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Wir sind immer noch am heidnischen Kinderspielplatz, also lasst uns spielen!

Damh, the Bard ist wohl vielen von uns mitterweile ein Begriff! Er macht aber nicht nur hervorragende und mitreißende heidnische Musik, sondern ist auch ein langjähriger Protagonist in der Druidenszene. So hat er sich ein paar Gedanken zum modernen Heidentum gemacht und das auch in treffende Worte gekleidet ...
Herzlichen Dank für diese ArtikelSpende und dass Anufa sie fürs WurzelWerk übersetzen durfte!
Damh
Damh

In den 70ern, 80ern und frühen 90ern glaubten viele Leute daran, dass Wicca, Druidentum und Asatru alte Glaubenssysteme wären, unbeschadet wiederentdeckt und dass wir modernen Heiden die Erben ihrer Praktiken seien. Dann begann sich dieser Nebel des Glaubens aufzulösen, weil Wissenschaftler wie Ronald Hutton anfingen, tiefer in den Ursprung dieser, in den vorangegangenen Jahren aufgebauten, Mythen zu graben. Langsam wurde deutlich, dass vieles, was als alte Praxis angesehen wurde tatsächlich von Gerald Gardner, Doreen Valiente, Aleister Crowley, dem Golden Dawn, Iolo Moganwg und Ross Nichols, um nur ein paar zu nennen, geschaffen worden waren. So fing unsere neue Reise an.

Einige wandten sich an die Archäologie um Bestätigung und erschufen aus alten historischen Texten eine authentischere „alte“ Version ihres Weges. Andere tauchten tiefer in die zugänglichen alten Geschichten, in Dichtung und Mythen ein. Wieder andere fanden es beruhigend, dass die nachweislichen Wurzeln ihrer Tradition (Druidentum) zumindest 300 Jahre alt waren, ein gutes Stück älter als Wicca, das seine Wurzeln offensichtlich nur in den 1950ern hatte. Einige Leute zerstritten sich tatsächlich ob dieser Details. Der Rekonstruktionalismus wurde für einige wertvoller, weil es dort belegbare Beweise für alte Praktiken gibt. Einige ließen ihre früheren Praktiken einfach bleiben, weil sie herausgefunden hatten, dass diese keine alten Wurzeln hatten und dazu verdammt waren, irgendwie nahezu Fälschungen zu sein. Andere blieben bei diesen Praktiken, weil sie funktionierten  und ihre altehrwürdige Herkunft nicht von besonderer Wichtigkeit war.

Dann kamen die Flame-Wars, die „es gibt keine Druiden mehr“ Ausbrüche. Noch immer sehe ich  einige Leute, die es nur schaffen ihren eigenen Weg zu rechtfertigen, indem sie anderen die Berechtigung absprechen. Ich glaube, dass das der Grund dafür war, vor einem Monat diesen Blog-Post zu schreiben. Ich hörte eine Diskussion mit an, in der die Reinheit der Rasse wichtiger wurde als die einfache spirituelle Botschaft, die einer der Beteiligten anbieten wollte. Dieser Faden ist in meiner Hand geblieben. Immer und immer wieder habe ich ihn wiedergekäut. Gerade letztens  las ich, dass sich jemand über die mangelnden Errungenschaften des modernen Heidentums beschwerte – und das hat mich erst so richtig zum Nachdenken gebracht.


Meine Schlussfolgerung

Das moderne Heidentum ist gerade mal rund 60 Jahre alt. Ich weiß, dass wir sagen können, dass das moderne Druidentum seine Wurzeln bis in die 1700 zurückverfolgen kann, aber in Wahrheit ist das was wir modernen Druiden tun, jetzt auch erst wirklich seit den 70ern oder frühestens 60ern hier. Vorher war es ein eher freimaurerähnlicher Verein mit keiner wirklich heidnischen Richtung. Ich schätze, wir könnten unsere Wurzeln noch ein bisschen weiter zurückschieben, zum Golden Dawn, aber realistisch betrachtet, war es das ohne dürftige Verbindungen oder Wunschdenken dann auch schon. Also …


Das Heidentum ist sehr jung

So ist es! Für einige ist das ein Problem, wenn es um die Rechtfertigung geht. Aber es ist wahr. Kein noch so großer Aufwand an Rekonstruktion macht das, was wir heute tun, älter als jeden anderen heidnischen Weg. Wir haben den Faden verloren, aber das ist auch in Ordnung, weil das was wir jetzt machen, unterschiedlich ist. Es gehört uns, für unsere Zeit und unsere Gegend. Was es rechtfertigt, das sind wir und unsere Verbindungen dazu, nicht sein Alter.

Deshalb ist unsere weltweite Heidengemeinschaft ziemlich genau ein Kind, das seine Füße kennen lernt, lernt, wie man damit geht, lernt, wie man spricht und kommuniziert. Da müssen wir durch. Dann müssen wir durch die Pubertät und erst dann werden wir erwachsen. Wie lang glauben wir denn, hat der Katholizismus gebraucht um erwachsen zu werden? Wurde er als fertige Religion geboren? Als der Katholizismus 60 Jahre alt war, wie sah er da aus? Wie schaute der Buddhismus aus, 60 Jahre nach Buddha? Oder Hinduismus? Wie hat das Christentum 60 nach Christus ausgesehen? Was ich  zutiefst aufregend finde ist, dass wir dabei sein, ganz am Anfang! Wir sind die Alten, für kommende Generationen. Was wir machen und wie wir mit anderen jetzt umgehen, wir die Art und Weise beeinflussen in der andere in hunderten Jahren praktizieren. Das ist eine heftige Verantwortung, eine, die ich sehr ernst nehme. Aber es sollte keine Überraschung sein, dass sich das moderne Heidentum manchmal wie ein Kind benimmt, weil es noch ein Kind ist.

Ich habe wegen der Geschehnisse in der Gemeinschaft einige Leute das Heidentum verlassen sehen. Sie haben die Erdverbundenheit nicht gefunden, die sie gebraucht hätten oder sie fanden die Richtung nicht, die sie gebraucht hätten. Die Taten/Worte von einigen innerhalb der Gemeinschaft beschmutzte für sie die Jugendlichkeit des Wegs und sie verloren ihre Beziehung dazu. Das Heidentum ist nicht für jeden. Das ist auch in Ordnung. Das alles ist Teil davon, Gehen zu lernen und wie mir gemeinsam sein und persönliche Glaubensvorstellungen haben aber trotzdem eine Gemeinschaft bleiben können. Wenn ich mir das so anschaue, dann sehe ich, dass wir alle tatsächlich die Eltern dieses Kindes „Heidentum“ sind.

Eines ist sicher. Das Heidentum wird in dieser Lebensspanne nicht erwachsen werden. Wir legen die Fundamente für andere, die diese Flamme in die Zukunft tragen werden. Lasst uns nährende Eltern sein, keine zornigen und kritischen. Ich persönlich will dieses Kind nähren. Ich möchte es gerne beim Spielen beobachten, beim Wachsen, da sein und derjenige sein, zu dem das Kind in hunderten Jahren zurückschauen kann und glücklich sagt, „Das war einer meiner Väter“.


Damh, the Bard


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