, dass sie in der Paarung das Männchen tötet. Oder unsere Natur als Menschen ist durch die Art vorgegeben, wie unsere Sinne, unser Gehirn und unser Nervensystem funktioniert. Meine individuelle Natur wiederum ist durch die verschiedenen Anlagen und Neigungen bestimmt, die ich mit in dieses Leben gebracht habe und die meinem Charakter zugrunde liegen. Auf diese Weise haben alle Phänomene der Erscheinungswelt eine ihnen eigene Natur. Auch Autos, Flugzeuge und Fabriken. Unsere menschlichen Vorstellungen von uns selbst und den Dingen steht oft im Widerspruch zu ihrer Natur.


Ende Teil I


Uhanek & Anufa


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